ERFOLG Magazin

Il­ka Bessin

Ich ha­be so ei­ne Grund­be­kloppt­heit

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Was we­ni­ge wis­sen: Du kommst ja aus dem Ho­tel­fach und hast auch ei­ni­ge Jah­re als Ge­schäfts­füh­re­rin ge­ar­bei­tet. Ach­test du im­mer noch auf Klei­nig­kei­ten, wenn du in ei­nem Ho­tel zu Gast bist?

Das ist ganz schlimm, wenn man Gas­tro­no­mie ge­lernt hat. Aber ich bin nicht so pin­ge­lig. Al­ler­dings bin ich ei­ne der we­ni­gen, die auf die Fra­ge, ob es ge­schmeckt hat, auch ei­ne ehr­li­che Ant­wort ge­ben. An­de­re sa­gen, „war su­per“, ge­hen aber dann nie wie­der in die­ses Re­stau­rant. Wenn je­mand fragt: „War’s gut?“, dann kann man ru­hig auch sa­gen, wenn die So­ße ver­sal­zen war. Das fin­de ich auch nicht schlimm und viel ehr­li­cher, als wenn je­mand nicht mehr wie­der­kommt und dann hin­ter dem Rü­cken sagt, „das war nichts“.

Weißt du noch, wann du dein Ta­lent für Come­dy ent­deckt hast?

Ich glau­be in der Gas­tro­no­mie. Wenn da Leu­te schlecht drauf sind, kannst du den Tag nur über­le­ben, wenn du ei­nen Spruch machst. Wenn das Re­stau­rant so voll ist, dass du nicht weißt, wo du zu­erst hin­ren­nen sollst, dann hilft das manch­mal. Ich glau­be aber, dass ich schon so ei­ne Grund­be­kloppt­heit, so ei­ne Grund­ko­mik ha­be, die du brauchst, um in der Bran­che ar­bei­ten zu kön­nen. Es scha­det auch kei­nem, so ein biss­chen grund­be­kloppt zu sein, ob du nun Come­dy machst oder nicht.

Das stimmt. Du bist ja nach der Gas­tro­no­mie­zeit als Ani­ma­teu­rin auf die Ai­da ge­gan­gen, kamst wie­der und warst dann vier Jah­re ar­beits­los. Wie kann das bei je­man­dem, der ja of­fen­sicht­lich ta­len­tiert und gut drauf ist und viel kann, sein? Ich wur­de in dem Re­stau­rant, in dem ich Ge­schäfts­füh­re­rin war, rechts­wid­rig ge­kün­digt. Ich bin vors Ar­beits­ge­richt ge­gan­gen und ha­be auch Recht be­kom­men, und hät­te dort auch wie­der ar­bei­ten kön­nen, aber das woll­te ich nicht, weil das Ver­hält­nis ein­fach nicht mehr stimm­te. Ich war ver­letzt, weil Gas­tro­no­mie im­mer mein Le­ben war und ich nicht ver­stand, wie mich je­mand da kün­di­gen kann. Ich saß dann zu Hau­se und ha­be mich bei an­de­ren Gas­tro­no­mi­en be­wor­ben. Ich dach­te zu An­fang, jetzt machst du erst­mal vier Wo­chen Ur­laub, er­holst dich ein biss­chen, du hast ja die gan­ze Zeit ge­ar­bei­tet. Und du rutschst dann so lang­sam, peu a peu, in die­se Lethar­gie hin­ein, die­ses „ach nö, ich geh da dann mal mor­gen hin“. Und so ver­lierst du auch im­mer mehr den Glau­ben da­ran, dass du so­fort ei­nen Job fin­dest, dass das al­les jetzt wie­der los­geht. Ich ha­be mich ja auch be­wor­ben, aber das wa­ren teil­wei­se un­ter­be­zahl­te Stel­len und das woll­te ich dann auch nicht.

