Die rich­ti­ge Ver­pfle­gung ist auch bei kur­zen Ein­sät­zen enorm wich­tig.

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Jo­han­na Klein, Re­dak­ti­on Feu­er­wehr-ma­ga­zin [6546]

Vor al­lem soll­ten im­mer ge­nug Ge­trän­ke vor­han­den sein. Aber was ist am bes­ten ge­eig­net, um den Durst oder den klei­nen Hun­ger zu stil­len? Un­se­re Ant­wor­ten fin­det Ihr in un­se­rem Ser­vice­bei­trag.

Die rich­ti­ge Ver­pfle­gung ist auch bei kur­zen Ein­sät­zen enorm wich­tig. Vor al­lem soll­ten im­mer ge­nug Ge­trän­ke vor­han­den sein. Aber was ist am bes­ten ge­eig­net, um den Durst oder klei­nen Hun­ger zu stil­len? Wir ha­ben für Euch ein paar Tipps zu­sam­men­ge­stellt.

Egal ob bei der Alar­mie­rung mit­ten in der Nacht oder kurz vor dem Mit­tag­es­sen: Manch­mal müs­sen Feu­er­wehr­leu­te hung­rig aus­rü­cken. Doch ein lee­rer Ma­gen kann die Leis­tung wäh­rend des Ein­sat­zes er­heb­lich min­dern. Bei be­son­ders gro­ßen kör­per­li­chen Be­las­tun­gen – wie beim Ein­satz un­ter Atem­schutz – kann es zu Schwä­che­an­fäl­len und ähn­li­chen Pro­ble­men kom­men.

Jens-oli­ver Mohr ent­wi­ckelt bei der Han­sea­ti­schen Feu­er­wehr-un­fall­kas­se Nord (HFUK Nord) Maß­nah­men zur ge­sund­heit­li­chen Prä­ven­ti­on. Er warnt vor den ge­sund­heit­li­chen Ge­fah­ren bei un­zu­rei­chen­der Ver­pfle­gung: „Fehlt die Ver­sor­gung mit Le­bens­mit­teln und Flüs­sig­keit vor Ort oder neh­men Ein­satz­kräf­te kei­ne Ener­gie zu sich, kann es auf­grund von Leis­tungs­ein­bu­ßen und Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen zu Un­fäl­len kom­men, die es zu ver­mei­den gilt“, sagt der Sport­wis­sen­schaft­ler. „Ei­ne dem­ent­spre­chen­de Ver­pfle­gung kann die kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit beim Ein­satz län­ger auf­recht­er­hal­ten.“

Flüs­sig­keits­zu­fuhr ist be­son­ders wich­tig, auch wenn nur für ei­ne kur­ze Zeit aus­ge­rückt wird. Auch bei ein­fachs­ten Ein­sät­zen kann die Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) je­den Feu­er­wehr­an­ge­hö­ri­gen zum

Schwit­zen brin­gen. Kom­men noch der In­nen­an­griff und ho­he Au­ßen­tem­pe­ra­tu­ren da­zu, darf der Ver­lust von Flüs­sig­keit durch Schweiß nicht un­ter­schätzt wer­den. Auch wich­ti­ge Mi­ne­ra­li­en wer­den so vom Kör­per aus­ge­sto­ßen. Die­se Ver­lus­te schnell wie­der aus­zu­glei­chen, ist für die Ge­sund­heit und den Leis­tungs­er­halt wäh­rend ei­nes Ein­sat­zes von gro­ßer Wich­tig­keit.

Das ein­zig Wah­re: Was­ser

Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­ler pre­di­gen es schon im­mer: Das ein­zig wah­re Mit­tel, um den Flüs­sig­keits­ver­lust bei schweiß­trei­ben­den Ar­bei­ten aus­zu­glei­chen, ist Mi­ne­ral­was­ser. Aus die­sem Grund soll­te zu al­len Ein­sät­zen der Feu­er­wehr im­mer ge­nug Mi­ne­ral­was­ser mit­ge­führt wer­den. „Man kann hier auf die Be­dürf­nis­se der Trup­pe ein­ge­hen und dem­ent­spre­chend Mi­ne­ral­was­ser in den klas­si­schen drei Va­ri­an­ten (still, me­di­um, clas­sic) be­reit­stel­len“, emp­fiehlt Mohr.

