Von den Lu­xem­bur­ger Er­fah­run­gen ler­nen

Feuerwehr-Magazin - - Reportage - Micha­el Rüf­fer, Re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin

Lässt sich das bis­he­ri­ge lu­xem­bur­gi­sche Feu­er­wehr­we­sen wirk­lich mit Deutsch­land ver­glei­chen? Nicht gänz­lich – aber in zwei we­sent­li­chen Punk­ten: Der Brand­schutz wur­de zu ei­nem Groß­teil durch Frei­wil­li­ge si­cher­ge­stellt und die Ge­mein­den wa­ren bis zur Re­form für Auf­stel­lung, Aus­stat­tung und Un­ter­halt der Feu­er­weh­ren zu­stän­dig.

Un­ser Nach­bar­land stand da­her vor den­sel­ben grund­sätz­li­chen Her­aus­for­de­run­gen. Da ist zum ei­nen der Rück­gang des eh­ren­amt­li­chen En­ga­ge­ments und da­mit auch der Ver­füg­bar­keit von Ein­satz­kräf­ten. Und zum an­de­ren die Ab­hän­gig­keit von den Ent­schei­dungs­trä­gern der Ge­mein­den, die je nach Fi­nanz­la­ge und/oder po­li­ti­schem Wil­len mal mehr, mal we­ni­ger im Sin­ne der Feu­er­weh­ren be­zie­hungs­wei­se ei­nes ef­fi­zi­en­ten Brand­schut­zes agier­ten.

Lu­xem­burg hat mit dem CGDIS nun zum gro­ßen Wan­del an­ge­setzt: Ge­mein­sa­mes En­ga­ge­ment von Staat und Ge­mein­den, Zen­tra­li­sie­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on von Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst, ein­heit­li­che Kom­man­do­struk­tu­ren, Bün­de­lung von Kräf­ten un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­füg­bar­keit und Ab­de­ckung des Ein­satz­ge­bie­tes, Pro­fes­sio­na­li­sie­rung in kri­ti­schen Funk­tio­nen und Be­rei­chen so­wie lan­des­wei­te Stan­dar­di­sie­rung von Aus­bil­dung, Ein­satz­mit­teln und Tak­tik.

All dies sind Maß­nah­men, die auch in Deutsch­land denk­bar sind, um wach­sen­de Pro­ble­me in den Griff zu be­kom­men. Zu­min­dest auf Bun­des­land­ebe­ne. Auf­grund des fö­de­ra­lis­ti­schen Prin­zips er­scheint ein ein­heit­li­ches Kon­zept von Flens­burg bis Oberst­dorf und Aa­chen bis Frank­furt/oder al­ler­dings un­rea­lis­tisch.

Ob­wohl Lu­xem­burg kein fö­de­ra­lis­ti­scher Staat ist, hat das CGDIS kei­nes­wegs ei­ne leich­te Ge­burt hin­ter sich. Die Re­form­plä­ne tra­fen – wie auch in Deutsch­land zu er­war­ten – auf Skep­sis und Ängs­te, bei den Ge­mein­den eben­so wie bei haupt­amt­li­chen und frei­wil­li­gen Feu­er­wehr­leu­ten. Da­her wa­ren die in­ter­ne und ex­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on genau­so wich­tig wie die zu er­ar­bei­ten­den In­hal­te. Letzt­lich brauch­te es ei­nen un­er­müd­li­chen Mo­tor in Per­son des ak­tu­el­len In­nen­mi­nis­ters, der die schon seit vie­len Jah­ren an­ge­peil­te Re­form trotz Schwie­rig­kei­ten zur Um­set­zung brach­te.

Wenn der Mit­glie­der­schwund und der Rück­gang der frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren bei uns an­hal­ten, tun wir gut dar­an, den wei­te­ren Ver­lauf der CGDIS-RE­FORM zu be­ob­ach­ten. Die voll­stän­di­ge Um­set­zung wird noch et­li­che Mo­na­te in An­spruch neh­men. Aus den da­bei ge­mach­ten Er­fah­run­gen – auch aus mög­li­chen Feh­lern – kön­nen wir dann viel für ein mög­li­ches Zu­kunfts­sze­na­rio in Deutsch­land ler­nen.

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