Klei­ne Übung 82: So­fortret­tung mit Steck­lei­ter

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Bei Men­schen­le­ben in Ge­fahr kann von Vor­schrif­ten ab­ge­wi­chen wer­den – je­doch im­mer mit der Prio­ri­tät Ei­gen­schutz. Das be­trifft auch das Stel­len von trag­ba­ren Lei­tern mit zu we­nig Per­so­nal. Wir emp­feh­len, solch ei­ne An­wen­dung auf je­den Fall auch mal zu üben.

DieUnf all ver­hü­tungs vor­schrift (UVV) Feu­er­wehr ist ein not­wen­di­ger Be­glei­ter in der all­täg­li­chen Feu­er­wehr­ar­beit. Des­halb darf auf kei­nen Fall der Ein­druck ent­ste­hen, als wür­de die­se Klei­ne Übung sämt­li­che Re­geln in den Wind schie­ßen. Auch wenn hier die Steck­lei­ter mal al­lein oder mit zwei Per­so­nen auf­ge­stellt wird, bleibt der Groß­teil der in der Feu­er­wehr-dienst­vor­schrift (FWDV) 10„ Trag­ba­re Lei­tern“fest­ge­schrie­be­nen Re­geln er­hal­ten und fin­det An­wen­dung.

Fakt ist aber, dass ein dy­na­mi­sches Brand­er­eig­nis Si­tua­tio­nen er­zeu­gen kann, in de­nen schnell Lei­tern ge­stellt wer­den müs­sen, auch wenn der klas­si­sche Per­so­nal­an­satz von drei be­zie­hungs­wei­se vier Ein­satz­kräf­ten un­ter­schrit­ten wird. Wenn ein Op­fer an ei­nem Fens­ter er­scheint, zählt in dem Mo­ment nicht, dass die Feu­er­wehr­leu­te die Steck­lei­ter nur zu dritt stel­len dür­fen.

Nur für die­se Wich­tig:

ab­so­lu­ten Aus­nah­me­fäl­le, wenn Men­schen­le­ben in Ge­fahr sind, kann ei­ne Steck­lei­ter auch mit zwei Per­so­nen vor­ge­nom­men wer­den. Im­mer un­ter dem Aspekt, den Ei­gen­schutz zu ge­währ­leis­ten.

Die hier vor­ge­stell­te Trai­nings­ein­heit kann be­reits mit ei­ner Staf­fel oder Grup­pe durch­ge­führt wer­den. Be­nö­tigt wer­den ei­ne vier­tei­li­ge Steck­lei­ter und ein pas­sen­des Ob­jekt zum si­che­ren An­lei­tern.

Es geht um zwei Ein­satz­si­tua­tio­nen. Zum ei­nen sol­len zwei Steck­lei­ter­tei­le von ei­ner Per­son vor­ge­nom­men wer­den. Da­nach sol­len wie­der­um drei Steck­lei­ter­tei­le mit zwei Ein­satz­kräf­ten in Stel­lung ge­bracht wer­den. Bei der Vor­nah­me von zwei Lei­ter­tei­len geht es zu­nächst dar­um, ei­ne ge­eig­ne­te Tra­ge­wei­se zu fin­den. Lasst al­le Übungs­teil­neh­mer ein­fach mal tes­ten, ob das Grei­fen am obe­ren Holm („Ak­ten­ta­schen­griff“) oder das Klem­men un­ter dem Arm für sie ge­eig­net ist. Beim Er­stel­len die­ser Übung emp­fan­den die Ka­me­ra­den die Tra­ge­wei­se auf der Schul­ter als op­ti­mal. Der durch die Spros­sen ge­steck­te Arm kann nach vorn grei­fen und die Lei­ter im Lauf sta­bi­li­sie­ren. Zu­sätz­lich könn­te mit der an­de­ren frei­en Hand auch noch Brech­werk­zeug mit­ge­nom­men wer­den. Beim Auf­rich­ten zeigt sich, dass die je­wei­li­gen Ein­satz­kräf­te den Schwung aus der Lauf­be­we­gung mit­neh­men soll­te, so­dass sich die Lei­ter fast von

al­lein auf­rich­tet. Zu­dem scheint es hilf­reich zu sein, wenn die Lei­ter um 90 Grad ge­dreht auf ei­nem Holm auf­ge­rich­tet wird. Erst kurz vor dem An­le­gen am Ob­jekt lässt sie sich ein­fach in die rich­ti­ge Po­si­ti­on schwen­ken.

Bei der Vor­nah­me von drei Steck­lei­ter­tei­len geht es auch zu­nächst um die Tra­ge­wei­se. Lasst die Teil­neh­mer ru­hig in flot­ter Gan­gart über den Hof tra­ben. An­sons­ten bie­tet es sich auch hier an, nicht klas­sisch die Lei­ter vor­zu­neh­men, son­dern eben­falls um 90 Grad ge­dreht (sie­he Bil­der­fol­ge). Die vor­de­re Ein­satz­kraft am Lei­ter­fuß setzt die Lei­ter mit ei­ner Holm­sei­te so am Bo­den ab, wie sie die Lei­ter auch auf der Schul­ter trägt. Sie ver­hin­dert nun mit ih­rem Fuß das Weg­rut­schen der Lei­ter und sta­bi­li­siert die­se, da­mit sie nicht seit­lich weg­kippt.

Die an­stren­gen­de Ar­beit leis­tet der Trupp­part­ner: Er drückt die Lei­ter am un­te­ren Holm nach oben. Auch hier wird sie erst kurz vor dem An­le­gen am Ob­jekt ge­dreht.

Die Ka­me­ra­den tra­gen voll­stän­di­ge Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA). Ge­mäß der FWDV 10 ist auf ei­nen si­che­ren Stand der Lei­tern zu ach­ten. Falls er­for­der­lich, sind Maß­nah­men zu er­grei­fen, die ein Um­stür­zen ver­hin­dern. Die be­ob­ach­ten­den Teil­neh­mer hal­ten an­ge­mes­se­nen Ab­stand, wenn die Lei­tern ge­stellt und zu­rück­ge­nom­men wer­den. Be­denkt bit­te im­mer, dass die­se Übung an ei­ni­gen Stel­len von der FWDV und der UVV ab­weicht. Dies gilt aber kei­nes­wegs als Frei­brief und soll­te so auch mit den Ka­me­ra­den kom­mu­ni­ziert wer­den.

Wich­tig: Die­se Übung ist nicht für die Ju­gend­feu­er­wehr ge­eig­net.

Die Teil­neh­mer ler­nen Me­tho­den ken­nen, mit de­nen sie in der La­ge sind, in Not­fäl­len auch mit we­ni­ger Per­so­nal Steck­lei­tern si­cher in Stel­lung zu brin­gen.

Vor­ge­schla­gen...

...von Dr. Stef­fen Pat­zelt, Aus­bil­der und Zug­füh­rer in der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Witt­lich (RP).

In der Not lässt sich ei­ne Steck­lei­ter auch mit zwei Per­so­nen stel­len. Foto: Dr. Pat­zelt

Zwei Steck­lei­ter­tei­le las­sen sich auch gut al­lein auf der Schul­ter tra­gen.

Die Lei­ter ist zu­nächst um 90 Grad ge­dreht. Am Fuß wird ge­si­chert. Am Holm wird nach oben ge­drückt. Erst vor dem An­le­gen wird die Lei­ter kor­rekt ge­dreht und an­ge­stellt. Fotos (6): Dr. Pat­zelt

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