Land­tag er­in­nert an Po­gro­me

And­ret­ta warnt vor An­ti­se­mi­tis­mus – Neue Ge­denk­stät­te in Lü­ne­burg er­öff­net

Eichsfelder Tageblatt - - NIEDERSACHSEN - Von Do­ris Hei­mann

Han­no­ver. Mit ei­ner Ge­denk­fei­er hat der nie­der­säch­si­sche Land­tag am Frei­tag an die Op­fer an­ti­jü­di­scher Po­gro­me 1938 er­in­nert. In Lü­ne­burg wur­de ei­ne neu ge­stal­te­te Ge­denk­stät­te auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Sy­nago­ge er­öff­net. Meh­re­re Red­ner warn­ten vor Ju­den­hass in Deutsch­land und der Welt.

Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta (SPD) rief zu ent­schie­de­nem Han­deln ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus auf. Sie sei er­schro­cken über Zah­len aus ei­ner Stu­die, wo­nach mehr als je­der vier­te Deut­sche der Aus­sa­ge zu­stim­me, dass Ju­den nicht zu uns pas­sen wür­den. Die De­mo­kra­tie und De­mo­kra­ten müss­ten sich schüt­zend vor die­je­ni­gen stel­len, die be­droht wür­den, be­ton­te

Neu ge­stal­tet: Lü­ne­burg hat jetzt ei­nen neu­en Ge­denk­ort für die jü­di­sche Ge­schich­te.

And­ret­ta. In den Ta­gen um den 9. No­vem­ber 1938 wur­den von den Na­zis zen­tral ge­steu­ert über­all in Deutsch­land Men­schen jü­di­schen Glau­bens ver­haf­tet und er­mor­det, Woh­nun­gen ver­wüs­tet so­wie Sy­nago­gen in Brand ge­setzt.

In Han­no­ver wur­de die neue Sy­nago­ge in der Berg­stra­ße in Brand ge­setzt, 34 Tho­ra­rol­len wur­den zer­stört. In der Nacht vom 9. auf den 10. No­vem­ber plün­der­ten Trupps 27 jü­di­sche Woh­nun­gen und 94 Ge­schäf­te, 333 jü­di­sche Män­ner und ei­ne Frau wur­den ver­haf­tet. In Lü­ne­burg wur­de un­ter an­de­rem ein jü­di­scher Fried­hof ver­wüs­tet.

Was sich in der­sel­ben Nacht in der Lü­ne­bur­ger Sy­nago­ge ab­spiel­te, ist bis heu­te nicht zwei­fels­frei ge­klärt. Der Ab­riss des Ge­bäu­des wur­de in den Wo­chen nach der Po­grom­nacht fort­ge­setzt. An der Stel­le, wo das Got­tes­haus einst ge­stan­den hat­te, wur­de am Frei­tag ei­ne neu ge­stal­te­te Ge­denk­stät­te ein­ge­weiht.

Die An­la­ge ist mit wei­ßen Be­ton­wän­den und un­re­gel­mä­ßig durch­bro­che­nen Ei­sen­git­tern ein­ge­fasst. Vier Bron­ze­ta­feln er­in­nern künf­tig an die Op­fer des Ho­lo­caust und an die 100 jü­di­schen Fa­mi­li­en, die seit der Ein­wei­hung der Sy­nago­ge 1894 in Lü­ne­burg ge­lebt ha­ben. Bis­lang er­in­ner­te dort le­dig­lich ein ein­zel­ner Ge­denk­stein an das ehe­ma­li­ge Got­tes­haus.

FO­TO: PHIL­IPP SCHUL­ZE/DPA

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