Wie funk­tio­niert’s und wer sam­melt Da­ten?

Wie funk­tio­niert’s und wer sam­melt Da­ten?

E-Commerce Magazin - - Editorial - │von Dr. Mar­cel Ha­ge­mann und Dr. Den­nis Hein­son

Bar­geld ist in Deutsch­land nach wie vor po­pu­lär. Den­noch sind Goog­le Pay und App­le Pay jüngst im deut­schen Markt an den Start ge­gan­gen. Sie ver­spre­chen kom­for­ta­bles und si­che­res Be­zah­len di­rekt mit dem Smart­pho­ne.

Was ist das Be­son­de­re an App­le Pay und Goog­le Pay?

Grob ver­ein­facht funk­tio­nie­ren Goog­le Pay und App­le Pay wie die kon­takt­lo­se Be­zahl­funk­ti­on, die mitt­ler­wei­le auch in vie­len Kre­dit- und Gi­ro­kar­ten steckt. An­stel­le der phy­si­schen Kar­te wird mit dem An­dro­id- oder App­le-Smart­pho­ne be­zahlt. Dies funk­tio­niert kon­takt­los durch Vor­hal­ten des Ge­räts di­rekt an der Kas­se und auch „vir­tu­ell“in On­line-Shops oder Apps. Äu­ßer­lich be­trach­tet, funk­tio­nie­ren App­le Pay und Goog­le Pay in­so­weit prak­tisch gleich. Bei der An­mel­dung am je­wei­li­gen Di­enst hin­ter­legt der Nut­zer in der App ei­ne Zah­lungs­kar­te. Man spricht von Kar­ten­vir­tua­li­sie­rung („host card emu­la­ti­on“, HCE). Die ei­gent­li­che Zah­lung wird dann wie ei­ne „nor­ma­le“Kar­ten­zah­lung ab­ge­wi­ckelt. Zah­lun­gen mit App­le Pay und Goog­le Pay er­schei­nen bei­spiels­wei­se auch auf der Kre­dit­kar­ten­ab­rech­nung.

Der Kom­fort ist hoch: Wird ein be­stimm­ter Be­trag an der Kas­se nicht über­schrit­ten – in et­wa 30 Eu­ro – braucht das Ge­rät in der Re­gel nicht ein­mal frei­ge­schal­tet zu wer­den. Über­steigt die Zah­lung die­sen Be­trag, muss sich der Nut­zer am Han­dy au­then­ti­fi­zie­ren. Dies funk­tio­niert zum Bei­spiel mit der Han­dy-PIN, aber auch mit­tels Ge­sichts­er­ken­nung.

Wie lau­fen An­mel­dung und Zah­lung ab?

Recht­lich in­ter­es­sant sind die Leis­tungs­be­zie­hun­gen. Kern des Di­ens­tes bei App­le Pay und Goog­le Pay ist des­halb, die Zah­lungs­funk­ti­on über das je­wei­li­ge Öko­sys­tem be­reit­zu­stel­len, im We­sent­li­chen über An­dro­id und iOS. We­der Goog­le noch App­le sind hier­bei an der ei­gent­li­chen Zah­lungs­ab­wick­lung be­tei­ligt. Das heißt, App­le und Goog­le Pay ge­ben das Geld nicht wei­ter, son­dern stel­len dem Händ­ler le­dig­lich die Zah­lungs­in­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung. Dies ge­schieht – grob ver­ein­facht – in Gestalt ei­nes To­kens. Die­ser To­ken wird bei der An­mel­dung ge­ne­riert. Hier­für ist der so­ge­nann­te To­ken Ser­vice

Pro­vi­der zu­stän­dig, in der Re­gel ein Kre­dit­kar­ten­netz­werk wie bei­spiels­wei­se Vi­sa oder Mas­tercard.

Von hier an un­ter­schei­det sich die Trans­ak­ti­on nicht mehr von ei­ner an­de­ren Kar­ten­zah­lung, die mit­tels To­ke­niza­t­i­on statt­fin­det. Dies ist bei­spiels­wei­se bei Kre­dit­kar­ten der Fall, die kon­takt­lo­se Zah­lun­gen er­lau­ben. Der To­ken Ser­vice Pro­vi­der au­then­ti­fi­ziert den Zah­ler beim kar­ten­aus­ge­ben­den In­sti­tut (dem Is­su­er), das die Zah­lung an­schlie­ßend ge­gen­über dem Händ­ler be­zie­hungs­wei­se des­sen Bank (dem Ac­qui­rer) frei­gibt.

Wer zahlt für die neu­en Di­ens­te?

Ein­zel­hei­ten über die Preis­mo­del­le der bei­den Di­ens­te sind bis­lang nur stel­len­wei­se be­kannt. Laut der Home­pages von Goog­le und App­le zah­len die Händ­ler kei­ne Ge­büh­ren. Pres­se­be­rich­ten zu­fol­ge ver­langt App­le von den teil­neh­men­den Ban­ken ei­ne trans­ak­ti­ons­ab­hän­gi­ge Ge­bühr. Das be­deu­tet, dass ein pro­zen­tua­ler oder fi­xer Be­trag je­der Trans­ak­ti­on als Ge­bühr durch App­le an die Bank ge­stellt wird. App­le war es bei der Vor­stel­lung sei­nes Pro­dukts wich­tig zu be­to­nen, man ver­die­ne sein Geld nicht mit dem Sam­meln von Da­ten und wis­se auch nichts über die Trans­ak­tio­nen der Nut­zer. Goog­le wird zwar in der Pres­se ähn­lich zi­tiert: Man wer­te Trans­ak­ti­ons­da­ten nicht zu Wer­be­zwe­cken aus. In den Goog­le-PayNut­zungs­be­din­gun­gen heißt es je­doch, man er­he­be Trans­ak­ti­ons­da­ten, und zwar un­ter an­de­rem nach Maß­ga­be der Goo­gleDa­ten­schutz­er­klä­rung.

Da­rin ist zu le­sen, Goog­le er­he­be Da­ten auch zur „Be­reit­stel­lung per­so­na­li­sier­ter Di­ens­te, ein­schließ­lich In­hal­ten und Wer­be­an­zei­gen“. So­mit könn­ten es letzt­lich die Wer­be­kun­den sein, die für Wer­be­an­zei­gen zah­len, die an­hand der Trans­ak­ti­ons­da­ten wei­ter per­so­na­li­siert wor­den sind.

Bild­quel­le: Pri­ma­kov, An­na­vee / Shut­ter­stock.com, CMS Deutsch­land

DR. MAR­CEL HA­GE­MANN ... ist Rechts­an­walt und Part­ner bei der in­ter­na­tio­na­len Wirt­schafts­kanz­lei CMS in Deutsch­land. Er be­treut ver­schie­de­ne grö­ße­re Zah­lungs­dienst­leis­ter bei der Ein­füh­rung neu­er Pro­duk­te und beim Er­werb von an­de­ren Zah­lungs­dienst­leis­tern.

DR. DEN­NIS HEIN­SON ... ist Rechts­an­walt bei CMS. Er un­ter­stützt Ban­ken und Fin­techs bei der Ein­füh­rung von Apps und an­de­ren neu­en Pro­duk­ten. Er ver­fügt über Ex­per­ti­sen bei der Gestal­tung von IT-Ver­trä­gen so­wie beim Da­ten­schutz­recht und der DSGVO im Fi­nanz­we­sen.

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