Ems-Zeitung

Be­stat­tungs­wald im Spah­ner Süd­holz fei­er­lich er­öff­net

Be­stat­tungs­wald im Spah­ner Süd­holz fei­er­lich er­öff­net / Red­ner er­in­nern an Streit

- Von Gerd Scha­de Germany · Joseph Haydn · Facebook · Meppen · Stainz · Christian Democratic Union · Voss

Zwei be­son­de­re Er­eig­nis­se ha­ben das Pfingst­wo­chen­en­de in der Samt­ge­mein­de (SG) Sögel ge­prägt. Im Spah­ner Süd­holz bei Spahnharre­nstätte hat die SG ges­tern den jah­re­lang um­strit­te­nen Be­stat­tungs­wald fei­er­lich er­öff­net. Noch in die­ser Wo­che sol­len dort die ers­ten Be­stat­tun­gen voll­zo­gen wer­den. In den An­spra­chen vor mehr als 200 Be­su­chern ka­men mehr­fach die po­li­ti­schen Strei­te­rei­en um das Pro­jekt, aber auch der Wunsch nach Ru­he und Frie­den zum Aus­druck. Ei­nen Tag vor der Er­öff­nung des Be­stat­tungs­wal­des hat die ru­mä­nisch-or­tho­do­xe Kir­chen­ge­mein­de den Grund­stein für ein ei­ge­nes Got­tes­haus in Sögel ge­legt. Mit dem Bau der Kir­che soll im nächs­ten Früh­jahr be­gon­nen wä­ren. Es wä­re die vier­te ih­rer Art in Deutsch­land.

SPAHNHARRE­NSTÄTTE Im Spah­ner Süd­holz bei Spahnharre­nstätte hat die Samt­ge­mein­de (SG) Sögel ges­tern den um­strit­te­nen Be­stat­tungs­wald er­öff­net. Noch in die­ser Wo­che sol­len dort die ers­ten Be­stat­tun­gen voll­zo­gen wer­den. In den An­spra­chen vor mehr als 200 Be­su­chern ka­men mehr­fach die po­li­ti­schen Que­re­len der ver­gan­ge­nen Jah­re zu dem Pro­jekt, aber auch der Wunsch nach Ru­he und Frie­den zum Aus­druck.

Die St­ei­ne auf dem frisch an­ge­leg­ten Weg durch den Be­stat­tungs­wald knir­schen bei je­dem Schritt. Ein sanf­ter Wind strei­chelt die Baum­kro­nen, Vö­gel zwit­schern. Der Weg mün­det in ei­nen kreis­rund an­ge­leg­ten And­achts­und Ge­bets­platz, über dem in ei­ner fünf Me­ter ho­hen Vor­rich­tung das Kreuz hängt, das Gün­ter Schnor­ren­berg, Lam­bert Hack­mann, Ru­di Loh­mann und Mi­cha­el Horst­mann eh­ren­amt­lich ent­wor­fen und her­ge­stellt ha­ben. Die Be­su­cher neh­men im Halb­kreis vor dem Kreuz Platz. Mit ei­ner Kom­po­si­ti­on von Jo­seph Haydn stim­men Me­la­nie Kor­te und Ga­by Jan­sen vom Spahn­har­ren­stät­ter Kla­ri­net­ten-En­sem­ble auf die Er­öff­nungs­fei­er ein.

Plötz­lich kon­tro­vers

Als Ers­ter er­greift SG-Bür­ger­meis­ter Gün­ter Wig­bers (CDU) das Wort. Und er schlägt erns­te Tö­ne an. Nicht nur, weil die Er­öff­nung „ein Mo­ment ist, der be­wegt“, son­dern weil es nach sei­ner Auf­fas­sung viel zu lan­ge ge­dau­ert ha­be, bis die SG die neue Be­stat­tungs­mög­lich­keit an­bie­ten kön­ne. Zwi­schen­zeit­lich hat­te es meh­re­re Ge­richts­ver­fah­ren, ei­nen mehr­mo­na­ti­gen Baustopp und tur­bu­len­te Bür­ger­ver­samm­lun­gen ge­ge­ben.

Wig­bers er­klärt, dass man fünf Jah­re auf kirch­li­cher

und kom­mu­na­ler Ebe­ne zu­nächst sehr kon­struk­tiv, dann aber plötz­lich auch kon­tro­vers dis­ku­tiert ha­be. Die Dis­kus­si­on ha­be al­le Be­tei­lig­ten an die Gren­zen ge­bracht und auch be­las­tet. Da­mit mei­ne er in ers­ter Li­nie aber nicht die ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, Zei­tungs­be­rich­te, die „in Tei­len ganz un­er­träg­li­chen und un­wür­di­gen Face­book-Ver­öf­fent­li­chun­gen“oder „mensch­li­che Ent­täu­schun­gen“.

Viel­mehr gin­ge es um die Ge­sprä­che mit An­ge­hö­ri­gen, die mit ih­ren Ver­stor­be­nen zu Leb­zei­ten be­spro­chen hät­ten, dass sie ih­re letz­te Ru­he im Spah­ner Süd­holz fin­den woll­ten. Dass sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren „vol­ler Un­ge­duld und Ver­zweif­lung“hät­ten er­tra­gen müs­sen, dass sie kei­nen Ort ge­habt hät­ten, um mit und um ih­re An­ge­hö­ri­gen zu trau­ern, „das ist, was die An­ge­hö­ri­gen und auch uns so sehr auf­ge­wühlt, be­las­tet und be­trof­fen ge­macht hat“, be­tont Wig­bers.

