1000 Hekt­ar Moor bis zu 60 Zen­ti­me­ter tief ver­brannt

Lin­ge­ner FDP-Ab­ge­ord­ne­ter Jens Beeck er­hält Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung / „Mo­or­brand auf­ar­bei­ten“

Ems-Zeitung - - KREIS EMSLAND - Von To­bi­as Bö­cker­mann

MEP­PEN/BER­LIN Ei­ne Klei­ne An­fra­ge des Lin­ge­ner Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jens Beeck (FDP) an die Bun­des­re­gie­rung hat neue Er­kennt­nis­se zum Mo­or­brand in der Tin­ner Do­se er­ge­ben. Dem­nach wa­ren Bun­des­re­gie­rung, Land, Land­kreis und ört­li­che Feu­er­weh­ren früh in­for­miert, aber nicht un­be­dingt alar­miert wor­den. Die Au­f­ar­bei­tung dau­ert an.

Über „Klei­ne An­fra­gen“an die Bun­des­re­gie­rung ha­ben Ab­ge­ord­ne­te das Recht, von der Bun­des­re­gie­rung Aus­kunft über be­stimm­te Sach­ver­hal­te zu er­lan­gen. Beeck hat­te 27 teils sehr de­tail­lier­te Fra­gen ge­stellt und nun Ant­wort er­hal­ten.

Beeck kri­ti­sier­te am Frei­tag­nach­mit­tag: „Die Bi­lanz des Bran­des ist ver­hee­rend. Wenn­gleich die Bun­des­wehr der­zeit noch den kon­kre­ten Scha­den­sum­fang er­mit­telt, ist schon jetzt klar, dass min­des­tens 1000 Hekt­ar Moor zer­stört sind. Ob 74 Ra­ke­ten­ab­schüs­se die­sen Scha­den wert sind, ist mehr als frag­lich.“

Die­se Zah­len hat­te die Bun­des­re­gie­rung ge­nannt. Dem­nach wa­ren zwi­schen Diens­tag, dem 28. Au­gust, und Mon­tag, dem 3. Sep­tem­ber, 74 Luft-Bo­den-Ra­ke­ten ein­ge­setzt wor­den, um den si­che­ren Be­trieb des Hub­schrau­bers Ti­ger zu tes­ten. Auch im Vor­feld des au­ßer Kon­trol­le ge­ra­te­nen Bran­des vom 3. Sep­tem­ber wa­ren klei­ne­re Brän­de ent­stan­den, die aber so­fort ge­löscht wer­den konn­ten.

„Ri­si­ko war ver­tret­bar“

Schieß­lei­tung und Bun­des­feu­er­wehr der WTD hat­ten dem­nach ei­ne Ri­si­ko­be­wer­tung durch­ge­führt und wa­ren zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, Den Ar­ti­kel: dass das Bran­d­ri­si­ko ver­tret­bar sei. Der „Wald­brand­ge­fah­ren­in­dex“wies für Mep­pen mit „ge­rin­ge Ge­fahr“die zweit­nied­rigs­te von fünf Stu­fen aus. Die Lösch­ka­pa­zi­tä­ten vor Ort ent­spra­chen dem­nach den An­for­de­run­gen. Al­ler­dings fiel die ein­zig zu die­sem Zeit­punkt ver­wend­ba­re von zwei Lö­schrau­pen dem­nach am 4. Sep­tem­ber aus und nicht am 3. Sep­tem­ber, al­so dem Tag des Aus­bruchs. Die zwei­te Lö­schrau­pe war schon am 1. Sep­tem­ber „auf der An­fahrt zu ei­nem Ein­satz“aus­ge­fal­len. Für den Ver­such war nur ei­ne not­wen­dig.

Auf die Fra­ge, wel­che öko­lo­gi­schen Schä­den ent­stan­den sei­en, er­hielt Beeck die Ant­wort, dass bei ei­ner ers­ten Prü­fung am 9. Ok­to­ber ei­ne „Brand- und Schad­flä­che“von rund 1000 Hekt­ar Moor fest­ge­stellt wor­den sei. Hier müs­se mit ei­ner Brand­tie­fe von bis zu 60 cm ge­rech­net wer­den – bis­her war die Re­de von 40 cm. „Durch den Brand wur­de der ober­fläch­li­che Teil der Ve­ge­ta­ti­on groß­flä­chig un­mit­tel­bar zer­stört“, heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung. Wie weit und wie schnell sich die­se Flä­chen er­ho­len könn­ten, blei­be ab­zu­war­ten.

„Kei­ne Ge­fahr“

Die Bun­des­re­gie­rung be­stä­tigt bis­he­ri­ge Ein­schät­zun­gen, nach de­nen kei­ne Ge­sund­heits­ge­fahr für Be­völ­ke­rung oder Ein­satz­kräf­te be­stan­den hat. Aus den Ant­wor­ten geht her­vor, dass die WTD am 4. Sep­tem­ber hö­he­re Stel­len über den Brand in­for­miert hat, dar­un­ter stan­dard­mä­ßig auch die Bun­des­re­gie­rung. Ei­ne An­fra­ge auf Un­ter­stüt­zung zu­min­dest durch das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um sei da­mit nicht ver­bun­den ge­we­sen. Dies sei am 4. Sep­tem­ber mit der An­for­de­rung ei­nes Hub­schrau­bers ge­sche­hen.

Die zu­stän­di­gen Be­hör­den des Lan­des Nie­der­sach­sen sei­en in­klu­si­ve Ret­tungs­leit­stel­le des Land­krei­ses Ems­land und Frei­wil­li­ger Feu­er­wehr Mep­pen am 3. Sep­tem­ber „über ein Brand­er­eig­nis“auf der WTD in­for­miert wor­den. Ein Er­su­chen auf Hil­fe er­ging hier dem­nach of­fen­sicht­lich am 6. Sep­tem­ber.

Ob die Vor­sor­ge­maß­nah­men aus­reich­ten und/oder es im An­schluss Feh­l­ein­schät­zun­gen der La­ge und im Vor­ge­hen gab, wird der­zeit nach An­ga­ben der Bun­des­re­gie­rung auf­ge­ar­bei­tet. Not­wen­di­ge Kon­se­quen­zen er­gä­ben sich im An­schluss.

Jens Beeck for­der­te: „Die Bun­des­wehr ist jetzt in der Pflicht, ih­ren wohl­klin­gen­den An­kün­di­gun­gen zur Au­f­ar­bei­tung der Er­eig­nis­se auch wirk­lich Ta­ten fol­gen zu las­sen. Das Er­geb­nis der Prü­fung, ob Ver­bes­se­run­gen an den Ab­läu­fen be­züg­lich der Ko­or­di­nie­rung al­ler han­deln­den Ein­satz­kräf­te not­wen­dig sind, ist klar – denn dass Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­or­di­nie­rung bes­ten­falls man­gel­haft wa­ren, steht wohl kaum zur De­bat­te.“

„In der Pflicht“

Und „oh­ne den en­ga­gier­ten Ein­satz der vie­len Frei­wil­li­gen vor Ort wä­re die La­ge ver­mut­lich weit­aus län­ger au­ßer Kon­trol­le ge­we­sen“, meint er. „Für die Zu­kunft ist nun wich­tig, dass das gu­te und ver­trau­ens­vol­le Ver­hält­nis zwi­schen ört­li­cher Be­völ­ke­rung und Bun­des­wehr wie­der­her­ge­stellt“wer­de.

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