Du hast dann nach der Ai­da-zeit im Quatsch Come­dy Club an­ge­ru­fen um dort als Kell­ne­rin zu ar­bei­ten und dann? Ich hat­te dort an­ge­ru­fen und woll­te ei­gent­lich kell­nern. Und dann hat­te ich den Tho­mas am Te­le­fon. Ich dach­te, ich re­de mit Tho­mas Herr­manns. Ich ha­be al­so er­zählt, dass ich auf dem Schiff war, und durch die­se Auf­re­gung, weil ich dach­te, ich re­de mit Tho­mas Herr­manns ha­be ich ihn voll­ge­quatscht. Und ir­gend­wann sag­te der dann zu mir: „Ich bin Tho­mas Schro­de, ich ma­che hier ei­gent­lich nur das Boo­king für die Ta­l­ent­schmie­de, aber hast du nicht mal Lust, auf der Büh­ne was zu ma­chen? Du musst da ei­nen Vier-mi­nu­ten-stand up ma­chen, am bes­ten et­was Lus­ti­ges, über das die Leu­te la­chen und Spaß ha­ben“. Und ich sag­te: „Ok“. Ich ha­be mir et­was über­legt, ha­be ihm das ge­schickt, ha­be dann an der Ta­l­ent­schmie­de teil­ge­nom­men und auch ge­won­nen. Das wa­ren al­so so ganz, ganz ko­mi­sche Zu­fäl­le.

Zu dem Zeit­punkt hat­test du noch kei­nen Auf­tritt als Co­me­di­an?

Nein, ich ha­be auf dem Schiff nur Ani­ma­ti­ons­shows ge­macht. Da war ich dann ei­ne Putz­frau und ha­be als Em­ma Zopf im Rah­men ei­ner Ani­ma­ti­ons­show mo­de­riert, in der die phil­ip­pi­ni­schen Mit­ar­bei­ter ge­sun­gen und die Kell­ner ei­ne Show ge­macht ha­ben. Ich ha­be noch nie vor­her Come­dy ge­macht.

Ich glau­be aber, dass ich auch schon so ei­ne Grund­be­kloppt­heit, so ei­ne Grund­ko­mik ha­be

Du bist ja jah­re­lang und die er­folg­reichs­te Co­me­di­an Deutsch­lands ge­we­sen und bist es im­mer noch. Wie­viel Ge­schäfts­frau und Mar­ke­ting­frau steckt denn in dir?

Als ich an­ge­fan­gen ha­be, kam ich aus der Harz IV- Zeit. Ich hat­te kei­ne Ah­nung, dass du ei­nen An­walt und ei­nen Steu­er­be­ra­ter brauchst. Ich woll­te ein­fach Geld ver­die­nen, mei­ne El­tern un­ter­stüt­zen und bei mei­nen El­tern die 2000 Mark Schul­den für den von mir ge­kauf­ten Vw-kä­fer zu­rück­zah­len. Dass das so ei­ne Wen­dung nimmt, da­mit rech­net ja kei­ner. Ich war da­mit ex­trem über­for­dert und wuss­te nicht, was ich jetzt ma­chen soll­te. Wenn du dich in der Bran­che nicht aus­kennst, glaubst du na­tür­lich al­les, was dir er­zählt wird. Na­tür­lich kann man sa­gen, du musst doch so ein Gr­und­ver­ständ­nis für je­man­den ha­ben oder das mer­ken. Aber du merkst es eben nicht, wenn du plötz­lich nur noch Leu­te um dich hast, die dir sa­gen, „du bist lus­tig, du bist toll“, das schmei­chelt ei­nem ja auch. Es war für mich da­mals schwie­rig, aber gott­sei­dank ha­be ich dann das Ma­nage­ment ge­wech­selt zu SR, von Oli­ver Po­cher, mit dem ich jetzt seit elf Jah­ren zu­sam­men­ar­bei­te. Oli mag ich sehr gern, weil das der ein­zi­ge war, der je­mals in mei­nem Come­dy-pro­gramm ge­ses­sen und das kom­plet­te Pro­gramm ge­se­hen hat. Das fand ich toll. Wir ha­ben ein ge­mein­sa­mes Ma­nage­ment.

Zum The­ma Mar­ke­ting hast du ja von An­fang an ex­trem viel rich­tig ge­macht. Dass du dir ei­ne Mar­ke auf­ge­baut hast, dass du dir treu ge­blie­ben bist.

