Kos­ten für Pfle­ge­heim-platz: An­ge­hö­ri­ge wer­den ent­las­tet

Dia­ko­nie be­grüßt neu­es Ge­setz – Kri­ti­ker se­hen deut­li­che Mehr­kos­ten bei ge­rin­gem Nut­zen

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Ba­sil We­ge­ner und Axel Hof­mann

Ber­lin. Die Kin­der von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sol­len in den meis­ten Fäl­len von Kos­ten fürs Pfle­ge­heim be­freit wer­den. Nach ei­nem Ge­setz, das der Bun­des­tag ver­ab­schie­det hat, müs­sen sich Töch­ter und Söh­ne der Be­trof­fe­nen erst ab ei­nem jähr­li­chen Brut­to­ein­kom­men von 100 000 Eu­ro fi­nan­zi­ell an der Pfle­ge der El­tern be­tei­li­gen. Die Kom­mu­nen warn­ten um­ge­hend vor Mehr­be­las­tun­gen und for­der­ten ei­nen Aus­gleich. Die Dia­ko­nie in Nie­der­sach­sen be­grüßt das neue Ge­setz und sieht da­durch ei­ne jah­re­lan­ge For­de­rung er­füllt.

Wenn Pfle­ge­be­dürf­ti­ge die Heim­kos­ten nicht zah­len kön­nen, springt bis­lang zu­nächst das So­zi­al­amt mit der „Hil­fe zur Pfle­ge“ein. Oft bit­tet die Be­hör­de dann die Kin­der zur Kas­se, um so ei­nen Teil der Kos­ten zu­rück­zu­be­kom­men. Häu­fig scheu­en die Äm­ter al­ler­dings auch vor sol­chen For­de­run­gen zu­rück, weil auf­wen­di­ge Ver­fah­ren und Ein­kom­mens­prü­fun­gen nö­tig wer­den.

Wie vie­le Men­schen an den Kos­ten be­tei­ligt wer­den, ist schwer zu sa­gen. Ei­ne ak­tu­el­le aus­sa­ge­kräf­ti­ge Sta­tis­tik gibt es nicht. Im Ge­setz­ent­wurf ist von rund 55000 Men­schen die Re­de. Auf So­zi­al­hil­fe an­ge­wie­sen sind 300 000 Heim­be­woh­ner, weil Ren­te, Pfle­ge­ver­si­che­rung und das ei­ge­ne Ver­mö­gen nicht rei­chen. Der Deut­sche Städ­te­tag rech­net mit Mehr­kos­ten von jähr­lich 500 Mil­lio­nen Eu­ro für die Städ­te. Nach­ge­wie­se­ne Mehr­be­las­tun­gen müss­ten den Kom­mu­nen voll­stän­dig aus­ge­gli­chen wer­den, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hel­mut De­dy dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND).

Die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz zwei­fel­te die Zah­len an und maß dem Ge­setz nur ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Aus­wir­kun­gen zu. „Denn von den 4 Mil­li­ar­den Eu­ro, die die Kom­mu­nen für die So­zi­al­hil­fe von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zah­len, kön­nen sie sich heu­te ge­ra­de ein­mal 77 Mil­lio­nen Eu­ro von den An­ge­hö­ri­gen zu­rück­ho­len“, sag­te Stif­tungs­vor­stand Eu­gen Brysch un­ter Be­ru­fung auf Da­ten

Eu­gen Brysch, Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz

des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts. „Das An­ge­hö­ri­gen-ent­las­tungs­ge­setz klingt groß, wird aber in der Pra­xis kaum zu spü­ren sein“, meint Brysch.

Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) sag­te, da die Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ei­nes An­ge­hö­ri­gen be­reits ei­ne emo­tio­na­le und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Be­las­tung sei, müss­ten die Be­trof­fe­nen we­nigs­tens vor un­kal­ku­lier­ba­ren fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken ge­schützt wer­den. Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Franziska Giffey (SPD) er­klär­te, das Ge­setz sei ein wich­ti­ger Bei­trag für den so­zia­len Zu­sam­men­halt im Land.

Die Ei­gen­be­tei­li­gung von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen für ei­nen He­im­platz stieg im Bun­des­schnitt zu­letzt auf knapp 1930 Eu­ro. Ent­hal­ten sind Kos­ten für Pfle­ge, Un­ter­kunft, Ver­pfle­gung und In­ves­ti­tio­nen in den Ein­rich­tun­gen.

Für die Pfle­ge al­lein liegt der Ei­gen­an­teil im Schnitt bei rund 690 Eu­ro. Die Grü­nen wol­len hier ei­nen De­ckel ein­zie­hen, wie aus ei­nem am Frei­tag im Bun­des­tag be­ra­te­nen An­trag her­vor­geht.

Das Ge­setz zur Ent­las­tung An­ge­hö­ri­ger klingt groß, wird aber in der Pra­xis kaum zu spü­ren sein.

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