Ga­b­ri­el Schandl: Resi­li­enz ...........................

Wie Sie mit den rich­ti­gen Stra­te­gi­en den Stür­men des Le­bens trot­zen

ERFOLG Magazin - - Inhalt -

Ein jun­ger Mann - nen­nen wir ihn Jür­gen - ist mehr­fach be­gabt: Er ist in­tel­li­gent (macht ge­ra­de sei­ne Tou­ris­mus-schu­le fer­tig), fleis­sig (ar­bei­tet in 2 Jobs ne­ben­bei), neu­gie­rig (reist ger­ne) und fei­er­lus­tig (am Wo­che­n­en­de ist Par­ty mit Freun­den an­ge­sagt). Vor kur­zem streik­te sein Kör­per. Es war be­reits spät abends und er noch in der Kü­che des Ho­tels, für das er ge­ar­bei­tet hat, ak­tiv, auf ein­mal muss­te er sich hin­set­zen: Er hat­te kei­ne Kraft mehr. Sie war weg und zwar kom­plett. Sein Kol­le­ge fuhr ihn nach­hau­se. Am nächs­ten Tag konn­te er fast nicht mehr auf­ste­hen, er ging zum Arzt. Dia­gno­se: Bur­nout. Er hat sich über­nom­men. Sei­nem Kör­per hat­te er kei­ne Ru­he­pau­se ge­gönnt, als frü­he­rer Sport­ler (Ball­sport­art) dach­te er, das ge­he schon, das brau­che er nicht. Heu­te, vie­le Wo­chen da­nach, er­holt er sich lang­sam wie­der und be­ginnt wie­der mit ei­nem „nor­ma­len“, ge­re­gel­ten Le­ben, in dem auch Pau­sen vor­kom­men dür­fen. Er hat nicht da­mit ge­rech­net, dass ihm so­was pas­siert.

Ich of­fen ge­stan­den auch nicht. Ich kann­te und ken­ne ihn gut, er war in sei­nem zwei­ten Ne­ben­job so­gar ein her­vor­ra­gen­der Ver­käu­fer. Heu­te bin ich froh, dass er sich wie­der er­holt hat. Ich ha­be nach­ge­dacht. Zum Bei­spiel über sei­ne Fa­mi­lie: Er kommt aus, sa­gen wir, schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen. De­tails las­sen wir weg. Auch wenn sei­ne El­tern sehr be­müht wa­ren, kämpf­ten sie sel­ber mit ih­ren ei­ge­nen Pro­ble­men, so dass er so schnell wie mög­lich frei, un­ab­hän­gig und ei­gen­stän­dig le­ben woll­te. Und zwar um je­den Preis. Das wur­de ihm zum Ver­häng­nis, er leb­te über sei­nen Mög­lich­kei­ten. Auf den ers­ten Blick. Der zwei­te Blick zeigt, dass er mit die­sem „Rück­schlag“durch­aus um­ge­hen kann. Viel­leicht - und das wird die Zu­kunft zei­gen - geht er so­gar ge­stärkt aus die­ser Si­tua­ti­on her­aus. Die­se Fä­hig­keit nennt man Resi­li­enz. Das Le­ben biegt uns manch­mal ganz schön, zwingt uns in die Knie. Aber so gut wie nie zwingt es uns, un­ten zu blei­ben. Mal dau­ert es län­ger, mal kür­zer, im End­ef­fekt ist es un­se­re Ent­schei­dung, wie wir mit den Rah­men­be­din­gun­gen“um­ge­hen und die sind bei je­dem von uns so­wohl un­ter­schied­lich als auch oft ge­nug rich­tig schwer. In die­sem Zu­sam­men­hang wird in der For­schung ger­ne vom „Resi­li­enz-kon­zept“ge­spro­chen, das erst we­ni­ge Jah­re jung ist und es wird Vik­tor Frankl zi­tiert. Er hat als ei­ner der we­ni­gen das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger der Na­zis über­lebt und da­nach meh­re­re Bü­cher ge­schrie­ben, als Psy­cho­the­ra­peut ge­ar­bei­tet und die Grund­la­ge für die Lo­go­the­ra­pie ge­legt. Fran­kls An­satz ist und war, dass wir nicht be­stim­men kön­nen, was uns pas­siert, aber sehr wohl, wie wir da­mit um­ge­hen wollen. Die­se (letz­te) Frei­heit kann uns kei­ner neh­men. Al­les an­de­re schon. Das ist gro­ßes Ki­no, von der Ein­stel­lung her, denn wir al­le müs­sen an die­ser Stel­le zu­ge­ben: Er hat Recht.

Es liegt an uns, ob wir uns als Op­fer der Um­stän­de be­trach­ten oder zum Gestal­ter mu­tie­ren. Wir müs­sen uns ja nicht gleich thea­tra­lisch wie der Phö­nix aus der Asche er­he­ben, oft sind es die klei­nen Ent­schei­dun­gen des All­tags, die uns vor­wärts oder auch rück­wärts brin­gen und zwar un­se­re ei­ge­nen.

Ga­b­ri­el Schandl ist Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ter und Leis­tungs­for­scher. Als Er­folgs-scout, Keyno­te-spea­ker, en­ga­gier­ter Coach. Er lehrt an der Fach­hoch­schu­le Puch-ur­stein Social Skills.

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