Was da­heim falsch läuft ...

Ems-Zeitung - - VORDERSEIT­E - Von Dirk Fis­ser d.fis­[email protected]

Die Mög­lich­kei­ten der Schu­le als Re­pa­ra­tur­be­trieb ge­sell­schaft­li­cher Fehl­ent­wick­lun­gen wer­den über­schätzt. Leh­rer kön­nen nicht all das ge­ra­de­bie­gen, was in der Er­zie­hung von Kin­dern ver­meint­lich falsch läuft – et­wa beim The­ma Es­sen am hei­mi­schen Kü­chen­tisch, aber auch dar­über hin­aus.

Die Er­näh­rungs­bran­che – vom Bau­ern­hof bis zum Su­per­markt – soll­te sich über das Zerr­bild von Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on nicht wun­dern. Schließ­lich trägt sie durch teils ab­surd rea­li­täts­fer­ne Wer­bung ih­ren ei­ge­nen An­teil dar­an, und das nicht nur bei Kin­dern, son­dern ge­samt­ge­sell­schaft­lich. War­um fah­ren im­mer mit glück­li­chen Schwei­nen be­mal­te Tier­trans­por­ter zum Schlacht­hof? War­um wird Mas­sen­wa­re in den Han­dels­re­ga­len mit Fa­ke-Bau­ern­hof-Mar­ken ka­schiert?

Rich­tig aber ist an der For­de­rung nach Schul­be­su­chen auf den Bau­ern­hö­fen: Wer ein­mal selbst ge­se­hen hat, wie Land­wir­te ar­bei­ten, der kann zu­min­dest Ver­ständ­nis für das Le­bens­mit­tel und den da­hin­ter­ste­hen­den Pro­du­zen­ten ent­wi­ckeln. Das heißt zwar nicht, dass er dies auch au­to­ma­tisch so ak­zep­tiert – das Nicht-Wissen ist nicht zu ver­wech­seln mit ei­ner stil­len Dul­dung. Aber er wird dem hof­fent­lich mit mehr Re­spekt be­geg­nen. Und ge­nau das ist es doch, was die Land­wir­te bei ih­ren Mas­sen­pro­tes­ten in deut­schen Städ­ten ein­ge­for­dert ha­ben.

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