Papst Fran­zis­kus – Der Kämp­fer für so­zia­le Ge­rech­tig­keit .....................................

Der Kämp­fer für so­zia­le Ge­rech­tig­keit

ERFOLG Magazin - - Inhalt -

Was für ein Tag! Am 13. März 2013 stieg der Rauch aus dem Ka­min der Six­ti­ni­schen Ka­pel­le auf, die Glo­cken läu­te­ten und der Kar­di­nal­pro­to­dia­kon trat mit ei­nem: „Ann­un­tio vo­bis gau­di­um ma­gnum, ha­be­mus Pa­pam!“(„Ich ver­kün­de euch ei­ne gro­ße Freu­de, wir ha­ben ei­nen Papst!“) aus der Kir­che, um den war­ten­den Ka­tho­li­ken be­kannt zu ge­ben, dass der ar­gen­ti­ni­sche Kar­di­nal Jor­ge Ma­rio Bergo­glio SJ der neue Papst Fran­zis­kus ge­wor­den war. Da­bei ver­eint der Neue gleich meh­re­re für ei­nen Papst un­ge­wöhn­li­che Ei­gen­schaf­ten. Zum ei­nen ist er der ers­te nicht-eu­ro­pä­isch-stäm­mi­ge Herr­scher im Va­ti­k­an­staat seit über 1200 Jah­ren und aus­ge­rech­net ein Süd­ame­ri­ka­ner. Zum an­de­ren ist der neue Kir­chen­hir­te Je­su­it, der ers­te in die­sem Amt. Die­se Zu­ge­hö­rig­keit dürf­te zwei­fels­oh­ne bei der Wahl gro­ßes Ge­wicht ge­habt ha­ben.

Der Weg­be­rei­ter

Um zu ver­ste­hen, welch gro­ßer Um­schwung in­ner­halb der Kir­chen­spit­ze da­mit von stat­ten ging, ist es nö­tig, sich mit Fan­zis­kus’ Vor­gän­ger, Be­ne­dikt XVI., zu be­schäf­ti­gen. Als ei­ner der be­deu­tends­ten Theo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts war der ehe­ma­li­ge Kar­di­nal Jo­seph Ratz­in­ger zu­letzt Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on der Glau­bens­leh­re, ein neue­rer Na­me für die Hei­li­ge In­qui­si­ti­on. Als sol­cher war er als Hard­li­ner be­kannt, sprach sich für das Zö­li­bat aus, ge­gen die süd­ame­ri­ka­ni­sche Be­frei­ungs­theo­lo­gie, gleich­ge­schlecht­li­che Be­zie­hun­gen und hielt an ei­ner erz­kon­ser­va­ti­ven, im Hu­ma­nae vi­tae eng de­fi­nier­ten ka­tho­li­schen Se­xu­al­leh­re „nur zu Fort­pflan­zungs­zwe­cken in­ner­halb der Ehe“fest. Moch­te er im Amt des Obe­rin­qui­si­tors in sei­ner Welt ge­we­sen sein, im Amt des Paps­tes war der bei sei­ner Wahl 78-jäh­ri­ge es nicht. Er tat sich schwer, nach dem recht fort­schritt­li­chen Jo­han­nes Paul II die Gläu­bi­gen auf sei­ne kon­ser­va­ti­ve Li­nie ein­zu­stim­men. Gern fei­er­te er sei­ne Got­tes­diens­te in ba­ro­cker Pracht und ver­such­te, mo­der­ne­re Strö­mun­gen in­ner­halb der Kir­che aus­zu­trock­nen. Da­für nä­her­te er sich der ul­tra­kon­ser­va­ti­ven Pries­ter­bru­der­schaft St. Pi­us X. an, de­ren Mit­glie­der un­ter an­de­rem durch Ho­lo­caust­leug­nung auf­ge­fal­len wa­ren und teils von Be­ne­dikts Vor­gän­gern ex­kom­mu­ni­ziert wor­den wa­ren. Auch glau­bens­po­li­tisch eck­te er in­ter­na­tio­nal ge­gen­über Is­lam und Ju­den­tum an. Zum 28. Fe­bru­ar 2013 trat Be­ne­dikt XVI. nach acht Jah­ren im Amt vom Papst­thron zu­rück. Schon bei der Papst­wahl 2005 war Bergo­glio ein hei­ßer Kan­di­dat für den Pe­trusstuhl, ver­zich­te­te aber an­geb­lich zu­guns­ten Ratz­in­gers auf die Kan­di­da­tur. Doch als die­ser sich aus dem Amt zu­rück­zog, schlug Bergo­gli­os gro­ße St­un­de.

