| Ra­san­te Brand­aus­brei­tung im Bus

Feuerwehr-Magazin - - Einsatzbericht -

Der 4 Jah­re al­te Rei­se­bus (Typ FHD2) des nie­der­län­di­schen Her­stel­lers VDL stand zur Ver­wun­de­rung der Ex­per­ten in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten in Voll­brand. Ein zu­erst ver­mu­te­ter tech­ni­scher De­fekt, der den Brand schon vor dem Auf­prall aus­ge­löst ha­ben und da­mit ur­säch­lich für den Un­fall ge­we­sen sein könn­te, be­stä­tig­te sich nach ab­schlie­ßen­der Un­ter­su­chung durch die Ex­per­ten der Ver­kehrs­po­li­zei und der Staats­an­walt­schaft nicht.

Nach den Er­geb­nis­sen der Er­mitt­ler kam es zu ei­nem Rück­stau auf der rech­ten Spur vor ei­ner Bau­stel­le. Der Lkw vor dem Rei­se­bus brems­te stau­be­dingt lang­sam von 80 km/h auf 28 km/h ab. In Fol­ge ei­ner Un­auf­merk­sam­keit des Fah­rers fuhr der Rei­se­bus mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von 60 bis 70 km/h auf den An­hän­ger des Lkw auf. Der Bus­fah­rer ver­such­te im letz­ten Mo­ment noch, nach rechts Rich­tung Stand­strei­fen aus­zu­wei­chen und ab­zu­brem­sen. Was die Ur­sa­che für die­se Un­auf­merk­sam­keit war, lässt sich nicht mehr klä­ren.

Der Rei­se­bus kol­li­dier­te vor­ne links mit ei­ner Über­de­ckung von rund 60 cm. Die­se re­la­tiv ge­rin­ge An­stoß­flä­che führ­te da­zu, dass die lin­ke Front des Bus­ses im Be­reich des Fah­rer­sit­zes et­wa 2 m nach hin­ten ver­scho­ben wur­de. In die­sem Be­reich sind die Druck­luft­tanks, die Bat­te­rie samt Elek­trik und ein 300 l fas­sen­der Zu­satz­tank ver­baut. Der Auf­prall lös­te elek­tri­sche Kurz­schlüs­se und die Bil­dung ex­trem hei­ßer Licht­bö­gen im Be­reich der Elek­trik aus. Durch den Auf­prall kam es eben­so zu ei­nem Zer­plat­zen des Zu­satz­tanks. Der her­aus­sprit­zen­de und zer­stäub­te Die­sel­kraft­stoff ent­zün­de­te sich un­mit­tel­bar durch die Licht­bo­gen­bil­dun­gen. Die aus­tre­ten­de Druck­luft ver­stärk­te den Ef­fekt zu­sätz­lich.

Durch die mas­si­ve Kol­li­si­on war die Ka­ros­se­rie im vor­de­ren lin­ken Be­reich auf­ge­ris­sen, wo­durch sich Rauch und Feu­er im In­nen­raum des Bus­ses schlag­ar­tig aus­brei­ten konn­ten. Da­durch kam es in­ner­halb kür­zes­ter Zeit zum Voll­brand des Bus­ses.

In der Kri­tik ste­hen die in Rei­se­bus­sen ver­wen­de­ten Kunst­stoff­ma­te­ria­li­en, die im Ver­gleich zur Bahn oder zu Flug­zeu­gen we­nig brand­hem­mend sind. „Mit der Zu­nah­me von Kunst­stof­fen als Werk­stoff für die In­nen­ein­rich­tung von Li­ni­en- und Rei­se­bus­sen auf­grund der gu­ten me­cha­ni­schen Ei­gen­schaf­ten bei nied­ri­gem Ge­wicht kommt die Fra­ge auf, ob das Si­cher­heits­ni­veau be­zo­gen auf Brän­de in den letz­ten Jah­ren ge­sun­ken ist – be­son­ders auch im Ver­gleich zu an­de­ren Trans­port­mit­teln“, heißt es in ei­ner Stu­die der Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen. We­gen der Brenn­bar­keit die­ser Ma­te­ria­li­en sei­en „die Haupt­brand­last in Bus­brän­den oft nicht mehr der mit­ge­führ­te Brenn­stoff, son­dern die Kunst­stof­fe im Bus“.

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