Ei­ne für al­le

Eichsfelder Tageblatt - - EICHSFELD -

Als wir zu­letzt im Ras­tiLand wa­ren, be­nutz­te ich ein Fahr­ge­schäft, das nur bis 14 Jah­re zu­ge­las­sen war. Ich konn­te nicht wi­der­ste­hen – das Ka­rus­sell war ein­fach zu toll. Schon nach kur­zer Zeit for­der­te mich ein Ras­ti-land­Mann auf, das Ge­rät zu ver­las­sen. Mei­nen Ein­wand, dass ich doch auch nicht schwe­rer sei als ein adi­pö­ser 14-Jäh­ri­ger, quit­tier­te er mit ei­nem so selt­sa­men Ge­sichts­aus­druck, dass ich lie­ber frei­wil­lig ging.

Nicht frei­wil­lig ver­ließ ei­ne Mut­ter mit ih­rer zwei­ein­halb­jäh­ri­gen Toch­ter die Rut­sche für bis Sechs­jäh­ri­ge in der Eis­wie­se, ob­wohl sie selbst ganz zwei­fel­los äl­ter als sechs war, weil ihr Kind auf­grund ei­ner mo­to­ri­schen Ein­schrän­kung die Rut­sche nicht al­lein be­nut­zen konn­te. Die Si­tua­ti­on es­ka­lier­te der­ar­tig, dass Mut­ter und Kind mit­tels Po­li­zei­ein­sat­zes des Ba­des ver­wie­sen wur­den. Das klingt nach Spat­zen und Ka­no­nen, aber was soll der Schwimm­meis­ter denn ma­chen, wenn die Mut­ter sich erst wei­gert, die Rut­sche und dann, als das Kind – zum Glück nur sprich­wört­lich – ins Was­ser ge­fal­len war, das Bad zu ver­las­sen?

Ob der Mann da­bei tat­säch­lich so pam­pig war, wie die Mut­ter sagt, spielt bei der Durch­set­zung des Haus­rechts na­tür­lich kei­ne Rol­le; über feh­len­des Fin­ger­spit­zen­ge­fühl hät­te sie sich ja im Nach­gang be­schwe­ren kön­nen. So aber muss sie sich schon die Fra­ge ge­fal­len las­sen, ob die­ses tol­le Bad für ih­re Toch­ter nichts an­de­res zu bie­ten hat, als eben die­se ei­ne Rut­sche, die sie al­lein nicht be­nut­zen kann und es mit der Mut­ter eben nicht darf. In der­sel­ben Ta­ge­blat­tAus­ga­be stand üb­ri­gens, dass die Feu­er­wehr in Leer ei­nen Wa­ckel­ha­sen ab­bau­en muss­te, in des­sen Spi­ral­fe­der sich ei­ne 14-Jäh­ri­ge ein­ge­keilt hat­te.

Im Nach­hin­ein ent­puppt sich die gan­ze An­ge­le­gen­heit aber als Tsu­na­mi im Pl­ansch­be­cken, denn nach Rück­fra­ge beim Rut­schen­bau­er er­klär­te Goesf-ge­schäfts­füh­rer Alex­an­der Frey, dass ab so­fort El­tern bei Be­darf mit­rut­schen dür­fen. Al­ler­dings könn­te es sein, dass Frey da­mit erst die Büch­se der Pan­do­ra ge­öff­net hat. Denn wenn da nun auch Er­wach­se­ne rut­schen dür­fen, müs­sen die Kin­der dann über­haupt noch höchs­tens sechs Jah­re alt sein? Oder dür­fen dann auch Er­wach­se­ne mit ih­ren El­tern rut­schen? Ist das ab jetzt gar ei­ne Mehr­ge­ne­ra­tio­nen-rut­sche im Klein­kin­der-be­cken? Ich bit­te Herrn Frey um zü­gi­ge Auf­klä­rung, denn auch ich bin gern mit mei­nen Kin­dern (bei­de über sechs) in der Eis­wie­se und ich möch­te nicht mit ei­nem die­ser be­nei­dens­wert mus­ku­lö­sen Schwimm­meis­ter an­ein­an­der ge­ra­ten.

In­fo Den Au­tor er­rei­chen Sie per E-mail an re­dak­ti­on@ goet­tin­ger-ta­ge­blatt.de.

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