Sind Sam­mel­stü­cke noch zeit­ge­mäß?

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Er­win Jol­let, Jo­sef Hel­pen­stein, Sil­vio Faul­stich [5805]

Sam­mel­stü­cke die­nen dem Ver­bin­den von Lösch­was­ser­för­der­strö­men aus ver­schie­de­nen Qu­el­len. Da­bei kön­nen sie so­wohl die Leis­tungs­fä­hig­keit der Was­ser­för­de­rung als auch die Aus­fall­si­cher­heit der Lösch­was­ser­ver­sor­gung er­hö­hen. Um das Trink­was­ser wirk­sam zu schüt­zen, muss beim Ein­satz von Sam­mel­stü­cken al­ler­dings ei­ni­ges be­ach­tet wer­den.

Ge­normt sind Sam­mel­stü­cke ge­mäß DIN 14355:2007-12 (Sam­mel­stück PN 16) in den Aus­füh­run­gen A2B, A-3B und A-4B. A steht da­bei für die Storz-kupp­lung Grö­ße A, mit der das Sam­mel­stück an den Saug­s­tut­zen ei­ner Feu­er­lösch­krei­sel­pum­pe an­ge­schlos­sen wer­den kann, die Zahl vor dem B für die An­zahl der B-storz-kupp­lun­gen und da­mit die Zahl der ma­xi­mal mög­li­chen B-lei­tun­gen, die an das Sam­mel­stück an­ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Das Sam­mel­stück A-2B ist die Stan­dar­darma­tur für Trag­krafts­prit­zen­an­hän­ger (TSA), Lösch­fahr­zeu­ge mit ei­ner Pum­pen­leis­tung bis 1.000 l/min (TSF, TSF-W, KLF, MLF, LF 10 und HLF 10) so­wie für das Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 2000. Vor 2007 ge­hör­te die­se Ar­ma­tur auf al­len Fahr­zeu­gen zur Norm­be­la­dung.

Bei Lösch­fahr­zeu­gen nach DIN 14530 mit ei­ner Pum­pen­leis­tung von 2.000 l/min und mehr (LF 20, HLF 20, LF 20 Kats) so­wie bei den TLF 3000 und 4000 ist die Stan­dar­darma­tur in­zwi­schen das A-3BSam­mel­stück. Das Sam­mel­stück A-4B ist hin­ge­gen nur sel­ten bei kom­mu­na­len Feu­er­weh­ren zu fin­den. Ver­ein­facht ge­sagt be­deu­tet dies: Je­des Feu­er­wehr­fahr­zeug, das ei­ne Pum­pe – ein­ge­baut (FPN oder FPH) be­zie­hungs­wei­se trag­bar (PFPN) – an Bord hat, führt die­se Ar­ma­tur stan­dard­mä­ßig mit.

In frü­he­ren Zei­ten wur­de beim Sam­mel­stück A-2B bei An­schluss nur ei­ner Lei­tung die Dicht­heit an dem nicht ge­nutz­ten BEin­gang über ei­ne Schwenk­klap­pe er­reicht. Hier­bei drück­te der zu­flie­ßen­de Was­ser­strom die Klap­pe ge­gen den nicht ge­nutz­ten B-ein­gang. Seit der Nor­mung der Sam- mel­stü­cke A-3B und A-4B im Jahr 2007 sind auch Ein­zel­ab­si­che­run­gen der B-ein­gän­ge in Form von fe­der­be­las­te­ten Klap­pen oder Rück­schlag­ven­ti­len – un­ab­hän­gig von der Grö­ße des Sam­mel­stü­ckes – er­hält­lich.

Durch­fluss­men­ge ei­nes Sam­mel­stü­ckes

Ein ent­schei­den­der Fak­tor bei Ein­sät­zen ist im­mer, wie viel Was­ser über ein Sam­mel­stück zu­ge­führt wer­den kann. „Doch die Fra­ge nach der Leis­tung kann nicht so oh­ne wei­te­res be­ant­wor­tet wer­den“, sagt Jo­sef Hel­pen­stein, St­abs­stel­len­lei­ter an der Lan­des­feu­er­wehr- und Ka­ta­stro­phen­schutz­schu­le (LFKS) Rhein­land-pfalz in Ko­blenz. „Bei der letz­ten Nor­mung wur­de da­von aus­ge­gan­gen, dass bei ‚durch­schnitt­li­cher‘ Was­ser­ver­sor­gung der Feu­er­lösch­krei­sel­pum­pe über je­de B-lei­tung 400 bis 800 l/min zu­ge­führt wer­den, was für FPN 10-2000 und den Be­trieb von Mo­ni­to­ren mit Durch­fluss­ra­ten von mehr als 2.000 l/min nicht aus­reicht.“

