ERFOLG Magazin

Jea­net­te Biedermann

Jea­net­te Biedermann im In­ter­view

- Zeit neh­men für die Din­ge, für sich sel­ber und für das We­sent­li­che. Dann wird man im­mer echt sein, weil man dann auch die Kraft hat, nicht auf­zu­ge­ben. Zeit neh­men für die Din­ge, für sich sel­ber und für das We­sent­li­che. Dann wird man im­mer echt sein, weil

Kon­zen­trie­re dich auf das We­sent­li­che!

Wit­zig, dass du in die­ser Si­tua­ti­on sitzt. Du hast ja ur­sprüng­lich mal ei­ne Aus­bil­dung zur Fri­seu­rin bei Udo Waltz an­ge­fan­gen, oder?

Ja ge­nau, aber nicht, weil ich ger­ne Fri­seu­rin wer­den woll­te. Als ich sag­te, für mich ist klar, dass ich Sän­ge­rin zu wer­den möch­te, und das war wirk­lich schon sehr früh der Fall, mein­ten mei­ne Mut­ter und mein Va­ter, das ist zwar su­per­schön, aber ler­ne doch noch was Hand­werk­li­ches, falls der Plan nicht auf­geht. Dann hab ich ein biss­chen wi­der­wil­lig über­legt, was ich denn ma­chen kann, was mir viel­leicht auch für spä­ter was nützt. Und dann dach­te ich, es ist als Frau schon gut zu wis­sen, wie man sich zu­recht macht.

Aber die Leh­re hast du nicht zu En­de ge­führt, son­dern bist doch in dei­ner Lei­den­schaft auf­ge­gan­gen.

Ich ha­be nach ein­ein­halb Jah­ren Leh­re ei­nen Plat­ten­ver­trag be­kom­men.

Krass. Wür­dest du das auch an­de­ren Men­schen emp­feh­len, die ei­nen Be­ruf we­gen dem El­tern­haus ma­chen, aber ei­gent­lich sa­gen, sie ha­ben ei­ne an­de­re Lei­den­schaft? Wür­dest du ih­nen sa­gen, folg dei­ner Lei­den­schaft, auch, wenn du den Wunsch dei­ner El­tern nicht er­füllst? Das ist ei­ne per­sön­li­che Sa­che, die je­der für sich selbst ent­schei­den muss. Man weiß na­tür­lich nie und auch ich wuss­te nicht, was pas­sie­ren wür­de. Ich ha­be mich ent­schie­den, das zu ma­chen. Je­der muss sel­ber ent­schei­den, wie­viel Ri­si­ko er auf sich nimmt.

Wie hoch war dein Ehr­geiz-le­vel? Der ist be­stimmt all­ge­mein sehr hoch, aber war das da­mals schon so?

Ich wür­de mich jetzt nicht als hy­per-ehr­gei­zig be­schrei­ben, son­dern eher als lei­den­schaft­lich. Ich muss das tun, was ich tue, weil ich oh­ne Mu­sik nicht le­ben kann. Auch wenn ich mal Pau­se ge­macht und ge­sagt ha­be, ich muss jetzt run­ter­fah­ren, kam im­mer der Mo­ment, wo ich drin­gend Mu­sik brauch­te und schrei­ben muss­te, was raus woll­te.

Aber das Gan­ze als Kar­rie­re im Mu­sik­busi­ness zu ma­chen ist ja noch­mal ei­ne Schip­pe drauf. Da geht es ja schon um Preis be­zah­len und man muss Gas ge­ben, oder?

Preis be­zah­len – das liegt im­mer al­les in un­se­ren Hän­den, wenn wir uns da­für ent­schei­den. Und wenn wir das nicht mehr wol­len, müs­sen wir das nicht mehr ma­chen. Wenn die Leu­te sa­gen: „Mei­ne Plat­ten­fir­ma hat mich ver­ge­wal­tigt und ich woll­te das al­les gar nicht“- das kann ich nicht ak­zep­tie­ren, weil wir al­le voll­jäh­rig sind. Auch ich war voll­jäh­rig, als ich mei­nen ers­ten Plat­ten­ver­trag un­ter­schrie­ben ha­be, ich konn­te le­sen und hat­te auch je­man­den an mei­ner Sei­te, der sol­che Ver­trä­ge ver­steht und mir über­setzt hat. Ich ha­be zu je­der Zeit die Mög­lich­keit ge­habt, zu sa­gen, ich will das nicht.

Du hast ja dann par­al­lel Mu­sik und Schau­spiel ge­macht. War das In­ter­es­se an bei­den Din­gen gleich hoch?

Das sind ja zwei ganz un­ter­schied­li­che Sa­chen. Als Mu­si­ke­rin be­fasst man sich zu hun­dert Pro­zent, die gan­ze Zeit mit sei­nem In­nen­le­ben, mit sich sel­ber, mit den Din­gen, die man sa­gen will, mit Din­gen, die man ver­ar­bei­tet. Als Schau­spie­le­rin gab es für mich die Mög­lich­keit, dem auch mal zu ent­flie­hen, mal ein biss­chen Ab­stand von mir sel­ber zu neh­men und in ei­ne ganz an­de­re Per­son rein­zu­schlüp­fen. Das war im­mer ein schö­ner Aus­gleich für mich und dar­um konn­te ich da­von nicht die Fin­ger las­sen.

