Ju­bi­lä­um in der Fest­hal­le: Mit Mo­del­len zum über­re­gio­na­len Er­folg

Die 100. Göt­tin­ger Mo­dell­bör­se steigt am Sonn­tag

Eichsfelder Tageblatt - - AUS DER REGION - Von Matthias Hein­zel

We­en­de. Die Mo­dell­bör­se am Sonn­tag, 9. De­zem­ber, in der Fest­hal­le We­en­de ist ei­ne ganz be­son­de­re: Zum 100. Mal or­ga­ni­siert das Team der We­en­der Fa­mi­lie Schmidt ih­re Ver­an­stal­tung, die längst weit über die Gren­zen der Re­gi­on hin­aus be­kannt ist.

Zum Ju­bi­lä­um sind ei­ni­ge Ex­tras ge­plant. Wie üb­lich, gibt es ei­ne Son­der­aus­stel­lung mit lo­kal­his­to­ri­schem Be­zug. Dies­mal wer­den in den Aus­stel­lungs­vi­tri­nen Ex­po­na­te zu den in­ter­es­san­tes­ten Themen der bis­he­ri­gen 99 Bör­sen ge­zeigt. Im Foy­er wird zu­dem das Vi­deo zur Gar­te­tal­bahn zu se­hen sein, das die Fahrt der his­to­ri­schen Klein­bahn von Göt­tin­gen nach Ritt­mar­shau­sen bis ins De­tail nach­zeich­net. Und wenn das Wet­ter mit­spielt, wird vor der Fest­hal­le ein Mer­ce­des 600 (Typ W 100) im Ori­gi­nal auf­ge­stellt.

Die lan­ge Ge­schich­te der Göt­tin­ger, spä­ter der We­en­der Mo­dell­bör­se, ist fast drei Jahr­zehn­te alt: Im Ok­to­ber 1990 fand zur Deut­schen Ein­heit in ei­nem Göt­tin­ger Au­to­haus ei­ne gro­ße Mo­dell­au­to­bör­se, ver­bun­den mit ei­ner Ddr-spiel­zeug- Aus­stel­lung, statt. Der An­drang war im­mens. Zeit­wei­se kam der Ver­kehr auf der Kas­se­ler Land­stra­ße zum Er­lie­gen. Das war dort nicht wie­der­hol­bar, ein hal­bes Jahr spä­ter, am 12. Mai 1991, wur­de in der Fest­hal­le We­en­de die ers­te Au­to­mo­dell­samm­ler­bör­se er­öff­net. Sie soll­te ein­ma­lig und ur­sprüng­lich ei­ne Er­gän­zung zur Tausch­bör­se der Ei­sen­bahn­freun­de Göt­tin­gen sein.

„Na­he­zu 1000 Be­su­cher war der Er­folg, ei­ne Fort­set­zung und Öff­nung für al­le Mo­dell­ar­ten war un­ver­meid­lich“, sagt Or­ga­ni­sa­tor Mar­tin Schmidt. Be­reits die nächs­te Ver­an­stal­tung im Sep­tem­ber 1991 war of­fen für al­les, was mit dem Sam­meln von Mo­del­len zu tun hat­te. Samm­ler hat­ten schon wäh­rend der ers­ten Bör­sen Ge­le­gen­heit, ih­ren Hob­by­schwer­punkt im Foy­er der Fest­hal­le zu prä­sen­tie­ren. Sie zeig­ten un­ter an­de­rem Ta­xen, Steiff­tie­re, Kran- und Feu­er­wehr­mo­del­le, Bus­se, Ddr-spiel­zeug, Göt­tin­ger Ju­gend­bü­cher, Quar­tett­spie­le, Film­fahr­zeu­ge, Lego-ra­ri­tä­ten, Ein­satz­fahr­zeu­ge und vie­les mehr.

Zu je­der der Mo­dell­bör­sen gab es ei­ne Son­der­aus­stel­lung, de­ren Be­such kos­ten­los blieb. Be­son­ders ho­hes In­ter­es­se nicht nur bei Mo­dell­freun­den fan­den Themen und Aus­stel­lun­gen zu:

■ Mo­dell­au­tos und Bah­nen „zum Na­schen gern“, zum Bei­spiel aus Scho­ko­la­de,

■ un­ge­öff­ne­te Wun­der­tü­ten und de­ren In­hal­te der 60er-jah­re,

■ Bil­der von Ver­kehrs­un­fäl­len und der Ber­gung durch die Göt­tin­ger Fir­ma Kör­ner in der Nach­kriegs­zeit,

■ der Mo­dell­bahn­film zur Gar­te­tal­bahn mit ein­zig­ar­ti­gen, ori­gi­nal­ge­treu­en Nach­bau­ten we­sent­li­cher Ge­bäu­de an der Stre­cke.