Die­se über vie­le Jahr­zehn­te an­ge­nom­me­nen und un­ver­än­der­ten Wer­te lie­gen in der His­to­rie be­grün­det. Sie ge­hen zu­rück auf die so ge­nann­te „Drei­tei­lung des Lösch­an­griffs“(Qu­el­le: Lehr­buch „Die Drei­tei­lung des Lösch­an­griffs“von Pro­vin­zi­al­feu­er­wehr­füh­rer Wal­ter Schnell aus Cel­le, 1934). Be­zugs­grö­ße war der ma­xi­ma­le Was­ser­be­darf pro Ver­tei­ler­li­nie: zwei­mal Cm-strahl­rohr oh­ne Mund­stück und ein­mal Bm-strahl­rohr, al­so 2x 200 l/min + 400 l/min = 800 l/min. Al­ter­na­tiv wur­de der An­schluss ei­nes Bm-roh­res oh­ne Mund­stück (22 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser) an­ge­nom­men, wenn bei­spiels­wei­se Wurf­wei­te ge­fragt war, und auf 800 l/min ge­run­det (800 l/min wer­den bei 6,5 bar er­reicht). Hier ent­fie­len die Cm-roh­re, da sie tak­tisch kei­nen Sinn mach­ten. Die Ver­fas­ser von Feu­er­wehr-lehr­un­ter­la­gen set­zen die Was­ser­lie­fe­rung über ei­nen Ver­tei­ler bis heu­te mit 800 l/min an. Des­halb wa­ren bei­spiels­wei­se auf den Lösch­grup­pen­fahr­zeu­gen LF 16/12 in der Nor­mung der 1990er Jah­re im­mer zwei Ver­tei­ler und zwei B-roh­re Be­stand­teil der Be­la­dung. Ge­gen hö­he­re Vo­lu­men­strö­me wird im­mer mit zu gro­ßen Rei­bungs­ver­lus­ten in den Schläu­chen ar­gu­men­tiert. Au­ßer­dem deck­te die Leis­tung von 2x 800 l/min den För­der­strom der da­ma­li­gen Feu­er­lösch­krei­sel­pum­pe 16/8 ab. Auch ein Stan­d­rohr wird bis heu­te in den meis­ten Aus­bil­dungs­vor­ga­ben mit ei­ner ma­xi­ma­len För­der­leis­tung von 1.600 l/min an­ge­ge­ben und als Eng­pass in der Lösch­was­ser­ver­sor­gung dar­ge­stellt.

Die 800 l/min für den Ver­tei­ler be­zie­hungs­wei­se das B-rohr oh­ne Mund­stück wur­den auch auf die Leis­tung ei­ner B-för­der­stre­cke über­tra­gen, ob­wohl be­reits in der al­ten DIN 14200 „Was­ser­durch­fluss von Strahl­rohr­mund­stü­cken oder Dü­sen“(er-

setzt durch DIN EN 15182 „Strahl­roh­re für die Brand­be­kämp­fung“, Teil 1 bis 4) bei ei­nem Dü­sen­durch­mes­ser von 40 Mil­li­me­tern ei­ne Was­ser­lie­fe­rung von 3.300 l/min bei 10 bar be­schrie­ben wur­de.

Iden­ti­sche Wer­te er­ga­ben sich auch bei der Über­prü­fung zur Was­ser­lie­fe­rung ei­nes Stan­d­roh­res an der LFKS Rhein­land-pfalz und sind im Buch „Die Aus­wir­kun­gen des Was­ser­dru­ckes“(er­hält­lich im Shop des Feu­er­wehr-ma­ga­zins) ver­öf­fent­licht. Wo­bei hier je­weils am En­de ei­ner 80 Me­ter lan­gen B-lei­tung ei­ne 29,5 und ei­ne 31,3 Mil­li­me­ter gro­ße Loch­dü­se ein­ge­setzt wur­den.

Auf­grund der tat­säch­li­chen Qu­er­schnit­te kann in der Pra­xis deut­lich mehr Was­ser durch zwei B-lei­tun­gen und ein Sam­mel­stück A-2B ge­för­dert wer­den als in der Norm an­ge­nom­men. Die ge­naue För­der­men­ge ist ab­hän­gig vom Was­ser­an­ge­bot, der Lei­tungs­län­ge, dem Rei­bungs­wi­der­stand und dem Druck.

Fest­zu­hal­ten ist auf je­den Fall, dass die tat­säch­li­che Was­ser­lie­fe­rung ei­nes BSchlau­ches und da­mit ver­bun­den die ei­nes Sam­mel­stü­ckes bis heu­te nie­mand be­schrie­ben hat. Sie liegt weit­aus hö­her als die für die Nor­mung fest­ge­leg­ten Wer­te. Bei den im Jahr 2005 oder 2007 be­schrie­be­nen Vo­lu­men­strö­men han­delt es sich ma­xi­mal um Schätz­wer­te. Die­se Zah­len stam­men aus längst ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten und ha­ben in ei­ner zu­künf­ti­gen Norm kei­nen Platz mehr. Aus über­hol­ten Zah­len wür­de sich ei­ne fal­sche Tech­nik ent­wi­ckeln. Den im­mer wie­der in der Li­te­ra­tur an­ge­ge­be­nen Wer­ten für Druck­ver­lus­te in Ar­ma­tu­ren fehlt eben­falls ei­ne tat­säch­li­che, ak­tu­el­le Über­prü­fung.

Sam­mel­stü­cke sind fle­xi­bel ein­setz­bar

Ein enor­mer Vor­teil von Sam­mel­stü­cken liegt in ih­ren fle­xi­blen Ein­bau­or­ten. Die Plat­zie­rung des Sam­mel­stü­ckes rich­tet sich nach der ge­wähl­ten Ein­satz­tak­tik und ist ab­hän­gig von der Auf­ga­ben­stel­lung. Stan­dard­mä­ßig sitzt es di­rekt am Pum­pen­ein­gang ei­ner FPN/PFPN. Doch auch in För­der­stre­cken sind Sam­mel­stü­cke sehr hilf­reich. Ein Bei­spiel zeigt das un­ter­bre­chungs­freie Zu­sam­men­füh­ren von Was­ser im Pen­del­ver­kehr. Drei freie B-ein­gän­ge be­deu­ten ei­ne un­ter­bre­chungs­freie Ein­spei­sung an ei­nem Über­ga­be­punkt oder in ei­ne Haupt­för­der­lei­tung.

Beim Zu­sam­men­füh­ren von För­der­strö­men gibt es aber ei­ne ge­fähr­li­che Tü­cke: Wer­den Was­ser­strö­me aus dem Trink­was­ser­netz mit Was­ser aus an­de­ren Qu­el­len – bei­spiels­wei­se aus dem Lösch­was­ser­tank ei­nes Feu­er­wehr­fahr­zeu­ges oder aus ei­nem Ober­flä­chen­ge­wäs­ser – im Sam­mel­stück ver­mischt, ist zur Vor­sicht ge­ra­ten. Ei­ne Ver­mi­schung von Trink­was­ser mit Nicht­Trink­was­ser ist oh­ne ent­spre­chen­de Si­che­rungs­ar­ma­tur oder hy­drau­li­sche Tren­nung ver­bo­ten!

Mit Kei­men be­las­te­tes Was­ser ist in die Ka­te­go­rie 5 (Was­ser­ka­te­go­ri­en nach EN 1717) ein­ge­stuft. Was­ser aus den Tanks un­se­rer Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge so­wie aus Ober­flä­chen­ge­wäs­sern oder Lösch­was­ser­brun­nen ist da­her – auch wenn es au­gen­schein­lich klar ist – grund­sätz­lich in Ka­te­go­rie 5 ein­zu­ord­nen. Bei Un­klar­hei­ten ist eben­falls im­mer von be­las­te­tem Was­ser der höchs­ten Ka­te­go­rie 5 aus­zu­ge­hen.