Zum ei­nen ist er der ers­te nicht-eu­ro­pä­isch-stäm­mi­ge Herr­scher im Va­ti­k­an­staat seit über 1200 Jah­ren und aus­ge­rech­net ein Süd­ame­ri­ka­ner. Zum an­de­ren ist der neue Kir­chen­hir­te Je­su­it, der ers­te in die­sem Amt.

Für was steht Fran­zis­kus

Papst Fran­zis­kus ist kei­nes­wegs ein über­mä­ßig pro­gres­si­ver Papst aber wo Be­ne­dikt ei­ne stren­ge Rück­füh­rung zu al­ten Ver­hält­nis­sen an­streb­te, stößt Fran­zis­kus mit Au­gen­maß Rich­tung Mo­der­ne vor. Schon die Wahl sei­nes Papst­na­mens „Fran­zis­kus“ist ein State­ment. Ab­ge­lei­tet von sei­nem Vor­bild Franz von As­si­si stellt auch er sein Han­deln un­ter die Leit­wer­te Ar­mut, Frie­den und Schöp­fungs­lie­be. An­zu­stre­ben sei ei­ne „ar­me Kir­che für die Ar­men“. Die Kir­chen­mit­tel soll­ten we­ni­ger in kle­ri­ka­len Pomp als in die Hil­fe für Be­dürf­ti­ge flie­ßen. In sei­ner An­tritts­pre­digt wen­det er sich an die Ver­ant­wor­tungs­trä­ger in Wirtschaft und Po­li­tik: „Lasst uns ‚Hü­ter‘ der Schöp­fung, des in die Na­tur hin­ein­ge­leg­ten Pla­nes Got­tes sein, Hü­ter des an­de­ren, der Um­welt. Las­sen

wir nicht zu, dass Zei­chen der Zer­stö­rung und des To­des den Weg die­ser un­se­rer Welt be­glei­ten.“Er selbst geht bei­spiel­haft vor­aus. Er wohnt im Va­ti­kan im va­ti­ka­ni­schen Gäste­haus Santa Ma­ria, hält dort je­den Mor­gen mit den an­de­ren Be­woh­nern Mor­gen­an­dacht. Er isst mit al­len an­de­ren im Spei­se­saal, geht zu Fuß, wo sich sei­ne Vor­gän­ger mit dem Au­to oder so­gar der Sänf­te trans­por­tie­ren lie­ßen. Mi­ser­an­do at­que eli­gen­do, al­so „mit Er­bar­men und Er­wäh­len“steht auf sei­nem Papst­wap­pen und ist kon­se­quen­tes Pro­gramm sei­ner Re­gent­schaft.

Kämp­fer zwi­schen den Fron­ten

Dass aus dem 1936 in Bu­e­nos Ai­res als äl­tes­tes von vier Kin­dern ge­bo­re­nen, ge­lern­ten Che­mie­tech­ni­ker mit den ita­lie­ni­schen Vor­fah­ren ein­mal ein Papst wer­den wür­de, hat­te nie­mand ge­dacht. 1958 schloss er sich dem Je­sui­ten­or­den an. Er stu­dier­te Geis­tes­wis­sen­schaf­ten in Chi­le, und nach sei­ner Rück­kehr nach Bu­e­nos

Ai­res ka­tho­li­sche Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie. Hier kam er mit der „Theo­lo­gie des Vol­kes“sei­nes geis­ti­gen Va­ters Li­cio Ge­ra in Be­rüh­rung, die sich an die Be­frei­ungs­theo­lo­gie an­lehnt.

