ERFOLG Magazin

Gre­ta Thun­berg

Kon­se­quenz, die im­po­niert

- Ecology · Greta Thunberg · face · Instagram · Twitter · Germany · The Portuguese government · Sweden · United States of America · Atlantic Ocean · New York City · Donald Trump · Trump family · Barack Obama · Parliament of Singapore · Chance · September · August

Mei­ne Bot­schaft ist: Wir wer­den euch be­ob­ach­ten. Das hier ist kom­plett falsch, ich soll­te nicht hier oben ste­hen. Ich soll­te in der Schu­le sein, auf der an­de­ren Sei­te des Oze­ans. Aber ihr setzt eu­re Hoff­nung auf uns jun­gen Leu­te - was er­dreis­tet ihr euch? Ihr habt mit eu­ren lee­ren Wor­ten mei­ne Träu­me und mei­ne Kind­heit ge­stoh­len und da­bei bin ich noch ei­ne der Glück­li­che­ren. Men­schen lei­den, Men­schen ster­ben und ster­ben­de Öko­sys­te­me bre­chen zu­sam­men. Wir ste­hen am An­fang ei­nes Mas­senaus­ter­bens und al­les über was ihr re­den könnt, ist Geld und das Mär­chen vom ewi­gen Wirt­schafts­wachs­tum? Wie könnt ihr es wa­gen! Seit mehr als 30 Jah­ren hat die Wis­sen­schaft ganz klar. Wie könnt ihr es wa­gen, weg­zu­schau­en und hier­her zu kom­men und zu sa­gen, dass ihr ge­nug tut, wenn die Po­li­tik und die Lö­sun­gen, die ge­braucht wer­den, im­mer noch nicht in Sicht sind. Ihr sagt, ihr hört uns und

ver­steht die Dring­lich­keit. Aber egal wie trau­rig und wü­tend ich bin, ich will das nicht glau­ben, denn wür­det ihr die Si­tua­ti­on wirk­lich ver­ste­hen und im­mer noch nichts tun, wärt ihr bö­se und das weh­re ich mich zu glau­ben. Un­se­re Ab­ga­se in­ner­halb der nächs­ten zehn Jah­re zu hal­bie­ren gibt uns nur ei­ne 50-pro­zen­ti­ge Chan­ce um un­ter 1,5 Grad zu blei­ben und das Ri­si­ko, ei­ne nicht wie­der um­kehr­ba­re Ket­ten­re­ak­ti­on au­ßer­halb mensch­li­cher Kon­trol­le in Gang zu set­zen. 50 Pro­zent mö­gen euch ak­zep­ta­bel er­schei­nen. Aber die­se Zahl be­inhal­tet kei­ne Kipp­punk­te, die meis­ten Feed­back-schlei­fen, zu­sätz­li­che Er­wär­mung, ver­bor­gen un­ter gif­ti­ger Luft­ver­schmut­zung, all die Aspek­te von Gleich­heit und Kli­ma­ge­rech­tig­keit. Sie bau­en auch dar­auf, dass mei­ne Ge­ne­ra­ti­on hun­der­te Mil­lio­nen Ton­nen von eu­rem CO2 aus der Luft saugt, mit Tech­no­lo­gie, die noch nicht kom­plett ent­wi­ckelt ist. Des­halb ist ein 50-pro­zen­ti­ges Ri­si­ko sch­licht ein­fach in­ak­zep­ta­bel für uns, die wir mit den Kon­se­quen­zen le­ben müs­sen. Ei­ne 67-pro­zen­ti­ge Chan­ce zu ha­ben, un­ter 1,5 Grad glo­ba­ler Er­wär­mung zu blei­ben, ist die bes­te Quo­te, die die IPCC er­rech­nen konn­te, bei 420 Gi­ga­ton­nen CO2, die die Welt am 1. Ja­nu­ar 2018 zum Aus­stoß üb­rig­hat­te. Heu­te ist die­ses Kon­tin­gent schon auf we­ni­ger als 350 Gi­ga­ton­nen ge­sun­ken. Wie könnt ihr wa­gen, so zu tun, als könn­te das mit Bu­si­ness-as-usu­al und ein biss­chen Tech­nik ge­löst wer­den. Mit den heu­ti­gen Emis­si­ons­wer­ten ist die­ses üb­ri­ge Co2-bud­get in we­ni­ger als acht­ein­halb Jah­ren kom­plett ver­braucht. Es wird hier heu­te kei­ne Lö­sun­gen oder Plä­ne zu die­sen Fak­ten ge­ben, denn die­se Zah­len sind un­be­quem und ihr seid nicht er­wach­sen ge­nug, da­zu zu ste­hen. Ihr hin­ter­geht uns! Aber die jun­gen Leu­te fan­gen an eu­ren Be­trug zu er­ken­nen. Die Au­gen al­ler zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen sind auf euch ge­rich­tet. Und wenn ihr euch ent­schei­det, uns zu hin­ter­ge­hen, wer­den wir euch nie­mals ver­ge­ben. Wir wer­den euch da­mit nicht da­von­kom­men las­sen. Ge­nau hier, ge­nau jetzt zie­hen wir die Li­nie. Die Welt wacht auf und der Wan­del wird kom­men, ob euch das ge­fällt oder nicht.“