Meh­re­re Fahr­zeug­her­stel­ler (wie BAI, Gi­maex, Ma­gi­rus oder Sch­ling­mann) bau­en

mitt­ler­wei­le in ih­ren Lösch­fahr­zeu­gen den frei­en Aus­lauf ein. In vie­len Aus­schrei­bun­gen wird die­ser freie Aus­lauf in­zwi­schen ex­pli­zit ge­for­dert. Ei­ne hy­drau­li­sche Tren­nung kann auch durch Auf­stel­len ei­nes Falt­be­häl­ters (Zwi­schen­be­häl­ters) er­reicht wer­den, wo­bei das Was­ser aus dem Trink­was­ser­netz frei mit Ab­stand in den Be­häl­ter flie­ßen muss.

Tipp für die Pra­xis: Aus den auf Feu­er­wehr­fahr­zeu­gen mit­ge­führ­ten Ge­rät­schaf­ten kann leicht ein frei­er Aus­lauf in ein Be­cken ge­baut wer­den: Steck­lei­ter­tei­le als Bock­lei­ter auf­ge­baut, ein Stan­d­rohr dar­in be­fes­tigt und mit den Lei­tun­gen vom Hy­dran­ten an­schlie­ßen, aus­lau­fen­des Was­ser soll­te min­des­tens 100 Mil­li­me­ter Ab­stand zum obe­ren Was­ser­spie­gel ha­ben – schon fer­tig.

Dies führt gleich­zei­tig auch zu ei­ner Ent­kopp­lung des hy­drau­li­schen Sys­tems. Das heißt, Druck­stö­ße aus dem För­der­sys­tem der Feu­er­wehr mit ih­ren schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen lau­fen nicht zu­rück ins Trink­was­ser­netz. Die­se For­de­rung steht be­reits im Dvgw-ar­beits­blatt W 303 aus dem Jahr 2005, wel­ches sich un­ter an­de­rem mit der Ent­ste­hung und Fol­gen von Druck­stö­ßen be­schäf­tigt.

Fa­zit: Sam­mel­stü­cke nach wie vor be­rech­tigt

Sam­mel­stü­cke ha­ben noch im­mer ih­re Be­rech­ti­gung, wo­bei die be­schrie­be­nen Pa­ra­me­ter be­ach­tet wer­den müs­sen. In För­der­stre­cken sind sie sehr hilf­reich, beim The­ma Ver­mi­schung Trink- mit Nicht­trink­was­ser sto­ßen sie aber schnell an ih­re Gren­zen. Als Si­che­rungs­ar­ma­tur sind sie spä­tes­tens seit der Nor­mung des Sys­tem­tren­ners im Ju­li 2018 nicht mehr er­laubt. Ein Be­stands­schutz für rechts­wid­ri­ge Aus­stat­tung und Vor­ge­hens­wei­sen ist nicht ge­ge­ben. Bei Un­klar­hei­ten sorgt ei­ne ein­fa­che An­fra­ge beim ört­lich zu­stän­di­gen Ge­sund­heits­amt für Rechts­si­cher­heit.

Sam­mel­stück A-3B mit Rück­schlag­ven­ti­len.

Ty­pi­sches Ein­satz­bei­spiel für ein Sam­mel­stück: Über meh­re­re Schlauch­lei­tun­gen wird Lösch­was­ser zum Lösch­fahr­zeug ge­för­dert. Das Sam­mel­stück sitzt vor der Pum­pe und bün­delt die Lösch­was­ser­strö­me. Fo­to: Jann

Das Sam­mel­stück A-2B ge­hört zur Stan­dard­be­la­dung der Lösch­fahr­zeu­ge mit Pum­pen­leis­tun­gen bis 1.000 l/min. Hier wird es je­der­zeit griff­be­reit zwi­schen Pum­pen­be­dien­stand und den A-saug­schläu­chen mit­ge­führt.Fo­to: Hegemann

Hier wird ein Sam­mel­stück be­nö­tigt, um aus­rei­chend Lösch­was­ser für ei­nen Dü­sen­schlauch för­dern zu kön­nen. Fo­to: Hegemann

Um den Trink­was­ser­schutz zu ge­währ­leis­ten, dür­fen kei­ne Was­ser aus dem Netz mit an­de­ren Was­sern (bei­spiels­wei­se aus Tei­chen oder Bä­chen) ver­mischt wer­den. Hier muss ein Puf­fer­be­häl­ter mit frei­em Aus­lauf ge­nutzt wer­den.Fo­to: Hett­ler

Ein Sam­mel­stück A-2B mit Schwenk­klap­pe (oben) und eins mit fe­der­be­las­te­ten Klap­pen (links).

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