God­zil­la ge­gen den Rest der Welt

Die­ser Gran Tu­ris­mo-Ra­cer („GT-R“) brennt als ein­zi­ger asia­ti­scher Su­per­sport­wa­gen seit 50 Jah­ren Best­wer­te in den As­phalt von Renn­stre­cken und Au­to­bah­nen

Ems-Zeitung - - KFZ WELT -

KÖLN Vor die­sem Ja­pa­ner fürch­ten sich Fer­ra­ri- und Por­sche-Pi­lo­ten. Der su­per­schnel­le Nis­san GT-R tauch­te vor 50 Jah­ren auf aus der Tie­fe des Fer­nen Os­tens. So wie das Film­mons­ter God­zil­la, dem der GT-R sei­nen Ruf­na­men ver­dankt. Un­be­zwing­bar zu­ver­läs­sig und un­schlag­bar preis­wert, ist der GT-R Kult in der Su­per­carSze­ne.

Was God­zil­la an gla­mou­rö­sem Mar­ken­image fehlt, kom­pen­siert der schnells­te Nis­san durch ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches – ty­pisch ja­pa­ni­sches – Pro­duk­ti­ons­prin­zip: Ein Mann, ein Mo­tor. Ge­nau so be­gann in den 1950er Jah­ren die Er­folgs­ge­schich­te des Prin­ce (Nis­san) Sky­line, aus dem der Sky­line GT-R als Sport­ver­si­on her­vor­ge­gan­gen ist. Schon im Jahr 1957 kam der eben­so ro­bus­te wie zu­ver­läs­si­ge Sky­line als ers­tes ja­pa­ni­sches Au­to nach Eu­ro­pa.

Dem be­zahl­ba­ren Sechs­zy­lin­der 240 Z Fair­la­dy fiel die Rol­le des Wel­te­r­obe­rers zu, plat­zier­te sich in Re­kord­zeit auf dem Thron des glo­bal po­pu­lärs­ten Puls­be­schleu­ni­gers. Bis die su­per­schnel­le Top­ver­si­on Sky­line GT-R vom Hei­mat­markt den Sprung in die Al­te Welt wag­te, soll­te es dau­ern. Zu­nächst zeig­ten nur rechts­ge­lenk­te GT-R, dass Nis­san noch schär­fe­re Pfei­le im Kö­cher hat.

Un­ter den kla­ren Kan­ten des ers­ten GT-R ver­barg sich ro­bus­te Sport­fahr­werks­tech­nik und ein be­last­ba­rer, hoch­ge­rüs­te­ter Sechs­zy­lin­der, der auch flot­te Ita­lie­ner und Por­sche 911 zum Po­wer­play for­der­te. Klar, dass Nis­san nun auch von der nächs­ten, En­de 1972 vor­ge­stell­ten Sky­line-Ge­ne­ra­ti­on (Typ C110) ei­ne GT-R-Spe­zi­fi­ka­ti­on auf­leg­te. Die ge­wal­ti­ge Dy­na­mik vor­zugs­wei­se grell­weiß la­ckier­ter GT-R blieb Ja­pan vor­be­hal­ten. 1973 zog Nis­san den GT-R zu ei­ner Denk­pau­se ins De­pot zu­rück. Neu ge­mischt wur­den die Kar­ten im Sport­wa­gen­quar­tett erst wie­der 1989, als Nis­san über­ra­schend die drit­te Ge­ne­ra­ti­on des GT-R (Typ R32) an den Start schick­te, um mit ei­nem Sport­cou­pé die Renn­wa­gen der Grup­pe A auf­zu­mi­schen.

„Gun Grey Me­tal­lic“avan­cier­te zur fa­vo­ri­sier­ten La­ckie­rung für die aus­schließ­lich rechts­ge­lenk­ten Zwei­tü­rer, die über Um­we­ge auch nach Eu­ro­pa fan­den. Dort be­gehr­te den of­fi­zi­ell 280 star­ken Bo­li­den ei­ne leis­tungs­hung­ri­ge Com­mu­ni­ty auf den bri­ti­schen In­seln, aber auch auf dem Kon­ti­nent wur­den die GT-R der Se­ri­en R32, R33 (ab 1995) und R34 (ab 1999) nach und nach Kult. Kaum ein Fan stör­te sich am Lenk­rad auf der „fal­schen“Sei­te, wich­ti­ger war das Tu­ningpo­ten­zi­al der preis­wer­ten Bo­li­den, die es mit Fer­ra­ri und Ma­se­ra­ti auf­nah­men.

Der Nim­bus des GT-R wur­de durch Auf­trit­te in Kon­so­len­spie­len und Hol­ly­woo­dB­lock­bus­tern wie „The Fast and the Fu­rious“ge­fes­tigt. Als Nis­san den GT-R vom Sky­line trenn­te und 2007 als ei­gen­stän­di­ges Mo­dell vor­stell­te, war er der um­la­ger­te Su­per­star auf der To­kio Mo­tor Show. Wie ein schar­fes und ge­schickt ge­führ­tes Hocho-Schwert sorg­te der GT-R für un­gläu­bi­ges Stau­nen und Er­schre­cken der Ri­va­len: Kaum ein Tem­po-Re­kord ist ge­feit vor dem GT-R. Ob auf dem Nür­burg­ring, in Ho­cken­heim oder auf an­de­ren Rund­kur­sen, übe­r­all zählt der Nis­san zu den Angst­geg­nern von Por­sche, Fer­ra­ri, As­ton Mar­tin oder Au­di R8, die das Bud­get ih­rer Käu­fer leicht um das Dop­pel­te be­las­ten. Es war die Ge­burts­stun­de von God­zil­la, der bis heu­te Re­spekt ern­tet für sei­ne All­tags­taug­lich­keit und die An­läu­fe, auf Stre­cke und Stra­ße in Rich­tung Schall­mau­er flie­gen.

Fo­to: Nis­san

Ruf­na­me „God­zil­la“: Der Nis­san GT-R ab 2017.

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