Der Kli­ma­schutz hat zwei Zöp­fe, erns­te Au­gen und die scho­nungs­los of­fen an­kla­gen­de Stim­me ei­ner Sech­zehn­jäh­ri­gen. Gre­ta Thun­bergs Ge­sicht ist der­zeit auf al­len Ka­nä­len zu se­hen, für je­de Talk­show ist sie ein Top-wunsch­ge­sprächs­part­ner. Aber wie kommt es, dass das Mäd­chen, das im Mai 2018 das ers­te Mal ins öf­fent­li­che Ram­pen­licht trat, ein­ein­halb Jah­re spä­ter noch im­mer so prä­sent ist – und zwar welt­weit? Im­mer­hin ver­folg­ten An­fang Ok­to­ber 7 225 000 Fol­lo­wer ih­ren Ins­ta­gram-feed und 2,6 Mil­lio­nen ih­ren Twit­ter-news.

Wer ist Gre­ta Thun­berg?

Nach­dem die klei­ne Gre­ta we­gen ei­ner De­pres­si­on in Be­hand­lung war, wur­de Asper­ger-syn­drom dia­gnos­ti­ziert, ein hoch­funk­tio­na­ler Au­tis­mus, der oft mit Schwie­rig­kei­ten ein­her­geht, die Kör­per­spra­che an­de­rer zu le­sen und zu in­ter­pre­tie­ren. Da­für sind da­mit Dia­gnos­ti­zier­te häu­fig sehr in­tel­li­gent und zei­gen au­ßer­ge­wöhn­li­che und sehr ziel­fi­xier­te In­ter­es­sen und ge­le­gent­lich Hoch- oder In­sel­be­ga­bun­gen. In Gre­tas Fall kom­men auch Zwangs­stö­run­gen hin­zu. Gre­ta Thun­berg sagt von sich selbst, ihr gan­zes In­ter­es­se gel­te dem Kli­ma- und Um­welt­schutz. Des­halb hat sie sich mit Ei­fer in das Stu­di­um je­der ver­füg­ba­ren Fach­quel­le ge­stürzt und Wis­sen, Fak­ten

