Frie­del über Ba­by­lon Ber­lin, Mu­sik und Thea­ter

Der Schau­spie­ler, Mu­si­ker und Re­gis­seur spricht über Mo­dern Tal­king und Tom Tykwer

Eichsfelder Tageblatt - - AUS DER REGION -

Göt­tin­gen. In Ba­by­lon Ber­lin ist er zur­zeit als Po­li­zei­fo­to­graf Gräf zu se­hen. In Göt­tin­gen läuft sein Thea­ter­stück „Schwa­nen­ge­sang” am Deut­schen Thea­ter. Jetzt ist auch noch ein neu­es Al­bum sei­ner Band Woods of Bir­nam er­schie­nen, im Ja­nu­ar geht er da­mit auf Tour: Chris­ti­an Frie­del ist ein künst­le­ri­sches Mul­ti­ta­lent. Im Ta­ge­blatt-in­ter­view ver­rät der 39-Jäh­ri­ge, was er nicht kann.

Ba­by­lon Ber­lin: An der Se­rie kommt ja zur­zeit nie­mand vor­bei.

Ich darf zwar noch nichts ver­ra­ten, aber ein biss­chen na­tür­lich doch. Wir ha­ben gera­de mit den Dreh­ar­bei­ten zur neu­en Staf­fel be­gon­nen, ich ha­be am Sonn­tag mei­nen ers­ten Dreh­tag. Die Dreh­zeit läuft bis Mai, zwölf neue Fol­gen wer­den ge­dreht. Das ist schon ei­ne Men­ge Holz, und der lo­gis­ti­sche Auf­wand da­hin­ter ist schon bei­spiel­los. Es ist ein­fach groß­ar­tig da­bei zu sein. Ba­by­lon Ber­lin hat der­zeit ei­nen un­glaub­li­chen Hype. ich wer­de so oft auf die­se Se­rie an­ge­spro­chen. Das ist wirk­lich Wahn­sinn.

Es ist ja auch im deut­schen Fern­se­hen auch ex­trem sel­ten, dass ei­gent­lich al­le Zu­schau­er von ei­ner Se­rie be­geis­tert sind. Üb­ri­gens: Ich fand, das ro­te Kleid, das Sie ein­mal in der ers­ten Staf­fel tru­gen, stand Ih­nen nicht.

Oh, oh. Wer weiß, vi­el­leicht taucht es ja in den neu­en Staf­feln noch ein­mal auf. Man konn­te sich ja frü­her nicht so vie­le Klei­der leis­ten. Wer weiß, wer weiß .... Die Ge­schich­te von mei­ner Fi­gur wird auf je­den Fall in den nächs­ten Staf­feln wei­ter­erzählt, sie be­kommt noch ein­mal ei­ne ganz an­de­re Büh­ne und der Zu­schau­er er­fährt sehr viel über die Fi­gur.

War der Gräf Ih­re Wunsch­rol­le?

Ehr­lich ge­sagt war ich ein­fach glück­lich, in den ers­ten Staf­feln da­bei zu sein. Zum ei­nen, weil ich das Pro­jekt span­nend fand, zum an­de­ren bin ich ein gro­ßer Fan von Re­gis­seur Tom Tykwer – schon im­mer ge­we­sen, seit „Lo­la rennt“. Ich hät­te auch ir­gend­ei­nen Wut­zen im Hin­ter­grund ge­spielt.

Den was?

Ei­ne Kol­le­gin, mit der ich im Film „Das wei­ße Band“spiel­te, sag­te mal, dass sie auch ei­nen Stuhl ge­spielt hät­te, um da­bei zu sein. Wut­zen, das ist ei­ne Wort­schöp­fung – vi­el­leicht stammt das aus Mag­de­bur­ger Kin­der­zei­ten.

Der Gräf ist aber doch kei­ne un­we­sent­li­che Fi­gur?

Ja, aber in den ers­ten Fol­gen ist die Er­zähl­struk­tur so kom­plex, dass man nicht auf je­de ein­zel­ne Fi­gur ein­ge­hen kann. Um­so mehr freue ich mich, dass es in der nächs­ten Staf­fel mehr in die Tie­fe geht. Es gibt ei­nen tol­len neu­en Fall im zwei­ten

Chris­ti­an Frie­del steht ab Sonn­tag wie­der für Ba­by­lon Ber­lin vor der Ka­me­ra.

Buch, das wir jetzt gera­de dre­hen. Vie­le Ge­schich­ten ge­hen wei­ter. Es wird span­nend.

Sie schrei­ben und tex­ten, sin­gen, in­sze­nie­ren Thea­ter­stü­cke in Göt­tin­gen und sind ei­ner der ge­frag­tes­ten deut­schen Schau­spie­ler der­zeit. Was kön­nen Sie ei­gent­lich nicht?

