Er­mitt­ler nun täg­lich mit Fall Sand­ker be­fasst

Neue Mord­kom­mis­si­on in Sö­gel

Ems-Zeitung - - VORDERSEIT­E - Von Mai­ke Plag­gen­borg

SÖ­GEL Im Fall der vor knapp 23 Jah­ren in Sö­gel er­dros­selt auf­ge­fun­de­nen El­ke Sand­ker hat die Po­li­zei­in­spek­ti­on Lin­gen/Graft­schaft Bent­heim nun die „Mord­kom­mis­si­on El­ke Sand­ker II“ein­ge­rich­tet, die sich von der Sö­ge­ler Po­li­zei­wa­che aus täg­lich mit den Er­mitt­lun­gen in die­sem Fall be­fas­sen wird.

Hin­ter­grund sind die im Ja­nu­ar ex­tra­hier­ten DNA-Spu­ren des Tä­ters auf dem Pul­lun­der der da­mals 24 Jah­re al­ten Frau durch das Lan­des­kri­mi­nal­amt. Der­zeit wer­den Spei­chel­tests von be­reits da­mals be­frag­ten Per­so­nen auf frei­wil­li­ger Ba­sis ge­nom­men. Ers­ter Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Die­ter Schmidt zieht au­ßer­dem die Op­ti­on Rei­hen­gen­test in Be­tracht. Wei­te­re Hin­wei­se könn­ten auch even­tu­el­le Ver­let­zun­gen des Tä­ters lie­fern, de­nen Zeu­gen da­mals kei­ne Be­deu­tung ga­ben.

In den Fall der vor knapp 23 Jah­ren in Sö­gel ge­tö­te­ten El­ke Sand­ker kommt wei­ter Be­we­gung. Ak­tu­ell hat die Po­li­zei ei­ne neue Mord­kom­mis­si­on in Sö­gel ein­ge­rich­tet und ei­ni­ge Mund­spei­chel­pro­ben von den­je­ni­gen ge­nom­men, die be­reits da­mals über­prüft wur­den.

SÖ­GEL Die­ter Schmidt, Ers­ter Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar der Po­li­zei­in­spek­ti­on Ems­land/Graf­schaft Bent­heim, spricht über die 1995 er­mor­de­te Frau wie über ei­ne al­te Be­kann­te. Er nennt sie beim Vor­na­men, sagt, dass sie be­kannt und sehr be­liebt war, be­rich­tet aus den letz­ten St­un­den ih­res Le­bens – al­les re­kon­stru­iert, doch Schmidt ist den­noch nah dran an dem Ge­sche­he­nen. Es ist da­mals der ers­te Mord sei­ner Lauf­bahn, wie er sagt, und bis heu­te der ein­zi­ge, den der in­zwi­schen lei­ten­de Er­mitt­ler der „Mord­kom­mis­si­on El­ke Sand­ker II“nicht auf­klä­ren konn­te. Seit Ja­nu­ar wächst

Po­li­zei rollt Fall neu auf: noz.de/ar­ti­kel/1012778 die Hoff­nung, den Tä­ter zu fin­den. Kol­le­gen vom Lan­des­kri­mi­nal­amt kön­nen DNA-Spu­ren auf der Klei­dung Sand­kers ex­tra­hie­ren. Der Fall wird neu auf­ge­rollt.

Das war pas­siert: Die da­mals 24 Jah­re al­te Rechts­an­walts­ge­hil­fin kommt nach ei­nem Kir­mes­be­such in Sö­gel nicht nach Hau­se. Am Tag dar­auf – es ist der 22. Au­gust 1995 – fin­den ih­re Freun­de Sand­ker er­dros­selt auf ei­nem Feld an der Werl­ter Stra­ße. Fest steht: Es war kein Se­xu­al­de­likt.