und Da­ten zu­sam­men­ge­tra­gen. Ge­ra­de ihr Asper­ger-syn­drom för­dert die Prä­zi­si­on, die­se Da­ten mit­ein­an­der in Be­zug zu set­zen und im Kopf zu be­hal­ten, in ei­nem Ma­ße, dass sich selbst die von ihr kon­sul­tier­ten Um­welt­wis­sen­schaft­ler be­ein­druckt zei­gen. Da­zu re­det sie nicht nur dar­über, was ih­rer An­sicht nach nö­tig wä­re, um die Er­de zu ret­ten, nein, sie setzt es per­sön­lich um. Sie hat­te schon vor dem Tru­bel um ih­re Pro­tes­te ih­re Fa­mi­lie dar­auf ein­ge­schwo­ren, sich ve­gan zu er­näh­ren und im Haus das Licht aus­zu­schal­ten, so­wie das Flie­gen blei­ben zu las­sen. Ih­re El­tern, be­ruf­lich Opern­sän­ge­rin und ein Schau­spie­ler, be­nut­zen kein Flug­zeug mehr, selbst wenn es be­deu­tet, man­ches lu­kra­ti­ve An­ge­bot we­gen zu lang­wie­ri­ger An­rei­se­we­ge aus­zu­schla­gen.

Ein Mäd­chen geht ins Ram­pen­licht

Im Mai 2018 schrieb das Sven­s­ka Dag­b­la­det ei­nen Schreib­wett­be­werb zu Um­welt und Kli­ma­schutz aus, den Gre­ta Thun­berg ge­wann. Ihr Ar­ti­kel fand enor­mes In­ter­es­se und brach­te ihr Kon­tak­te ein, die ihr für wei­te­re Schrit­te in die Öf­fent­lich­keit den Rü­cken stärk­ten. So wur­de sie schnell zur Stim­me der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on, die die Po­li­tik von heu­te auf­for­dert, das Le­ben von mor­gen zu si­chern. Nicht als Bitt­stel­le­rin, nein, als An­klä­ge­rin und Spie­gel tritt sie vor die Er­wach­se­nen, ins­be­son­de­re Po­li­ti­ker, um ernst­haf­te Be­mü­hun­gen ein­zu­for­dern. Sie ar­gu­men­tiert, was den Pla­net für Mensch und Tier ha­bi­ta­bel macht, wer­de ge­op­fert um rei­che Men­schen in rei­chen Län­dern noch rei­cher zu ma­chen.

Strei­ken für das Kli­ma

Die Dür­re­pe­ri­ode, die im Som­mer 2018 in ganz Mit­tel­eu­ro­pa Ern­ten ver­nich­te­te, brach­te sie da­zu, ei­nen Punkt zu set­zen. Am ers­ten Schul­tag nach den Som­mer­fe­ri­en, den 20. Au­gust 2018, stell­te sie sich de­mons­tra­tiv vor das schwe­di­sche Reichs­tags­ge­bäu­de, mit ei­nem Schild auf dem „Skolstre­jk för kli­ma­tet“(Schulst

Ihr habt mit eu­ren lee­ren Wor­ten mei­ne Träu­me und mei­ne Kind­heit ge­stoh­len und da­bei bin ich noch ei­ne der Glück­li­che­ren.

reik für das Kli­ma) steht. Das sorg­te drei Wo­chen vor der Wahl zum Schwe­di­schen Reichs­tag für enor­men Me­di­en­rum­mel, der schnell lan­des­wei­te Wel­len schlug, und schließ­lich am 27. Au­gust mit ei­nem Be­richt in der „Die Ta­ges­zei­tung“auch nach Deutsch­land schwapp­te. Bis zur Reichs­tags­wahl am 9. Sep­tem­ber 2018 stand sie täg­lich vor dem Ge­bäu­de, auch ent­ge­gen der Kri­tik ih­rer Schu­le und El­tern. Da­nach ging sie je­den Frei­tag auf die Stra­ße, um die Re­gie­rung da­ran zu er­in­nern, dass sie von Schwe­den ei­ne Treib­haus­gas­em­mis­si­ons-re­duk­ti­on um 15 Pro­zent pro Jahr er­war­tet, weil es als rei­ches Land die Ver­pflich­tung ha­be, die Emis­sio­nen schnel­ler als ar­me Staa­ten zu sen­ken.

