Ma­ke Royal­ty se­xy again

Sym­pa­thisch wie Kate und William

ERFOLG Magazin - - Wissen -

In die­sem Ar­ti­kel be­han­de­le ich das Phä­no­men William und Kate, das bri­tisch-roya­le Traum­paar des bri­ti­schen Kö­nigs­hau­ses. Ei­gent­lich hät­te ich die Ho­hei­ten als His Roy­al High­ness Prin­ce William Ar­thur Phi­lip Lou­is, Du­ke of Cam­bridge, Earl of Stra­the­arn and Ba­ron Car­rick­fer­gus, KG, KT, PC, ADC(P) und als Ih­re kö­nig­li­che Ho­heit Ca­the­ri­ne Eliz­a­beth, Du­ch­ess of Cam­bridge, Count­ess of Stra­the­arn, Ba­ro­ness Car­rick­fer­gus, vor­stel­len müs­sen.

Was macht den Reiz die­ses Paa­res aus, dass so­gar ein Film über sie ge­dreht wird? Was ver­zau­bert vie­le Men­schen an ei­nem Ehe­paar, das ei­gent­lich wie je­des an­de­re auch ist? Darf man die­ses Paar über­haupt als „nor­mal“be­zeich­nen?

Sto­rys, die zie­hen

Wir Men­schen lie­ben Ge­schich­ten. Sie ver­zau­bern uns, zie­hen uns in ih­ren Bann und nicht zu­letzt ge­ben sie uns Hoff­nung. Nicht um­sonst sprie­ßen Sto­ry­tel­ling­coa­ches aus dem Bo­den, wie Pil­ze im Spät­herbst aus der feuch­ten Wal­der­de. Klu­ge Sto­rys be­rüh­ren die Men­schen im Her­zen und blei­ben da­durch im Ge­dächt-

nis. Egal, ob es um die Ver­mitt­lung von Wis­sen geht, ein Pr-coup an­ge­peilt wird, oder Ver­käu­fe in lich­te Hö­hen schie­ßen sol­len, ei­ne Ge­schich­te ist nie ver­kehrt, wenn sie gut er­zählt wird und die rich­ti­gen Emotionen aus­löst. Zah­len, Da­ten, Fak­ten sind zwar wich­tig, doch Ge­schich­ten be­we­gen und wer­den bei Ge­fal­len auch wei­ter­erzählt. Ein un­schätz­ba­rer Vor­teil. Was ei­ne gu­te Ge­schich­te im Kern aus­macht, wer­den wir uns an­hand der Lie­bes­be­zie­hung von William und Kate an­se­hen.

Prin­zes­sin-power

Die Lie­bes­ge­schich­te rund um das kö­nig­li­che Traum­paar, wel­ches sich 2011 das Ja-wort vor dem Trau­al­tar gab, ist ei­ne be­son­de­re. Schließ­lich lernt der roya­le Kö­nigs­spross die jun­ge Kate Midd­le­ton als ge­wöhn­li­ches Mäd­chen wäh­rend ih­res Stu­di­ums ken­nen. Kein blau­es Blut fließt durch ih­re Adern und den­noch – oder viel­leicht ge­ra­de des­halb – ver­liebt sich der Prinz in sie.

Ein mo­der­nes Mär­chen be­ginnt. Lie­be ist so­wie­so ein The­ma, wel­ches emo­tio­nal ex­trem stark auf­ge­la­den ist. Je­der kennt das Ge­fühl am ei­ge­nen Leib und kann da­her die­se Sor­te von Ge­schich­te gut nach­voll­zie­hen. Hin­zu kommt in die­sem Fall der Auf­stieg von ei­nem gut bür­ger­li­chen Le­ben in ein Kö­nigs­haus. Auch da­von träu­men vie­le Men­schen – vom Auf­stieg in neue, so­zia­le Sphä­ren. Ge­paart mit die­ser Lie­bes­ge­schich­te – ein Traum für je­den Ge­schichts­schrei­ber oder Sto­ry­tel­ler. Vie­le füh­len sich an die Ge­brü­der Grimm und ih­re Aschen­put­tel-ge­schich­te zu­rück­er­in­nert.

