Die­se Mo­men­te

Eichsfelder Tageblatt - - EICHSFELD - Von Mar­kus Scharf

So­eben hat der Bun­des­tag be­schlos­sen, El­tern ent­las­ten zu wol­len. Es soll mehr Geld für Kin­der ge­ben. Wenn Sie al­so ver­kau­fen wol­len. Schlech­ter Scherz zum Ein­stieg. Nach Ab­schluss ei­ner wei­te­ren päd­ago­gisch an­spruchs­vol­len Wo­che muss ich aber ge­ste­hen, es gibt Mo­men­te, da fin­de ich das nicht ganz so ab­we­gig. Und be­vor nun völ­lig zu Recht die nächs­te Wel­le des Un­ver­ständ­nis­ses über mei­nem Kopf zu­sam­men­bricht, hier mal wie­der ein klei­ner Ein­blick.

Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen fünf Ta­gen vier Ar­bei­ten ge­schrie­ben, da­zu ei­ne Buch­vor­stel­lung. Das ist zu viel – für ei­ne Fa­mi­lie. Da hel­fen auch die­se mo­ti­vie­ren­den Droh- und Abrech­nungs­mails aus dem Lehrer­zim­mer nicht wei­ter. Ken­nen Sie die nicht? Das sind die di­gi­ta­le Nach­fol­ger des blau­en Briefs und ver­mut­lich die ein­zig rich­ti­ge Ant­wort auf El­ternw­hats­app-grup­pen.

Aber von vorn: Mon­tag Eng­lisch. Sim­ple Past und Past Per­fect bei un­re­gel­mä­ßi­gen Ver­ben. Be­vor wir dem Schul­kind glaub­haft ver­si­chern konn­ten, dass man Vo­ka­beln aus­wen­dig ler­nen muss, war der child schon in the foun­tain ge­fal­len. Ich hat­te es mit „teach, tought, tought“ver­sucht, er mit „for­get, for­got, for­got­ten“. Diens­tag: Ge­schich­te. Ha­be ich stu­diert, kann ich, dach­te ich. Of­fen­sicht­lich sind Wis­sens­lü­cken erb­lich.

Mitt­woch die Buch­vor­stel­lung. Ich fand sie gut. Die Leh­re­rin kom­men­tier­te, man mö­ge das bit­te beim nächs­ten Mal hand­schrift­lich ma­chen, da­mit sie se­hen kann, wer die Ar­beit ge­schrie­ben hat. Das wird nicht klap­pen, mei­ne Hand­schrift ist ei­ne Ka­ta­stro­phe. Ma­the am Don­ners­tag war ei­ne ehr­li­che Nie­der­la­ge. Der Geg­ner war zu stark. Und wäh­rend wir am Frei­tag die Eng­li­schAr­beit wie­der­ho­len durf­ten und die El­tern-whats­app-grup­pe be­reits rot glüh­te, schwang sich Ju­ni­or zu­frie­den aufs So­fa und ver­kün­de­te: „Nächs­te Wo­che schrei­ben wir nichts. Da müsst ihr nicht ler­nen.“Hät­te in dem Mo­ment ei­ner Geld ge­bo­ten, ich hät­te es ge­nom­men.

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