In der Pro­duk­ti­ons­hal­le ei­nes kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Be­triebs in Salz­ber­gen (NI) bricht ein Feu­er aus.

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Ti­mo Jann, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­tor [4722]

Bei der Brand­be­kämp­fung bringt erst der mas­si­ve Ein­satz von Schaum­mit­tel den Lö­sch­erfolg. An den Brand­wän­den in der Hal­le kann die Feu­er­wehr so die Flam­men stop­pen und die rest­li­chen Ge­bäu­de­tei­le ret­ten.

In der Pro­duk­ti­ons­hal­le ei­nes kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Be­triebs in Salz­ber­gen (NI) bricht ein Feu­er aus. Bei der Brand­be­kämp­fung setzt die Feu­er­wehr gro­ße Men­gen Lösch­schaum ein. An Brand­wän­den in der Hal­le kann sie die Flam­men stop­pen und die rest­li­chen Ge­bäu­de­tei­le ret­ten.

Noch be­vor die Brand­mel­de­an­la­ge ei­nes kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Be­triebs in Salz­ber­gen (Kreis Ems­land) aus­löst, ent­de­cken Mit­ar­bei­ter am 5. De­zem­ber 2017 ei­nen Brand. Über den No­t­ruf 112 mel­den sie der Leit­stel­le in Mep­pen ein Feu­er in ei­ner 7.700 Qua­drat­me­ter gro­ßen Pro­duk­ti­ons­hal­le an der Bor­sig­stra­ße. Um 10.38 Uhr alar­miert der Di­s­po­nent die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Salz­ber­gen. De­ren Feu­er­wehr­haus steht nur 1,5 Ki­lo­me­ter vom Ein­satz­ort ent­fernt. Das Alarm­stich­wort lau­tet: „Feu­er im Ge­bäu­de, In­dus­trie und Ge­wer­be.“

Noch dich­ter dran hat die Werk­feu­er­wehr (WF) der H&R Che­misch-phar­ma­zeu­ti­schen Spe­zia­li­tä­ten Gm­bh ih­ren Sitz an der Neu­en­kir­che­ner Stra­ße. Lei­ter der WF ist Ro­bin Cas­per. Er ist auch ak­ti­ves Mit­glied und Pres- se­spre­cher der FF Salz­ber­gen. Cas­per: „Als ich nach dem Alarm das Werk ver­ließ, war in Rich­tung Bor­sig­stra­ße noch nichts zu er­ken­nen.“Am Feu­er­wehr­haus ver­ab­schie­det Ge­mein­de­brand­meis­ter Andre­as Schma­le zum Zeit­punkt des Alarms ei­ne Grund­schul­klas­se, wel­che die FF be­sich­tigt hat­te. „Das ge­nann­te Un­ter­neh­men war uns durch­aus be­kannt. Bis­her wa­ren wir da aber eher mal we­gen Fehl­aus­lö­sun­gen der Brand­mel­de­an­la­ge ge­for­dert. Dies­mal soll­te es aber wirk­lich bren­nen“, be­rich­tet der Ge­mein­de­brand­meis­ter. Er schickt die Schü­ler in ei­nen si­che­ren Be­reich auf dem Hof, von dem aus sie zu­se­hen kön­nen, wie die Kräf­te zur Wa­che kom­men und aus­rü­cken.

Schma­le, sein Stell­ver­tre­ter Chris­ti­an Ober­hoff und Cas­per ma­chen sich mit dem

Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 1 der FF auf den Weg. Sie se­hen un­ter­wegs be­reits Rauch über dem In­dus­trie­ge­biet auf­stei­gen. Um 10.44 Uhr sind sie vor Ort. Die Mit­ar­bei­ter ha­ben das Ge­bäu­de un­ver­letzt ver­las­sen und wei­sen die Füh­rungs­kräf­te ein.

Ex­tre­me Rauch­ent­wick­lung und kein Feu­er zu se­hen

„Aus dem Dach ei­ner Hal­le konn­ten wir zu­nächst Rauch auf­stei­gen se­hen. Flam­men wa­ren im ers­ten Mo­ment noch nicht zu er­ken­nen“, be­rich­tet Schma­le von der La­ge auf Sicht. Ober­hoff bleibt am ELW, um die ein­tref­fen­den Fahr­zeu­ge ein­zu­wei­sen und Schma­le geht zur Er­kun­dung vor. „Als ich von der Er­kun­dung wie­der vorn am Ge­bäu­de war, schlu­gen die Flam­men aus dem Dach her­vor“, sagt der Ge­mein­de­brand­meis­ter.

