Mer­ce­des hat mit der X-klas­se erst­mals ei­nen Pick-up auf den Markt ge­bracht.

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text und Fo­tos: Ti­mo Jann, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­tor [5543]

Grund­la­ge ist der auch bei Feu­er­weh­ren ein­ge­setz­te Nis­san Na­va­ra, der Ba­sis­mo­tor kommt von Re­nault. Was bie­tet der Mer­ce­des fürs Gro­be al­so mehr? Wir ha­ben ihn in der Aus­stat­tungs­va­ri­an­te „Pro­gres­si­ve“ge­tes­tet.

Ei­ne Zu­la­dung von 1,1 Ton­nen, 3,5 Ton­nen kön­nen an­ge­hängt wer­den: Der Mer­ce­des X kann or­dent­lich was schlep­pen, wä­re bei den Feu­er­weh­ren als Zug­fahr­zeug fürs Ret­tungs­boot, als Kom­man­do­wa­gen oder als Vor­aus­rüst­wa­gen für Stadt so­wie Land ein­setz­bar. „Es gibt vie­le Kun­den, die so ein Fahr­zeug ger­ne mit Stern hät­ten und des­halb bei den Mit­be­wer­bern bis­her nicht zu­ge­schla­gen ha­ben“, be­rich­tet Chris­ti­an Pe­ters, Ver­käu­fer für Be­hör­den­fahr­zeu­ge im Nutz­fahr­zeug­cen­ter bei Mer­ce­des e

Mer­ce­des hat mit der X-klas­se erst­mals ei­nen Pick-up auf den Markt ge­bracht. Ba­sis ist der auch bei Feu­er­weh­ren ein­ge­setz­te Nis­san Na­va­ra, der Mo­tor kommt von Re­nault. Was bie­tet der Mer­ce­des fürs Gro­be al­so mehr? Wir ha­ben ihn in der Aus­stat­tungs­va­ri­an­te „Pro­gres­si­ve“ge­tes­tet.

in Rein­feld (SH). Er stell­te uns den X zum Test be­reit.

Als ein­zi­ger deut­scher Her­stel­ler bot Volks­wa­gen mit dem Ama­rok bis­her et­was Ver­gleich­ba­res an. Nis­san, Peu­geot, Re­nault, To­yo­ta oder Ford sind eben­so mit ih­ren ent­spre­chen­den Fahr­zeu­gen am Start, aber bei Feu­er­weh­ren nur sel­ten zu fin­den – ob­wohl im Ver­gleich zum Mer­ce­des schnell ei­ni­ge Tau­send Eu­ro ge­spart wer­den könn­ten. Und Mer­ce­des selbst? Der X lädt mehr ein und vor al­lem auf als ein GLC und bie­tet mehr Kom­fort als der G.

Zu­nächst kam der Mer­ce­des X nur mit ei­nem 190 PS star­ken Vier­zy­lin­der-bitur­boDie­sel­mo­tor auf den Markt. Mitt­ler­wei­le ist auch ein 260 PS star­ker Sechs­zy­lin­der im An­ge­bot. „Der in­ter­es­siert die Kun­den schon deut­lich mehr“, sagt Pe­ters. 2.300 Ki­lo­gramm Ei­gen­ge­wicht kön­nen so gut be­wegt wer­den. Der All­rad­an­trieb ist zu­schalt­bar. „Bei der Aus­stat­tung sind den Wün­schen kaum Gren­zen ge­setzt“, so Pe­ters. 202 se­ri­en­mä­ßi­ge oder auf Wunsch auf­preis­pflich­ti­ge 222 Mil­li­me­ter Bo­den­frei­heit sind mög­lich.

Da­mit die bis zu fünf Pas­sa­gie­re be­quem ein­stei­gen kön­nen, gibt es Tritt­stu­fen, so ge­nann­te Si­de Bars. Mehr als vier Feu­er­wehr­leu­te in Schutz­aus­rüs­tung wer­den in dem Pick-up al­ler­dings kei­nen Platz fin­den. Um La­dung si­cher mit­neh­men zu kön­nen, be­fin­den sich drei Las­tenv er an­ke­rungs schie­nen an­den Sei­ten und an der Vor­der­sei­te der La­de­flä­che. Sie ist 1,5 mal 1,5 Me­ter groß und könn­te so­gar ei­ne Eu­ro­pa­let­te auf­neh­men. Man­ko: Die Klap­pe lässt sich bis­her nur 90 Grad öff­nen, sie steht ge­öff­net da­her 40 Zen­ti­me­ter vor.

Rein op­tisch macht der Test­wa­gen or­dent­lich et­was her. „Als Kom­man­do­wa­gen bie­tet er ge­gen­über ei­nem Pkw den Vor­teil der er­höh­ten Sitz­po­si­ti­on. Man hat bei ei­ner Alarm­fahrt wirk­lich den Über­blick“, sagt Chris­ti­an Nimtz, nach­dem er am Steu­er Platz ge­nom­men hat. Der Wehr­füh­rer der FF Rat­ze­burg ist un­ser Test­fah­rer. Die Fahrt führt aus Rein­feld über die Land­stra­ße ins Um­land. Denn wo, wenn nicht im Ge­län­de, muss ein Pick-up fürs Gro­be ge­tes­tet wer­den? Wäh­rend der Fahrt zeigt sich, dass die In­ge­nieu­re von Mer­ce­des gro­ßen Wert auf die Ge­räusch­däm­mung ge­legt ha­ben. Drin­nen hal­ten sich die Fahr­ge­räu­sche in Gren­zen. Au­ßer­dem stel­len wir fest: Es klap­pert und knirscht nichts, was auf ei­ne so­li­de Ver­ar­bei­tung schlie­ßen lässt.