Lo­ka­le Aus­stel­lun­gen

Auch an­de­re Aus­stel­lun­gen zu lo­ka­len Themen wie Müll­be­sei­ti­gung, Ret­ter und Hel­fer mit Blau­licht, Spiel­zeug­ge­schäf­te, Flug­platz, Film­stadt, re­gio­na­le Wer­bung der ver­gan­ge­nen 150 Jah­re brach­ten viel In­ter­es­san­tes im Sin­ne ei­ner (Göt­tin­ger) Zei­t­rei­se zu­sam­men. Ein Schwer­punkt und nur wäh­rend der Mo­dell­bör­se zu fin­den ist bis heu­te der Ser­vice der kos­ten­frei­en Wert­schät­zung für mit­ge­brach­tes äl­te­res Spiel­zeug - der Vor­läu­fer von „Ba­res für Ra­res“. Be­su­cher brach­ten ih­re Ra­ri­tä­ten mit und lie­ßen sie schät­zen. Oft­mals fand sich auch gleich ein In­ter­es­sent, mit dem man sich ei­nig wur­de.

Durch den Ab­riss 2009 der aus den An­fang der 1960er-jah­ren stam­men­den Fest­hal­le und dem an­schlie­ßen­den Neu­bau (bis 2011) und we­gen ter­min­li­cher Pro­ble­me wa­ren zehn der 99 Mo­dell­bör­sen ins Bür­ger­schüt­zen­haus Göt­tin­gen und ins Bür­ger­haus Bo­ven­den ver­legt wer­den. Vor der Rück­kehr in die neue Fest­hal­le konn­te wäh­rend der Bör­se am 31. Ok­to­ber 2011 vor dem Bür­ger­schüt­zen­haus un­ter dem The­ma „Lu­xusund Re­prä­sen­ta­ti­ons­fahr­zeu­ge“ein Mer­ce­des 600 (Werks­be­zeich­nung W 100) – da­mals als das bes­te Au­to der Welt be­zeich­net - im Ori­gi­nal vor­ge­stellt wer­den. Der Erst­be­sit­zer ge­nau die­ses Ex­em­plars: El­vis Pres­ley.

Vie­le Ar­bei­ten im Hin­ter­grud

Da­mit ei­ne der­ar­ti­ge Ver­an­stal­tung kei­ne „Ein­tags­flie­ge“bleibt, sei­en im Hin­ter­grund ei­ne Men­ge Ar­bei­ten not­wen­dig, sa­gen die Ver­an­stal­te­rin Cor­ne­lia Schmidt, Ehe­mann Mar­tin und Sohn Chris­ti­an. Von der Pla­nung und Ab­stim­mung mit an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, Stra­ßen-, Pla­kat-, An­zei­gen­und Hand­zet­tel­wer­bung, In­ter­net-an­kün­di­gun­gen, Ver­si­che­rung, Aus­wahl der An­bie­ter bis zur Gestal­tung der Aus­stel­lung muss al­les be­rück­sich­tigt und or­ga­ni­siert wer­den. Das Kon­zept, das in­zwi­schen et­wa 60000 Be­su­cher ken­nen- und schät­zen­ge­lernt ha­ben: un­ent­gelt­li­cher Ein­tritt für die Aus­stel­lung, für we­nig am Hob­by in­ter­es­sier­te Be­glei­tun­gen bei Bock­würst­chen, Kaf­fee und Ku­chen die Rück­kehr des Part­ner ab­war­ten. Auch in den für 2019 ge­plan­ten Bör­sen wird sich das nicht än­dern, ver­si­chern die Ver­an­stal­ter.

Er­öff­net wird die Mo­dell­bör­se am Sonn­tag, 9. De­zem­ber, um 10 Uhr. Auf die ers­ten 400 Be­su­cher war­tet als Dan­ke­schön ein H0-mo­dell­au­to: Mit ei­nem Griff in ei­nen al­ten Feld­post­sack be­steht die Chan­ce, auch ein sel­te­nes Son­der­mo­dell des be­kann­tes­ten Her­stel­lers, der Fir­ma Wi­king, zu si­chern.

Zwei Glanz­punk­te bei der dies­jäh­ri­gen Aus­stel­lung: Das kleins­te Feu­er­wehr-mo­dell der Welt wird ge­zeigt ei­ne Ma­gi­rus-dreh­lei­ter, Län­ge 0,6 Mil­li­me­ter. Und ein al­tes Mo­dell­au­to aus Blech mit Schwung­rad­an­trieb. Das Hess­mo­bil aus dem Jahr 1905 hat­te die Wir­ren zwei­er Welt­krie­ge über­stan­den und war auf der Flucht im Ruck­sack aus den Ost­ge­bie­ten in den Wes­ten trans­por­tiert wor­den. Vor Jah­ren über­gab ei­ne äl­te­re Da­me aus Bo­ven­den das sel­te­ne Stück den Or­ga­ni­sa­to­ren der Mo­dell­bör­se, der Nach­wuchs hat­te kein In­ter­es­se. Die Bit­te der Frau: Man mö­ge das his­to­ri­sche Blech­au­to doch in Eh­ren hal­ten. Nun wird der 113 Jah­re al­te Renn­wa­gen mit ei­nem ver­knif­fen drein­bli­cken­den Fah­rer am Steu­er der Öf­fent­lich­keit ge­zeigt.

In­fo Ge­öff­net ist die Bör­se in der Fest­hal­le We­en­de, Ernst-fahl­busch-stra­ße 20, von 10 bis 16 Uhr. Der Ein­tritt zur Bör­se kos­tet ab 14 Jah­ren drei Eu­ro. Die Son­der­aus­stel­lung kann kos­ten­frei be­sich­tigt wer­den.

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