Oli­ver Pocher: Gren­zen über­schrei­ten .........

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Du bist durch ex­tre­mes Po­la­ri­sie­ren und Be­lei­di­gen be­rühmt ge­wor­den. Ist das ei­ne Form von Kunst oder bist du tat­säch­lich so? Wenn ich auf der Büh­ne oder sonst ir­gend­wo auf­tre­te, spie­le ich de­fi­ni­tiv kei­ne Rol­le son­dern ge­be mich so, wie ich wei­test­ge­hend auch ab­seits der Ka­me­ra bin. Die Be­haup­tung, ich sei durch das Be­lei­di­gen von an­de­ren Men­schen in der Öf­fent­lich­keit be­kannt ge­wor­den, se­he ich üb­ri­gens ganz an­ders. Wenn man die Wahr­heit aus­spricht, füh­len sich vie­le auf den Schlips ge­tre­ten und es ist im All­tag eher un­ge­wöhn­lich so zu agie­ren. Ich spre­che die ver­meint­li­chen Schwach­stel­len der Leu­te di­rekt an und da­mit kann nun mal lei­der nicht je­der um­ge­hen. Ir­gend­wann hat man dann ein Image, ge­gen das ich es auch Leid bin an­zu­kämp­fen. Von da­her ist es Se­gen und Fluch, wenn man po­la­ri­siert. Ich kann aber eben nicht an­ders als mir sel­ber treu zu­blei­ben. Es gibt ge­nug von den glatt­ge­bü­gel­ten Leu­ten. Bei den meis­ten In­ter­views mit Pro­fi-fuß­bal­lern zum Bei­spiel , weiß man vor­her schon, wel­che Flos­keln kom­men. Wenn ei­ner mal ein biss­chen was links und rechts sagt, dann be­kommt er gleich Ge­gen­wind. Das ist na­tür­lich die bei wei­tem auf­wen­di­ge­re Art durch das Le­ben zu ge­hen, aber für mich kommt es nur so in Fra­ge.

Jür­gen von der Lip­pe hat mir das mal so er­klärt: „Je tie­fer man un­ter die Gür­tel­li­nie geht, des­to wit­zi­ger ist das im Nach­hin­ein.“Ich mei­ne du könn­test auch ein Hirsch­hau­sen sein, aber du hast dich für die­sen kri­ti­schen Weg ent­schie­den.

Ich möch­te auch wirk­lich nicht je­mand an­de­res sein. Es ist auch nicht so, dass ich mor­gens auf­ste­he und mich fra­ge, wen ich heu­te mal in die Pfan­ne hau­en kann. Aber wenn ich ir­gend­wo et­was se­he, was mir auf­fällt, dann bin ich auch je­mand, der das re­la­tiv deut­lich zum Bes­ten gibt. Ob die an­de­ren das hö­ren wol­len oder nicht.

Wie ist das denn bei dei­nen Kin­dern, wenn die sich ge­gen­sei­tig mob­ben oder an­ecken? Sagst du dann: „Jo, fin­de ich gut was ihr da macht“?

Wie schon ge­sagt, ich spie­le kei­ne Rol­le, auch als Va­ter nicht. Aber es ist na­tür­lich selbst­ver­ständ­lich, dass man mit Kin­dern an­ders um­geht als mit Er­wach­se­nen. Mit den ei­ge­nen oder auch mit an­de­ren. Da ma­che selbst ich Un­ter­schie­de (lacht).