Ich hat­te eben so ei­nen Grund­ton.

Ich ha­be mir bei vie­lem rein­re­den las­sen, aber bei ei­ni­gem nicht. Ich hat­te zum Bei­spiel im­mer ei­ne Kro­ne auf dem Kopf, und die woll­te ich auch im Mer­chan­di­se.

Al­le ha­ben mir ge­sagt, „du kannst doch kei­ne Kro­ne ver­kau­fen, das kauft doch kein Mensch“. Ich ha­be ge­sagt, „doch.“Und du kannst mir glau­ben, die­se Kro­nen wa­ren der meist ver­kauf­te Ar­ti­kel. Selbst Män­ner sa­ßen bei mir mit ei­nem pink­far­be­nen Jog­ging­an­zug mit die­ser Kro­ne auf dem Kopf im Pro­gramm. Es war echt toll! Bei man­chen Sa­chen hab ich ein­fach ge­sagt, „das will ich“, das war wie ein Auf­bäu­men. Ich fin­de, man muss in sei­nem Le­ben auch mal auf die Schnau­ze flie­gen, um dar­aus zu ler­nen, was kann ich an­ders, bes­ser ma­chen.

Was hast du denn in die­sen gan­zen Jah­ren im Show­ge­schäft am meis­ten ge­liebt und was am meis­ten ge­hasst?

Was ich manch­mal ganz ehr­lich ge­hasst ha­be, war die Ein­sam­keit. Wenn du ir­gend­wo auf der Büh­ne stehst, vor dir sit­zen 5000 Leu­te, die dir zu­ju­beln und klat­schen. Dann gehst du run­ter und sitzt al­lein in so ei­ner Turn­hal­le in der Gar­de­ro­be. Ich ha­be dann ger­ne, wenn ich nach Hau­se ge­fah­ren bin, mei­nen Va­ter an­ge­ru­fen und wir ha­ben st­un­den­lang te­le­fo­niert. Ich bin ein­mal von Ol­den­burg nach Berlin heim­ge­fah­ren und wir ha­ben die gan­ze Zeit te­le­fo­niert und er hat mir er­klärt, wo ich lang­fah­ren muss.

Da hat­tet ihr ja ei­ne Ge­mein­sam­keit, die Fern­fah­re­rei.

Ja, mei­ne Mut­ter sagt auch „du kommst so nach Pa­pa“. Ich lie­be Au­to­fah­ren, ich ha­be da kom­plett mei­ne Ru­he. Ich fah­re ja ger­ne nachts. Ich ha­be des­we­gen meis­tens den Hund da­bei, dann brauchst du auch kei­nen Si­cher­heits­mann. Ich kann Hör­bü­cher hö­ren, du kannst so kom­plett ab­schal­ten. Ich fah­re nach Hau­se, ich weiß, dass ich mor­gen früh mei­nen Kaf­fee aus mei­ner ei­ge­nen Kaf­fee­ma­schi­ne trin­ke. Das ist et­was Be­son­de­res.

An­de­re fah­ren gern mit dem Zug. Ich ha­be das ein paar­mal pro­biert: Ver­spä­tun­gen, dann hast du zwei Kof­fer, ei­ne Rei­se­ta­sche, weißt nicht, wo du zu­erst hin­ren­nen sollst. Ich bin lie­ber un­ab­hän­gig. Das schöns­te an dem Gan­zen sind die Leu­te, die ich ken­nen­ge­lernt ha­be. Ich re­de nicht nur von den Stars, son­dern auch von dem Pu­bli­kum, das dir so viel zu­rück­gibt, wenn du da stehst und ei­nen Gag machst. Ich woll­te ja ei­gent­lich im­mer nur ge­liebt wer­den und dass die Leu­te mich lus­tig fin­den. Aber das ist echt schwie­rig. Nicht je­der mag das, was du machst. Das muss man auch ler­nen. Es gibt vie­le, die sa­gen: „Oh Gott, jetzt kommt die schon wie­der“. Und für mich war das im­mer so un­ver­schämt, weil ich mir ge­dacht ha­be, „war­um, ist doch to­tal lus­tig“. Nein. Das ist im Pri­va­ten ge­nau­so. Es isst nicht je­der ger­ne Streu­sel­schne­cke, die mö­gen lie­ber Pflau­men­ku­chen.

