Kla­ge soll Strom­lei­tung durch Schutz­ge­biet ver­hin­dern

Streit ums Fehnt­jer Tief: Um­welt­ver­bän­de zie­hen ge­gen ei­ne Tras­se in Ost­fries­land vor Ge­richt / Ver­zö­ge­rung für Ener­gie­wen­de?

Ems-Zeitung - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er

HANNOVER Der Land­kreis Au­rich und die Um­welt­ver­bän­de BUND und Nabu dro­hen mit ei­ner Kla­ge ge­gen ei­ne ge­plan­te Strom­lei­tung in Ost­fries­land. Das stell­ten sie ges­tern bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Hannover klar. Grund: Die neue 380-kV-Lei­tung von Em­den nach Wes­ter­ste­de soll künf­tig als Frei­lei­tung 3,8 Ki­lo­me­ter lang mit­ten durch das Vo­gel­schutz­ge­biet Flumm/ Fehnt­jer Tief na­he Gro­ße­fehn füh­ren. Das ist aus Sicht des Krei­ses und der Ver­bän­de rechts­wid­rig.

Ei­ne Ver­zö­ge­rung des Baus könn­te weit über Nie­der­sach­sen hin­aus Fol­gen ha­ben, denn die Lei­tung soll die Ener­gie­wen­de vor­an­brin­gen.

Der Kon­flikt es­ka­liert nun, weil die Pla­nun­gen des Netz­be­trei­bers Ten­net vor­an­schrei­ten: In der kom­men­den Wo­che soll der Er­ör­te­rungs­ter­min in Leer statt­fin­den. 2021 will das Un­ter­neh­men die knapp 61 Ki­lo­me­ter lan­ge Lei­tung in Be­trieb neh­men. Sie soll ei­ne be­reits be­ste­hen­de 220-kVStrom­lei­tung ab­lö­sen.

Grund des Neu­baus ist der Boom der Wind­ener­gie: Die neue Lei­tung soll den Wind­strom von der Küs­te auf­neh­men, um ihn gen Sü­den zu lei­ten. Bleibt die Lü­cke, kön­nen die Wind­rä­der kei­nen Strom ab­lie­fern. Die Ener­gie­wen­de kä­me ins Sto­cken.

Aus Sicht des Land­krei­ses Au­rich ist die Frei­lei­tung quer durch das FFH-Schutz­ge­bie­te schlicht rechts­wid­rig. Soll­te der Be­trei­ber wei­ter auf der bis­he­ri­gen Tras­sen­füh­rung be­ste­hen, blei­be dem Kreis wohl kei­ne an­de­re Wahl als ei­ne Kla­ge, sagt Au­richs Ers­ter Kreis­rat Frank Pu­chert. Die Lan­des­pla­nungs­be­hör­de ha­be ei­ne Frei­lei­tung schon vor Jah­ren als nicht raum­ver­träg­lich be­zeich­net. Ein Erd­ka­bel kommt nach An­sicht von Ten­net als Al­ter­na­ti­ve nicht in­fra­ge: Ers­tens fehl­ten da­zu die recht­li­chen Grund­la­gen, zwei­tens sei es in dem Feucht­ge­biet so­wohl schwer zu ver­le­gen als auch zu war­ten. Land­kreis und Um­welt­ver­bän­de schla­gen des­halb vor, das Fehnt­jer Tief mit sei­nen Kie­bit­zen, Brach­vö­geln und Ufer­schnep­fen mit der Lei­tung zu um­ge­hen – mög­lichst mit Erd­ver­ka­be­lung.

Bei Ten­net sieht man das wie­der­um nicht ein. „Die Lei­tung ist ge­neh­mi­gungs­fä­hig“, sag­te ein Ten­net-Spre­cher ges­tern un­se­rer Re­dak­ti­on. Der Be­trei­ber ver­weist dar­auf, dass bis­her ja auch ei­ne Frei­lei­tung durch das Schutz­ge­biet füh­re. Bei ei­ner Um­ge­hung des Fehnt­jer Tiefs wür­den hin­ge­gen neue Pro­ble­me auf­tre­ten: Die Lei­tun­gen dür­fen nicht zu na­he an Wohn­be­bau­un­gen ste­hen, Erd­ka­bel sei­en bei Wech­sel­strom­lei­tun­gen mit 380 kV zu­dem nur in Aus­nah­me­fäl­len zu­läs­sig.

Das wie­der­um se­hen Kreis und Na­tur­schutz­ver­bän­de an­ders. „Mit dem Bau der neu­en Lei­tung wür­de der Le­bens­raum ent­wer­tet“, klagt Nabu-Lan­des­chef Hol­ger Bu­sch­mann: Aus­ge­rech­net an dem Schutz­ge­biet sei die un­ter­ir­di­sche Ver­le­gung als Pi­lot­pro­jekt vom Bund er­laubt wor­den. Ten­net ha­be es über Jah­re ver­säumt, die Al­ter­na­ti­ven durch­zu­pla­nen. Auch das Land ha­be klar si­gna­li­siert, dass man ei­ne Erd­ver­ka­be­lung be­grü­ße. „In Berlin und Hannover hat man die Tü­ren ge­öff­net“, sagt Pu­chert. Das jet­zi­ge Vor­ge­hen sei „völ­lig un­ver­ständ­lich“, kri­ti­siert er. Da­bei sei nur 20 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie vom Fehnt­jer Tief zu be­sich­ti­gen, was beim il­le­ga­len Bau in Schutz­ge­bie­ten dro­he: Dort liegt die ge­sperr­te Um­ge­hungs­stra­ße von Ben­s­er­siel. Dem Schwarz­bau droht der Ab­riss.

Fo­to: Ro­mu­ald Ba­nik

Ge­plan­te Strom­lei­tung sorgt für Span­nun­gen: Das Fehnt­jer Tief im Be­reich der Ge­mein­de Gro­ße­fehn.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.