Bei dei­nem ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt bei Bär­bel Schä­fer gab es zwar kei­nen Ap­plaus, aber man merk­te, dass du ein Wa­den­bei­ßer bist. Du hast dann ver­spro­chen, groß raus­zu­kom­men und hast das auch ge­hal­ten. War das schon im­mer in dei­nem Le­ben so, dass du ei­ner bist, der sich bis zum bit­te­ren En­de fest­beißt? Al­so wer als Zeu­ge Je­ho­vas von Tür zu Tür geht und sagt: „Gu­ten Tag, wir möch­ten ger­ne mit Ih­nen über die Bi­bel spre­chen“und da­bei die Tür im Ge­sicht hat und sagt: „Kein Pro­blem, wir sind in vier Wo­chen wie­der da“den schreckt nichts ab. Das ist ei­gent­lich für die Bran­che und al­lem, wo­mit wir zu tun ha­ben, ge­nau das Rich­ti­ge. Ich ha­be sel­ten ir­gend­was hin­ter­her­ge­schmis­sen be­kom­men, ich muss­te mich be­son­ders am An­fang mei­ner TV Kar­rie­re im­mer ge­gen Wi­der­stän­de durch­set­zen. Ich lie­be vor al­lem An­fra­gen von Fir­men, ob man ger­ne dies oder das mo­de­rie­ren möch­te. Dann aber hin­ter­her­schie­ben, dass es gut wä­re, wenn man bit­te die­ses oder je­nes nicht sagt. Dar­auf sa­ge ich im Re­gel­fall, dass sie sich dann bes­ser je­mand an­de­ren ho­len sol­len, weil, wenn man et­was Spe­zi­el­les auch ein biss­chen au­then­tisch ha­ben möch­te, soll­te man die Per­son nicht zu stark re­gle­men­tie­ren.

Du bist al­so ein Grenz­über­schrei­ter?

Ich wür­de sa­gen, dass ich ein Grenz­gän­ger bin. Da­bei bleibt es nicht aus, dass man auch mal ei­ne Gren­ze über­schrei­tet. Ich traue mich eben auch auf das dün­ne Eis und manch­mal knackt es dann auch ge­wal­tig.

Ist das dann nur auf der Büh­ne so, oder ge­ne­rell in dei­nem Le­ben?

Auch hier muss ich mich wie­der­ho­len, vor und hin­ter der Ka­me­ra bin ich die na­he­zu glei­che Per­son. Wenn Leu­te sa­gen, „es geht nicht“, zu hin­ter­fra­gen, war­um es ei­gent­lich nicht doch ge­hen könn­te, ist ein Au­to­ma­tis­mus bei mir, den ich auch nicht aus­schal­ten möch­te.

Du hast in Han­no­ver ei­ne Aus­bil­dung zum Ver­si­che­rungs­kauf­mann ge­macht, auch nach­dem du zu der Zeit schon dei­ne Lei­den­schaft fürs Un­ter­hal­ten ge­fun­den hat­test, oder?

Ja, ich bin zur Schul­zeit als klas­si­scher Klas­sen­kas­per groß­ge­wor­den. Das war schon von vor­ner­ein im­mer et­was, was mich in­ter­es­siert und be­glei­tet hat. Ver­si­che­rungs­kauf­mann ha­be ich nur ge­lernt, weil mei­ne Mut­ter ge­sagt hat, dass ich et­was An­stän­di­ges ler­nen soll. Für mich war auch klar, dass ich nicht aufs Gym­na­si­um ge­hen woll­te, um da­nach zu stu­die­ren. Die drei Jah­re wä­ren für mich ver­schenk­te Zeit ge­we­sen. Zur Schul­zeit war ich zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen nicht der fleis­sigs­te und ha­be im­mer nur mit dem nö­tigs­ten Auf­wand ge­ar­bei­tet. Auch mei­ne Aus­bil­dung ha­be ich nur mit ei­ner Vier be­en­det. Das war al­les wie beim Hoch­sprung. Nach dem Mot­to: Ge­ra­de drü­ber reicht ja auch. Zu der Zeit hat­te ich aber auch schon an­ge­fan­gen, par­al­lel als DJ auf­zu­le­gen. Ich hat­te mei­ne ers­ten Stand-up-auf­rit­te, ha­be bei ei­nem öf­fent­li­chen Ka­nal fürs Ra­dio ge­ar­bei­tet und war vor­her beim Kran­ken­haus­ra­dio. Je­des Jahr ha­be ich mei­ne Be­wer­bun­gen zu Vi­va und MTV ge­schickt. Da­mals gab es noch kein Youtu­be, man muss­te wirk­lich noch klas­sisch mit ei­ner Vi­deo­ka­me­ra et­was fil­men und sich be­wer­ben. Für mich war aber im­mer ir­gend­wie klar, ir­gend­was wird beim Fern­se­hen vor der Ka­me­ra klap­pen. An­de­re ha­ben mich da­mals für „ver­rückt“ge­hal­ten. Das ist wahr­schein­lich auch heu­te noch so, aber aus ganz an­de­ren Grün­den (lacht).

