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Eichsfelder Tageblatt - - EICHSFELD -

Beim Martins­emp­fang in der Bil­dungs­stät­te St. Mar­tin hat sich de­ren ehe­ma­li­ger Lei­ter Tors­ten Thiel mit ei­nem Vor­trag über die Ar­beit von Po­li­zei­se­el­sor­gern ver­ab­schie­det – hier mit den Eichs­fel­der Pröps­ten Bernd Gal­lusch­ke (l.) und Hart­mut Grem­ler.

Thiel. Nach dem Jahr 2016 mit ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen in Niz­za, Würz­burg, Ans­bach und am Breit­scheid­platz in Ber­lin im ver­gan­ge­nen Jahr sei es „ru­hi­ger ge­wor­den“, so Thiel, aber das The­ma las­se die Men­schen nicht ganz los.

„Ex­trem­si­tua­tio­nen sind nicht all­täg­lich“

Po­li­zis­ten müss­ten trotz un­kla­rer La­ge in Mi­nu­ten­schnel­le Ent­schei­dun­gen tref­fen, führ­te der Po­li­zei­se­el­sor­ger am Bei­spiel der Gei­sel­nah­me von Köln vor we­ni­gen Wo­chen aus und sprach da­von, dass auch All­tags­si­tua­tio­nen für die Be­am­ten be­droh­lich wer­den könn­ten. „Es scheint ei­ne Ten­denz zu sein, dass im­mer mehr Ret­tungs­kräf­te oder Po­li­zis­ten an­ge­grif­fen wer­den“, so Thiel und man­cher Ver­tre­ter der Ein­satz­kräf­te im Saal der Bil­dungs­stät­te pflich­te­te ihm bei.

Am Bei­spiel des Amok­laufs im Jahr 2002 an ei­nem Er­fur­ter Gym­na­si­um schil­der­te Thiel die Si­tua­tio­nen, mit de­nen es Po­li­zis­ten zu tun hät­ten. Rein­zu­ge­hen, oh­ne zu wis­sen, was ei­nen er­war­te, und mit der Sor­ge, dass das ei­ge­ne Le­ben be­droht sein könn­te, das sei „nicht oh­ne“. Auch als Seel­sor­ger „knab­bert man dar­an“, sag­te Thiel. Ähn­lich sei das bei Ter­ror­la­gen. 2015 war das Län­der­spiel in Han­no­ver we­gen Ter­ror­ver­dachts kurz­fris­tig ab­ge­sagt und das Sta­di­on ge­räumt wor­den. „Der Po­li­zei­se­el­sor­ger ist da­für da, nach sol­chen Ein­sät­zen mit den Tors­ten Thiel, Lan­des­po­li­zei­se­el­sor­ger Kol­le­ben zu spre­chen“, sag­te der Re­fe­rent an­hand des wei­te­ren Bei­spiels. „Ex­trem­si­tua­tio­nen sind nicht all­täg­lich.“

Thiels Vor­trag the­ma­ti­sier­te auch Fra­gen zum Schuss­waf­fen­ge­brauch durch Po­li­zis­ten. „Wird mit dem fi­na­len Ret­tungs­schuss die Wür­de des Men­schen ver­letzt? Und darf der Po­li­zist das?“Thiel nann­te ent­spre­chen­de Pas­sa­gen aus dem Grund­ge­setz und kirch­li­chen Schrif­ten und kam am En­de zu dem Schluss, dass nicht das Le­ben das höchs­te Gut sei, son­dern die Wür­de. Die Be­din­gun­gen für ei­nen Schuss aus Not­wehr sei­en klar ge­re­gelt. „Wenn der An­griff be­reits ab­ge­schlos­sen ist, ist die Tö­tung nicht mehr Not­wehr, son­dern Ra­che.“

Es scheint ei­ne Ten­denz zu sein, dass im­mer mehr Ret­tungs­kräf­te oder Po­li­zis­ten an­ge­grif­fen wer­den

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