Fahn­der er­hal­ten Zu­griff auf E-mails, SMS und Whats­app

Trotz Be­den­ken aus Ber­lin: Die Jus­tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz der 28 Eu-staa­ten gibt grü­nes Licht für die „E-evi­dence-ver­ord­nung“

Eichsfelder Tageblatt - - POLITIK - Von Chris­ti­an Rath

Ber­lin/brüs­sel. Erst­mals sol­len Er­mitt­ler aus an­de­ren Eu-staa­ten di­rekt von deut­schen In­ter­net- und Te­le­fon­fir­men Da­ten her­aus­ver­lan­gen kön­nen.

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) sieht das mit gro­ßer Sor­ge. Doch Deutsch­land wur­de bei der Ab­stim­mung im Eu-mi­nis­ter­rat über­stimmt.

Das Vor­ha­ben nennt sich „E-evi­dence-ver­ord­nung“– auf Deutsch: Ver­ord­nung über die Her­aus­ga­be elek­tro­ni­scher Be­weis­mit­tel. Da­nach kön­nen Staats­an­walt­schaf­ten und Un­ter­su­chungs­rich­ter aus an­de­ren Eu-staa­ten deut­sche Fir­men di­rekt ver­pflich­ten, ih­nen Da­ten her­aus­zu­ge­ben oder sie im Zwei­fels- fall zu­nächst zu si­chern. Der Pro­vi­der soll zehn Ta­ge Zeit ha­ben, der An­ord­nung nach­zu­kom­men, in Not­fäl­len so­gar nur sechs St­un­den. Falls sich der Pro­vi­der un­be­rech­tigt wei­gert, kann ihm ei­ne Geld­bu­ße von bis zu 2 Pro­zent sei­nes glo­ba­len Jah­res­um­sat­zes auf­er­legt wer­den.

Die Ver­ord­nung be­trifft E-mails, SMS, Whats­app-nach­rich­ten und Da­ten in der Cloud. Be­trof­fen sind drei Ka­te­go­ri­en von Da­ten:

■ Zu­gangs­da­ten der je­wei­li­gen Di­ens­te (et­wa PINS),

■ Ver­kehrs­da­ten (wer hat wem wann und wo ge­schrie­ben?),

■ In­halts­da­ten (was stand in der SMS?).

Bis­lang war die grenz­über­schrei­ten­de Straf­ver­fol­gung im Be­reich der di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on ex­trem kom­pli­ziert. Frü­her muss­ten Rechts­hil­fe­er­su­chen um­ständ­lich über Re­gie­rungs­stel­len ab­ge­wi­ckelt wer­den. In­ner­halb der EU gibt es in­zwi­schen die eu­ro­päi­sche Er­mitt­lungs­an­ord­nung, mit der sich Staats­an­walt­schaf­ten di­rekt an Kol­le­gen in an­de­ren Eu-staa­ten wen­den kön­nen, wenn sie ei­ne Be­schlag­nah­me, ei­ne Ob­ser­va­ti­on oder eben Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten brau­chen. Neu ist jetzt, dass bei elek­tro­ni­schen Be­weis­mit­teln den Er­mitt­lern aus an­de­ren Eu-staa­ten so­gar der di­rek­te Zu­griff er­laubt wer­den soll.

Als pro­ble­ma­tisch gilt aus Berliner Sicht der di­rek­te Zu­griff vor al­lem dann, wenn es um die Da­ten ei­nes Ver­däch­ti­gen geht, der in Deutsch­land lebt. Bis­her kann die deut­sche Po­li­zei die Mit­ar­beit ver­wei­gern, wenn zum Bei­spiel die Tat in Deutsch­land gar nicht straf­bar ist oder die ge­plan­te Maß­nah­me völ­lig un­ver­hält­nis­mä­ßig er­scheint. So­bald die aus­län­di­schen Er­mitt­ler je­doch di­rekt auf deut­sche Pro­vi­der zu­grei­fen kön­nen, läuft der deut­sche Grund­rechts­schutz praktisch weit­ge­hend leer. Die Zu­stim­mung ei­nes Rich­ters aus dem Er­mitt­ler­staat gilt aus deut­scher Sicht nicht bei al­len Eu-staa­ten als gleich­wer­ti­ger Er­satz.

Im Eu-mi­nis­ter­rat gab es am Frei­tag ei­ne knap­pe Mehr­heit für den Vor­schlag. Auf die­ser Ba­sis wird nun der Rat mit dem Eu­ro­päi­schen Par­la­ment ver­han­deln, das sei­ne Po­si­ti­on noch nicht fest­ge­legt hat.

FO­TO: KAY NIETFELD/DPA

In Brüs­sel über­stimmt: Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) sorgt sich um den Da­ten­schutz.

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