Freie Bahn für Neu­bau der Frie­sen­brü­cke

Bund über­nimmt Mehr­kos­ten von 20 Mil­lio­nen Eu­ro – Fer­tig­stel­lung bis Herbst 2024 ge­plant

Ems-Zeitung - - NACHBARSCHAFT - Von Gerd Scha­de

Das Rin­gen um die Fi­nan­zie­rung der Mehr­kos­ten für ei­nen Neu­bau der zer­stör­ten Frie­sen­brü­cke über die Ems bei Wee­ner ist be­en­det. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um si­cher­te ges­tern zu, die Mehr­kos­ten von 20 Mil­lio­nen Eu­ro zu über­neh­men.

BONN/WEE­NER. Da­mit ist der Weg frei für den Neu­bau der Ei­sen­bahn­brü­cke, de­ren ge­schlos­se­ne Brü­cken­klap­pe im De­zem­ber 2015 von dem Fracht­schiff „Ems­moon“ge­rammt und zer­stört wor­den war. Seit­dem ist sie für Zü­ge, Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer nicht mehr pas­sier­bar. Der Neu­bau in Form ei­ner Dreh­brü­cke soll bis zum Herbst 2024 ste­hen, hieß es nach ei­nem Spit­zen­tref­fen der Task­force „Frie­sen­brü­cke“im Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in Bonn.

Dem­nach soll das Bau­werk im Zu­ge der Bahn­ver­bin­dung Gro­n­in­gen–Leer die Durch­fahrt der auf der Pa­pen­bur­ger Mey­er Werft ge­bau­ten Kreuz­fahrt­schif­fe er­leich­tern. Zu­dem soll es dank schnel­le­rer Öff­nungs- und Schließ­zei­ten für ei­ne bes­se­re Tak­tung im Bahn­ver­kehr sor­gen. Die al­te Brü­cke hat­te ei­nen Klapp­me­cha­nis­mus, Tei­le muss­ten wäh­rend der Ems­über­füh­run­gen der Mey­er-Lu­xus­li­ner aus­ge­hängt wer­den.

Die Bahn hat die Bau­kos­ten mit 48,5 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt. Das Land Nie­der­sach­sen will fünf Mil­lio­nen Eu­ro Zu­schuss ge­ben. Zu­gleich will es 30 Mil­lio­nen Eu­ro vor­fi­nan­zie­ren. Zu­nächst war ei­ne rei­ne Re­pa­ra­tur der Brü­cke ge­plant.

Nach den Wor­ten der hie­si­gen CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Git­ta Con­ne­mann, die an dem Spit­zen­ge­spräch teil­nahm, wird die Bahn nach Ab­schluss der Vor­pla­nun­gen un­mit­tel­bar in die Ent­wurfs­pla­nung ein­stei­gen. „Es war ei­ne schwe­re Ge­burt. Bis­lang hat die Bahn aber kei­nen Tag ver­lo­ren“, ver­si­cher­te Con­ne­mann im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Nun könn­ten „mit Voll­dampf“die Pla­nun­gen für die „gro­ße Lö­sung“star­ten. Die Vor­pla­nung hat Con­ne­mann zu­fol­ge eben­so ei­nen rei­nen Er­satz wie ei­nen Teil­neu­bau be­rück­sich­tigt.

Die Ent­wurfs­pla­nung wer­de et­wa ein Jahr dau­ern, skiz­zier­te die CDU-Po­li­ti­ke­rin die wei­te­re Zeit­schie­ne. Eben­so lan­ge wer­de die Pl­an­fest­stel­lung lau­fen. Wenn al­les glatt­ge­he, könn­ten die Ar­bei­ten nach der Ge­neh­mi­gung durch das Ei­sen­bahn­bun­des­amt En­de 2020 ver­ge­ben wer­den, so­dass im Herbst 2024 mit der In­be­trieb­nah­me ge­rech­net wer­den kön­ne. Die Fi­nan­zie­rung sol­le im März 2018 im Haus­halts­ge­setz­ent­wurf des Bun­des ver­an­kert wer­den.

An der jet­zi­gen Lö­sung hät­ten al­le Be­tei­lig­ten ih­ren An­teil, be­ton­te Con­ne­mann, konn­te sich ei­nen Sei­ten­hieb auf ih­re po­li­ti­schen Geg­ner aber nicht ver­knei­fen. „Ich hät­te mir ge­wünscht, dass man­che we­ni­ger Kraft in Pres­se­mit­tei­lun­gen, son­dern mehr Ener­gie für ei­ne Ge­samt­lö­sung auf­ge­wen­det hät­ten.“

Mo­der­ne Dreh­brü­cke

Lan­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD), der selbst an dem Ge­spräch nicht teil­nahm, sprach in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung von ei­nem „Er­folg für Nie­der­sach­sen“, nach­dem „das zä­he Rin­gen end­lich ein En­de“ha­be. Der Bund wer­de sei­ner Ver­ant­wor­tung ge­recht: „Das ist gut so.“Nach sei­ner Auf­fas­sung ha­ben sich „un­se­re Be­harr­lich­keit und Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft aus­ge­zahlt“. Die Re­gi­on be­kom­me end­lich ei­ne mo­der­ne Dreh­brü­cke.

