„Kli­ma­hys­te­rie“ist Un­wort des Jah­res

Ju­ry wen­det sich ge­gen Kri­ti­ker von Schutz­kam­pa­gnen / Lin­ke: Na­gel auf Kopf ge­trof­fen

Ems-Zeitung - - VORDERSEIT­E -

„Kli­ma­hys­te­rie“ist das „Un­wort des Jah­res“2019. Men­schen, die am men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del zwei­feln, gibt es reich­lich – US-Prä­si­dent Do­nald Trump ge­hört da­zu. Aber auch in Deutsch­land fin­den vie­le, das Dau­er­the­ma Kli­ma­schutz wer­de zu wich­tig ge­nom­men. Der Be­griff „Kli­ma­hys­te­rie“sei von meh­re­ren Ver­tre­tern von Po­li­tik, Wirt­schaft und Me­di­en be­nutzt wor­den, bi­lan­zier­te die sprach­kri­ti­sche Ak­ti­on „Un­wort des Jah­res“ges­tern in Darm­stadt.

So hat­te bei­spiels­wei­se der AfD-Po­li­ti­ker Alex­an­der Gau­land im Ju­ni ver­gan­ge­nen Jah­res ge­sagt: „Die Kli­ma­hys­te­rie der an­de­ren Par­tei­en wird die AfD nicht mit­ma­chen.“Mit dem Wort wür­den Kli­ma­schutz­be­mü­hun­gen und die Kli­ma­schutz­be­we­gung dif­fa­miert und wich­ti­ge De­bat­ten zum Kli­ma­schutz dis­kre­di­tiert, sag­te die Spre­che­rin der Ju­ry, Ni­na Ja­nich.

Der Be­griff pa­tho­lo­gi­sie­re pau­schal das zu­neh­men­de En­ga­ge­ment für den Kli­ma­schutz als ei­ne Art kol­lek­ti­ve Psy­cho­se. „Vor dem Hin­ter­grund wis­sen­schaft­li­cher Er­kennt­nis­se zum Kli­ma­wan­del

ist das Wort zu­dem ir­re­füh­rend und stützt in un­ver­ant­wort­li­cher Wei­se wis­sen­schafts­feind­li­che Ten­den­zen“, ur­teil­te die un­ab­hän­gi­ge, sprach­kri­ti­sche Ak­ti­on.

An Be­le­gen für die Er­der­wär­mung und ih­re dra­ma­ti­schen

Fol­gen fehlt es schon lan­ge nicht mehr. Wet­ter­ex­tre­me neh­men zu. Deutsch­land hat im ver­gan­ge­nen Jahr den zwei­ten Dür­re-Som­mer in Fol­ge er­lebt. In man­chen Tei­len der Welt facht die Tro­cken­heit im­mer grö­ße­re

Wald- und Busch­brän­de an – so wie der­zeit in Aus­tra­li­en. Die Ozea­ne wer­den im­mer wär­mer. Die Po­li­tik in Deutsch­land und Eu­ro­pa schmie­det auch vor dem Hin­ter­grund Hun­dert­tau­sen­der de­mons­trie­ren­der jun­ger

Men­schen der „Fri­days-for­Fu­ture“-Be­we­gung um die schwe­di­sche Kli­maak­ti­vis­tin Gre­ta Thun­berg mil­li­ar­den­schwe­re Kli­ma­schutz­pro­gram­me. Ei­ni­ge Kri­ti­ker fin­den das – „hys­te­risch“. An­de­re se­hen in der Wahl der Ju­ry in­des den genau rich­ti­gen Fin­ger­zeig. Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) lob­te die Be­grün­dung der Ju­ry: Es kön­ne nicht sein, dass man not­wen­di­ge Din­ge als Hys­te­rie be­zeich­net – „al­so so tut, als wä­ren wir krank“.

„Kli­ma­hys­te­rie“als Un­wort tref­fe den Na­gel auf den Kopf, ur­teil­te der kli­ma­po­li­ti­sche Spre­cher der Lin­ken im Bun­des­tag, Lo­renz Gös­ta Beu­tin. His­to­risch ver­hee­ren­de Wald­brän­de von Aus­tra­li­en bis Bra­si­li­en zeig­ten, dass die Kli­ma­kri­se Fakt und ei­ne Be­dro­hung für den Groß­teil der Mensch­heit sei.

In­ves­ti­tio­nen für ei­ne Bil­li­on Eu­ro sol­len un­ter­des­sen bis 2030 die eu­ro­päi­sche Kli­ma­wen­de an­schie­ben. Das Geld soll et­wa zur Hälf­te aus dem EU-Haus­halt kom­men, der Rest von den EU-Staa­ten und pri­va­ten In­ves­to­ren. Das In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm stell­te die EU-Kom­mis­si­on ges­tern in Straß­burg vor.

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