Von Wel­fen und Wöl­fen

Eichsfelder Tageblatt - - POLITIK -

„Nicht Mensch, nicht Tier, ein Pan­zer­gre­na­dier“, hieß es einst, als der Kanz­ler noch lan­ge Un­ter­ho­sen trug, die Mau­er stand und auch sonst al­te Ge­wiss­hei­ten tru­gen. Aber was war denn das, was sich ver­gan­ge­ne Wo­che in ei­nem Fried­hofs­gar­ten im Land­kreis Ro­ten­burg (Wüm­me) er­eig­ne­te, wenn es denn kei­ne rea­le Wolfs­be­geg­nung war? „Zwei vor Ort ge­nom­me­ne Haar­pro­ben er­ga­ben ‚Reh‘, auf dem Pull­over wur­den Kat­zen­haa­re und drei Spei­chel­pro­ben ge­fun­den“, schrieb das nie­der­säch­si­sche Um­welt­mi­nis­te­ri­um zum Er­geb­nis ei­ner Dna­pro­be nach ei­ner ver­meint­li­chen Wolf­sat­ta­cke: „Bei den Spei­chel­pro­ben konn­te bei zwei Pro­ben ,Kat­ze‘ und bei ei­ner ‚Kat­ze und Hund‘ iden­ti­fi­ziert wer­den.“Ach, wie lus­tig scheint doch das Land­le­ben ...

Aber scha­de ist es schon für den Um­welt­mi­nis­ter Olaf Lies, dass er nun nicht als Lan­des­wolf­be­zwin­ger in die An­na­len Nie­der­sach­sens ein­ge­hen wird. Trug Old Shat­ter­hand noch sei­nen „Bä­ren­tö­ter“bei sich, muss Olaf Lies erst ein­mal al­le Wöl­fe „be­sen­dern“, be­vor er sie kas­sie­ren könn­te. So­fern Ge­fahr im Ver­zug wä­re, denn ein Wolf in der Nord­hei­de ist recht­lich stren­ger ge­schützt als ei­ne hei­li­ge Kuh in Süd­in­di­en. Der­weil kann aus­ge­rech­net ein Grü­ner in Nie­der­sach­sen den Ti­tel in An­spruch neh­men, auf le­ga­le Wei­se mit le­ta­ler Wir­kung ei­nen Wolf der Wild­bahn ent­nom­men zu ha­ben. Seit­dem Lies‘ Vor­gän­ger Ste­fan Wen­zel den be­sen­der­ten Pro­blem­wolf „Kur­ti“ins Vi­sier nahm, läuft im Um­welt­mi­nis­te­ri­um der Strei­fen „MT 6 ant­wor­tet nicht mehr“.

Von den Wöl­fen zu den Wel­fen zu kom­men, ist gar nicht so schwer, weil sie im Früh­mit­tel­al­ter weit­ver­brei­tet wa­ren und bei­de zu den eher raub­tier­haf­ten ge­rech­net wer­den kön­nen. Über das Ver­scher­beln von Wel­fen­schät­zen hat schon der Dich­ter Erich Müh­sam ge­spot­tet („Ernst Au­gust mit zer­frans­ten Ner­ven / langt nach den letz­ten Not­re­ser­ven ...“), doch dass die Klos­ter­kam­mer sich nach dem Kauf ei­ner Braue­rei nun zum

Micha­el B. Ber­ger mit ei­nem sa­ti­ri­schen Rück­blick auf die Wo­che

Kauf ei­nes Schlos­ses ent­schlos­sen hat, ver­blüfft schon. Aber wer kann denn Nein sa­gen, wenn ein Erb­prinz fragt: „Has­te mal ’nen Eu­ro?“Und die Klos­ter­kam­mer hat da­für all die schö­nen Re­no­vie­rungkos­ten für die Ma­ri­en­burg, wäh­rend aus den Au­gen des zu­stän­di­gen Wis­sen­schafts­mi­nis­ters Björn Thüm­ler jetzt ein we­nig roya­ler Glanz glit­zert. Mer­ke: Das Ein­zi­ge, was man ei­nem Wel­fen nicht ab­kau­fen kann, ist der Schneid. Und: Ei­ne Re­pu­blik braucht ei­gent­lich kei­ne Schlös­ser.

Zu ei­ner denk­wür­di­gen Be­geg­nung (nein, kei­ne Wolfs­be­geg­nung) ist es die­se Wo­che auch am so­ge­nann­ten Bun­des­stütz­punkt in Han­no­ver ge­kom­men, wie uns Fo­to­do­ku­men­te über­lie­fert ha­ben. Da sah man näm­lich ne­ben dem rüh­ri­gen Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us tat­säch­lich Bumm-bumm-bo­ris. Doch, doch, wir hal­ten die Luft an, „der nie­der­säch­si­sche Mi­nis­ter für In­ne­res und Sport, Bo­ris Pis­to­ri­us, hat die deut­sche Ten­nis­le­gen­de Bo­ris Be­cker ge­trof­fen“, wie das In­nen­mi­nis­te­ri­um ver­mel­det. Da möch­te man, wenn’s nicht zu al­bern wä­re, doch rei­men wie Müh­sam: „Bo­ris meets Bo­ris, jetzt fehlt nur die Do­ris.“Ach, manch­mal ist nicht nur das Land­le­ben schön ...Ei­nen fröh­li­chen zwei­ten Ad­vent!

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