Kin­der­lo­se stär­ker zur Kas­se bit­ten?

Vor­stoß von Spahn löst har­sche Kri­tik aus / So­zi­al­ver­band: Nicht ziel­ge­nau / Heil: Ei­ne schrä­ge Idee

Ems-Zeitung - - POLITIK - Von Uwe West­dörp

Kin­der­lo­se soll­ten nach An­sicht von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hö­he­re So­zi­al­bei­trä­ge zah­len als El­tern. Nicht nur Ka­bi­netts­kol­le­ge Hu­ber­tus Heil von der SPD wi­der­spricht deut­lich. OS­NA­BRÜCK Für Jens Spahn ist es ei­ne Fra­ge der Ge­rech­tig­keit: Kin­der­lo­se Ver­si­cher­te soll­ten sei­ner An­sicht nach deut­lich mehr in die Pfle­ge- und Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zah­len als Müt­ter und Vä­ter. „El­tern zie­hen künf­ti­ge Bei­trags­zah­ler groß und si­chern das Sys­tem so für die Zu­kunft“, schrieb der CDU-Po­li­ti­ker in Gast­bei­trä­gen für die „Süd­west­pres­se“und die „Mär­ki­sche Oder­zei­tung“. Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter be­zeich­ne­te sich selbst als ei­nen „Kin­der­lo­sen, der be­reit ist, fi­nan­zi­ell mehr zur Zu­kunfts­fä­hig­keit des Sys­tems bei­zu­tra­gen“. El­tern hin­ge­gen müss­ten ab­hän­gig von der Zahl ih­rer Kin­der von Ein­zah­lun­gen in die Ren­ten­kas­se ent­las­tet wer­den.

Glei­ches gel­te für die Pfle­ge­ver­si­che­rung. Der Bei­trags­satz für die Pfle­ge­ver­si­che­rung liegt für Kin­der­lo­se be­reits 0,25 Pro­zent­punk­te hö­her als für Ver­si­cher­te mit Kin­dern. Die­ses Grund­prin­zip sei rich­tig und vor­bild­lich. „Aber auch da gin­ge mehr“, schrieb Spahn.

Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) kri­ti­sier­te, es sei „mehr als ei­ne schrä­ge Idee, Kin­der­lo­se zu be­stra­fen, zu­mal die Kin­der­lo­sig­keit in vie­len Fäl­len un­ge­wollt ist“. Ihm ge­he es statt­des­sen dar­um, Fa­mi­li­en zu un­ter­stüt­zen. „Wenn wir die fi­nan­zi­el­le Ba­sis der Ren­ten­ver­si­che­rung stär­ken wol­len, soll­ten wir lie­ber über ei­nen hö­he­ren Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trag für sehr rei­che Men­schen nach­den­ken“, sag­te der SPD-Mi­nis­ter.

Auch Ge­werk­schaf­ten und So­zi­al­ver­bän­de lehn­ten Spahns Vor­stoß ab. DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach

sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Wer Kin­der er­zieht, hat An­spruch auf Un­ter­stüt­zung, kei­ne Fra­ge. Aber das ist ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be und da­mit ei­ne Auf­ga­be al­ler Steu­er­zah­ler.“

Bun­ten­bach for­der­te zugleich, das So­li­dar­sys­tem als Bür­ger­ver­si­che­rung aus­zu­wei­ten – „auch auf Ab­ge­ord­ne­te und Men­schen, die von Ka­pi­tal­ein­künf­ten le­ben kön­nen und die zur So­li­dar­ge­mein­schaft der­zeit nichts bei­tra­gen müs­sen“. Mit Blick auf Spahn kri­ti­sier­te die Ge­werk­schaf­te­rin: „Mit vol­len Ta­schen ist gut schen­ken. Hier be­straft je­mand, der selbst qua Ge­setz gar kein Mit­glied der Pflicht­ver­si­che­rung ist, die­je­ni­gen, die über ih­re So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge eh schon in die So­li­dar­ge­mein­schaft ein­zah­len.“Auch Ve­re­na Ben­te­le, Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­ban­des VdK Deutsch­land, lehn­te hö­he­re Pfle­ge- und Ren­ten­bei­trä­ge für kin­der­lo­se Ver­si­cher­te ab: „Das ist nicht ziel­ge­nau und nicht ziel­füh­rend“, sag­te sie un­se­rer Re­dak­ti­on. Ben­te­le er­läu­ter­te, Kin­der­lo­se müss­ten beim Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trag schon jetzt ei­nen Zu­schlag ent­rich­ten. Ben­te­le for­der­te statt­des­sen, den steu­er­fi­nan­zier­ten Fa­mi­li­en­leis­tungs­aus­gleich aus­zu­bau­en und die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf zu ver­bes­sern.

Seit ges­tern ist Spahn als drit­ter pro­mi­nen­ter Kan­di­dat of­fi­zi­ell im Ren­nen um den CDU-Bun­des­vor­sitz. Spahns Hei­mat­ver­band, die CDU im müns­ter­län­di­schen Bor­ken, no­mi­nier­te ihn am Abend bei ei­ner Vor­stands­klau­sur ein­stim­mig, wie Kreis­ge­schäfts­füh­rer Mar­kus Jas­per mit­teil­te. Spahn ist nach CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er und ExU­ni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz der drit­te of­fi­zi­el­le Be­wer­ber um die Nach­fol­ge von Par­tei­che­fin An­ge­la Mer­kel.

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