Wie schwer oder leicht ist es denn im Show­ge­schäft, als Per­sön­lich­keit zu wach­sen, wenn man, wie du gra­de er­klärt hast, die gan­ze Zeit un­ter Feu­er ist?

Man wird eben be­ob­ach­tet. Zu An­fang fin­den es al­le toll, und wenn du an­fängst, auf

Ich woll­te ja ei­gent­lich im­mer nur ge­liebt wer­den und dass die Leu­te mich lus­tig fin­den.

der rech­ten Spur zu über­ho­len, mö­gen das dann ei­ni­ge nicht. Wenn du dann er­folg­reich bist, ha­ben vie­le da­mit ein Pro­blem. Und man guckt na­tür­lich im­mer nach den Kol­le­gen. Was macht denn der oder die? Ich gu­cke nicht, weil ich nei­disch bin, son­dern weil ich Kol­le­gen und de­ren Pro­gramm auch echt lus­tig fin­de. Mar­ti­na Hill, „Knal­ler­frau­en“dar­über könn­te ich mich tot­la­chen. An­de­re sa­gen, „ist ja jetzt nicht so ein Frau­en­kampf “. Nö, gar nicht. Ich fin­de das ein­fach lus­tig und gu­cke es mir des­halb an - nicht um zu se­hen, wie die das macht. Ma­rio Barth, Olym­pia­sta­di­on - das musst du erst­mal schaf­fen, dass da so vie­le Leu­te hin­kom­men. Egal ob du das wit­zig fin­dest oder nicht, so­was musst du erst­mal brin­gen und da­vor ha­be ich den größ­ten Re­spekt. Auch At­ze Schrö­der, der steht seit über 20 Jah­ren auf der Büh­ne. Das musst du erst­mal hin­krie­gen, dass sich Leu­te über 20 Jah­re lang ein Ti­cket zu dei­ner Show kau­fen. Ot­to Wal­kes, da ge­hen Kin­der hin, die sel­ber Kin­der krie­gen, die frü­her sel­ber Kin­der wa­ren. Das fin­de ich schon toll.

Wir beim Er­folg Ma­ga­zin ha­ben auch das Pro­blem, dass wir ganz vie­le er­folg­rei­che Män­ner da­zu be­kom­men, mit uns über Er­folg zu spre­chen, aber kei­ne Frau­en. Du bist jetzt seit lan­gem mal wie­der ei­ne su­per er­folg­rei­che Frau, die mit uns dar­über spricht. Kannst du dir das aus dei­ner Er­fah­rung her­aus ir­gend­wie er­klä­ren? Män­ner re­den ger­ne drü­ber, wenn sie er­folg­reich sind, Frau­en ma­chen ein­fach. Wenn du et­was in dei­nem Le­ben er­reichst, kannst du na­tür­lich stolz drauf sein und das fin­de ich groß­ar­tig. Ich mag auch kei­nen Neid. Ich fin­de es schö­ner, wenn je­mand sagt, „ich fin­de cool, was der er­reicht hat. Ich glau­be, wir soll­ten uns mal ein biss­chen an­stren­gen, dann kön­nen wir das auch schaf­fen, so weit nach vor­ne zu kom­men.“Frau­en sind ein­fach die stil­len Ma­cher. Die ge­hen nicht raus und prä­sen­tie­ren, son­dern die ma­chen ein­fach. Wenn Frau­en mehr An­er­ken­nung be­kom­men wür­den, wür­de das auch ganz an­ders funk­tio­nie­ren. Es kann ein­fach nicht sein, dass der Mann mehr Geld für die­sen Job be­kommt, den du auch machst. Das ist im­mer noch ein heik­les The­ma. Ich fin­de es trau­rig, dass es in die­ser Zeit, in der wir le­ben, noch im­mer ein so ex­tre­mes The­ma ist. Das soll­te man ei­gent­lich än­dern, nein, man muss es än­dern.