Ups and Downs

Wie bei je­der gu­ten Ge­schich­te, gibt es auch in der Be­zie­hung zwi­schen Kate und William Hö­hen und Tie­fen. Die­se la­den ein, mit­zu­lei­den, sich zu iden­ti­fi­zie­ren mit den Prot­ago­nis­ten.

Über­le­gen Sie selbst: Wenn Sie ei­ne Ge­schich­te hö­ren, wo es nur gu­te Din­ge gibt, wo der Prot­ago­nist von Er­folg zu Er­folg eilt, oh­ne ein­mal rich­tig lei­den zu müs­sen, dann kön­nen wir dem sehr we­nig ab­ge­win­nen. Wir hö­ren viel lie­ber Ge­schich­ten vom Schei­tern, vom Lei­den und vor al­lem, vom Über­win­den von ne­ga­ti­ven Mo­men­ten in un­se­rem Le­ben. Das fes­selt, da­mit kön­nen wir uns iden­ti­fi­zie­ren. Al­les an­de­re ist span­nungs­los und so­mit nicht er­zäh­lens­wert.

Bei William und Kate gab es bei­spiels­wei­se ei­ne Tren­nung, weil sie den Druck der Me­di­en nicht aus­hiel­ten. Das gan­ze Kö­nig­reich fie­ber­te mit, wie es denn aus­ge­hen wür­de. Glück­li­cher­wei­se muss­ten sie nicht all­zu lan­ge zit­tern, denn kur­ze Zeit spä­ter wen­de­te sich das Blatt zum Gu­ten. 2011 hei­ra­te­ten sie und heu­te sind sie stol­ze El­tern von drei Kin­dern.

Es men­schelt wie­der im Kö­nigs­haus

Nach Jahr­zehn­ten der Ne­ga­tiv­pres­se für die „Royals“in En­g­land ha­ben sie nun erst­mals wie­der zwei Sym­pa­thie­trä­ger, die im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses ste­hen. Ne­ga­tiv­schlag­zei­len gab es für das Kö­nigs­haus nun schon seit ge­rau­mer Zeit nicht mehr. Ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len sind nur dann auch gu­te Schlag­zei­len, wenn es hin und wie­der auch wirk­lich gu­te Nach­rich­ten gibt. Das war in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten in Groß­bri­tan­ni­en kaum der Fall.

Der Fo­kus des Me­di­en­in­ter­es­ses liegt nun auf dem jun­gen Fa­mi­li­en­glück von Kate und William. Man kann die Lie­bes­ge­schich­te der bei­den so­mit in ei­nen grö­ße­ren Kon­text ein­bet­ten. Nicht nur der Er­zähl­strang von Kate, die es aus der bür­ger­li­chen Mit­te ins Kö­nigs­haus ge­schafft hat, ist in­ter­es­sant, son­dern auch die Sei­te von Prinz William. Schließ­lich sah die gan­ze Welt sein Lei­den und sei­ne Trau­er als sei­ne Mut­ter starb. Ir­gend­wie ver­gönnt man ihm ei­ne glück­li­che Be­zie­hung, auf­grund sei­ner nah­ba­ren Per­sön­lich­keit und sei­ner ver­gan­ge­nen Schick­sals­schlä­ge. Es scheint als hät­te der Prot­ago­nist das Tal der Trau­er durch­schrit­ten.