Das be­trof­fe­ne, flach ge­neig­te Sat­tel­dach der Pro­duk­ti­ons­hal­le an der Bor­sig­stra­ße ist mit ei­ner 90 Ki­lo­watt star­ken Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge be­legt. Zur Krupp­st­ra­ße grenzt ein wei­te­rer Ge­bäu­de­teil recht­wink­lig an. Ent­lang der Bor­sig­stra­ße ste­hen vier rie­si­ge Edel­stahl-si­los mit Roh­pro­duk­ten (Kunst­stoff­gra­nu­lat) in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zur Brand­stel­le. Das mehr­fach er­wei­ter­te Un- ter­neh­men fer­tigt an die­sem Stand­ort seit 1975 Kunst­stoff­tei­le für In­dus­trie, Gar­ten­bau und Land­wirt­schaft. In der vom Brand be­trof­fe­nen Hal­le ste­hen au­ßer­dem drei Spe­zi­al­ma­schi­nen für Tief­zieh- und Spritz­guss­fer­ti­gun­gen.

2 Mi­nu­ten nach dem ELW 1 trifft das Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 16/25 am Ein­satz­ort ein. Um 10.48 Uhr ist auch die Hu­b­ar­beits­büh­ne (HAB) vor Ort. Kurz dar­auf folgt das TLF 20/40-SL. Die Be­sat­zun­gen von TLF 16/25 und HAB neh­men über den Mo­ni­tor der Hu­b­ar­beits­büh­ne, ei­nen Schnellan­griff und ein C-rohr den ers­ten Lösch­an­griff vor.

„Es war un­glaub­lich, wie schnell sich der Brand aus­ge­brei­tet hat“, schil­dert Hol­ger Ve­er­kamp, Grup­pen­füh­rer des TLF, sei­ne Be­ob­ach­tun­gen. „Erst sah es gar nicht so wild aus, aber et­wa 5 Mi­nu­ten nach un­se­rem Ein­tref­fen brann­te es wie ver­rückt.“Im ers­ten Schritt lässt er ei­nen Trupp ei­ne Rie­gel­stel­lung zu dem Werk­statt­trakt auf­bau­en. Ein Atem­schutz­trupp birgt dort ein Schweiß­ge­rät mit Druck­gas­fla­schen. „Die Rie­gel­stel­lung wirk­te zwar, aber ei­nen Lö­sch­erfolg konn­ten wir mit dem Was­ser nicht er­zie­len.“

Das liegt an den über­ein­an­der ge­sta­pel­ten Kunst­stoff­plat­ten im Be­reich der Pro­duk­ti-

ons­ma­schi­nen. Das Ma­te­ri­al brennt wie Zun­der. „Was wir se­hen konn­ten, ha­ben wir ab­ge­löscht, aber die Rauch­ent­wick­lung war ex­trem. Da war kein tie­fer Ein­blick in die Hal­le mög­lich“, sagt Mar­cel Brin­ker, der mit Alex­an­der Puls als ers­ter Trupp des TLF 16/25 un­ter Atem­schutz im Ein­satz ist. Brin­ker: „Die La­ge war sehr un­über­sicht­lich, des­halb sind wir nicht weit ins Ge­bäu­de vor­ge­drun­gen.“Plötz­lich fällt schlag­ar­tig die glä­ser­ne Front der Hal­le in sich zu­sam­men. Die Flam­men be­kom­men noch mehr Sau­er­stoff.

Lösch­was­ser­ver­sor­gung aus Hy­dran­ten reicht nicht

Die Be­sat­zung der HAB rich­tet den Strahl des Mo­ni­tors durch ein be­reits im Dach klaf­fen­des Loch ins In­ne­re. „Der stell­ver­tre­ten­de Ge­mein­de­brand­meis­ter hat­te uns gleich ei­nen Auf­stell­platz zu­ge­wie­sen“, be­rich­tet Hu­bert Dart­mann, Fahr­zeug­füh­rer der HAB. „Wir ha­ben den Korb nicht be­setzt, son­dern un­se­ren Mo­ni­tor fern­ge­steu­ert, um das Per­so­nal für den Auf­bau der Was­ser­ver­sor­gung ein­set­zen zu kön­nen.“Ve­er­kamp: „An ei­nen In­nen­an­griff war in die­sem Be­reich be­reits nicht mehr zu den- ken. Das Ri­si­ko war ein­fach zu groß, die Flam­men grif­fen ra­send schnell um sich.“In die­ser ers­ten Ein­satz­pha­se ist auch die Lösch­was­ser­ver­sor­gung un­zu­rei­chend. „Wir muss­ten wirk­lich mit un­se­rem Was­ser haus­hal­ten.“Die HAB wird da­her pri­mär zur Rie­gel­stel­lung an ei­ner Brand­wand im lin­ken Ge­bäu­de­flü­gel ein­ge­setzt, das TLF 20/40-SL speist die Büh­ne ein. Schma­le: „Ge­gen das Feu­er sind wir mit Was­ser aber nicht an­ge­kom­men.“Ein Da­ten­blatt des bren­nen­den Pro­dukts rät zum Ein­satz von Sprüh­strahl oder Lösch­schaum. Der Sprüh­strahl schei­det we­gen der In­ten­si­tät des Groß­bran­des aus, Lösch­schaum ist al­so das Mit­tel der Wahl.

Der Ein­satz­lei­ter lässt um 10.59 Uhr die FF Schüt­torf und die FF Ems­bü­ren zur nach­bar­schaft­li­chen Lösch­hil­fe nach­alar­mie­ren. Ei­ne Mi­nu­te spä­ter folgt die An­for­de­rung der Werk­feu­er­wehr H&R, die über gro­ße Men­gen Schaum­mit­tel und ein F-schlauch­sys­tem zur Was­ser­för­de­rung ver­fügt. Um 11.03 Uhr geht der Alarm für die FF Spel­le raus. Es folgt die Alar­mie­rung der Tech­ni­schen Ein­satz­lei­tung (TEL) des Land­krei­ses Ems­land mit ei­nem ELW 2 zur Füh­rungs­un­ter­stüt­zung. Der Ge­mein­de­brand­meis­ter un­ter­teilt die Ein­satz­stel­le in die Ein­satz­ab­schnit­te (EA) 1 (Brand­be­kämp­fung Ge­bäu­de­front, FF Salz­ber­gen), 2 (Rie­gel­stel­lung Hof­sei­te, FF Ems­bü­ren) und 3 (Rie­gel­stel­lung Haupt­ein­gang, FF Schüt­torf und FF Spel­le).

„Auf der An­fahrt konn­ten wir be­reits von Wei­tem die dunk­le Rauch­wol­ke über der Ein­satz­stel­le se­hen. Es war klar, dass das ei­ne grö­ße­re Sa­che ist“, be­rich­tet Se­bas­ti­an Bor­gel von der FF Ems­bü­ren. Ein Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 16/12, ein TLF 20/40 und der ELW sind auf dem Weg. Spä­ter folgt aus Ems­bü­ren noch ein TLF 8/18.

Nach ih­rem Ein­tref­fen am Brand­ort star­ten die nach­ge­rück­ten Kräf­te aus Ems­bü­ren und Schüt­torf ei­nen In­nen­an­griff un­ter Atem­schutz. Die Ems­bü­re­ner Atem­schutz­trä­ger (AGT) ge­hen in die ans Brand­ob­jekt gren­zen­de Hal­le, die Schüt­tor­fer in ei­nen So­zi­al­trakt, der zu­se­hends ver­raucht. „Wir ha­ben ei­ne Brand­wand ge­kühlt und ein of­fe­nes Tor in­ner­halb des Ge­bäu­des ver­tei­digt, da­mit der Brand dort nicht in die noch un­ver­sehr­te Hal­le über­grei­fen kann“, be­rich­tet Bor­gel. „Zwei- oder drei­mal muss­ten wir uns zu­rück­zie­hen, weil uns ein­fach das Lösch­was­ser aus­ge­gan­gen war.“Die Weh­ren aus Salz­ber­gen und Ems­bü­ren ar­bei­ten bei be­son­de­ren Ein­satz­la­gen re­gel­mä­ßig zu­sam­men, ken­nen sich da­her gut und sind ein­ge­spielt.