Du musst da jetzt nicht ins De­tail ge­hen, aber so ein er­folg­rei­cher Co­me­di­an wie du hat da­mit doch be­stimmt kei­ne Pro­ble­me.

Fi­nan­zi­ell? Na­tür­lich kannst du da­mit viel Geld ver­die­nen, aber es gibt Sa­chen, die ich ein­fach nicht ma­che, weil ich vor zu vie­len Leu­ten stün­de. Ich ha­be ein­mal in der Lan­xess ge­spielt. Ich hat­te drei Ta­ge vor­her Durch­fall, mir war schlecht. Ich ha­be ge­heult. Wir ha­ben uns im­mer al­le ge­drückt, be­vor ich auf die Büh­ne ge­gan­gen bin und noch ein biss­chen dumm rum­ge­quatscht. Und dann stand ich da und ha­be so ge­heult, weil ich ei­nen sol­chen Schiss hat­te. Da wa­ren 9647 Leu­te, das weiß ich heu­te noch. Und ich stand da und dach­te, ich schaff das nicht. Du musst Wit­ze lang­sa­mer er­zäh­len, du musst die Gags lang­sa­mer ma­chen, weil die lang­sa­mer hin­ten an­kom­men. Du musst Ap­plaus be­den­ken, der geht lang­sa­mer hin­ten los. Du kannst nicht so schnell wei­ter­re­den. Das war mir al­les zu­viel. Ich woll­te ein­fach auf die Büh­ne und da Leu­te un­ter­hal­ten. Je mehr ich weiß, wie das auf so gro­ßen Büh­nen funk­tio­niert, des­to mehr be­wun­de­re ich, wenn das Leu­te kön­nen. Für mich ist das nichts. Ich mag klei­ne Thea­ter. Ich ha­be in Des­sau in ei­nem klei­nen Thea­ter ge­spielt, da pas­sen 900 Leu­te rein, das ist ro­ter Plüsch und da sit­zen sie auf dem Bal­kon wie in der Mup­pet Show. Ich fin­de das ganz toll, wenn du da so spie­len kannst.

Wie kam dann die Ent­schei­dung auf dem Hö­he­punkt und ich glau­be nicht, dass das schon der Ze­nit war, das Ko­s­tüm der Cindy aus Marzahn ab­zu­le­gen?

Ir­gend­wann ist die Ge­schich­te zu En­de er­zählt. Das ist so. Ir­gend­wann bist du mit dei­nem Es­sen fer­tig, be­zahlst, stehst auf und gehst. Es war to­tal le­cker, aber du stehst auf und sagt, es ist gut jetzt.

Es gibt an­de­re, wie ei­nen Ot­to oder At­ze Schrö­der, die zie­hen das 50 Jah­re durch.

Aber das funk­tio­niert auch. So ei­ne Cindy ist auch ei­ne Zeit­sa­che. Ich woll­te nicht, dass die Leu­te sa­gen, „die schon wie­der, ich will das nicht mehr gu­cken, die­ses Pin­ke geht mir auf

Nicht je­der mag das, was du machst. Das muss man auch ler­nen. Män­ner re­den ger­ne drü­ber, wenn sie er­folg­reich sind, Frau­en ma­chen ein­fach.

den Kecks.“Es war auch des­halb an der Zeit, weil ich mein Pro­gramm ein we­nig ge­än­dert ha­be. Es wur­de po­li­ti­scher. Ich woll­te nicht, dass Leu­te den­ken „macht die sich jetzt dar­über lus­tig, wenn sie über Kin­der­ar­mut re­det?“oder, „das ver­steh ich jetzt nicht, war­um re­det die denn plötz­lich über Al­ters­ar­mut? Das passt ja gar nicht.“Ich ha­be schon von so zwei-drei Sa­chen er­zählt, die ich nicht gut fin­de. Dass Mie­ten so er­höht wer­den, dass man sich das nicht mehr leis­ten kann und dass da­durch Leu­te ver­trie­ben wer­den. Da sa­ßen Leu­te im Pu­bli­kum, die nicht ver­stan­den ha­ben, war­um Cindy aus Marzahn dar­über re­det. Die war als Harz Iv-fi­gur schon auch da­für da, dar­auf hin­zu­wei­sen, aber eben nur bis zu ei­nem be­stimm­ten

Punkt. Wenn es dann noch po­li­ti­scher wird, wird es ein­fach zu viel. Da muss man auf­pas­sen. Und ich woll­te auch mal ei­ne an­de­re Sei­te zei­gen. Es gibt noch an­de­re Sa­chen, die ich kann.

