En­de ei­ner Kn­ei­pen-ära

Milch­bar-grün­der Sa­b­ri Kahra­man geht in den Ru­he­stand. Nach 42 Jah­ren als Gast­wirt über­gibt er sein Bis­tro an Has­san El-hus­s­ei­ni

Eichsfelder Tageblatt - - EICHSFELD / CAMPUS - Von Clau­dia Nacht­w­ey

Du­der­stadt. Sa­b­ri geht in Ren­te. Mit die­ser Nach­richt in den So­ci­alMe­dia-ka­nä­len hat sich das En­de ei­ner Kn­ei­pen-ära an­ge­kün­digt. 42 Jah­re führ­te Sa­b­ri Kahra­man sei­ne Gast­stät­te in Du­der­stadt. Nun sind Nach­fol­ger ge­fun­den.

Sa­b­ri ar­bei­te­te seit 1966 in Deutsch­land, erst im Im­port-ex­port-ge­schäft, dann in der Rei­se­bran­che. Der Kon­takt zu Men­schen lag ihm. 1976 war er ei­ner der ers­ten Gas­tro­no­men in Du­der­stadt, der sich mit sei­nem Kon­zept an ein ex­pli­zit jun­ges Pu­bli­kum rich­te­te. An die Milch­bar an der Jü­den­stra­ße er­in­nert sich ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on von Du­der­städ­tern, die dort ei­nen we­sent­li­chen Teil ih­rer Ju­gend ver­bracht hat. Dort gab es auch schon tür­ki­sche Spe­zia­li­tä­ten und ei­ne brei­te Ge­trän­ke­pa­let­te. Sa­b­ri wur­de von ei­ner Braue­rei aus­ge­zeich­net we­gen sei­ner Spit­zen­um­sät­ze.

„Ei­ne Bar für jun­ge Leu­te war da­mals neu in Du­der­stadt. Aber bis heu­te tref­fen sich ei­ni­ge Stamm­gäs­te aus die­ser Zeit re­gel­mä­ßig in Du­der­stadt im Bis­tro Sa­b­ri“, sagt Sa­b­ris Sohn Ali und be­tont, dass die­se treue Ver­bin­dung zu sei­nen Gäs­ten der größ­te Schatz sei­nes Va­ters sei. Die Milch­bar wur­de erst nach dem Um­zug in die Apo­the­ken­stra­ße vor rund 25 Jah­ren an Bis­tro Sa­b­ri um­ge­tauft.

Sa­b­ris Blick wird et­was sen­ti­men­tal, wenn er an ver­gan­ge­ne Zei­ten denkt. „Es fällt nicht leicht, nach so vie­len Jah­ren die Gas­tro­no­mie los­zu­las­sen“, gibt er zu. Aber die Ge­sund­heit for­de­re mehr Ru­he ein. Die hat­te er sich zu­nächst ei­ni­ge Wo­chen auf ei­ner Yacht auf dem Mit­tel­meer ge­gönnt. Ali lacht: „Die Ge­rüch­te­kü­che bro­delt schon. Man­che mei­nen, mein Va­ter sei reich ge­wor­den und ab­ge­hau­en. Ei­ner frag­te so­gar, ob er ge­stor­ben sei“, er­zählt der Sohn.

Sa­b­ri gönn­te sich ein­fach ei­ne Aus­zeit, um sich an die Ren­te zu ge­wöh­nen. Die Yacht ge­hört ei­nem gu­ten Freund aus jun­gen Milch­bar­ta­gen, der ihn ein­ge­la­den hat­te. Nun ist Sa­b­ri wie­der in Deutsch­land und will sich of­fi­zi­ell aus dem Be­rufs­le­ben ver­ab­schie­den.

Sohn will nicht in die Gas­tro­no­mie

Die Milch­bar an der Jü­den­stra­ße war ein Vor­rei­ter. In den Jah­ren nach der Er­öff­nung ent­wi­ckel­te sich ei­ne viel­fäl­ti­ge Kn­ei­pen­land­schaft in Du­der­stadt, die erst mit dem Auf­kom­men des di­gi­ta­len Zeit­al­ters wie­der schrumpf­te. „In den 80-er­Jah­ren bis nach der Grenz­öff­nung gab es hier mehr als 40 Gast­stät­ten, und al­le konn­ten exis­tie­ren“, er­in­nert sich Sa­b­ri. Heu­te sei das Ge­schäft schwie­ri­ger ge­wor­den. Die Leu­te hät­ten ein völ­lig an­de­res Frei­zeit­ver­hal­ten ent­wi­ckelt.

Sa­b­ris Sohn Ali kennt die Gas­tro­no­mie seit sei­ner Kind­heit. „Ich weiß, was es be­deu­tet, im­mer zu ar­bei­ten, wenn an­de­re frei­ha­ben, an den Wo­che­n­en­den und an Fei­er­ta­gen. Ich möch­te die Zeit lie­ber mit mei­ner Fa­mi­lie ver­brin­gen“, nennt er Grün­de, die heu­te vie­le jun­ge Men­schen da­von ab­hal­ten, in die Gas­tro­no­mie zu ge­hen. Da­her hat Ali sich ent­schlos­sen, den Fa­mi­li­en­be­trieb sei­nes Va­ters nicht wei­ter­zu­füh­ren, aber „in gu­te Hän­de“ab­zu­ge­ben.

Das Bis­tro Sa­b­ri wird als Kul­tKn­ei­pe in Du­der­stadt er­hal­ten blei­ben. Der neue In­ha­ber Has­san El-hus­s­ei­ni hat mit sei­ner Frau Pe­tra und sei­nen Kin­dern zu­vor das Al Ma­nar in Wes­te­ro­de be­trie­ben. Nach dem Um­zug in die Apo­the­ken­stra­ße soll der Na­me Sa­b­ri un­ter dem Schrift­zug Al Ma­nar er­hal­ten blei­ben. Auch die Ein­rich­tung wur­de nur we­nig ver­än­dert.

„Die tür­ki­sche und ara­bi­sche Kü­che sind ähn­lich, es wird nur un­ter­schied­lich ge­würzt“, sagt Has­san El-hus­s­ei­ni, der aus dem Li­ba­non stammt und Koch ge­lernt hat. Im An­ge­bot steht ei­ne in­ter­na­tio­na­le Pa­let­te an Spe­zia­li­tä­ten, von ara­bi­schen Ge­rich­ten, Dö­ner und Piz­za bis zur Cur­ry­wurst. Und auch der Kn­ei­pen-cha­rak­ter soll be­wahrt blei­ben. Die Öff­nungs­zei­ten sind täg­lich au­ßer mon­tags von 11.30 bis 14.30 Uhr und abends ab 17.30 Uhr.

Es fällt nicht leicht, nach so vie­len Jah­ren die Gas­tro­no­mie los­zu­las­sen. Sa­b­ri Kahra­man, Du­der­städ­ter Gas­tro­nom

FO­TO: NACHT­W­EY

Die neu­en und die al­ten Ei­gen­tü­mer vor dem Bis­tro: in der Mit­te Sa­b­ri Kahra­man, um­ge­ben von Sohn Ali, Nach­fol­ger Has­san El-hus­s­ei­ni, Sa­b­ri Kahra­man so­wie des­sen Frau Pe­tra El-hus­s­ei­ni und Mar­wa El-hus­s­ei­ni (von links).

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