Dass den Men­schen die freie Wahl über­las­sen wer­de, wo sie ih­re letz­te Ru­he fin­den, sei auch ein Akt der christ­li­chen Nächs­ten­lie­be. Ein Be­stat­tungs­wald sei kein Aus­druck von Be­lie­big­keit oder des Zeit­geis­tes, son­dern er fol­ge den Be­dürf­nis­sen von Men­schen. „Wir ver­ra­ten nicht nur un­se­ren Glau­ben nicht, wir ver­ra­ten auch un­se­re Wer­te nicht, im Ge­gen­teil“, sagt Wig­bers. Der Sö­ge­ler SG-Rat und der Spahn­har­ren­stät­ter Ge­mein­de­rat sei­en ih­ren Über­zeu­gun­gen, Po­li­tik für die Men­schen zu ma­chen, treu ge­blie­ben. Die Be­schlüs­se sei­en „nach ganz nor­ma­len de­mo­kra­ti­schen Grund­sät­zen“ge­fasst wor­den.

Wil­len re­spek­tie­ren

Die Ent­schei­dung über Ort und Form der letz­ten Ru­he sei ei­ne höchst­per­sön­li­che. Die­sen Akt der Selbst­be­stim­mung gel­te es zu re­spek­tie­ren. „Ver­spre­chen wir uns doch heu­te ein­fach, es jetzt gut sein zu las­sen und den Men­schen oh­ne Ge­wis­sens­not die freie Wahl zu las­sen. Re­spek­tie­ren wir doch ein­fach den letz­ten Wil­len ei­nes je­den Men­schen“, ap­pel­liert Wig­bers.

Ei­nen be­son­de­ren Dank rich­tet der SG-Bür­ger­meis­ter un­ter dem Ap­plaus der Zu­hö­rer an den Spahn­har­ren­stät­ter Bür­ger­meis­ter Rein­hard Timp­ker („Auch an euch ist das al­les nicht spur­los vor­bei­ge­gan­gen“), so­wie an die Aren­berg Meppen GmbH, die Ei­gen­tü­me­rin des Wal­des im Spah­ner Süd­holz ist. Der wirt­schaft­li­che Er­trag aus dem Be­stat­tungs­wald flie­ße in die Aren­berg-Stif­tung, die un­ter an­de­rem die Fi­nan­zie­rung

von Kin­der­gär­ten auch in der SG Sögel för­de­re.

In die­ser Wo­che sol­len die ers­ten bei­den Be­stat­tun­gen voll­zo­gen wer­den. Die Nach­fra­ge sei groß. Wig­bers räumt al­ler­dings ein, dass der Wald noch nicht ganz fer­tig ist. So müs­se im Win­ter wei­te­res To­t­holz be­sei­tigt und die EDV-ge­stütz­te Fried­hofs­ver­wal­tung end­gül­tig ein­ge­rich­tet wer­den. An­ony­me Be­stat­tun­gen sei­en nicht er­laubt.

Timp­ker hebt her­vor, dass die Ve­rän­de­rung in der Be­stat­tungs­kul­tur in­zwi­schen auch den länd­li­chen Raum er­reicht ha­be. Er wirbt um „To­le­ranz ge­gen­über den Wün­schen der Le­ben­den“und „Re­spekt ge­gen­über den To­ten“. Bei­des sei maß­ge­bend für das lo­kal­po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­han­deln ge­we­sen.

„Ge­mein­de hat ge­lit­ten“

Der Bür­ger­meis­ter be­tont, dass die Ge­mein­de un­ter der De­bat­te ge­lit­ten ha­be. Zwi­schen­zeit­lich ha­be man den Ein­druck ge­win­nen kön­nen, der gan­ze Ort wä­re ge­gen den Be­stat­tungs­wald. Da­bei sei die brei­te Mehr­heit ent­we­der neu­tral oder ha­be dem Vor­ha­ben po­si­tiv ge­gen­über­ge­stan­den. Die me­dia­le Prä­senz ha­be lei­der „wie so oft“der laut­star­ken Min­der­heit ge­hört, be­klagt Timp­ker.

Den kirch­li­chen Se­gen er­tei­len ge­mein­sam Pfar­rer Bern­hard Horst­mann von der Hümm­lin­ger Pfar­rei­en­gemein­schaft, Pas­tor Mat­thi­as Voss von der evan­ge­li­schen Mar­kus­kir­chen­ge­mein­de so­wie Pfar­rer Marius-Ga­b­ri­el Ma­tei von der ru­mä­nisch-or­tho­do­xen Kir­chen­ge­mein­de. Horst­mann spricht von ei­ner „Stät­te der Hoff­nung und des Neu­be­ginns“.

Die Be­su­cher der Er­öff­nungs­ze­re­mo­nie sind of­fen­bar zu­frie­den. „Toll, dass sie es trotz­dem durch­ge­zo­gen ha­ben“, sagt ei­ne von ih­nen.

Al­le In­fos und Hin­ter­grün­de zur De­bat­te um den Be­stat­tungs­wald auf noz.de/so­e­gel

„Ver­spre­chen wir uns doch heu­te ein­fach, es jetzt gut sein zu las­sen“Gün­ter Wig­bers, SG-Bür­ger­meis­ter

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Fo­to: Gerd Scha­de
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Fo­tos: Gerd Scha­de Den And­achts- und Ge­bets­platz im Be­stat­tungs­wald seg­ne­te Pfar­rer Bern­hard Horst­mann.
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Über die­sen Weg geht es ins Spah­ner Süd­holz.
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Im Du­ett: Me­la­nie Kor­te (links) und Ga­by Jan­sen.

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