Ist oh­ne die­ses Ko­s­tüm das Sprach­rohr et­was lei­ser ge­wor­den? Merkst du et­was da­von? Weil jetzt ganz vie­le Leu­te fra­gen, was macht Il­ka Bessin über­haupt heut­zu­ta­ge?

Na­tür­lich bist du mit die­sem Out­fit, mit die­ser Pe­rü­cke auf dem Kopf, ei­ne lau­te Fi­gur. Du gehst raus und bist erst­mal da und bist al­lein da­durch schon sehr laut. Ich ha­be ja auch das Mo­de­la­bel ge­macht und das Buch ge­schrie­ben, bei Matthias Schweig­hö­fer und

Til Schwei­ger in zwei

Fil­men mit­spie­len dür­fen – das hät­te al­les nicht funk­tio­niert, wenn ich wei­ter die­sen Jog­ging­an­zug ge­tra­gen hät­te. Des­we­gen war es ei­ne gu­te Zeit, um auf­zu­hö­ren. Und dann neh­me ich es ger­ne in Kauf, wenn die Leu­te erst­mal fra­gen, Mensch, was macht die denn jetzt? Man muss nicht im­mer laut schrei­end durch die Stra­ße ren­nen, um von al­len ge­se­hen zu wer­den. Ich ha­be auch Sa­chen ge­macht, die nicht mit Come­dy oder Po­li­tik in Ver­bin­dung ste­hen. „Wie, die macht jetzt ei­ne Gar­ten­sen­dung?“Die ha­be ich ge­macht, weil ich ein­fach Bock dar­auf hat­te, weil wir ei­nen Gar­ten zu Hau­se ha­ben und weil ich das schön fin­de. Der Gar­ten ist für mich so­zu­sa­gen der Ur­laubs­ort der fi­nan­zi­ell nicht so gut be­tuch­ten Leu­te. Da ha­ben die Leu­te dann auch ge­sagt, „guck mal, jetzt macht sie in Gar­ten, das ist ja auch hoch in­ter­es­sant.“

Oder die­se Geld­kof­fer-ge­schich­te?

Da ha­be ich die An­fra­ge be­kom­men und fand es toll zu se­hen, wie die Leu­te wirk­lich re­agie­ren, wenn du ih­nen ei­nen Kof­fer vol­ler Geld gibst. Am Tag nach der Aus­strah­lung der ers­ten Sen­dung bin ich mor­gens Tan­ken ge­fah­ren und es kam

Man muss nicht im­mer laut schrei­end durch die Stra­ße ren­nen, um von al­len ge­se­hen zu wer­den. Man muss nicht im­mer laut schrei­end durch die Stra­ße ren­nen, um von al­len ge­se­hen zu wer­den.

di­rekt „Ich ver­steh gar nicht, dass sie das Geld gleich so…“und ich: „Ich bin noch nicht ganz da, aber wir kön­nen ger­ne drü­ber re­den.“Das ha­ben so vie­le Leu­te ge­guckt und mich dar­auf an­ge­spro­chen. Das fand ich sehr in­ter­es­sant.

Hat sich dei­ne De­fi­ni­ti­on von „Er­folg“im Lau­fe dei­nes Le­bens ge­än­dert?