Im Au­gust 2019 über­quer­te sie per Se­gel­schiff in zwei Wo­chen den At­lan­tik, um pünkt­lich zum Kli­ma­gip­fel in New York ei­ne An­spra­che hal­ten zu kön­nen. Ih­re An­spra­che vor den Po­li­ti­kern war so­wohl An­kla­ge als auch kla­re For­de­rung.

Lob, Hä­me und Ge­rüch­te

War ihr Ein­satz für den Kli­ma­schutz bis zu ih­rem Se­gel­turn schon po­la­ri­sie­rend, koch­ten die So­zia­len Me­di­en nach ih­rer An­spra­che am Un-son­der­gip­fel über. Be­son­ders, dass sie von der Right Li­ve­lihood Stif­tung di­rekt mit dem Al­ter­na­ti­ven

No­bel­preis aus­ge­zeich­net wur­de, ist zum Zank­ap­fel zwi­schen Fans und Geg­nern ge­wor­den. Stif­tungs­spre­cher Ole von Uex­küll be­grün­det: „Thun­berg ist die mäch­ti­ge Stim­me ei­ner jun­gen Ge­ne­ra­ti­on, die die Kon­se­quen­zen des heu­ti­gen po­li­ti­schen Ver­sa­gens beim Stop­pen des Kli­ma­wan­dels tra­gen wer­den muss“. Auch ih­re Wei­ge­rung, sich mit Prä­si­dent Trump zu tref­fen und sich lie­ber mit Ba­rack Oba­ma zu un­ter­hal­ten, wur­de von der Pres­se heiß dis­ku­tiert. Gre­tas Ter­min­plan ist durch­ge­tak­tet, als wä­re sie selbst ei­ne Prä­si­den­tin. In­ter­views, Pres­se­kon­fe­ren­zen, dann zum Fo­to­ter­min be­vor es zur Re­de ins Par­la­ment geht, da­nach noch kurz bei er ört­li­chen Um­welt­de­mo rein­schnei­en – das hält man nur mit viel Rü­cken­de­ckung und Pla­nung durch. Ei­ner­seits reg­net es An­feue­rung und Lob von Un­ter­stüt­zern, die vor so viel Kon­se­quenz den Hut zo­gen und mit neu­er Be­geis­te­rung für das Kli­ma strit­ten. Auf der an­de­ren Sei­te ha­gel­te es Hä­me und Ver­su­che, sie ins Lä­cher­li­che zu zie­hen. Des Wei­te­ren ver­such­ten ei­ni­ge mehr oder we­ni­ger se­riö­se Un­ter­neh­men und Grup­pie­run­gen, den Hy­pe um Thun­berg für Wer­bung in ei­ge­ner Sa­che zu nut­zen. Doch Gre­ta und ih­rer El­tern dis­tan­zier­ten sich von sol­cher Ver­ein­nah­mung schnell. Da­bei nutz­te auch ih­re Mut­ter selbst den Hy­pe um ih­re Toch­ter, um ein Buch von und über ih­re Fa­mi­lie zu ver­öf­fent­li­chen und gut zu ver­mark­ten. „Sze­nen aus dem Her­zen. Un­ser Le­ben für das Kli­ma“schoss schon kurz nach der Erst­ver­öf­fent­li­chung auf Platz 2 der Best­sel­ler­lis­ten. Die Er­lö­se flie­ßen – wie soll­te es an­ders sein – in Um­welt­schutz­pro­jek­te.

Wir ste­hen am An­fang ei­nes Mas­senaus­ter­bens und al­les über was ihr re­den könnt, ist Geld und das Mär­chen vom ewi­gen Wirt­schafts­wachs­tum?

 ??  ??
 ??  ??
 ??  ??
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany