Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on

Feuerwehr-Magazin - - Reportage -

An­ge­fan­gen hat al­les im Jahr 1887 hier in Heinsberg“, be­rich­tet Bru­no Schmitz, der heu­te ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Hu­bert das Tex­til-un­ter­neh­men in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on lei­tet, stolz. „Un­ser Ur­groß­va­ter Hu­bert Schmitz be­lie­fer­te in der Re­gi­on die un­zäh­li­gen Heim­we­be­rei­en mit Ma­te­ri­al.“1911 er­rich­te­te der Web­meis­ter dann sein ers­tes ei­ge­nes Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de an der Ap­ho­ve­ner Stra­ße. „An die­sem Stand­ort hal­ten wir bis heu­te fest“, so Hu­bert Schmitz. Schon kurz nach der Fer­tig­stel­lung des Ge­bäu­des kauf­te Hu­bert se­ni­or drei Web­stüh­le, die er elek­trisch an­trieb. „Et­was Ver­gleich­ba­res gab es zwi­schen Aa­chen und Mön­chen­glad­bach da­mals nir­gends“, er­klärt Bru­no Schmitz.

Zu den ers­ten Ver­kaufs­schla­gern ge­hör­ten Be­span­nun­gen für Wind­müh­len und die Ab­de­ckun­gen für Pl­an­wa­gen. Sohn Hein­rich stell­te die Pro­duk­ti­on dann ab 1920 auf Haus­halts­wa­ren aus Baum­wol­le um, vor al­lem Hand- und Bett­tü­cher. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg über­nahm Hans-hein­rich Schmitz die Fir­men­lei­tung. Ge­fragt war die schwe­re Qua­li­tät der Ge­we­be der Fir­ma Schmitz fort­an im Berg­bau und der Schwer­in­dus­trie. Mit dem Rück­gang der Be­schäf­tig­ten im deut­schen St­ein­koh­le­berg­bau und dem gleich­zei­ti­gen Preis­ver­fall für Tex­ti­li­en stand die Hu­bert Schmitz Gm­bh En­de der 1980er Jah­re kurz vor der Schlie­ßung. „Wir be­ka­men für die In­dus­trie­be­klei­dung da­mals we­ni­ger, als uns die Her­stel­lung kos­te­te“, er­in­nert sich Bru­no Schmitz.

Zwi­schen 1989 und 1994 gin­gen al­lein in Deutsch­land durch den Struk­tur­wan­del in der Tex­til­in­dus­trie rund 60 Pro­zent der noch vor­han­de­nen Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren. In die­ser schwe­ren Pha­se über­nah­men Bru­no und Hu­bert die Ge­schäfts­lei­tung von ih­rem Va­ter. Zwei Schrit­te be­durf­ten kei­nes Auf­schubs: Auch bei Schmitz muss­te der Groß­teil der Pro­duk­ti­on ins Aus­land ver­la­gert und neue Pro­duk­te ent­wi­ckelt wer­den. „Hier­bei kam uns ein Zu­fall zu Hil­fe“, so Bru­no Schmitz. Seit ei­ni­gen Jah­ren fer­tig­ten die Heins­ber­ger da­mals schon schwe­re Feu­er­wehr­män­tel, teil­wei­se mit Re­flex­strei­fen. „In den 1990er Jah­ren stie­gen die An­for­de­run­gen an die Schutz­klei­dung durch Eu-richt­li­ni­en und die HUPF (Her­stel­lungs- und Prü­fungs­be­schrei­bung für ei­ne uni­ver­sel­le Feu­er­wehr­schutz­be­klei­dung, 1999 ein­ge­führt) enorm, der Markt kam in Be­we­gung.“

„Wir sa­hen da ei­ne Chan­ce für uns“, sagt Hu­bert Schmitz. Mit le­dig­lich zwei un­ter­schied­li­chen Mo­del­len stell­ten die Heins­ber­ger auf der In­ter­schutz 2000 in Augs­burg aus – mit ei­nem et­was bes­se­ren Gar­ten­pa­vil­lon auf dem Frei­ge­län­de. „Doch die Ge­sprä­che mit den Feu­er­wehr­leu­ten, de­ren Wün­sche und An­re­gun­gen ha­ben uns enorm was ge­bracht“, be­tont Schmitz. Ver­bes­se­rung des Tra­ge­kom­forts, der Sicht­bar­keit im Ein­satz so­wie der Halt­bar­keit, ein wirk­sa­mer Näs­se­schutz und Re­pa­ra­tur­mög­lich­kei­ten nah­men die Schmitz-brü­der als Ent­wick­lungs­auf­trä­ge aus Augs­burg mit. „Dar­an hat sich bis heu­te im Prin­zip nichts ge­än­dert“, so die Schmitz-brü­der.

Seit 2005 en­ga­giert sich die Hu­bert Schmitz Gm­bh auch in der Feu­er­wehr­aus­bil­dung. Un­ter dem Be­griff Sa­fe­ty-tour wer­den Work­shops, Vor­trä­ge und prak­ti­sche Übungsevents an­ge­bo­ten. Ak­tu­ell ge­hö­ren 30 Trai­ner zum Aus­bil­der­stamm. Au­ßer­dem führt S-gard In­hou­se-schu­lun­gen zum The­ma „Rei­ni­gung und Pfle­ge von Schutz­klei­dung“durch.

So sah das Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de frü­her aus. Tei­le der Ge­bäu­de wer­den bis heu­te ge­nutzt. Er grün­de­te 1887 die Fir­ma: Hu­bert Schmitz se­ni­or. Und der Ur­groß­va­ter der heu­ti­gen Fir­men­in­ha­ber ließ auch das Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de an der Ap­ho­ve­ner Stra­ße in Heinsberg er­rich­ten.

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