Ähm. Ach, da gibt es be­stimmt et­was (lacht). Ob­wohl: Ich ha­be neu­lich auch ei­nen Schrank zu­sam­men­ge­baut. Aber das, was ich jetzt ma­che, ist et­was, das ich seit mei­ner Kind­heit im­mer wie­der ge­macht ha- be. Ich hat­te ein­fach nie Angst, et­was Neu­es aus­zu­pro­bie­ren.

Das neue Al­bum ih­rer Band Woods of Bir­nam ist gera­de frisch auf den Markt. Wo­rum geht es?

Das ist be­reits un­ser drit­tes Al­bum, im Ja­nu­ar sind wir da­mit auf Tour, un­ter an­de­rem spie­len wir in Er­furt und Han­no­ver. Es ist ein sehr per­sön­lich ge­präg­tes Al­bum, denn ich ver­ar­bei­te dar­auf den frü­hen Tod mei­ner Mut­ter. Das ma­che ich in­di­rekt ja auch in der Ins­ze­nie­rung des „Schwa­nen­ge­sangs“. Da ich lei­der schon mei­ne bei­den El­tern – bei­de sehr früh und sehr plötz­lich – ver­lo­ren ha­be, ist das na­tür­lich ein The­ma, das mich sehr be­wegt. Das Al­bum ist aber den­noch we­der to­tal düs­ter noch trau­rig. Es ist so­gar tanz­bar. Die Rei­bung war uns wich­tig.

Was wa­ren denn Ih­re frü­hen Pop-prä­gun­gen? Sie sind ja im Os­ten, in Mag­de­burg, auf­ge­wach­sen.

Na­ja, als klei­nes Kind ha­be ich auch Mo­dern Tal­king ge­hört. Als sich mein Mu­sik­ge­schmack dann zum Glück wei­ter­ent­wi­ckelt hat, dann ka­men bei­spiels­wei­se die Pet Shop Boys da­zu, ich ha­be Blue Mon­day von New Or­der ent­deckt. Ich war auch ein gro­ßer Ro­xet­te-fan. Das hat mich sehr ge­prägt. Ich mer­ke das im­mer wie­der beim Song­schrei­ben und dann, wenn ich die al­ten Al­ben hö­ren.

Und wie­so sind Sie dann Schau­spie­ler ge­wor­den?

Ich ha­be ei­gent­lich von Be­ginn an bei­des ge­macht, Schau­spiel und Mu­sik. Ich se­he mich vor al­lem als Un­ter­hal­ter. Des­we­gen ist es für mich selbst­ver­ständ­lich, bei­des zu ma­chen.

Am Sonn­abend ist wie­der Vor­stel­lung des „Schwa­nen­ge­sangs“. Nach der ge­fei­er­ten Pre­mie­re: Wie läuft es?

Ich war kürz­lich wie­der im Deut­schen Thea­ter, um zu schau­en, wie die Leu­te es im nor­ma­len Re­per­toire an­neh­men. Im Zu­schau­er­ge­spräch ha­be ich er­fah­ren, wel­che groß­ar­ti­gen Re­ak­tio­nen auf die­sen Abend kom­men: Nicht nur der Bil­der­rausch hat vie­le be­ein­druckt, auch in­halt­lich fin­den die Gäs­te dar­in ih­re ei­ge­nen Ge­schich­ten. Das ist die gro­ße Kraft die­ses Abends.

Ehr­lich ge­sagt war ich ein­fach glück­lich, in den ers­ten Staf­feln da­bei zu sein.

Chris­ti­an Frie­del, Schau­spie­ler, Mu­si­ker und Re­gis­seur

Und was sa­gen die Kol­le­gen?

Ich bin ja sehr per­fek­tio­nis­tisch ver­an­lagt, was die Schau­spie­ler si­cher manch­mal nervt. Aber das Stück ist so ge­baut, dass die Schau­spie­ler zwar prä­zi­se sin­gen, tan­zen und spie­len, aber in die­ser Struk­tur auch viel Spaß ent­wi­ckeln kön­nen. Das Ge­samt­kon­strukt reift aus der Grup­pe her­aus wei­ter. Nach der Pre­mie­re wa­ren wir al­le in ei­nem Rausch, dann kommt das nor­ma­le Le­ben wie­der. Dann ist es wich­tig, sich die­ser En­er­gie des An­fangs wie­der zu ver­ge­wis­sern. Solch ein Abend wächst ja auch mit der Zeit. Was mich sehr be­rührt hat, ist, dass das Team, auch die Kol­le­gen hin­ter der Büh­ne, den Abend ger­ne spie­len und mit gro­ßer Lust ver­tei­di­gen.

In­ter­view: Brit­ta Bie­le­feld

In­fo Die Tour von Woods of Bir­nam star­tet am 4. Ja­nu­ar in Er­furt, am 12. Ja­nu­ar spie­len sie in Han­no­ver im Lux. Das Stück „Schwa­nen­ge­sang“steht am Sonn­abend, 10. No­vem­ber, um 19.45 Uhr im Deut­schen Thea­ter auf dem Spiel­plan. Es gibt noch Kar­ten.

FO­TO: HINZMANN

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.