Ir­gend­wann gab es ja den Punkt, an dem du dich voll­ends der Un­ter­hal­tung ver­schrie­ben hast. Liebst du die­sen Be­ruf? Das kann man wahr­schein­lich gar nicht mehr als Be­ruf be­zeich­nen, son­dern das ist wahr­schein­lich ein­fach dei­ne Le­bens­art. Oder trennst du da was?

Es ist ei­ne ab­so­lu­te Le­bens­qua­li­tät, dass ich mei­nen Job ein­fach ger­ne ma­che. Weil ich auch in der „nor­ma­len“Be­rufs­welt ge­ar­bei­tet ha­be und weiß, was es heißt, auf die Uhr zu gu­cken und run­ter­zu­zäh­len oder an­de­re für sich aus­stem­peln zu las­sen, um schon um vier ge­hen zu kön­nen, aber noch of­fi­zi­ell bis um fünf da­ge­we­sen zu sein. Ich ha­be noch Zi­vil­dienst im Be­hin­der­ten­fahr­dienst beim ASB ge­leis­tet und ken­ne auch den Schicht­dienst mit al­lem drum­her­um. Ich weiß wirk­lich, was es heißt, sich ir­gend­wie ins Wo­chen­en­de zu ret­ten, auf Ur­laub zu hof­fen und ei­gent­lich kei­nen Bock zu ha­ben, auf das, was man macht. Des­we­gen weiß ich sehr zu schät­zen, dass ich das, was ich ma­che, wirk­lich ger­ne tue. Klar gibt es auch in mei­nem Job mal Sa­chen, die ner­vig und hier und da an­stren­gend sind, aber das ge­hört ein­fach zum Le­ben da­zu. Auch mei­ne fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on ma­che ich mir re­gel­mäs­si­ge be­wusst. Teil­wei­se hät­te ich frü­her Mo­na­te für das ar­bei­ten müs­sen, was ich heu­te mit we­ni­gen Auf­trit­ten ver­die­ne. Ich fin­de es wich­tig das nicht zu ver­ges­sen.

Du hast ja ge­ra­de über Geld ge­spro­chen. Spä­tes­tens mit dei­ner Be­tei­li­gung an Brain­pool wur­dest du zum Un­ter­neh­mer. Wie wich­tig ist dir Ein­fluss und Geld?

Ein­fluss ist mir bei der Ar­beit vor al­lem in­halt­lich wich­tig. Um Ein­fluss zu be­kom­men hilft Geld na­tür­lich, auch wenn es nicht der ein­zi­ge Weg ist mit­ent­schei­den zu kön­nen. Fi­nan­zi­ell ist die bes­te Si­tua­ti­on, wenn ei­nem die Sa­chen ge­hö­ren, die man hat und man schul­den­frei und un­ab­hän­gig agie­ren kann. Das ha­be ich halt im­mer be­her­zigt und nie ir­gend­wel­chen durch­ge­knall­ten Kram ge­macht, auch was Ak­ti­en und Ähn­li­ches be­trifft. Als da­mals, im Jahr 2000, Vi­va an die Bör­se ge­gan­gen ist, ka­men al­le mit Vor­zugs­ak­ti­en an und die sind al­le in den Kel­ler ge­gan­gen. Ich ha­be auch Zwei­fel, wenn ich jetzt zum Bei­spiel sa­ge: „App­le ist der Shit“ob dann nicht mor­gen ein rie­sen Skan­dal auf­ge­deckt wird und es geht al­les in den Kel­ler. Oder du sagst „Gold, he­re we go“und auf ein­mal stürzt Gold ein­fach nur so ab. Des­we­gen ha­be ich eher in Im­mo­bi­li­en oder Fir­men, mit de­nen ich ar­bei­te, in­ves­tiert. Ich bin kei­ner, der sich am nächs­ten Start-up-un­ter­neh­men be­tei­ligt.

