Dresdner Neueste Nachrichten

Ho­si­ner schießt mit Glück Dy­na­mo zum Sieg

Trotz lan­ger Über­zahl ta­ten sich die Dresd­ner beim VFB Lü­beck schwer, schaff­ten aber ein 1:0.

- Von Ca­ro­li­ne Gross­mann und Ste­fan Schramm Sports · Soccer · Dresden · Lubeck · Cottbus · Sidney L. Stürmer · Magdeburg · 3. Liga · TSV 1860 München · Munich · Siegen · Ryan Malone · Malone, NY

Dres­den. Noch nicht lan­ge her sind die Zei­ten, als sich die Dy­na­mo­fans auch mal ei­nen „dre­cki­gen Sieg“wünsch­ten, der drei nicht ver­dien­te Punk­te mit sich bringt. Spä­tes­tens jetzt kön­nen die Schwarz-gel­ben so ei­nen für sich ver­bu­chen. „Wir sind froh über die­sen Ar­beits­sieg. Gro­ßen Re­spekt vor der kämp­fe­ri­schen Leis­tung von Lü­beck, da­vor zie­he ich den Hut. Sie ha­ben uns mehr als al­les ab­ver­langt und am En­de ha­ben wir das Quänt­chen Glück auf un­se­rer Sei­te ge­habt“, muss­te Dy­na­mo Dres­dens Chef­trai­ner Mar­kus Kauc­zin­ski nach dem 1:0-Aus­wärts­sieg beim VFB Lü­beck ein­ge­ste­hen.

Da­bei war die spiel­ent­schei­den­de Sze­ne nicht et­wa Phil­ipp Ho­si­ners Tref­fer zum 1:0 (67.), son­dern ge­nau ei­ne ge­spiel­te St­un­de da­vor. Die ent­schlos­sen agie­ren­de Heim­elf von Trai­ner Rolf Lan­derl war im Vor­wärts­gang, als Ryan Ma­lo­ne mit viel zu ho­hem Bein durch­zog. „Er trifft mich am Kopf, und das ziem­lich doll. Da­nach ge­he ich zu Bo­den“, er­in­ner­te sich Paul Will an die Si­tua­ti­on, nach der Schieds­rich­ter Max Bur­da dem Lü­be­cker die Ro­te Kar­te zeig­te (7.). Das war ei­ne har­te, aber ver­tret­ba­re Ent­schei­dung. Die 1860 Zu­schau­er im Dietrich-schol­ze-sta­di­on an der Loh­müh­le wa­ren da­nach al­ler­dings ab­so­lut au­ßer sich.

Und der VFB muss­te seit­her in Un­ter­zahl agie­ren. Doch wer dach­te, dass dies den in wein­rot-wei­ßer Aus­wärts­kluft auf­ge­lau­fe­nen Gäs­ten in die Kar­ten spielt, irr­te. Denn Lü­beck setz­te vorn zwar wei­ter Na­del­sti­che, zog sich not­ge­drun­ge­ner­ma­ßen aber et­was wei­ter zu­rück. Da­durch wur­den die Räu­me noch en­ger. Hin­zu kam, dass „auf ei­nem un­fass­bar be­schis­se­nen Fuß­ball­platz“(O-ton Chris Lö­we) ge­spielt wur­de, der vom Re­gen auf­ge­weicht war. Ei­ne hal­be St­un­de brauch­te die SGD bis zur ers­ten ech­ten Tor­chan­ce und hat­te we­nig spä­ter enorm Du­sel, als Pas­cal St­ein­wen­der mit sei­nem Schuss die Lat­te traf (38.).

„Man muss bes­se­re Lö­sun­gen fin­den und ein biss­chen mehr Über­zeu­gung auch vorm Tor rein­brin­gen. Al­les in Tor­nä­he war nicht das, was wir uns vor­ge­stellt ha­ben“, fand Mar­kus Kauc­zin­ski kri­ti­sche Wor­te für das Auf­tre­ten sei­ner Elf. Doch Links­ver­tei­di­ger Chris Lö­we hat­te durch­aus auch ei­nen po­si­ti­ven Aspekt aus­ge­macht: „Du musst nicht in der ers­ten Halb­zeit 4:0 füh­ren. Wir müs­sen hier mit­neh­men, dass wir im­mer wie­der ge­dul­dig blei­ben. Und wenn es nicht geht, spie­len wir eben noch mal hin­ten rum und gu­cken dann, ob mal ei­ne Lü­cke auf­geht. Heu­te gab es die ei­ne Lü­cke.“