DRK über­nimmt Be­treu­ung

Ei­ne Be­treu­ungs­ein­heit des DRK küm­mert sich in ei­nem be­nach­bar­ten Un­ter­neh­men um die Mit­ar­bei­ter der be­trof­fe­nen Fir­ma, die nicht ein­mal mehr ih­re pri­va­ten Sa­chen ret­ten konn­ten. Au­ßer­dem stellt das DRK zur Ab­si­che­rung der Ein­satz­kräf­te zwei Ret­tungs­wa­gen (RTW) und küm­mert sich im wei­te­ren Ein­satz­ver­lauf um die Ver­sor­gung der in der Spit­ze bis zu 200 Feu­er­wehr­leu­te. „Wir hat­ten aus der Re­gi­on schnell zahl­rei­che Me­di­en­ver­tre­ter vor Ort“, sagt Cas­per. „Die ha­ben sich vor­bild­lich am ELW ge­mel­det. Doch dort hat­te ich im ers­ten Mo­ment al­ler­hand mit den Nach­for­de­run­gen zu tun, so­dass ich die Me­di­en­ver­tre­ter bis zu mei­nem ers­ten State­ment ver­trös­ten muss­te.“

Die Leit­stel­le Rhei­ne, de­ren Di­s­po­nen­ten mitt­ler­wei­le auf die mas­si­ve Rauch­ent­wick­lung in Salz­ber­gen auf­merk­sam ge­wor­den sind, bie­ten den Kol­le­gen in Mep­pen Un­ter­stüt­zung an. Die Ein­satz­lei­tung for­dert dar­auf­hin ei­ne Mes­s­ein­heit, be­ste­hend aus Kräf­ten der Feu­er­weh­ren Rhei­ne und Ib­ben­bü­ren, an. Aus Ib­ben­büh­ren ma­chen sich Kräf­te mit ei­nem Er­kun­dungs­wa­gen für che­mi­sche, bio­lo­gi­sche, ra­dio­lo­gi­sche und nu­klea­re Ge­fah­ren (CBRN-ERKW) auf den Weg. Die Ka­me­ra­den aus Rhei­ne rü­cken mit ei­nem Wech­sel­la­der­fahr­zeug samt Ab­roll­be­häl­ter ABC (ato­ma­re, bio­lo­gi­sche und che­mi­sche Ge­fah­ren) ei­nem CBRNErkw und ei­nem Mann­schafts­trans­port­wa­gen aus. Cas­per: „Das bot sich an, denn

die Rauch­wol­ke brei­te­te sich in Rich­tung Rhei­ne aus.“

Ne­ben der HAB aus Salz­ber­gen sind am Brand­ob­jekt jetzt auch ein Te­le­skop­mast­fahr­zeug der FF Spel­le und die Dreh­lei­ter der FF Schüt­torf im Ein­satz. Ein­ge­speist wer­den al­le drei Hu­bret­tungs­fahr­zeu­ge von leis­tungs­star­ken Tlf-pum­pen. „Die­se Schlag­kraft, im In­nen­an­griff die an­gren­zen­den Ge­bäu­de­tei­le zu schüt­zen und von oben so­wohl ei­ne Rie­gel­stel­lung im Be­reich der Brand­wän­de die di­rek­te Brand­be­kämp­fung durch­füh­ren zu kön­nen, hat we­sent­lich zum Lö­sch­erfolg bei­ge­tra­gen“, sagt Schma­le. Weil ab­seh­bar ist, dass der Ein­satz der Kräf­te aus Ems­bü­ren län­ger dau­ern wird, for­dert Ge­mein­de­brand­meis­ter Mar­co Lö­ge­ring um 11.39 Uhr die Feu­er­wehr Bram­sche zur Be­set­zung der Wa­che in Ems­bü­ren an.