Per­so­na­li­ty sells

Bei­de Prot­ago­nis­ten ha­ben ih­re je­weils ei­ge­nen Qua­li­tä­ten. Prinz William gibt sich nicht nur als nah­bar, als zu­künf­ti­ger Kö­nig zum An­fas­sen, son­dern zeigt sich auch de­mü­tig und wei­se. Sät­ze wie die­se ma­chen ihn un­heim­lich sym­pa­thisch: „I am al­ways open for peop­le say­ing I am wrong be­cau­se most of the time I am…“. Dar­über hin­aus ist er Schirm­herr von neun (!) ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen: (Hil­fe für jun­ge Ob­dach­lo­se), The Tusk Trust (Hil­fe für Afri­ka), The Foot­ball As­so­cia­ti­on, The Welsh Rug­by Uni­on, The Roy­al Mars­den Ho­s­pi­tal, Moun­tain Res­cue (Berg­ret­tung), Eng­lish School’s Swim­ming As­so­cia­ti­on, The Lord Mayor’s Ap­peal und Ci­ty Sa­lu­te Ap­peal (Un­ter­stüt­zung für ver­letz­te Sol­da­ten).

Kate wie­der­um möch­te aus ih­rer neu­en Po­si­ti­on her­aus die hel­fen­de Hand rei­chen und setzt sich für das Wohl des Vol­kes ein: „Yes, well I re­al­ly ho­pe I can ma­ke a dif­fe­rence, even in the smal­lest way. I am loo­king for­ward to hel­ping as much as I can.“Gu­te Ge­schich­ten müs­sen uns an et­was er­in­nern und Kate wird in die­sem Punkt im­mer wie­der mit La­dy Dia­na ver­gli­chen, die ei­ne eben­sol­che Gü­te aus­strahl­te. An die­sem Punkt ver­dich­ten sich die ver­schie­de­nen Er­zähl­strän­ge der bei­den.

Die neue Sum­me der Tei­le

Bei­de zu­sam­men sind je­doch mehr als die Sum­me ih­rer Tei­le. William und Kate ste­hen für ei­ne mo­der­ne Fas­sung der Mon­ar­chie. Die Steif­heit und küh­le Dis­tanz des Kö­nigs­hau­ses schei­nen mehr und mehr ei­ner sym­pa­thi­schen Öff­nung zu wei­chen. Glau­ben wir dem Um­fra­ge­insti­tuts Ci­vey, wel­ches 5000 Deut­sche über die Sym­pa­thie­wer­te der Royals be­fragt hat, dann schnei­den die bei­den mit bei­na­he 33% als be­lieb­tes­te Mit­glie­der der Kö­nigs­fa­mi­lie ab. Im Ver­gleich da­zu schnei­det Prinz Charles mit 3% bei­na­he er­bärm­lich ab und zeigt, wo die roya­le Rei­se wohl hin­geht.

Was William und Kate be­herr­schen ist die Ba­lan­ce zwi­schen per­fek­ter Ehe und Nah­bar­keit. Un­nah­ba­re Per­fek­ti­on wird als Schein, als un­au­then­tisch, weil künst­lich wahr­ge­nom­men. Die Wahr­neh­mung der bei­den je­doch wird ge­prägt durch – bri­ti­schen – Hu­mor und Leich­tig­keit. Erst die Ak­zep­tanz der ei­ge­nen Fehl­bar­keit, wie William im oben be­schrie­be­nen Zi­tat und in vie­len an­de­ren an den Tag legt, macht ihn mensch­lich. Wir neh­men ih­nen ein­fach ab, dass sie kei­ne Rol­le in ei­nem Thea­ter­stück ein­neh­men, son­dern sich so ge­ben, wie sie sind. Sie schei­nen sich Stück für Stück von der roya­len Zwangs­ja­cke zu be­frei­en, die von An­fang an um ih­re Be­zie­hung ge­legt wur­de. Doch das bie­tet wie­der­um Stoff für ei­ne wei­te­re Ge­schich­te.

»Ich bin im­mer of­fen da­für, wenn mir Leu­te sa­gen, ich lä­ge falsch, denn meis­tens ist es so.« Prin­ce William

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.