Im Kern steht sie da­für, dass die Kir­che so­li­da­risch an der Sei­te der Ar­men für de­ren Rech­te und Teil­ha­be an Gesellscha­ft und Kir­che zu kämp­fen hat. 1969 emp­fing er die Pries­ter­wei­he und lei­te­te von 1973 bis 1979 als Pro­vin­zi­al den ar­gen­ti­ni­schen Zweig der Je­sui­ten. Er ar­bei­te­te als Theo­lo­gie­do­zent und No­vi­zen­meis­ter an der Uni­ver­si­dad del Sal­va­dor von

San Mi­guel, wo er auch für die Be­set­zung der Äm­ter zu­stän­dig war.

Im Jahr be­vor er die­sen Pos­ten an­trat, schloss er sich al­lem An­schein nach der Guar­dia de Hier­ro, der „Ei­ser­nen Gar­de“an, die bis 1973 un­ter an­de­rem un­ter Waf­fen­ge­brauch ver­such­te, die au­to­ri­tä­re Mi­li­tär­re­gie­rung zu stür­zen, um Jo­an Do­m­in­go Pe­ron wie­der als Prä­si­dent ein­zu­set­zen. So nutz­te er auch sei­ne neue Po­si­ti­on als Pro­vin­zi­al, um ei­ni­ge Mit­glie­der der na­tio­na­lis­tisch-pe­ro­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on in Füh­rungs­äm­ter der Je­sui­ten­hoch­schu­le zu be­för­dern. 2010 de­men­tier­te Bergo­glio, in die Grup­pe in­vol­viert ge­we­sen zu sein.

In sei­ne Zeit als Pro­vin­zi­al fällt auch der nie ganz auf­ge­klär­te Fall der Je­sui­ten­pries­ter Franz Ja­lics

und Or­lan­do Yo­rio, letz­te­rer Mit­glied der „Be­we­gung der Pries­ter für die Drit­te Welt“, die in Ba­jo Flo­res, ei­nem der gro­ßen

Lasst uns ‚Hü­ter‘ der Schöp­fung, des in die Na­tur hin­ein­ge­leg­ten Pla­nes Got­tes sein, Hü­ter des an­de­ren, der Um­welt. Las­sen wir nicht zu, dass Zei­chen der Zer­stö­rung und des To­des den Weg die­ser un­se­rer Welt be­glei­ten.

Er war und blieb volks­nah, et­wa in­dem er die Co­mu­nio­ne e Li­be­ra­zio­ne, ei­ne an­ti­mar­xis­ti­sche, spi­ri­tu­el­le Frei­wil­li­gen­be­we­gung auf ih­ren Jah­res­tref­fen mit sei­ner An­we­sen­heit be­ehr­te und für ein Buch ih­res Grün­ders warb.

Sl­ums von Bu­e­nos Ai­res, ar­bei­ten. 1976, nach­dem ih­re Ver­set­zung in ein an­de­res Bis­tum ge­platzt war, wur­den sie zu­sam­men mit an­de­ren Je­sui­ten von Ad­mi­ral Mas­se­ra ent­führt, ver­hört, ge­fol­tert und erst fünf Mo­na­te spä­ter frei­ge­las­sen. Sie ga­ben spä­ter an, Bergo­glio ha­be durch den Ent­zug des Kir­chen­schut­zes die­se Ent­füh­rung erst er­mög­licht oder sie so­gar selbst ans Mi­li­tär ver­ra­ten. Über die nächs­ten Jah­re wur­den im­mer wie­der Be­wei­se durch die Pres­se ge­trie­ben, teils Bergo­glio be­las­tend, teils ihn als Ret­ter aus der Ge­fan­gen­schaft dar­stel­lend. Die­ser Vor­fall ist nur ei­ner der vie­len Draht­seil­ak­te, die der Kir­chen­ver­tre­ter wäh­rend der Mi­li­tär­dik­ta­tur zu meis­tern hat­te. Dass es da­bei zu Feh­lern sei­ner­seits kam, kann er erst 2010 zu­ge­ben. Wie sehr ihn die Ge­scheh­nis­se be­las­te­ten, lässt sich auch dar­an ab­le­sen, dass er 1979 den Rat ei­ner Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin such­te.

1980 führ­te ihn sein Weg in das Amt des Rek­tors der Theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät von San Mi­guel. 1992 er­nann­te ihn Jo­han­nes Paul II zum Weih­bi­schof in Bu­e­nos Ai­res und Ti­tu­al­bi­schof von Au­ca, im Ju­ni folg­te die Wei­he zum Bi­schof. 1998 wur­de er Erz­bi­schof von Bu­e­nos Ai­res.