WF setzt F-schläu­che ein

Mit dem Lösch­was­ser aus dem Hy­dran­ten­netz kön­nen le­dig­lich die Rie­gel­stel­lun­gen be­dient wer­den. Um den ho­hen Be­darf an Was­ser si­cher­zu­stel­len, ver­le­gen die Mit- ar­bei­ter der WF un­ter Lei­tung des stell­ver­tre­ten­den Lei­ters Günter Brink ihr F-schlauch­Sys­tem. „Un­ter Füh­rung ei­nes Zug­füh­rers der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr wur­den par­al­lel an ei­nem Re­gen­rück­hal­te­be­cken zwei Trag­krafts­prit­zen in Stel­lung ge­bracht, um die FLei­tung ein­spei­sen zu kön­nen“, sagt Lö­ge­ring. Die WF nutzt sonst orts­fes­te Pump­sta­tio­nen auf dem Werks­ge­län­de.

Die WF führt das Schlauch­sys­tem auf ei­nem An­hän­ger mit, den auf­grund der Nä­he zur Ein­satz­stel­le ein werks­ei­ge­ner Trak­tor zieht. Das Was­ser wird mit Spe­zi­al­ver­tei­lern durch fünf B-schläu­che in den F-schlauch (150 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser) ge­pumpt und zum Ein­satz­ort ge­för­dert. Bor­gel: „Als die Ver­sor­gung ge­währ­leis­tet war, konn­ten wir aus ei­nem ge­schütz­ten Be­reich vor­ge­hen und un­se­ren Ab­schnitt in der Hal­le er­folg- reich hal­ten.“Acht Agt-trupps setzt al­lein die FF Ems­bü­ren in die­sem Ab­schnitt bei der Brand­wand ein.

An der Ein­satz­stel­le wird mitt­ler­wei­le durch die WF mit dem F-schlauch ei­ne Schaum­an­la­ge Fi­re­dos 4000 ein­ge­speist. Das Schaum­mit­tel kommt aus meh­re­ren IBC (in­ter­me­dia­te bulk con­tai­ner: Kunst­stoff­tank) der WF. Das ge­misch­te Lösch­mit­tel wird den drei Hu­bret­tungs­fahr­zeu­gen und am Bo­den ste­hen­den Wer­fern und Strahl­roh­ren zu­ge­führt. Schma­le: „Die Lo­gis­tik mit dem F-schlauch und dem Schaum­mit­tel hat gut funk­tio­niert, weil sich die Raf­fi­ne­rie qua­si in Sicht­wei­te be­fin­det. In ei­nem an­de­ren In­dus­trie­ge­biet hät­ten wir das so nicht ma­chen kön­nen.“

Um die wei­te­re Schaum­mit­tel-lo­gis­tik küm­mern sich eben­falls die Werk­feu­er­wehr­leu­te von H&R. Mit Hil­fe ei­nes Ga­bel­stap­lers kön­nen sie die IBC an der Brand­stel­le gut be­we­gen. Die Leit­stel­le prüft, ob Flug­feld­lösch­fahr­zeu­ge ei­nes na­hen Flie­ger­horsts der Bun­des­wehr un­ter­stüt­zen könn­ten. „Lei­der wa­ren die nicht ver­füg­bar. Die hät­ten na­tür­lich gleich or­dent­lich

Was­ser und Schaum mit­ge­bracht. Das hät­te uns si­cher ge­hol­fen“, sagt Schma­le. „Die Zu­sam­men­ar­beit der WF mit den frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren aus Salz­ber­gen, Ems­bü­ren und Spel­le hat­ten wir erst 4 Wo­chen zu­vor ge­übt“, sagt Cas­per. „Da wa­ren die Was­ser­ver­sor­gung und die Nut­zung des Schaums noch in den Köp­fen prä­sent. Das war hier sehr hilf­reich.“

Ein­satz­fahr­zeu­ge mit Sprüh­strahl ge­kühlt

Um 12.15 Uhr läuft der Ein­satz so weit, dass der Pres­se­spre­cher die Fra­gen der Me­di­en­ver­tre­ter be­ant­wor­ten kann. Zeit­wei­se ist die Hit­z­ent­wick­lung so stark, dass die Ein­satz­kräf­te mit Sprüh­strahl na­he am Feu­er ste­hen­de Fahr­zeu­ge küh­len müs­sen. „Die konn­ten wir we­gen der lau­fen­den Lösch­ar­bei­ten nicht ein­fach um­stel­len, oh­ne den Lösch­an­griff zu un­ter­bre­chen“, er­klärt Dart­mann. Ein Fahr­zeug wirft am Lack den­noch Bla­sen.

