Wei­ter Är­ger über Lärm am Turm­ka­nal

Po­li­zei und Ord­nungs­amt re­agie­ren zu­rück­hal­tend auf For­de­rung von Stadt­vil­len-Be­woh­nern in Papenburg

Ems-Zeitung - - VORDERSEITE - Von Gerd Scha­de

PAPENBURG Be­woh­ner der Stadt­vil­len am Turm­ka­nal in Papenburg füh­len sich wei­ter­hin durch Mo­to­ren­lärm und quiet­schen­de Rei­fen be­läs­tigt. Sie ma­chen Au­to­tu­ner da­für ver­ant­wort­lich. Sie schla­gen ei­ne Vi­deo­über­wa­chung des Are­als vor.

Be­woh­ner der Stadt­vil­len am Turm­ka­nal in Papenburg är­gern sich wei­ter über Lärm­be­läs­ti­gun­gen durch Au­to­tu­ner. Auf For­de­run­gen nach Vi­deo­über­wa­chung re­agiert die Stadt zu­rück­hal­tend. Die Po­li­zei tut nach ei­ge­nen An­ga­ben, was sie kann. Den wie­der­hol­ten Vor­wurf der Un­tä­tig­keit wei­sen die Be­am­ten wei­ter ent­schie­den zu­rück.

PAPENBURG Das Pro­blem schwelt in­zwi­schen seit ei­ni­gen Jah­ren und flammt im­mer mal wie­der neu auf. Zu­letzt hat­ten sich Vil­len-Be­woh­ner um Gerd La­ke­berg nach ei­nem spon­ta­nen Tref­fen von rund 500 Au­to­tu­nern im Ju­li 2018 öf­fent­lich be­schwert und mas­siv Kri­tik an der Po­li­zei ge­übt.

Nach An­ga­ben ei­nes an­de­ren Be­woh­ners, der sei­nen Na­men in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings nicht in der Zei­tung le­sen will, hat sich an der Si­tua­ti­on seit­dem im Grun­de nichts ge­än­dert. Min­des­tens vier­mal pro Wo­che wer­de er durch auf­heu­len­de Mo­to­ren und das Qu­iet­schen durch­dre­hen­der Rei­fen be­läs­tigt. Der Mann spricht zu­dem von „il­le­ga­len Au­to­ren­nen“. Die Zahl der Au­tos, die auf die­se Wei­se im Be­reich der Al­ten Werft ih­re nerv­tö­ten­den Run­den dreh­ten, be­zif­fert er im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on auf zwi­schen 10 und 40.

An ei­nem Abend kurz nach Weih­nach­ten sei ihm der Kra­gen ge­platzt. Ein­mal mehr sei er in den frü­hen Mor­gen­stun­den durch lau­te Mo­to­ren­ge­räu­sche aus dem Schlaf ge­ris­sen wor­den. Von der Ter­ras­se aus ha­be er be­ob­ach­tet, wie ei­ne an­gren­zen­de Ra­sen­flä­che durch ein ab­sicht­lich ins Drif­ten ge­brach­tes Au­to „kom­plett zer­stört“wor­den sei. Die Flä­che, die dem Pa­pen­bur­ger Bau­un­ter­neh­men Bun­te ge­hört, das auch die Stadt­vil­len er­rich­ten ließ, ist au­gen­schein­lich in der Tat von tie­fen Rei­fen­spu­ren durch­zo­gen. Das Un­ter­neh­men sei in­for­miert und ha­be Straf­an­trag ge­stellt, sagt der Be­woh­ner.

Bun­te macht er kei­nen Vor­wurf, sich als Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer nicht um die An­lie­gen der Be­woh­ner zu küm­mern, im Ge­gen­teil. „Die Fir­ma un­ter­nimmt al­les, aber die Po­li­zei tut nichts“, schimpft der Mann. Für ihn ist das Maß voll – auch weil er sich von der Po­li­zei nicht ernst ge­nom­men fühlt. Er schlägt vor, das Are­al zwi­schen dem Ho­tel Park Inn, dem Ho­tel Al­te Werft und dem Fo­rum Al­te Werft (al­so den Be­reich Turm­ka­nal/Öl­müh­len­platz) von Vi­deo­ka­me­ras über­wa­chen zu las­sen – groß­flä­chi­ge Hin­weis­schil­der in­klu­si­ve.