Sie tat sich al­ler­dings erst Mit­te der zwei­ten Halb­zeit auf. Kurz zu­vor kam der ein­ge­wech­sel­te Rück­keh­rer Mar­vin Ste­fa­ni­ak zum Sai­son­de­büt. „Wä­re ich bei ei­nem 3:0 rein­ge­kom­men, wä­re es ein­fa­cher für mich ge­we­sen, aber so konn­te ich gleich mal an mei­ne Gren­ze ge­hen“, er­klär­te Ste­fa­ni­ak im An­schluss. Bei dem Dop­pel­wech­sel in Mi­nu­te 63 war mit Chris­toph Da­fer­ner zu­dem ein zwei­ter Stür­mer ins Spiel ge­kom­men. Und so­fort wur­de es vorn ge­fähr­li­cher. Da­fer­ner war es dann auch, der vier Mi­nu­ten nach sei­ner Ein­wechs­lung die Vor­la­ge zu Ho­si­ners Tor des Ta­ges gab. Der erste Sai­son­tref­fer des Ös­ter­rei­chers war nach zwei 0:1-Plei­ten an der Loh­müh­le, die über zehn Jah­re zu­rück­lie­gen, zugleich das erste Tor, das Dy­na­mo bei den Lü­be­ckern ge­lang.

Wie das Tor fiel, war sinn­bild­lich für das Dresd­ner Spiel: mit ei­ner Por­ti­on Glück. Vfb-tor­wart Lu­kas Ra­eder war dran am Ball, der über ihn hin­weg in die Ma­schen tru­del­te. Ho­si­ner war’s egal: „Das war ein Tor, das du dir als Stür­mer auch ein­fach mal er­ar­bei­ten musst, das ich mir auch auf­grund der letz­ten Wo­chen ver­dient ha­be“, so der Tor­jä­ger, der vor ei­ner Wo­che ge­gen Mag­de­burg noch er­folg­los ge­blie­ben war.

Da­nach in Über­zahl die Zeit lo­cker run­ter­zu­spie­len, soll­te für die SGD ein Wunsch­traum blei­ben. Lü­becks Yan­nick Deich­mann ver­gab in der 84. Mi­nu­te die Rie­sen­chan­ce zum Aus­gleich, als er frei­ste­hend aus kur­zer Dis­tanz den Ball am Tor vor­bei­schoss. So muss­te Dy­na­mo bis zur letz­ten Se­kun­de zit­tern – an­ge­sichts der lan­gen Über­zahl, die der Fa­vo­rit beim Auf­stei­ger ge­noss, war das kei­ne Glanz­leis­tung.

Den­noch steht bei den mi­ni­ma­lis­ti­schen Dresd­nern am En­de be­reits der drit­te 1:0-Sieg in die­ser Sai­son zu Bu­che. Aus nur vier Sai­son­to­ren mach­ten sie zehn Punk­te und scho­ben sich vor auf Ta­bel­len­platz vier in der 3. Li­ga. Sie lie­gen nur ei­nen Zäh­ler hin­ter Spit­zen­rei­ter TSV 1860 Mün­chen in Lau­er­stel­lung – und auf Kurs. Nur auf die Punk­te kommt es nun­mal an, egal wie das Spiel aus­sieht. Paul Will drück­te es so aus: „Lie­ber stei­ge ich am En­de mit zehn dre­cki­gen Sie­gen auf, als wenn ich fünf nur schön ge­won­nen ha­be.“

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FO­TO: SVEN SONN­TAG, PIC­TU­RE PO­INT
 ?? FO­TO: PIC­TU­RE PO­INT ?? Dy­na­mos Tor­schüt­ze Phil­ipp Ho­si­ner lässt sich nach sei­nem ent­schei­den­den 1:0 ge­gen die Lü­be­cker von Rans­ford Kö­nigs­dörf­fer und Vor­la­gen­ge­ber Chris­toph Da­fer­ner fei­ern. Der eben­falls erst kurz zu­vor ein­ge­wech­sel­te Mar­vin Ste­fa­ni­ak ju­belt auch mit (v. r. n. l.).
FO­TO: PIC­TU­RE PO­INT Dy­na­mos Tor­schüt­ze Phil­ipp Ho­si­ner lässt sich nach sei­nem ent­schei­den­den 1:0 ge­gen die Lü­be­cker von Rans­ford Kö­nigs­dörf­fer und Vor­la­gen­ge­ber Chris­toph Da­fer­ner fei­ern. Der eben­falls erst kurz zu­vor ein­ge­wech­sel­te Mar­vin Ste­fa­ni­ak ju­belt auch mit (v. r. n. l.).
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FO­TO: IMA­GO IMAGES Platz­ver­weis nach ho­hem Bein: Lü­becks Ryan Ma­lo­ne (M.) traf Paul Will (l.) am Kopf (7.).

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