Rom strei­tet über Schatz des Tre­vi-brun­nens

Bür­ger­meis­te­rin Rag­gi will der Kir­che die Glücks­mün­zen der Tou­ris­ten strei­tig ma­chen

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Do­mi­nik St­raub

Rom. Der Tre­vi-brun­nen in Roms ver­win­kel­ter Alt­stadt ist für al­le Rom-be­su­cher ein Muss: Ge­wal­ti­ge Men­schen­mas­sen las­sen sich täg­lich vor dem be­rühm­ten Was­ser­spiel ab­lich­ten und wer­fen ei­ne Mün­ze über die Schul­ter ins Was­ser. Denn der My­thos be­sagt, dass man dann ei­nes Ta­ges nach Rom zu­rück­keh­ren wird.

Al­le paar Ta­ge wer­den die Mün­zen von der rö­mi­schen Stadt­rei­ni­gung in be­trächt­li­chen Sum­men ab­ge­saugt. Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben die Tou­ris­ten rund 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro in den spät­ba­ro­cken Mo­nu­men­talbrun­nen ge- worfen – das sind 4100 Eu­ro pro Tag. Die schwe­ren Geld­sä­cke wer­den bis­lang der Ca­ri­tas, der Ar­men­für­sor­ge der Diö­ze­se Rom, über­ge­ben. Die­se un­ter­stützt mit dem Geld die­je­ni­gen, die durch das löch­ri­ge so­zia­le Netz fal­len.

Doch da­mit soll nun Schluss sein: Bür­ger­meis­te­rin Vir­gi­nia Rag­gi von der po­pu­lis­ti­schen Fünf-ster­ne-par­tei will den Schatz ab dem 1. April der Stadt­ver­wal­tung zu­kom­men las­sen. Der „über­wie­gen­de Teil“des Gel­des soll wei­ter­hin in nicht nä­her de­fi­nier­te „so­zia­le Pro­jek­te“flie­ßen, die öf­fent­lich aus­ge­schrie­ben wer­den. Der Rest soll laut dem Be­schluss dem Er­halt der Kul­tur­gü­ter in der Ewi­gen Stadt zu­gu­te­kom­men.

Die Ca­ri­tas be­fürch­tet nun, das Geld könn­te in den bü­ro­kra­ti- schen Ka­nä­len der hoch ver­schul­de­ten Me­tro­po­le ver­si­ckern. Laut Don Be­no­ni Am­ba­rus, Di­rek­tor der Ca­ri­tas der Diö­ze­se Rom, sol­len künf­tig An­ge­stell­te des Was­ser­ver­sor­gers Acea das Geld nach Wäh­run­gen sor­tiert zur Bank brin­gen. Für die Ar­men in der Stadt Rom sei Rag­gis Ent­scheid ein schwe­rer Schlag. Die Mün­zen aus dem Tre­vi-brun­nen mach­ten im­mer­hin 15 Pro­zent der ge­sam­ten Ein­nah­men des Bis­tums aus.

Nun hofft Don Be­no­ni auf ein Ein­len­ken der Bür­ger­meis­te­rin – oder we­nigs­tens dar­auf, dass der Brun­nen­schatz wei­ter­hin den Ar­men Glück bringt und nicht bloß dem klam­men Stadt­sä­ckel.

FOTO: A. TARANTINO/AP

Glücks­brin­ger: 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro lan­den jähr­lich im Tre­vi-brun­nen.

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