Wie ver­än­dert sich denn die­ses li­nea­re Fern­se­hen? Du hast vor­hin schon Youtu­be

an­ge­spro­chen und hast sel­ber ei­nen gro­ßen Youtu­be-ka­nal. Auf der an­de­ren Sei­te hast du dann ty­pi­sche Tv-shows. Von ei­nem gro­ßen Youtu­be-ka­nal bin ich weit von weg. Man stellt die Sa­chen na­tür­lich on­li­ne und muss heut­zu­ta­ge auch se­hen, dass man die Rech­te da­von hat. So­ci­al Me­dia ist ein­fach ei­ne Mög­lich­keit, sich ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit mit­zu­tei­len. Das war frü­her auch pro­mi­nen­ten Men­schen nur durch ein In­ter­view mög­lich, heu­te kann das je­der selbst über die ver­schie­den­den So­ci­al Me­dia-ka­nä­le in die Hand neh­men. Wenn ich et­was los­wer­den will, pos­te ich es ein­fach schnell. Klar ver­än­dert sich dem­ent­spre­chend das Fern­se­hen. Al­lei­ne das

Geld ist nicht mehr so vor­han­den wie frü­her. Die Wer­be­ein­nah­men tei­len sich heu­te an­ders auf. Heu­te ge­ben die Fir­men auch Geld für ei­nen Post aus, in dem man sagt: „Hal­lo, trinkt doch auch die­sen Tee hier oder macht doch auch hier Ur­laub wo ich ge­ra­de bin.“Es gibt an­de­re Ge­schäfts­fel­der und es ist viel brei­ter ge­wor­den. Das klas­si­sche Fern­se­hen an sich hält im­mer noch zu sehr an sei­ner ei­ge­nen Rol­le fest und ver­liert da­durch ra­sant den An­schluss.

Aber die mer­ken das doch auch und kau­fen Youtu­be-ka­nä­le?

Ja, aber ich bin im­mer noch sehr er­staunt, mit wel­cher Ar­ro­ganz dem Zu­schau­er ge­gen­über die Fern­seh­sen­dun­gen im Stu­dio zu­min­dest teil­wei­se pro­du­ziert wer­den. Das man die Zu­schau­er für fünf Stun­den mit ei­ner Fla­sche Was­ser, die es nach vier Stun­den gibt, ein­fach hin­setzt. Das funk­tio­niert viel­leicht bei Auf­zeich­nun­gen aus­ser­halb der Me­tro­po­len, weil die Leu­te froh sind, dass mal was an­de­res los ist. Aber ich fra­ge mich wirk­lich, wie lan­ge die Men­schen in Köln noch zu Fern­seh­sen­dun­gen Mon­tags um 16 Uhr raus­fah­ren wer­den. Da­mit das wei­ter funk­tio­niert muss den Zu­schau­ern auch et­was ge­bo­ten wer­den, sonst sit­zen bald nur noch Kom­par­sen im Pu­bli­kum die da­für Geld be­kom­men. Im wer­be­fi­nan­zier­ten Markt sieht man bei den Pri­va­ten, wie der Ku­chen im­mer klei­ner wird und die Quo­ten sich auch im­mer mehr ver­tei­len. Es ist die­se Frag­men­tie­rung, die auch in Ame­ri­ka ex­trem zu se­hen ist, wo man 60 Sen­der hat und je­de klei­ne Rand­grup­pe kann sich Ih­ren Kram an­gu­cken. Aber es gibt nicht mehr die Er­eig­nis­se, dass sich zehn Mil­lio­nen Leu­te ei­ne Un­ter­hal­tungs­show an­gu­cken. Die Zei­ten sind vor­bei. „Wet­ten, dass..?“ist nicht mehr und es wird auch kei­ne Un­ter­hal­tungs­show mehr ge­ben, die sich sie­ben, acht Mil­lio­nen Leu­te an­gu­cken. Das Dschun­gel­camp ist mitt­ler­wei­le die größte Un­ter­hal­tungs­show und die gibt es nur ein­mal im Jahr für 14 Ta­ge.

Könn­test du dir vor­stel­len, dass du über dei­nen Youtu­be-ka­nal ir­gend­wann mal mehr Zu­schau­er ge­ne­rie­ren kannst, als über das Fern­se­hen?

Ich ma­che ja bei­des. Ich bin nicht der klas­si­sche Youtu­ber, da­für bin ich aus der Ziel­grup­pe raus. Ich ha­be am An­fang mal ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der Pro­sie­ben­sat.1 Me­dia SE ge­habt, Q&AS und an­de­re Sa­chen ge­macht und re­gel­mä­ßig ge­pos­tet. Ich bin da aber raus, weil ich gar kei­nen Bock ha­be, den Leu­ten zu zei­gen: „Hey Leu­te hu­hu, ich bin im Ur­laub. Hey, wow, hier woh­ne ich und das ist mein Au­to und kommt vor­bei“, und da­bei Leu­ten vor­zu­spie­len, dass man wirk­lich In­ter­es­se hat, da­mit die ei­nen über al­les lie­ben und bit­te auch im Ide­al­fall vor der Tür ste­hen und klin­geln. Das bin ich ein­fach nicht.