Hilft dir das denn um­ge­kehrt auch in dei­ner Mu­sik­kar­rie­re?

Auf je­den Fall, weil ir­gend­wann auch wie­der der Drang kommt, sich mit sei­nem In­ne­ren zu be­schäf­ti­gen.

Als Mu­si­ke­rin be­fasst man sich zu hun­dert Pro­zent, die gan­ze Zeit mit sei­nem In­nen­le­ben, mit sich sel­ber, mit den Din­gen, die man sa­gen will, mit Din­gen, die man ver­ar­bei­tet.

Was ist am Er­folg für dich am Wich­tigs­ten? Wie de­fi­nierst du das für dich und auf was legst du be­son­ders Wert? Was darf da nicht feh­len und was darf nicht da­zu­kom­men?

Lie­be. Die Mu­sik – das al­les ist für mich Lie­be. Das Schöns­te für mich ist, wenn es Men­schen gibt, die das tei­len und sa­gen, „du hast mir da­mit ge­hol­fen“, oder „du hast was be­wirkt“, oder, „du bist ein Teil mei­nes Le­bens“. Ich ha­be in letz­ter Zeit so vie­le Wahn­sinns-kom­pli­men­te be­kom­men. Leu­te, die sa­gen: „Weißt du, du warst mein Sound­track als mein Ba­by ge­bo­ren wur­de“oder ein Te­e­nie: „ich hab in dei­ner Bett­wä­sche ge­schla­fen, so als 13-jäh­ri­ges Mäd­chen“. Ge­ra­de durch „Sing my Song“, wo sich auch ein biss­chen mit den al­ten Songs be­fasst wur­de. Aber auch mit den neu­en, durch die ei­ni­ge Leu­te zu mir sa­gen: „Dei­ne Ge­schich­te gibt mir Hoff­nung, weil mein Pa­pa auch ge­ra­de ge­stor­ben ist.“Das ist wirk­lich sehr, sehr be­rüh­rend, dass ich so ein Teil des Le­bens von Men­schen sein darf und so wahn­sin­ni­ge Er­eig­nis­se be­glei­ten durf­te und darf – das ist es, dar­um geht’s! Und am En­de dann auf der Büh­ne zu ste­hen und ge­nau das mit ge­nau die­sen Men­schen zu tei­len, das ist al­les, dar­um geht’s, nichts an­de­res will ich. Das kön­nen 100, 500 oder 3 oder nur ei­ner sein, das ist völ­lig egal, aber dar­um geht’s.

Du hast ja ein biss­chen Pau­se in der Mu­sik ge­macht, weil du wahr­schein­lich in der Zwi­schen­zeit viel mit Fil­men ge­macht hast?

Nein, ich ma­che seit neun Jah­ren deut­sche Mu­sik. Und in die­ser Zeit, ziem­lich am An­fang, hat sich die Band „Ewig“ge­grün­det. Das heißt, ich war acht Jah­re mit ei­ner ganz klei­nen In­di-band un­ter­wegs. Wir ha­ben deut­sche Mu­sik ge­macht. Ich muss­te un­be­dingt zu­rück zu mei­nen Wur­zeln, als ich sehr über­for­dert und über­ar­bei­tet war, weil ich mir sel­ber ab­han­den­ge­kom­men bin. Ge­nau der Lei­den­schaft und Sen­si­bi­li­tät, um die es geht, bin ich ir­gend­wie ab­han­den­ge­kom­men. Ich ha­be ein­fach zu viel gleich­zei­tig ge­macht. Ich war nicht mehr be­reit, ganz tief in mich rein zu ge­hen, weil ich nicht mehr die Kraft da­zu hat­te. Das war der Mo­ment, in dem ich ge­sagt ha­be, jetzt fah­re ich al­les auf die Wur­zeln run­ter. Mu­si­ka­lisch ler­ne ich, ein­fach nur Lie­der für mich zu schrei­ben, erst­mal ein­fach oh­ne zu den­ken, was will die Plat­ten­fir­ma, was mö­gen die Leu­te. In die­ser Zeit ha­be ich dann auch mit Freun­den zu­sam­men ge­schrie­ben. Aus ei­ner Drei­er­freund­schaft grün­de­te sich dann auch das Team „Ewig“. Das war ei­ne wun­der­ba­re Zeit. „Ewig“liegt gra­de auf Eis, weil Chris­ti­an, un­ser Band­mit­glied, in der Zeit zwei­fa­cher Pa­pa ge­wor­den ist. Er möch­te sich halt um sei­ne Kin­der küm­mern, sei­nen Kin­dern beim Auf­wach­sen zu­se­hen, weil das wahn­sin­nig schnell vor­über geht. Und ich ver­ste­he ihn und re­spek­tie­re ihn to­tal, weil das auch zeigt, was für ein wun­der­ba­rer Mensch er ist. Aber als Duo wei­ter­zu­ma­chen kam für Jörg und mich nicht in­fra­ge. Das war dann erst­mal ei­ne et­was har­te Zeit, da brach et­was zu­sam­men. Aber ich bin aus die­ser Zeit wie­der neu er­wach­sen und dach­te mir, okay, schreib ein­fach für dich. Schrei­be, schrei­be, schrei­be. Und dann, vor zwei­ein­halb Jah­ren, ist der ers­te Song für die neue Plat­te ent­stan­den. Da wuss­te ich noch gar nicht, ob ich ei­ne Plat­te ma­che. Ich hab ein­fach Mu­sik ge­macht. Dann kam „Sing my Song“und ich dach­te mir, ich ha­be so vie­le gei­le Lie­der ge­schrie­ben, wär‘s nicht schön, wenn die Leu­te, die das gu­cken und viel­leicht et­was mit dir ver­bin­den, auch