Aber Vor­sicht: Nicht je­des im Su­per­markt er­hält­li­che Was­ser ist au­to­ma­tisch „Mi­ne­ral­was­ser“. Die­se Be­zeich­nung ist in Deutsch­land recht­lich ge­schützt und un­ter­schei­det sich von an­de­ren Be­zeich­nun­gen wie „Qu­ell­was­ser“oder „Ta­fel­was­ser“. Mi­ne­ral­was­ser hat von al­len er­hält­li­chen Ar­ten die höchs­te Kon­zen­tra­ti­on an Mi­ne­ra­li­en. Des­halb ist es am bes­ten ge­eig­net, um ei­nen Ver­lust durch Schwit­zen aus­zu­glei­chen.

Fin­ger weg von zu viel Zu­cker

Vie­le ken­nen es von zu Hau­se: Dort wird ger­ne an­statt zur Mi­ne­ral­was­ser­fla­sche zu Co­la oder an­de­ren stark zu­cker­hal­ti­gen Li­mo­na­den ge­grif­fen. Schmeckt ja auch viel bes­ser. Aber Feu­er­wehr­leu­te soll­ten um die Zu­cker­bom­ben vor al­lem wäh­rend des Ein­sat­zes ei­nen gro­ßen Bo­gen ma­chen.

Nicht nur, dass die­se Ge­trän­ke er­wie­se­ner­ma­ßen schlecht für die Ge­sund­heit sind. Der Zu­cker lässt den Blut­zu­cker­pe­gel schlag­ar­tig an­stei­gen und an­schlie­ßend schnell wie­der ab­fal­len – ei­ne ech­te Be­las­tung für den mensch­li­chen Kör­per. Für Feu­er­wehr­leu­te, die durch den Ein­satz meist so­wie­so schwe­ren kör­per­li­chen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt sind, kann das zu ei­nem Pro­blem wer­den: Es droht ei­ne vor­zei­ti­ge kör­per­li­che Er­schöp­fung.

Ne­ben Li­mo­na­den ist auch von an­de­ren stark zu­cker­hal­ti­gen Ge­trän­ken wie fer­ti­gem Ka­kao, pu­ren Frucht­säf­ten, Iso-ge­trän­ken und Ähn­li­chem ab­zu­ra­ten. Wenn ein Ka­me­rad wirk­lich par­tout Ge­schmack in sei­nem Ge­tränk braucht, soll­ten stark ver­dünn­te Saft­schor­len ge­trun­ken wer­den. Mohr emp­fiehlt ein Ver­hält­nis von drei Tei­len Was­ser auf ei­nen Teil Saft ein­zu­hal­ten, um nicht zu viel Zu­cker zu sich zu neh­men. Au­ßer­dem soll­te dar­auf ge­ach­tet wer­den, dass dem

ver­wen­de­ten Saft kein zu­sätz­li­cher Zu­cker bei­ge­mischt wur­de, son­dern nur na­tür­li­cher Frucht­zu­cker ent­hal­ten ist.

Vor Ener­gy-drinks wäh­rend des Ein­sat­zes warnt Mohr be­son­ders: „Bei die­sen Ge­trän­ken muss ne­ben dem Ka­lo­ri­en­ge­halt auch die Kof­f­e­in­men­ge be­rück­sich­tigt wer­den. Die kör­per­li­che An­stren­gung beim Ein­satzo­der Übungs­dienst so­wie die zeit­glei­che Zu­fuhr von in Ener­gy-drinks ent­hal­te­nen Kof­f­e­in und Tau­rin kann ei­ne dop­pel­te Be­las­tung für Herz und Kreis­lauf her­vor­ru­fen. In­fol­ge­des­sen kann es zu schnel­le­rem Herz­schlag so­wie stei­gen­dem Blut­druck kom­men, die mit Be­ein­träch­ti­gung der kör­per­li­chen Ge­sund­heit ein­her­ge­hen. Dies äu­ßert sich in Un­ru­he und ver­min­der­ter Re­ak­ti­ons­fä­hig­keit.“

Der Ex­per­te wei­ter: „Un­ab­hän­gig von der kör­per­li­chen Re­ak­ti­on kann der pro­pa­gier­te Wach­ma­cher­ef­fekt bei aku­tem oder lang­an­hal­ten­dem Kon­sum in­di­vi­du­ell schnell wie­der nach­las­sen, so­dass ein er­hoff­ter Ener­gieSchub aus­bleibt.“

Snacks lie­fern Ener­gie

Es kann rat­sam sein, et­was Ver­pfle­gung mit auf das Fahr­zeug zu ver­la­den, um die Ener­gie­spei­cher der Ein­satz­kräf­te schnell wie­der auf­zu­fül­len. Denn ist der Ein­satz nur we­ni­ge St­un­den lang, wird nicht un­be­dingt ei­ne Ver­sor­gungs­ein­heit an­ge­for­dert.