Meh­re­re Op­tio­nen fürs Ge­län­de

Ab­seits der be­fes­tig­ten Stra­ße kann Nimtz über ein klei­nes Drehrad im Mit­tel­be­dien­teil den All­rad­an­trieb des X ak­ti­vie­ren. Wer tat­säch­lich ver­stärkt ins Ge­län­de fah­ren möch­te, soll­te auf die ge­eig­ne­te Pro­fi­lie­rung der Rei­fen ach­ten. Ei­ne Luft­druck­re­gel­an­la­ge lässt sich op­tio­nal or­dern. Bei­de Ex­tras sind bei Ge­län­de­fahr­ten auf schwie­ri­gem Un­ter­grund eben­so wie die Dif­fe­ren­zi­al­sper­re für die Hin­ter­ach­se drin­gend zu emp­feh­len, wie un­se­re Fahrt über ei­ne Wie­se mit auf­ge­weich­tem Bo­den zeigt: Ein Trak­tor muss ran und den Test­wa­gen freisch­lep­pen.

Rollt der X nur auf As­phalt, rei­chen die se­ri­en­mä­ßi­gen Stra­ßen­rei­fen voll­kom­men aus. Sie hal­ten den Xxl-mer­ce­des si­cher in der Spur. Die sie­ben­stu­fi­ge Au­to­ma­tik schal­tet zü­gig und fin­det bei der Be­schleu­ni­gung auch auf lo­sem Un­ter­grund schnell den rich­ti­gen Gang. Ba­sis des Fahr­ge­stells ist ein sta­bi­ler Lei­ter­rah­men aus Stahl, ei­ne star­re Hin­ter­ach­se trägt die Las­ten.

5,34 Me­ter lang ist der Bo­li­de im Mer­ce­des-ge­wand, der in­nen sei­ne Her­kunft aus dem Hau­se mit dem Stern nicht ver­ber­gen kann. Das Cock­pit aus der A- und das Lenk­rad aus der C-klas­se sind un­ver­wech­sel­bar und bie­ten den Käu­fern das, was sie von ei­nem Mer­ce­des ge­wohnt sind.

Meh­re­re klei­ne Ka­me­ras, un­auf­fäl­lig in Spie­gel­ge­häu­se und La­de­flä­chen­klap­pen­griff in­te­griert, sor­gen im Rück­wärts­gang auf dem zen­tra­len In­fo­dis­play für ei­nen 360-Grad-rund­um­blick mit Vo­gel­per­spek­ti­ve. „Das Bild kann sich wirk­lich se­hen las­sen“, staunt Nimtz. Er lobt au­ßer­dem die üp­pi­ge Kopf- und Knie­frei­heit. Im Fond ist das Platz­an­ge­bot für gro­ße Mit­fah­rer in­des­sen ein­ge­schränkt.

Die La­de­flä­che hin­ter der vier­tü­ri­gen Dop­pel­ka­bi­ne lie­ße sich mit ei­nem Hard­co­ver bün­dig ver­schlie­ßen oder mit ei­nem Hard­top noch si­cher nach oben er­wei­tern. Pe­ters: „Ich bin mit der Fir­ma GSF Son­der­fahr­zeug­bau be­reits im Ge­spräch, dass wir die La­de­flä­che bei ei­nem Vor­führ­fahr­zeug ein­mal kom­plett ab­neh­men und ei­nen Kof­fer auf­bau­en. Da­mit wür­den sich für Feu­er­weh­ren si­cher in­ter­es­san­te Nut­zungs­va­ri­an­ten er­ge­ben.“

Fa­zit nach der Test­run­de

Für ei­nen Pick-up ist der Mer­ce­des X ein­deu­tig ein Pre­mium­mo­dell, für ei­nen Mer­ce­des bie­tet er Fans ei­nes schwä­bi­schen Fuhr­parks noch Spiel­raum nach oben. Üb­ri­gens: Wer im Not­fall schnell zum Ste­hen kom­men will, der kommt an der X-klas­se nicht vor­bei. Mit 35 Me­tern ist der Brems­weg aus Tem­po 100 deut­lich kür­zer als bei an­de­ren Pick-upMo­del­len. Ein ech­tes Plus für den X.

Im Rück­wärts­gang zeigt das zen­tra­le In­fo­dis­play ei­nen 360-Gra­dRund­um­blick mit Vo­gel­per­spek­ti­ve. Zu­dem gibt es ei­ne Ran­gier­hil­fe auch für Fahr­ten mit An­hän­ger. Die Heck­ka­me­ra ist de­zent im Griff der Heck­klap­pe un­ter­ge­bracht. Vor­ne ha­ben die bei­den Be­sat­zungs­mit­glie­der mehr Raum. „Mir ge­fällt vor al­lem die er­höh­te Sitz­po­si­ti­on mit dem gu­ten Über­blick“, sagt Wehr­füh­rer Chris­ti­an Nimtz.

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