Hier zeigt sich der prak­ti­sche Sinn des Kir­chen­fürs­ten, als er nach ei­nem Fi­nanz­skan­dal der Erz­diö­ze­se ih­re Ak­ti­en bei ei­ner in­sol­ven­ten Kre­dit­bank ver­kauf­te. Seit­dem ver­wal­ten zwei in­ter­na­tio­na­le Ban­ken das Geld der Diö­ze­se auf zwei ganz nor­ma­len Kon­ten.

Er war und blieb volks­nah, et­wa in­dem er die Co­mu­nio­ne e Li­be­ra­zio­ne, ei­ne an­ti­mar­xis­ti­sche, spi­ri­tu­el­le Frei­wil­li­gen­be­we­gung auf ih­ren Jah­res­tref­fen mit sei­ner An­we­sen­heit be­ehr­te und für ein Buch ih­res Grün­ders warb. Er setz­te sich mit per­sön­li­chen Be­su­chen und Hilfs­pro­jek­ten in den Sl­ums von Bu­e­nos Ai­res für das Wohl der Ar­men ein, half Dro­gen­sucht und die Re­pres­sa­li­en durch die Dro­gen­kar­tel­le zu be

kämp­fen. Als er 2001 schließ­lich zum Kar­di­nal er­nannt wur­de, for­der­te er die Gläu­bi­gen sei­nes Lan­des auf, statt Spen­den für Flug­rei­sen nach Rom zu sei­ner Ein­wei­hungs­fei­er die ge­sam­mel­ten Gel­der lie­ber zur Hil­fe für Ar­me in der Nach­bar­schaft zu nut­zen. Auch als Kar­di­nal hör­te er nicht auf, sich ge­gen Kor­rup­ti­on, Ver­ar­mung und für staat­li­che Un­ter­stüt­zung der Ar­bei­ter und Bau­ern ein­zu­set­zen. Auch die den Men­schen­han­del und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on be­kämp­fen­de Fund­a­ci­on Ala­mei­da fand in ihm ei­nen tat­kräf­ti­gen Un­ter­stüt­zer. In der „Evan­ge­lii nun­ti­an­di Latein­ame­ri­kas“pran­gert er an: „Wir le­ben im Teil der Welt mit der größ­ten Un­gleich­heit, der am meis­ten ge­wach­sen ist und das Elend am we­nigs­ten ver­rin­gert hat. Die un­ge­rech­te Ver­tei­lung der Gü­ter dau­ert an und hat ei­ne Si­tua­ti­on der so­zia­len Sün­de ent­ste­hen las­sen, die zum Him­mel schreit und die Mög­lich­kei­ten ei­nes er­füll­te­ren Le­bens für so vie­le un­se­rer Brü­der be­grenzt.“Nur in Sa­chen Se­xua­li­tät fand er kein Ver­ständ­nis für die 2010 in Ar­gen­ti­ni­en ein­ge­führ­te Ehe für al­le und ver­such­te statt­des­sen ei­ne gleich­ge­schlecht­li­che Le­bens­part­ner­schaft durch­zu­drü­cken. Auch sie­ben Jah­re nach sei­ner Wahl ist Fran­zis­kus sei­ner Li­nie treu. Er prak­ti­ziert Nä­he zum ein­fa­chen Volk, wo im­mer er kann. Ob er nun Ob­dach­lo­se be­sucht, für die er in den an den Pe­ters­platz an­gren­zen­den Stra­ßen drei Du­schen

bau­en lässt, oder hun­der­te Schlaf­sä­cke an sie ver­tei­len lässt. Er be­nutzt ei­nen of­fe­nen Wa­gen oder ei­nen nor­ma­len Klein­wa­gen statt si­cher­heits­ver­glas­ter Pa­pa­mo­bi­le. Nie­mals lässt er Zwei­fel auf­kom­men, dass er al­le Men­schen als gleich­wer­tig sieht und sich selbst als Ers­ten un­ter Glei­chen. Des­halb ließ er auch den Volks­al­tar wie­der in die Six­ti­ni­sche Ka­pel­le ein­bau­en, um mit dem Ge­sicht zur Ge­mein­de Mes­se hal­ten zu kön­nen. Nach wie vor trägt er sein ei­ser­nes Kar­di­nals­kreuz auf der Brust, ei­nen Fi­scher­ring aus ver­gol­de­tem Sil­ber und ein­fa­che, schwar­ze Schu­he an den Fü­ßen, statt der ihm zu­ste­hen­den ro­ten Schu­he, des Gold­rings und des Gold­kreu­zes.