Du hast jetzt dein neu­es Büh­nen­pro­gramm # pocher # so­ci­al­me­dia­b­itch und da bist du den Leu­ten sehr na­he. Magst du Men­schen, suchst du die Nä­he und pflegst du vie­le Freund­schaf­ten?

Ich mag es ein­fach auf der Büh­ne zu­ste­hen. Ich bin die klas­si­sche Ram­pen­sau. Vor wie

»Es ist ei­ne ab­so­lu­te Le­bens­qua­li­tät, dass ich mei­nen Job ein­fach ger­ne ma­che.«

vie­len Men­schen ich da­bei ste­he ist re­la­tiv ne­ben­säch­lich. Selbst­ver­ständ­lich mag ich Men­schen, wenn auch nicht al­le, das ist klar (lacht). Ich ha­be ei­nen recht gro­ßen Be­kann­ten­kreis was in der Bran­che nicht aus­bleibt und bin grund­sätz­lich lie­ber in Ge­sell­schaft als für mich al­lei­ne. Freun­de aus mei­ner Zeit vor dem Fern­se­hen ha­be ich tat­säch­lich auch noch, wenn auch nur sehr we­ni­ge. Aber ja, ich bin schon je­mand der in Re­gel­mäs­si­gen ab­stän­den bei mei­nem Um­feld an­ruft und mal hört was es so neu­es gibt. Was den di­rek­ten Kon­takt zum Pu­bli­kum an­geht bin ich kei­ner, der sich ger­ne an­bie­dert. Wenn mich je­mand an­spricht, be­kommt je­der, der nor­mal fragt, ein Fo­to. Egal, ob ich ge­ra­de nach dem zehn Stun­den Flug aus dem Flie­ger stei­ge oder ir­gend­was an­de­res. Wer nett und höf­lich ist, bei dem ha­be ich auch kein Pro­blem, wenn er mich an­spricht. Ich ver­ste­cke mich nicht oder ge­he mit Se­cu­ri­ties aus dem Haus. An­ders­her­um ru­fe ich aber auch nicht ak­tiv zu Au­to­gramm­stun­den auf. Ein ge­sun­des Mit­tel­mass ist da für mich die per­fek­te Lö­sung.

Ist dei­ne Un­ter­hal­tungs­lei­den­schaft mehr aus der Per­spek­ti­ve, dass du das ger­ne machst oder dass die Leu­te dar­auf re­agie­ren? Al­so machst du das in ers­ter Li­nie eher we­gen dir oder we­gen an­de­ren? Bei­des. So­bald ich Pu­bli­kum ha­be und ei­ner lacht, zie­he ich das auch knall­hart gag­mä­ßig durch. Manch­mal reicht es auch schon, wenn ich ge­lacht ha­be. Von da­her rei­chen schon zwei Per­so­nen im Raum und ich find’s lus­tig, dass ich mich über ir­gend­was lus­tig ma­che. Das ist na­tür­lich auf der Büh­ne per­fekt, wenn man die Re­ak­tio­nen sieht und das Pu­bli­kum re­agiert und lacht. Da weiß man, dass man auf dem rich­ti­gen Weg ist und dann geht das auch im­mer so wei­ter. Das funk­tio­niert bei mir ei­gent­lich schon ab dem Auf­ste­hen nach die­sem Prin­zip. Ich bin jetzt nicht die­ser rot­wein­schwen­ken­de, vor dem Ka­min sit­zen­de, la­tent De­pres­si­ve, der sich ir­gend­wie auf die­se Büh­ne schleppt und dann ver­sucht, da ir­gend­was aus den Leu­ten raus­zu­ho­len. Mich dür­fen die Sa­chen die ich ma­che sel­ber nicht lang­wei­len, des­we­gen ge­he ich auch nicht stän­dig auf Tour. So 100 Ter­mi­ne im Jahr zu spie­len, ha­be ich am An­fang ge­macht, aber ir­gend­wann hast du je­de Hal­le vier Mal ge­se­hen und die Ab­läu­fe sind wie bei Fil­men oder Se­ri­en ge­nau das­sel­be. Wenn es mich per­sön­lich nicht mehr in­ter­es­siert oder lang­weilt, dann ma­che ich halt auch mal ei­ne Sen­dung nicht mehr. Wenn man al­les ge­macht hat, dann macht man halt das nächs­te. Wenn es Sa­chen teil­wei­se nicht mehr gibt, kom­men neue Sa­chen. Ir­gend­wie geht es im­mer wei­ter.

Hast du so ei­ne grund­le­gen­de Er­folgs­phi­lo­so­phie, der du im­mer ver­suchst treu zu blei­ben?

Ne, ich ha­be auch nie ein Le­bens­mot­to ge­habt. Erst­mal ist es wich­tig grund­sätz­lich das zu ma­chen, was ei­nem Spaß macht. Ich glau­be, dass mer­ken die Leu­te auch und ha­ben Spaß dar­an, wenn sie das auf der Büh­ne se­hen. Ich ma­che das fast 20 Jah­re und ha­be schon das Ge­fühl und die Ge­wiss­heit, dass ich es auch noch die nächs­ten 20 Jah­re ma­chen kann. Auch wenn es mal ein paar Rück­schlä­ge gibt darf man nicht gleich ner­vös wer­den und al­les und je­den in Fra­ge stel­len. Ich ver­su­che auch in Kri­sen­si­tua­tio­nen so ge­las­sen wie mög­lich zu blei­ben. Ich ha­be kei­ne Zu­kunfts­ängs­te, die­se ge­wis­se Ent­spannt­heit hilft mir da­bei. Vie­le sind so ver­krampft und ha­ben Angst, nicht mehr da zu sein oder nicht mehr statt­zu­fin­den. Da­mit muss man um­ge­hen kön­nen, auch ich. Es gibt im­mer Leu­te, die spie­len in grö­ße­re Hal­len oder spie­len er­folg­rei­cher oder ha­ben mehr Fern­seh­sen­dun­gen. Da muss man ein­fach für sich sel­ber sa­gen, dass es ge­nug Sen­der und ge­nug Flä­che gibt und sich dar­auf kon­zen­trie­ren. Na­tür­lich ver­gleicht man sich und ich se­he an­dau­ernd Sa­chen, von de­nen ich sa­ge, das kann ich bes­ser. Man­che Leu­te sind sehr ne­ga­tiv und grund­frus­triert, das bin ich nicht. Ich ha­be ei­nen ge­sun­den Ehr­geiz und möch­te auch al­les best­mög­lich ma­chen. Aber wenn et­was nicht klappt oder Sen­dun­gen ab­ge­sagt wer­den, ist das halt so, dann kommt et­was Neu­es. Es gibt auch nicht die­ses Er­folgs­re­zept. Wenn man gut ist in sei­nem Job, egal wo, wird man auch frü­her oder spä­ter im­mer er­folg­reich da­mit sein. Vie­le Leu­te sa­gen: „Das was der kann, kann ich auch.“Ich sa­ge dann im­mer: „Ja bit­te, geh hin und tre­te auf.“Heut­zu­ta­ge hat man ja mit Youtu­be und so­ci­al Me­dia die Mög­lich­keit, sich selbst dar­zu­stel­len. Man braucht nicht un­be­dingt ei­nen Fern­seh­sen­der. Ich kann mich hin­stel­len, je­den Tag lus­tig ir­gend­wel­che Ins­ta Sto­ries ma­chen und könn­te mei­nen Senf ab­ge­ben. Auch wenn ich The­men an­sto­ßen will, ich weiß ja, mit wel­chen Posts ich wel­che Re­ak­tio­nen aus­lö­se, al­so schrei­be ich über di­ver­se Per­so­nen aus­führ­li­cher und weiß, dass es dem­ent­spre­chend ei­ne Re­ak­ti­on gibt. Es gibt nicht nur Fern­se­hen, da gibt es an­de­re Mög­lich­kei­ten und da­mit wird man auch im­mer wie­der Geld ver­die­nen.

»Vie­le Leu­te sa­gen: „Das was der kann, kann ich auch.“Ich sa­ge dann im­mer: „Ja bit­te, geh hin und tre­te auf."«

»Ich bin die klas­si­sche Ram­pen­sau«

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