Schma­le lässt um 12.20 Uhr Kräf­te der Feu­er­wehr­tech­ni­schen Zen­tra­le mit Atem­luft­fla­schen zum Wech­seln und um 12.47 Uhr die Feu­er­weh­ren Ven­haus und Scha­pen mit AGT alar­mie­ren. Das für die Pro­duk­ti­on vor­ge­se­he­ne Ma­te­ri­al bie­tet den Flam­men im­mer noch reich­lich Nah­rung. Durch die bren­nen­den Koh­len­stoff­ver­bin­dun­gen ist die Rauch­wol­ke tief schwarz. Die Po­li­zei rät der Be­völ­ke­rung mit Durch­sa­gen da­zu, Fens­ter und Tü­ren ge­schlos­sen zu hal­ten. Kin­der ei­ner in Wind­rich­tung ge­le­ge­nen Schu­le dür­fen das Ge­bäu­de vor­erst nicht ver­las­sen. Doch die Mes­s­trupps stel­len im wei­te­ren Ein­satz­ver­lauf kei­ne ge­fähr­li­chen Wer­te fest.

Weil ab­seh­bar ist, dass die Lösch­ar­bei­ten auch bei ein­set­zen­der Dun­kel­heit fort­ge­führt wer­den müs­sen, for­dert die Ein­satz­lei­tung über die TEL be­reits um 14.49 Uhr das THW aus Lin­gen zur Aus­leuch­tung der Ein­satz­stel­le an. Mit ei­nem Mann­schafts­last­wa­gen (MLW), zwei MTW und zwei Licht­mas­t­an­hän­gern ma­chen sich sie­ben Hel­fer auf den Weg nach Salz­ber­gen. Im wei­te­ren Ein­satz­ver­lauf leuch­ten sie auch das In­ne­re der be­trof­fe­nen Hal­le für die Nach­lösch­ar­bei­ten aus.

„Um 15.19 Uhr ha­ben wir das ers­te Mal ‚Was­ser halt’ ge­ge­ben, um die Si­tua­ti­on im Ob­jekt be­wer­ten zu kön­nen“, er­klärt Cas­per. Tei­le des Da­ches sind ein­ge­stürzt, eben­so ein Groß­teil der Pho­to­vol­ta­ik-an­la­ge (PV). „Die war schon früh ins Ge­bäu­de ge­fal­len und hat­te uns da­her kei­ne Sor­gen be­rei­tet“, sagt Dart­mann. Von der Schüt­tor­fer Dreh­lei­ter aus le­gen Feu­er­wehr­leu­te Brand­nes­ter un­ter der Dach­haut frei. Müh­sam öff­nen an­de­re Kräf­te im rück­wär­ti­gen Be­reich von der Hof­sei­te aus das noch in­tak­te Dach aus Fa­ser­ze­ment­well­plat­ten, um dar­un­ter ei­ne Ma­schi­ne ab­zu­lö­schen.

Lösch­was­ser ist nicht kon­ta­mi­niert

„Wir muss­ten uns we­gen ei­ner mög­li­chen Ein­sturz­ge­fahr der Stahl­kon­struk­ti­on der Hal­le aus­schließ­lich auf das Ar­bei­ten von oben be­schrän­ken“, er­klärt Schma­le. Mit­ar­bei­ter der Un­te­ren Was­ser­be­hör­de neh­men meh­re­re Pro­ben vom Lösch­was­ser. Mit Dicht­kis­sen ver­hin­dert die Feu­er­wehr das Ein­drin­gen des Schaum-was­ser-ge­mischs in die Ka­na­li­sa­ti­on. Cas­per: „Wir konn­ten Ent­war­nung ge­ben, weil wir aus­schließ­lich Mehr­be­reichs­schaum­mit­tel ver­wen­det ha­ben.“Nach der Frei­ga­be durch die Be­hör­de kann ei­ne Fach­fir­ma das Lösch­was­ser ab­sau­gen und ent­sor­gen.