Lie­be. Die Mu­sik – das al­les ist für mich Lie­be. Das Schöns­te für mich ist, wenn es Men­schen gibt, die das tei­len ...

was Neu­es ha­ben, was sie mit dir ver­bin­den kön­nen? Lass uns ein­fach die Songs raus­brin­gen, die ich die letz­ten zwei­ein­halb Jah­re ge­schrie­ben ha­be.

Da­mit hast du schon die Fra­ge be­ant­wor­tet, wie so ein Al­bum wie „DNA“bei dir ent­steht. Da steht al­so nicht das Pro­jekt­ziel am An­fang, son­dern tat­säch­lich ei­ne In­spi­ra­ti­on, ein­fach drauf los?

Ja, es muss­te ganz viel raus. Der ers­te Song, den ich ge­schrie­ben ha­be, „So­lo­tripp“, ist jetzt der letz­te Song auf mei­ner Plat­te, der hat so ei­nen Kno­ten auf­ge­macht. Da fiel dann ganz viel aus mir raus. Es war auch die­ses Ge­fühl sich hin­zu­set­zen und es ein­fach für sich zu tun, oh­ne zu sa­gen, ich mach‘s jetzt für ne Plat­te. Das war sehr gut. Ich hab zu der Zeit Thea­ter ge­spielt, weil ich auch als Schau­spie­le­rin al­les run­ter und zu­rück auf die Wur­zeln ge­fah­ren ha­be. Ganz echt mit den Leu­ten. Ich bin dann al­so nach Hau­se ge­kom­men und ha­be, glau­be ich, mit die­sen Songs auch bei Jörg wie­der die­sen Fun­ken er­weckt. Er hat mich bei der Plat­te wahn­sin­nig un­ter­stützt, so toll Gi­tar­re ge­spielt, so wahn­sin­nig schö­ne, krea­ti­ve

Ide­en ein­ge­bracht, so ei­ne tol­le Pro­duk­ti­on ge­macht. Wirk­lich, oh­ne ihn wä­re das nicht so ei­ne gei­le Plat­te ge­wor­den.

Was war bis­her das Wich­tigs­te, was du aus dei­nem Le­ben und dei­ner Kar­rie­re ge­lernt hast?

Sich aufs We­sent­li­che kon­zen­trie­ren und im­mer zu über­le­gen, was ist der Kern des Gan­zen. Wor­auf kommt es an? Was ist wirk­lich wich­tig? Es pas­sie­ren so vie­le Sa­chen, die den pu­ris­ti­schen Kern über­de­cken kön­nen und es ist ganz ent­schei­dend, im­mer da ran zu kom­men. Und sich auch Ru­he und Zeit da­für zu neh­men. Ich ma­che nie wie­der den Feh­ler, dass ich so over the Top ge­he. Zeit neh­men für die Din­ge, für sich sel­ber und für das We­sent­li­che. Dann wird man im­mer echt sein, weil man dann auch die Kraft hat, nicht auf­zu­ge­ben. Lie­der­schrei­ben tut auch mal weh, weil man da­mit ver­ar­bei­tet. Be­vor es den Song „Dei­ne Ge­schich­ten“gab, gab es noch ei­nen an­de­ren, den ich zu dem The­ma mei­nes Va­ters ge­schrie­ben ha­be. Der ist so trau­rig, dass ich den nie ver­öf­fent­li­chen wer­de, aber er hat mich zu „Dei­ne Ge­schich­ten“ge­bracht. Der tut mir so weh, dass ich ihn nicht mehr hö­ren kann. Er heißt „Mein Schmerz trägt dei­nen Na­men“, ist wirk­lich wahn­sin­nig trau­rig und ich ha­be mir dann ir­gend­wann über­legt, was will ich ei­gent­lich sa­gen? Ich will ei­gent­lich Hoff­nung ver­brei­ten. Und so ist mit „Dei­ne Ge­schich­ten“ei­ner der wich­tigs­ten Songs in mei­nem Le­ben ent­stan­den. Das ist wich­tig: Man kommt nur auf die Din­ge, wenn man sich aufs We­sent­li­che kon­zen­triert.

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