Wo­hin führt der Papst sei­ne Kir­che?

Das Zö­li­bat er­hitzt gera­de in der west­li­chen Kul­tur die Ge­mü­ter der Gläu­bi­gen als sinn­lo­se Zer­reiß­pro­be für Kle­ri­ker und gro­ßes Un­glück für die „in Sün­de“mit ih­nen le­ben­den Part­ner und Kin­der. Als es 1022 von Papst Be­ne­dikt VIII ge­mein­sam mit Kai­ser Heinrich II ein­ge­führt wur­de, be­grün­de­te es sich zum ei­nen da­durch, dass Pries­ter die Rein­heit ha­ben soll­ten, die man als Vor­aus­set­zung be­fand, um täg­lich Mes­sen hal­ten zu kön­nen. Aber viel wich­ti­ger war, dass so kei­ne of­fi­zi­ell erb­be­rech­tig­ten Kin­der ent­ste­hen konn­ten, die An­spruch auf Kir­chen­be­sitz an­mel­den hät­ten kön­nen. Wäh­rend Fran­zis­kus sich klar ge­gen ei­ne all­ge­mei­ne Auf­he­bung ent­schie­den hat, be­zeich­ne­te er das Zö­li­bat nicht als Glau­bens­ar­ti­kel, son­dern als un­ter­ge­ord­ne­te Norm. So­gar Aus­nah­men aus kul­tu­rel­len Grün­den sind für ihn denk­bar.

Wir le­ben im Teil der Welt mit der größ­ten Un­gleich­heit, der am meis­ten ge­wach­sen ist und das Elend am we­nigs­ten ver­rin­gert hat. Die un­ge­rech­te Ver­tei­lung der Gü­ter dau­ert an und hat ei­ne Si­tua­ti­on der so­zia­len Sün­de ent­ste­hen las­sen, die zum Him­mel schreit und die Mög­lich­kei­ten ei­nes er­füll­te­ren Le­bens für so vie­le un­se­rer Brü­der be­grenzt.

Da in der west­li­chen Welt der Glau­be zu ei­nem gro­ßen Teil von Frau­en und Müt­tern in den Fa­mi­li­en und Ge­mein­den ge­tra­gen wird, wur­de auch der Ruf nach Gleich­be­rech­ti­gung in Kir­chen­äm­tern laut, be­son­ders nach der Or­di­na­ti­on von Frau­en. Fran­zis­kus lehnt das ab, woll­te 2019 noch nicht ein­mal Bitt­stel­le­rin­nen zu die­sem The­ma emp­fan­gen. Al­ler­dings gab er an, die Rol­le der Frau­en in der Kir­che theo­lo­gisch stär­ken zu wol­len.

Auch bei der Fa­mi­li­en­pla­nung hat er ei­ne kla­re Li­nie. Ab­trei­bung be­zeich­net er als „Auf­trags­mord“und ver­bie­tet sie auch nach Ver­ge­wal­ti­gung.

Künst­li­che Ver­hü­tungs­mit­tel lehnt er strikt ab. Al­ler­dings lässt er Kon­do­me zur Krank­heits­ein­däm­mung wie HIV aus­nahms­wei­se zu.

Letz­te­res dürf­te auch für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re in­ter­es­sant sein, de­nen er ei­ne Le­bens­part­ner­schaft zu­ge­steht, auch wenn er gleich­ge­schlecht­li­chen Sex als Sün­de sieht. Auch die Ad­op­ti­on von Kin­dern und die Ehe ver­sagt er Ho­mo­se­xu­el­len.

Kle­ri­ker, die sich se­xu­el­len Miss­brauchs straf­bar ge­macht ha­ben, wer­den un­ter sei­ner Füh­rung aus dem Kir­chen­dienst ent­las­sen.

