De­sign-Du­ell

Ber­toia oder Ea­mes – wer er­fand den Stahl­draht­stuhl?

Elle Decoration (Germany) - - INHALT - JU­LI­AN TIE­FEN­BA­CHER

Sie hat­ten so ei­nen gu­ten Draht zu­ein­an­der – und en­de­ten als Geg­ner vor Ge­richt: Die De­si­gner Charles Ea­mes (1907–1978) und Har­ry Ber­toia (1915–1978) lern­ten sich als Leh­rer an der le­gen­dä­ren Cr­an­brook Aca­de­my (Bloom­field, Mi­chi­gan) ken­nen, wur­den auch jen­seits der Hör­sä­le Freun­de. Ber­toia ent­warf den Hoch­zeits­ring für Ray Ea­mes. Und be­gann in Ea­mes’ Bü­ro zu ar­bei­ten. Zu­sam­men ex­pe­ri­men­tier­ten die bei­den mit bieg­sa­mem Schicht­holz. Das Er­geb­nis: der le­gen­dä­re „Ply­wood DCW“-Stuhl, den Ea­mes aber nur un­ter sei­nem Na­men auf den Markt brach­te. Kurz dar­auf ver­ließ Ber­toia 1946 das Bü­ro – ein Ent­schluss, den laut Ea­mes-En­kel Ea­mes De­me­tri­os (im Buch „An Ea­mes Pri­mer“, Riz­zo­li) auch an­de­re Mit­ar­bei­ter aus ähn­li­chem Grund tra­fen. Ray, selbst Ur­he­be­rin vie­ler Klas­si­ker, fand sich da­mit ab, im Hin­ter­grund zu ar­bei­ten. Ber­toia aber wech­sel­te zu sei­ner Freun­din Flo­rence Knoll und ih­rem La­bel Knoll In­ter­na­tio­nal. Sei­ne Ide­en für Mö­bel aus Stahl­draht­ge­flecht nahm er mit. Und fühl­te sich be­stoh­len, als Ea­mes 1951 den „Wi­re Chair“(o.r.) prä­sen­tier­te. Ein Jahr vor sei­nem ei­ge­nen Draht­stuhl „Dia­mond“(o. l.) für Knoll. Es folg­te ein Pa­ten­te-Pro­zess, den am En­de Ea­mes ge­wann. Die Freun­de spra­chen nie mehr mit­ein­an­der. Nur ih­re Stüh­le ver­bin­den sie op­tisch bis heu­te …

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