Seit Mit­te Ju­ni gibt es die neue Er­mitt­lungs­ein­heit in der Po­li­zei­sta­ti­on Sö­gel. Wie vie­le Leu­te dar­in mit­ar­bei­ten, will Schmidt nicht sa­gen. Sie be­schäf­tigt sich fort­an täg­lich nur mit die­sem Fall, ar­bei­tet Hin­wei­se nach fri­schen Be­richt­er­stat­tun­gen der ver­gan­ge­nen Wo­chen ab und geht das The­ma Spei­chel­pro­ben an, er­klärt Schmidt. Wer schon da­mals oh­ne Ali­bi ist, steht auch heu­te wie­der auf der Lis­te der er­mit­teln­den Mord­kom­mis­si­on und wird um die Pro­be ge­be­ten. Schmidt und Kol­le­gen setz­ten auf Frei­wil­lig­keit. Und Ei­gen­in­itia­ti­ve. „Das wür­de uns hel­fen.“Und wenn je­mand ver­wei­gert? „Da gu­cken wir ge­nau­er hin“, sagt Schmidt. Bis­her ha­ben al­le mit­ge­macht, sagt er. „Wir ha­ben da­mals vie­le über­prüft“, sagt Schmidt, und nicht nur we­gen der Mas­se ist die Su­che nach pro­ben­ge­ben­den Kan­di­da­ten schwie­rig. Nach fast 23 Jah­ren stim­men die Mel­de­da­ten nicht mehr. Und: „Ei­ni­ge sind ver­stor­ben.“Ex­hu­mie­run­gen müs­sen gut be­grün­det wer­den und brau­chen ei­nen rich­ter­li­chen Be­schluss.

Wenn al­les nicht hilft, muss der letz­te Fahn­dungs­weg in Sa­chen Wat­te­stäb­chen ran. Ein Rei­hen­gen­test wä­re ei­ne Über­le­gung, die aber neue Schwie­rig­kei­ten her­vor­bringt: Auf wel­che Re­gi­on soll­te der Test be­schränkt wer­den? Die Kir­mes, die Sand­ker da­mals in be­sag­ter Nacht be­such­te, hat­te ein gro­ßes Ein­zugs­ge­biet. Wel­che Al­ters­grup­pe kommt in Be­tracht? Bei den 20- bis 60-jäh­ri­gen Män­nern ver­passt man den mög­li­chen Tä­ter, der da­mals 19 oder 61 Jah­re alt war.

Ei­ne wei­te­re Chan­ce sieht der Kom­mis­sar bei Hin­wei­sen, die sich aus dem „dy­na­mi­schen Kampf­ge­sche­hen“ zwi­schen Sand­ker und ih­rem Mör­der er­ge­ben. Die Er­mitt­ler ha­ben da­mals zwar kein Blut auf dem Feld ge­fun­den, aber: „Even­tu­ell hat­te je­mand nach der Tat Ver­let­zun­gen, de­nen ein Zeu­ge kei­ne Be­deu­tung zu­ge­mes­sen hat“, sagt Schmidt und hofft auf Mel­dung aus der Be­völ­ke­rung. Bis da­hin ver­kün­det der heu­te 55-Jäh­ri­ge: „Ein paar Jah­re ha­be ich noch“mit Blick auf sei­nen in sechs Jah­ren an­ste­hen­den Ru­he­stand. Er ver­spricht: „Wir hö­ren nicht auf.“

Zeu­gen kön­nen sich bei der Po­li­zei Lin­gen un­ter Te­le­fon 05 91/8 70 oder je­der an­de­ren Di­enst­stel­le mel­den.

Fo­tos: Po­li­zei/Plag­gen­borg

Am 22. Au­gust 1995 fin­den Freun­de von El­ke Sand­ker die ge­tö­te­te Frau auf ei­nem Stop­pel­feld an der Werl­ter Stra­ße. Die­ter Schmidt, Lei­ter der Mord­kom­mis­si­on, be­rich­tet vom da­ma­li­gen Fund­ort über den Ta­ther­gang.

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