VLF auf Opel Com­bo: Thea­ter-feu­er­wehr in Kas­sel (HE) erst­mals mo­bil

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text und Fotos: Jan-erik He­ge­mann, Chef­re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin [4228]

Die Be­triebs­feu­er­wehr am Staats­thea­ter Kas­sel (HE) ist ein­zig­ar­tig. Und so ver­wun­dert es nicht, dass auch ihr neu­es Fahr­zeug ein Uni­kat ist. Wir ha­ben uns das Vor­aus­lösch­fahr­zeug auf Opel Com­bo zei­gen las­sen.

Ir­gend­wie hat­te ich die Hoff­nung schon auf­ge­ge­ben, dass wir je­mals ein ech­tes Fahr­zeug be­kom­men“, sagt Uwe Rühl, der Lei­ter der Be­triebs­feu­er­wehr am Staats­thea­ter Kas­sel. Bis­her be­stand der Fuhr­park der 20 Kräf­te star­ken Ein­heit le­dig­lich aus ei­nem um­ge­bau­ten Pkw-an­hän­ger und ei­nem so ge­nann­ten Luft­schutz­kar­ren aus den 1950er Jah­ren. Die Aus­rüs­tung ha­ben die Ak­ti­ven ent­we­der mit die­sen Ge­fähr­ten trans­por­tiert oder ge­tra­gen. „An­ge­rückt sind wir in je­dem Fall zu Fuß“, so Rühl, der seit der Grün­dung im Jahr 1989 die Be­triebs­feu­er­wehr lei­tet.

In den meis­ten Ein­satz­fäl­len sind die ei­ge­nen Fü­ße auch das op­ti­ma­le Fort­be­we­gungs­mit­tel für die Be­triebs­feu­er­wehr­leu­te. Ihr pri­mä­res Ein­satz­ge­biet sind das Staats­thea­ter am Fried­rich­platz mit der Oper (950 Plät­ze) und dem Schau­spiel­haus (650 Plät­ze) so­wie das rund 5 Ki­lo­me­ter ent­fern­te TUP – Thea­ter und Pro­ben­zen­trum. Hier be­fin­den sich die gro­ßen Werk­stät­ten, die La­ger für die rund 30.000 Ko­s­tü­me und sämt­li­che Büh­nen­aus­stat­tung so­wie vier Pro­ben­büh­nen.

Der Kom­plex am Fried­rich­platz ist 23.300 Qua­drat­me­ter groß. „Au­ßen her­um zu ei­nem der vier Zu­gän­ge und dort wie­der rein geht es oft viel schnel­ler, als wenn wir durch die Flu­re, Bü­ros und Spiel­stät­ten lau­fen wür­den“, er­klärt Oli­ver Schramm, der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der Feu­er­wehr. „Wo­bei das selbst mit dem An­hän­ger im­mer ganz schön ge­dau­ert hat.“

Und auch für die Fahr­ten zwi­schen den Thea­ter-stand­or­ten, zu Di­enst­leis­tern oder Ter­mi­nen wünsch­ten sich die Feu­er­wehr­leu­te schon län­ger ein klei­nes ei­ge­nes Fahr­zeug. An­ge­sichts der seit Jah­ren stei­gen­den Ein­satz­zah­len stell­te das Staats­thea­ter die Be­schaf­fung für 2017 dann in Aus­sicht. „An-

fangs dach­ten wir an ei­ne Art Quad, mit dem wir den An­hän­ger hät­ten zie­hen kön­nen“, so Rühl. Doch die­se Lö­sung hät­te über 70.000 Eu­ro ge­kos­tet.

Nur ein Winz­ling passt in die Feu­er­wehr­ga­ra­ge

Al­so son­dier­ten die Feu­er­wehr­leu­te den Markt. Klar war, dass es ein ex­trem klei­nes Fahr­zeug auf Pkw-ba­sis sein muss. „Al­les an­de­re hät­te nicht in die Feu­er­wehr­ga­ra­ge ge­passt“, so Schramm. In die en­ge­re Wahl ka­men Opel Com­bo, Sko­da Rooms­ter und VW Cad­dy. „Opel ge­währ­te uns 30 Pro­zent Be­hör­den­ra­batt“, sagt Rühl, „al­so wur­de es der Com­bo.“Den Zu­schlag für den In­nen­aus­bau des Kas­ten­wa­gens er­hiel­ten die Fir­men Feu­er­schutz Fritz Em­de und Richard Wut­tig aus Zie­ren­berg. Letzt­lich kos­tet das Neu­fahr­zeug nicht ein­mal die Hälf­te der Quad-lö­sung.

Of­fi­zi­ell wird der Com­bo als Vor­aus­lösch­fahr­zeug (VLF) be­zeich­net. „Wir hät­ten ihn aber ge­nau­so gut auch Vor­aus­rüst­wa­gen oder Vor­aus­ge­rä­te­wa­gen nen­nen kön­nen“, so Rühl. „Das Fahr­zeug ent­spricht kei­ner Norm.“Zur Be­la­dung ge­hö­ren ein 6-kva-strom­er­zeu­ger von End­res, ein hy­drau­li­sches Kom­bi­ge­rät mit Ak­ku von We­ber, ein Hoch­leis­tungs­lö­scher von Ro­sen­bau­er, Mo­tor­ket­ten­sä­ge von Stihl samt Schutz­klei­dung, Ak­ku­schrau­ber und ei­ne elek­tri­sche Sä­bel­sä­ge.