Der Pa­pen­bur­ger Ord­nungs­amts­lei­ter Matthias Hey­en er­klärt da­zu auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass der Ein­satz ei­ner Vi­deo­über­wa­chung an be­stimm­te recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den sei. Ab­ge­se­hen da­von wür­de sie nach sei­ner Ein­schät­zung im Fal­le der Au­to­tu­ner vor­aus­sicht­lich we­nig Er­folg brin­gen, „weil auf den Auf­nah­men zwar das Fahr­zeug, nicht aber der Fah­rer zu er­ken­nen wä­re“, so Hey­en. So­mit wä­re nach sei­nen Wor­ten ei­ne kon­kre­te Zu­ord­nung vor al­lem in der dunk­len Jah­res­zeit kaum mög­lich. Am bes­ten sei es, wenn der Fah­rer auf fri­scher Tat er­tappt und ge­stoppt wer­de. „Das darf nur die Po­li­zei“, be­tont Hey­en.

Kon­trol­len ver­stärkt

De­ren Lei­ter des Ein­sat­zund Strei­fen­diens­tes, Tho­mas Lud­wig, zeigt sich in Sa­chen Vi­deo­über­wa­chung eben­falls re­ser­viert. Er rech­ne al­len­falls mit ei­ner „ab­schre­cken­den Wir­kung“, sag­te Lud­wig auf An­fra­ge. Der Be­am­te ver­si­chert, dass die Pa­pen­bur­ger Po­li­zei sehr wohl ein wa­ches Au­ge auf die Vor­gän­ge ha­be. „Wir sind kei­nes­wegs un­tä­tig, kön­nen aber auch nicht den gan­zen Tag auf der Lauer lie­gen“, er­klärt Lud­wig. Sehr wohl hät­ten die Be­am­ten in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach An­zei­gen ge­fer­tigt und Ver­warn­gel­der ver­hängt. Über­dies ha­be es gera­de in der vor­ver­gan­ge­nen Wo­che ver­stärkt Kon­trol­len ge­ge­ben.

Dass An­woh­ner ge­nervt sei­en, kön­ne er ver­ste­hen, be­tont Lud­wig. Er sagt aber auch, dass es schwie­rig sei, die Ru­he­stö­rer zu er­mit­teln.

Im Hin­blick auf die Ahn­dung in Form von Geld­bu­ßen ver­weist Hey­en der­weil auf die Mög­lich­kei­ten des Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ge­set­zes. Das set­ze aber eben vor­aus, dass der Ver­ant­wort­li­che er­mit­telt wer­den kön­ne.

Hey­en be­tont, dass die Hin­wei­se und Be­schwer­den der An­woh­ner „sehr ernst ge­nom­men“wür­den. Bis­he­ri­ge Ge­sprä­che mit ei­nem An­woh­ner wie auch mit ei­nem Ver­tre­ter der Ei­gen­tü­mer sei­en kon­struk­tiv, aber auch klar­stel­lend ge­we­sen, „dass mit Blick auf das Rechts­staats­prin­zip

die Ahn­dung ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit an die ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den ist“.

Par­al­lel hat die Stadt Hey­en zu­fol­ge ge­prüft, ob Ver­kehrs­ver­bo­te oder Sper­run­gen im Be­reich Turm­ka­nal/Öl­müh­len­platz hilf­reich wä­ren. Er­geb­nis: Weil der Be­reich rund um das Fo­rum Al­te Werft ver­kehr­lich er­reich­bar blei­ben müs­se, sei­en Ver­bo­te oder Sper­run­gen „kaum durch­führ­bar“.

Er be­daue­re, dass of­fen­sicht­lich Mit­glie­der aus der Tu­ningsze­ne an­de­re Men­schen be­läs­tig­ten und auch

Sa­chen be­schä­dig­ten. „Das ist auch des­halb ver­werf­lich, weil es in der Sze­ne nach mei­ner Wahr­neh­mung über­wie­gend ver­nünf­ti­ge jun­ge Men­schen gibt, die ein­fach nur Spaß an schi­cken Au­tos und ge­mein­sa­men Un­ter­neh­mun­gen ha­ben. Die­se Au­to­freun­de müs­sen na­tür­lich un­ter dem Fehl­ver­hal­ten der Stö­ren­frie­de lei­den.“

An­woh­ner-Är­ger

nach Spon­t­an­tref­fen von rund 500 Au­to­tu­nern: Wei­te­re Be­rich­te zum The­ma fin­den Sie un­ter noz.de/ar­ti­kel/1410009

Fo­to: Gerd Scha­de

Kreis­för­mi­ge Rei­fen­spu­ren durch­zie­hen die­se Grün­flä­che am Turm­ka­nal in Papenburg.

Fo­to: Gerd La­ke­berg

Bei ei­nemvon Au­to­tu­nern im Ju­li 2018 kreuz­ten Fahr­zeu­ge zwi­schen den bei­den Ver­kehrs­krei­seln an der Al­ten Werft. Tref­fen

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