Im Sin­ne ei­ner mög­lichst schnel­len Um­set­zung kün­dig­te Lies an, re­gel­mä­ßig al­le Be­tei­lig­ten im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um an den Tisch zu ho­len. „Wir dür­fen bei der Um­set­zung nicht aus dem Zeit­plan kom­men. Die Fer­tig­stel­lung 2024 muss si­cher sein“, so der Mi­nis­ter.

Ziel sei es, dass der Neu­bau auch zu ei­ner Ver­bes­se­rung des Bahn­ver­kehrs füh­re. „Stünd­lich ste­hen 20 Mi­nu­ten für den Bahn­ver­kehr von Leer nach Gro­n­in­gen zur Ver­fü­gung. Da­mit könn­te die von den Nie­der­län­dern ge­plan­te „Wun­der­li­nie“von Gro­n­in­gen nach Bre­men rea­li­siert wer­den. Bis zur Fer­tig­stel­lung der Brü­cke wer­den dem Mi­nis­te­ri­um zu­fol­ge das Land und die Pro­vinz­re­gi­on Gro­n­in­gen ei­nen Pen­del­bus­ver­kehr als Er­satz or­ga­ni­sie­ren.

In Pa­pen­burg sorg­te der Durch­bruch in der Fra­ge der Mehr­kos­ten­fi­nan­zie­rung für gro­ße Er­leich­te­rung. „Al­le Be­tei­lig­ten, al­len vor­an Staats­se­kre­tär Enak Fer­le­mann und Git­ta Con­ne­mann, ha­ben heu­te den Teil­neu­bau der Frie­sen­brü­cke end­gül­tig auf den Weg ge­bracht“, er­klär­te Bür­ger­meis­ter Jan Pe­ter Becht­luft (CDU) auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Er sprach von ei­nem „gu­ten Tag für al­le Be­trie­be im Pa­pen­bur­ger See­ha­fen“und auch für die See­und Bin­nen­schiff­fahrt auf der gan­zen Ems. Zu ver­dan­ken sei der Durch­bruch der „en­er­gi­schen Ar­beit“Fer­le­manns und Con­ne­manns. Mit der Lö­sung hät­ten die In­ter­es­sen al­ler an dem Spit­zen­ge­spräch be­tei­lig­ten Part­ner be­rück­sich­tigt wer­den kön­nen, so Becht­luft. „Mit dem Teil­neu­bau wird die Zu­kunft der Bahn­li­nie Gro­n­in­gen–Bre­men eben­so si­cher­ge­stellt wie die zu­kunfts­fä­hi­ge Schiff­bar­keit auf der Ems.“

Werft­spre­cher Pe­ter Hack­mann zeig­te sich er­freut über ei­ne „kon­struk­ti­ve Lö­sung“, die ei­ner­seits zu­kunfts­wei­send und de­ren Fi­nan­zie­rung nun­mehr auch ge­si­chert sei. Die Werft hat­te sich ei­ne grö­ße­re Brü­cken­öff­nung ge­wünscht.

An dem Ge­spräch im Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um nah­men au­ßer Con­ne­mann und Becht­luft mit den Land­rä­ten Rein­hard Win­ter (CDU, Ems­land) und Mat­thi­as Groo­te (SPD, Leer), den Bür­ger­meis­tern Theo Dou­wes (par­tei­los, Westo­ver­le­din­gen) und Lud­wig Sonnenberg (par­tei­los, Wee­ner) so­wie Werft­chef Ber­nard Mey­er und Jo­chen Zer­rahn (Mey­er Werft) wei­te­re Ver­tre­ter aus der Re­gi­on teil.

Fotos: Lars Klem­mer/Bü­ro Con­ne­mann

Am 3. De­zem­ber 2015 ramm­te der Frach­ter „Ems­moon“die Frie­sen­brü­cke. Über den Durch­bruch für die Mehr­kos­ten­fi­nan­zie­rung ges­tern in Bonn freu­en sich (v. l.) Ul­rich Bi­scho­ping (Bahn), Rein­hard Win­ter, Theo Dou­wes, Git­ta Con­ne­mann, Mat­thi­as Groo­te, Fleur Gräper (Pro­vinz Gro­n­in­gen), Lud­wig Sonnenberg, Enak Fer­le­mann und Jan Pe­ter Becht­luft.

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