Um 16.15 Uhr mel­det die Ein­satz­lei­tung der Leit­stel­le „Feu­er un­ter Kon­trol­le, Nach­lösch­ar­bei­ten“. Die ers­ten Kräf­te kön­nen wie­der ein­rü­cken. Dart­mann: „Da­mit wir al­le hei­ßen Stel­len er­rei­chen konn­ten, ha­ben wir un­se­re HAB wäh­rend der Nach­lösch­ar­bei­ten zwei­mal um­ge­setzt.“Um 21.04 Uhr rü­cken die letz­ten Kräf­te der FF Salz­ber­gen ein. In der Nacht be­wacht ein von der Fir­ma be­auf­trag­tes Si­cher­heits­un­ter­neh­men die Ein­satz­stel­le und über­prüft sie auf Brand­nes­ter.

Am nächs­ten Mor­gen führt die FF Salz­ber­gen (mit ELW) ei­ne Kon­trol­le der Ein­satz­stel­le durch und wird fün­dig. Dar­auf­hin rü­cken Kräf­te mit dem TLF 20/40-SL und der HAB er­neut zur Bor­sig­stra­ße aus, um die ver­blie­be­nen Brand­nes­ter zu lö­schen. Von 9.30 Uhr an dau­ern die Nach­lösch­ar­bei­ten knapp 3 St­un­den. „Au­ßer­dem ha­ben wir die Brand­er­mitt­ler der Po­li­zei un­ter­stützt, in­dem sie von un­se­rer HAB aus Fo­tos der Brand­stel­le ma­chen konn­ten“, sagt Cas­per.

Die Brand­ur­sa­che konn­te nicht mehr ge­klärt wer­den. Die Er­mitt­ler ge­hen bis heu­te von ei­nem tech­ni­schen De­fekt aus. Den Scha­den schätzt die Po­li­zei auf bis zu 10 Mil­lio­nen Eu­ro.

Fo­to: Wie­dau

Die Feu­er­wehr hat die Flam­men mit ei­nem Schaum­tep­pich er­stickt. Aus der Luft ist gut zu er­ken­nen, wie groß die an­ein­an­der ge­bau­ten Hal­len sind. Dank des Groß­ein­sat­zes ist es ge­lun­gen, die an­gren­zen­den Be­triebs­tei­le zu hal­ten. Fo­to: Feu­er­wehr

Beim Ein­tref­fen der ers­ten Kräf­te stellt sich die La­ge noch nicht so dra­ma­tisch dar. Aus ei­nem klei­nen Loch im Dach schla­gen die Flam­men durch.

Fo­tos (2): Feu­er­wehr Ei­ni­ge Wän­de der Hal­le sind be­reits weg­ge­brannt. Das Feu­er hat sich wei­ter durch das Dach ge­fres­sen. Links und rechts sind noch in­tak­te Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen zu se­hen. In der Mit­te sind sie ins Ge­bäu­de ge­stürzt. Fo­to: Wie­dau

Der un­be­mann­te Korb der HAB wird samt Wen­de­rohr vom Bo­den aus ge­steu­ert.

Fo­to: Wie­dau

Die Hit­zestrah­lung ist so groß, dass ein Feu­er­wehr­mann die HAB Salz­ber­gen mit ei­nem Sprüh­strahl küh­len muss.

Zu­nächst ist auch die HAB der FF Spel­le an der Gie­bel­sei­te der bren­nen­den Hal­le ein­ge­setzt. Spä­ter wech­selt sie auf den in­ne­ren Hof (sie­he Gra­fik).

Aus­schließ­lich Mehr­be­reichs­schaum­mit­tel nutzt die Feu­er­wehr. Der Schaum ver­teilt sich auch au­ßer­halb des Brand­ob­jekts.

Fo­to (3): Feu­er­wehr Als die Flam­men weit­ge­hend ge­löscht sind, wird der HAB-KORB mit ei­nem Agt-trupp be­setzt.

Um die HAB hier zu po­si­tio­nie­ren, muss­te der Ma­schi­nist sein gan­zes Kön­nen zei­gen. Der Platz ist ge­ra­de aus­rei­chend, um die Stüt­zen aus­zu­fah­ren.

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