Schluss mit dem Mam­mon

Fran­zis­kus geht hart mit der ka­tho­li­schen Kir­che und der Ku­rie ins Ge­richt, wirft ihr vor, sie sei ego­zen­trisch, ha­be auf­ge­hört, ih­ren mis­sio­na­ri­schen Pflich­ten nach­zu­kom­men und le­be nur noch „um die ei­nen oder an­de­ren zu be­weih­räu­chern“. Die Kir­chen­obe­ren sei­en teils „Funk­tio­nä­re und Staats­kle­ri­ker“, statt die Hir­ten zu sein, die die Gläu­bi­gen bräuch­ten, da die Kir­che im In­ne­ren spi­ri­tu­ell und nicht po­li­tisch sei. „Ich möch­te ei­ne ar­me Kir­che für die Ar­men“for­dert er nach­drück­lich und im­mer wie­der und drängt dar­auf, sich um das Wohl der Men­schen und de­ren so­zia­le Wun­den zu küm­mern. Über­haupt, wer frü­her im Va­ti­kan saß, hat­te ein im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes gol­de­nes Le­ben und muss­te sich un­ter Fran­zis­kus doch sehr um­stel­len. Er be­grenz­te oder schaff­te ei­ne gan­ze Rei­he von kirch­li­chen Eh­ren­ti­teln ab, die ein­zig mehr Ge­halt aber kei­ne wei­te­re Ver­ant­wor­tung in­ne­hat­ten.

Kurz nach sei­nem Amts­an­tritt strich der neue Papst erst­mal kräf­tig die Son­der­zah­lung für Va­ti­kan­an­ge­stell­te zum Papst­wech­sel und die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­tio­nen der fünf das IOR lei­ten­den Kar­di­nä­le zu­sam­men. Im Geld­wä­scheund Kor­rup­ti­ons­skan­dal griff er hart durch, ent­ließ al­le Ver­däch­ti­gen, setz­te ei­ne Re­for­ma­ti­ons­kom­mis­si­on ein und ließ ei­ne au­ßen­ste­hen­de Fir­ma die Fi­nanz­kon­tak­te der Va­ti­k­an­bank auf wei­te­re Fäl­le der Geld­wä­sche un­ter­su­chen. Weiter­grei­fend wur­de ein Wirt­schafts­rat un­ter Kar­di­nals­füh­rung ein­ge­setzt, um die Fi­nan­zen und die Ad­mi­nis­tra­ti­on von Ku­rie, Va­ti­k­an­staat und Hei­li­gem Stuhl zu hän­deln. Der wie­der­rum wird von ei­nem di­rekt dem Papst un­ter­stell­ten Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at kon­trol­liert. Ein Ge­ne­ral­re­vi­sor soll die Rech­nungs­prü­fung des Wirt­schafts­rats durch­füh­ren.

Kampf ge­gen Aus­beu­tung

Auch in­ter­na­tio­nal ist Fran­zis­kus ein schar­fer Kri­ti­ker der frei­en Markt­wirt­schaft, wie sie der­zeit be­steht und sagt: „Die­se Wirtschaft tö­tet.“Weil aber das Ge­bot „Du sollst nicht tö­ten“heißt, sei es Auf­ga­be der Kir­che „Nein zur neu­en Ver­göt­te­rung des Gel­des“, „Nein zu ei­nem Geld, das re­giert, statt zu die­nen“, „Nein zu ei­ner Wirtschaft der Aus­schlie­ßung“zu sa­gen und „Nein zur so­zia­len Un­gleich­heit, die Ge­walt her­vor­bringt“. Sein gro­ßes Ziel ist nicht we­ni­ger als die „Glo­ba­li­sie­rung der Gleich­gül­tig­keit“ab­zu­schaf­fen und je­dem Men­schen der Er­de ein Le­ben in Wür­de und Frie­den oh­ne Not zu er­mög­li­chen, im Ein­klang mit der Schöp­fung.

Auch die Ad­op­ti­on von Kin­dern und die Ehe ver­sagt er Ho­mo­se­xu­el­len. Kle­ri­ker, die sich se­xu­el­len Miss­brauchs straf­bar ge­macht ha­ben, wer­den un­ter sei­ner Füh­rung aus dem Kir­chen­dienst ent­las­sen.

8 Papst Fran­zis­kus Ge­rech­tig­keit

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