Was ist Er­folg über­haupt? Er­folg ist, wenn du dir ein Ziel setzt und die­ses Ziel er­reichst. Das hat nicht im­mer et­was mit dem Fi­nan­zi­el­len zu tun. Als wir ge­sagt ha­ben, wir ge­hen nach New York, hat­te das nichts da­mit zu tun, dass ich Mil­li­ar­den in New York ma­chen woll­te, son­dern ich woll­te in die­sem klei­nen Stand-up Thea­ter auf der Büh­ne ste­hen und sa­gen kön­nen, „ich hab in New York auch mal ein Pro­gramm ge­macht“. Es gibt an­de­re, wie Micha­el Mit­ter­mei­er, der spielt auf Fes­ti­vals. Ich stand da im Ca­ro­li­nes in New York und fand es ganz be­zau­bernd. Das ist für mich „Er­folg ha­ben“. Er­folg ha­ben ist für mich auch, dass du so ar­bei­ten kannst, dass du dar­über ent­schei­den kannst, wie du dei­ne Zeit ver­bringst. Ich fah­re heu­te Nacht nach Hau­se und fah­re mor­gen für zwei Ta­ge zu mei­ner Mut­ter in den Gar­ten. Das ist für mich auch Er­folg, zu sa­gen, ich kann es mir er­lau­ben ein­fach mal zwei Ta­ge im Gar­ten zu sit­zen. Es geht nicht im­mer um „Wie­viel Geld“, son­dern mir die­se Zeit­ein­tei­lung gön­nen zu kön­nen, das ist für mich der größ­te Er­folg.

Und das ist bei dir kon­stant ge­blie­ben?

Bei vie­len Män­nern geht es an­fangs dar­um, ei­ne Fir­ma auf­zu­bau­en und erst­mal ei­ne Mil­li­on zu ma­chen, wie bei Ro­bert Geiss zum Bei­spiel, und erst dann ir­gend­wann sa­gen sie, ei­gent­lich will ich doch das ma­chen, was mir ge­fällt.

Aber fin­dest du nicht, dass das wich­ti­ger ist?

Für mich war es wich­tig, zum Bei­spiel auch Zeit mit mei­nen El­tern zu ver­brin­gen. Als mein Va­ter krank ge­wor­den ist, ha­be ich noch viel Zeit mit ihm ver­bracht. Das war ein gro­ßer Er­folg, dass ich die­sen Ge­nuss hat­te, mit ihm noch Sa­chen ma­chen zu dür­fen. Was nützt es dir, wenn al­le Leu­te um dich rum weg­ster­ben und du sitzt da und hast dei­ne Fir­men auf­ge­baut, weißt aber gar nicht, wie lebt dein bes­ter Freund, was macht der ei­gent­lich? Das fin­de ich viel wich­ti­ger. Dass wir al­le zu­sam­men in Ur­laub fah­ren, dass wir Os­tern im größ­ten Re­gen ir­gend­wo gril­len, mit dem Schirm in der Hand – das ist für mich der größ­te Er­folg. Zeit zu ha­ben, ist für mich das Bes­te an al­lem, was ich ma­che.

Wel­che Pro­jek­te sind dir in Zu­kunft wich­tig? Re­dest du dar­über?

Für die Zu­kunft ist mir wirk­lich wich­tig, dass ich Sa­chen ma­che, die mir den Frei­raum las­sen, zu ent­schei­den, was ich ma­chen möch­te. Das Buch wird zu ei­nem Ki­no­film ver­filmt. Ich ha­be jetzt die An­fra­ge be­kom­men, mal ei­ne Bus­fah­re­rin zu spie­len, das fin­de ich auch lus­tig. Ich ge­he mit mei­ne So­lo­pro­gramm auf die Büh­ne, aber oh­ne Druck. Des­we­gen ha­be ich es auch ein Jahr ver­scho­ben, weil ich auch will, dass es zu hun­dert Pro­zent gut ist. Dass ich raus ge­hen kann und sa­gen kann, ich fin­de es toll, so wie es ist, es ist lus­tig und die Leu­te wer­den Spaß ha­ben. Das sind die Pro­jek­te, die ich in Zu­kunft ma­chen wer­de. Was dann noch kommt, weiß ich nicht. Das las­se ich auch of­fen. Es wird Sa­chen ge­ben, die ich nicht ma­chen möch­te, weil mir das dann viel­leicht zu viel Druck be­deu­tet oder du dann eben für an­de­re Sa­chen kei­ne Zeit mehr hast.

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