Da­bei sind klei­ne, ein­zeln ver­pack­te Rie­gel zu emp­feh­len. Die­se las­sen sich schnell zwi­schen­durch aus der Hand es­sen und kom­men dank ih­rer Ver­pa­ckung ten­den­zi­ell we­ni­ger in di­rek­ten Kon­takt mit PSA oder an­de­ren even­tu­ell ver­schmut­zen Ober­flä­chen. Na­tür­lich steht bei der Ver­pfle­gung im Ein­satz im­mer die Hy­gie­ne im Vor­der­grund. Des­halb die PSA vor dem Es­sen ab­le­gen und grund­sätz­lich die Hän­de so­wie das Ge­sicht wa­schen.

Na­tür­lich muss auch bei den Rie­geln wie bei den Ge­trän­ken auf den Zu­cker­ge­halt ge­ach­tet wer­den, um ei­nen plötz­li­chen An­stieg des Blut­zu­cker­wer­tes zu ver­mei­den. Am bes­ten sind Müs­li- oder Fruch­trie­gel oh­ne hin­zu­ge­füg­ten Zu­cker.

Le­bens­mit­tel soll­ten am bes­ten in ei­ner Box im Feu­er­wehr­haus ge­la­gert und erst bei der Alar­mie­rung in das Fahr­zeug ver­la­den wer­den, um ei­ne Kon­ta­mi­na­ti­on zu ver­mei­den. Au­ßer­dem ist es wich­tig, re­gel­mä­ßig die Halt­bar­keits­da­ten der Rie­gel zu kon­trol­lie­ren.

Des Wei­te­ren soll­te auf die All­er­gi­en der Ein­satz­kräf­te ge­ach­tet wer­den. Vor der Be­schaf­fung al­so erst ein­mal durch­fra­gen, ob es un­ter den Feu­er­wehr­leu­ten even­tu­ell All­er­gi­ker gibt. Be­son­ders Erd­nüs­se kön­nen schon in ge­rin­gen Men­gen schwer­wie­gen­de all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen her­vor­ru­fen. Wenn Feu­er­wehr­leu­te mit sol­chen Le­bens­mit­tel­all­er­gi­en zur Wehr zäh­len, soll­ten die Zu­ta­ten­lis­te so­wie die vor­han­de­nen Spu­ren be­son­ders ge­wis­sen­haft ge­prüft wer­den. Für be­trof­fe­ne Ka­me­ra­den müs­sen dann Al­ter­na­ti­ven vor­ge­hal­ten wer­den.

Rie­gel sind gut, um ver­lo­re­ne Ener­gie­re­ser­ven kurz­fris­tig wie­der auf­zu­fül­len. Aber es han­delt sich den­noch um ein ver­ar­bei­te­tes Le­bens­mit­tel, wel­ches durch sei­nen meist sehr ho­hen Fett­ge­halt bei über­mä­ßi­gem Ver­zehr zu Über­ge­wicht füh­ren kann. Aus die­sem Grund rät Mohr: „Bei plötz­lich auf­tre­ten­dem Heiß­hun­ger kön­nen Snacks Ab­hil­fe schaf­fen, al­ler­dings ha­ben die­se ei­nen ähn­li­chen Ef­fekt wie die Co­la. Hier heißt es auch, ge­nau auf sei­nen Kör­per zu hö­ren: Ist es jetzt mehr ein Hun­ger- oder Durst­ge­fühl? Manch­mal ist es mit ei­nem kräf­ti­gen Schluck aus der Fla­sche Was­ser schon ge­tan, da der Kör­per kei­ne fes­te Nah­rung ver­langt.“

Ob nach dem Ein­satz oder in den kur­zen Pau­sen da­zwi­schen: Es ist wich­tig, ver­lo­re­ne Flüs­sig­keit wie­der auf­zu­fül­len. Da­für ist am bes­ten Mi­ne­ral­was­ser ge­eig­net. Ob mit oder oh­ne Koh­len­säu­re ist da­bei dem ei­ge­nen Ge­schmack über­las­sen.

Co­la und Ener­gy-drinks mö­gen zwar schme­cken, soll­ten aber im Ein­satz nicht kon­su­miert wer­den. Der ent­hal­ten­de Zu­cker wirkt sich ne­ga­tiv auf den Blut­zu­cker­spie­gel aus und min­dert so die op­ti­ma­le Leis­tung. Auch das Kof­f­e­in kann sich ne­ga­tiv auf den Kreis­lauf aus­wir­ken.

Was­ser soll­te bei je­dem Ein­satz mit­ge­führt wer­den. Pro Per­son soll­ten min­des­ten 1 Li­ter vor­han­den sein. Fo­to: Rüf­fer

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