Chan­ce ver­tan

Feuerwehr-Magazin - - Editorial -

Im Ju­li brach­ten zahl­rei­che Wald­brän­de das Feu­er­wehr­sys­tem in Schwe­den an sei­ne Leis­tungs­gren­ze. Und so rich­te­ten die Schwe­den ein Hil­fe­er­su­chen an die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Die wie­der­um gab die Bit­te um Un­ter­stüt­zung an die Mit­glieds­staa­ten wei­ter. Das Ge­mein­sa­me La­ge­zen­trum des Bun­des und der Län­der (GMLZ) in Bonn in­for­mier­te die In­nen­mi­nis­te­ri­en der Bun­des­län­der über die An­fra­ge. Nie­der­sach­sen und Bay­ern sag­ten so­fort Un­ter­stüt­zung zu. Letzt­lich mel­de­te sich die Kreis­feu­er­wehr­be­reit­schaft Ni­en­burg (NI) als Ers­te ein­satz­be­reit und er­hielt den Ein­satz­auf­trag.

Am 21. Ju­li um 22 Uhr soll­te ein Tross aus zwölf Fahr­zeu­gen und 52 Kräf­ten an der Feu­er­wehr­tech­ni­schen Zen­tra­le in der Kreis­stadt Ni­en­burg star­ten. Ei­nen ver­gleich­ba­ren Ein­satz hat­te es bis­her nicht ge­ge­ben. Was für ei­ne ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit, um das The­ma Feu­er­wehr in den bun­des­wei­ten Fo­kus zu rü­cken.

Doch was mach­te das nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um aus die­ser his­to­ri­schen Chan­ce? Nichts! Es gab kei­ne Ein­la­dung an die Pres­se­ver­tre­ter, le­dig­lich ei­ne dün­ne Pres­se­mit­tei­lung wur­de um 22.33 Uhr ver­schickt – oh­ne Fo­tos.

So be­fan­den sich nur drei Jour­na­lis­ten bei der Ab­fahrt vor Ort. Ich war ei­ner von ih­nen. Auch zwei freie Tv-be­richt­er­stat­ter hat­ten auf in­of­fi­zi­el­lem Weg von der Abrei­se er­fah­ren.

Noch er­staun­ter war ich, als ich mit dem Ni­en­bur­ger Kreis­brand­meis­ter oder dem Pres­se­spre­cher des Kreis­feu­er­wehr­ver­ban­des re­den woll­te. Bei­de durf­ten nichts sa­gen und ver­wie­sen mich an den Ver­tre­ter und Ge­samt­ein­satz­lei­ter des Nie­der­säch­si­schen Mi­nis­te­ri­ums für In­ne­res und Sport, Brand­rat Mar­tin Voß.

Die­ser gab be­reit­wil­lig Aus­kunft. Al­ler­dings ist die Be­ant­wor­tung der Me­di­en­an­fra­gen durch den Ge­samt­ein­satz­lei­ter in mei­nen Au­gen nicht mehr zeit­ge­mäß. Und ich mei­ne, in den ent­spre­chen­den Se­mi­na­ren an der Nie­der­säch­si­schen Aka­de­mie für Brand- und Ka­ta­stro­phen­schutz (NABK) – an der Voß üb­ri­gens Aus­bil­der ist – wird von die­ser Vor­ge­hens­wei­se auch ab­ge­ra­ten.

Ei­nen Pres­se­spre­cher nahm die deut­sche De­le­ga­ti­on dann auch nicht mit nach Schwe­den. Noch so ein Punkt, den ich nicht ver­ste­hen kann. Denn das öf­fent­li­che In­ter­es­se war rie­sig. Ich glau­be, in Han­no­ver wur­de die Di­men­si­on und Trag­wei­te die­ses Ein­sat­zes falsch ein­ge­schätzt. Al­lein die bei­den Meldungen des Feu­er­wehr-ma­ga­zins über die Ab­fahrt er­reich­ten über ei­ne Mil­li­on Men­schen – nur auf Face­book.

In­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten nach Ver­öf­fent­li­chung gin­gen An­fra­gen aus Schwe­den bei uns ein, wel­che Rou­te die deut­schen Ka­me­ra­den neh­men wür­den. Man woll­te die Un­ter­stüt­zung aus dem Aus­land ge­büh­rend in Emp­fang neh­men.

Zur Ehr­ret­tung muss noch ge­sagt wer­den, dass sich die Pres­se­stel­le des In­nen­mi­nis­te­ri­ums ab Mon­tag dann wirk­lich ins Zeug ge­legt hat. Sie re­agier­te schnell auf Me­di­en­an­fra­gen, ver­mit­tel­te An­sprech­part­ner und stell­te Bil­der zur Ver­fü­gung. Und zur Rück­kehr nach Ni­en­burg wur­de auch of­fi­zi­ell ein­ge­la­den.

Bleibt fest­zu­hal­ten: Scha­de, hier wur­de ei­ne gro­ße Chan­ce ver­tan. Die­se Aus­ga­be ist wie­der voll von Bei­spie­len, was sich Feu­er­wehr­leu­te al­les ein­fal­len las­sen, um in der Öf­fent­lich­keit wahr­ge­nom­men zu wer­den. Die FF Hei­de hat da­zu so­gar ei­gens ei­ne Mar­ke­ting-ag (ab Sei­te 68) ge­grün­det.

Kur­ze An­spra­che an die an­ge­tre­te­nen Ein­satz­kräf­te. Weil das nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um den Ter­min nicht of­fi­zi­ell be­kannt­ge­ge­ben hat­te, wa­ren nur drei Pres­se­ver­tre­ter vor Ort.

Jan-erik He­ge­mann, Chef­re­dak­teur, he­ge­[email protected]­er­wehr­ma­ga­zin.de

Herz­lichst,

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