„Lösch­was­ser füh­ren wir üb­ri­gens nicht mit“, sagt Rühl. „Ein Tank hät­te nicht mehr in den Auf­bau ge­passt, die Ge­wichts­re­ser­ven sind aus­ge­schöpft und die Lösch­was­ser­ver­sor­gung im Staats­thea­ter ist über­all aus­ge-

zeich­net.“Im Auf­bau be­fin­den sich des­halb für die Brand­be­kämp­fung nur drei Schlauch­t­ra­ge­kör­be (zwei­mal C, ein­mal D), ein Stan­d­rohr, ein Ver­tei­ler so­wie ein Hohl­strahl­rohr.“

Je­der Ku­bik­zen­ti­me­ter im Auf­bau ge­nutzt

Ge­fühlt wur­de je­der Ku­bik­zen­ti­me­ter Platz im Auf­bau aus­ge­nutzt. Das Stan­d­rohr bei­spiels­wei­se passt nur quer in den Auf­bau, weil die seit­li­che Schie­be­tür mit ei­ner Aus­spa­rung ver­se­hen wur­de. Und sehr sel­ten be­nö­tig­tes Werk­zeug wird in Kof­fern in zwei­ter Rei­he ne­ben dem Heck­aus­zug mit­ge­führt. Ab­sperr­ma­te­ri­al steht hin­term Strom­er­zeu­ger auf dem Sei­ten­aus­zug.

Ak­tu­ell be­sitzt das VLF we­der ei­ne Son­der­si­gnal­an­la­ge noch Funk. „Son­der­rech­te hat­ten wir beim Re­gie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel be­an­tragt“, er­klärt der Feu­er­wehr­chef. „Wur­de aber ab­ge­lehnt, weil wir kei­ne an­er­kann­te Werk­feu­er­wehr sind.“Ge­plant ist al­ler­dings, ein Ma­gnet­blau­licht zu be­schaf­fen. „Auf dem Ge­län­de des Staats­thea­ters dür­fen wir das nut­zen, um bes­ser wahr­ge­nom­men zu wer­den und Ein­satz­stel­len ab­zu­si­chern“, so Schramm, „im öf­fent­li­chen Raum aber nicht.“

Im­mer­hin ist das Fahr­zeug Rot la­ckiert und trägt auch die Auf­schrift Feu­er­wehr. Rühl: „Aber es ist der Farb­ton To­ma­ten­rot, den Opel als Stan­dard an­bie­tet. Er ist nur un­we­sent­lich dunk­ler als Feu­er­rot.“

Der Feu­er­wehr­an­hän­ger vom Staats­thea­ter steht jetzt am TUP. Der Luft­schutz­kar­ren wur­de aus­ge­son­dert. Und der Com­bo be­legt den frei­ge­wor­de­nen Platz in der Feu­er­wehr­ga­ra­ge. Ak­tu­ell geht es da­rin ver­dammt eng zu. „Aber wir wer­den di­rekt an­gren­zend ei­ne wei­te­re Ga­ra­ge be­kom­men“, freut sich Rühl, „in die wir dann un­ser Ma­te­ri­al­la­ger um­zie­hen. Dann müs­sen wird zum Ein- und Aus­stei­gen nicht mehr die Sei­ten­spie­gel um­klap­pen.“

30 Pro­zent Be­hör­den­ra­batt ge­währ­te Opel der Be­triebs­feu­er­wehr auf den Kas­ten­wa­gen Com­bo. Der Vier­zy­lin­der-ben­zin­mo­tor leis­tet 95 PS. Das Ma­gnet­blau­licht darf nur auf dem Be­triebs­ge­län­de ge­nutzt wer­den. Of­fi­zi­ell nen­nen die Ak­ti­ven der Be­triebs­feu­er­wehr des Staats­thea­ters Kas­sel den Opel Vor­aus­lösch­fahr­zeug. Zur Brand­be­kämp­fung wer­den ein Hoch­druck­lösch­ge­rät von Ro­sen­bau­er, drei Schlauch­t­ra­ge­kör­be, ein Ver­tei­ler und ein Hohl­strahl­rohr mit­ge­führt. Die Lösch­was­ser­ver­sor­gung im Thea­ter ist her­vor­ra­gend, des­halb be­sitzt das VLF kei­nen Tank.

Das Vor­gän­ger­fahr­zeug des VLF war ein selbst um­ge­bau­ter Pkw-an­hän­ger. Er wur­de von den Feu­er­wehr­leu­ten bei Ein­sät­zen mit der Hand ge­zo­gen und ge­scho­ben.

Je­der Qua­drat­zen­ti­me­ter Platz im Auf­bau ist aus­ge­nutzt, um die Aus­rüs­tung un­ter­brin­gen zu kön­nen. Links ne­ben dem Heck­aus­zug sind die Schlauch­t­ra­ge­kör­be plat­ziert, rechts da­ne­ben Werk­zeug­kis­ten.

Die­sen Luft­schutz­kar­ren nutz­ten die Feu­er­wehr­leu­te bis­her am Au­ßen­stand­ort TUP für den Ma­te­ri­al­trans­port. Er wird jetzt durch den Pk­wAn­hän­ger er­setzt.

Der Opel Com­bo passt so ge­ra­de eben in die en­ge Feu­er­wehr­ga­ra­ge. Zum Ein- und Aus­stei­gen muss der Sei­ten­spie­gel ein­ge­klappt wer­den.

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