Fast täg­lich kämpf­ten in die­sem Som­mer hun­der­te Feu­er­wehr­leu­te ge­gen Wald- und Flä­chen-

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Chris­ti­an Pat­zelt, Re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin [6767]

brän­de. Be­son­ders stark ge­for­dert wa­ren die Ka­me­ra­den in Bran­den­burg. Bei Treu­en­briet­zen und Fich­ten­wal­de (Kreis Pots­dam-mit­tel­mark) konn­te die Aus­brei­tung bis in um­lie­gen­de Ort­schaf­ten in letz­ter Mi­nu­te ver­hin­dert wer­den.

Fast täg­lich kämpf­ten in die­sem Som­mer hun­der­te Feu­er­wehr­leu­te ge­gen Wald- und Flä­chen­brän­de. Be­son­ders stark ge­for­dert wa­ren die Ka­me­ra­den in Bran­den­burg. Bei Treu­en­briet­zen und Fich­ten­wal­de (Kreis Pots­dam-mit­tel­mark) be­droh­ten die Flam­men um­lie­gen­de Ort­schaf­ten.

Mit­te April fängt es an, dass fast je­den Tag Wald­brand­mel­dun­gen über den Ät­her ja­gen. Es be­ginnt – wie je­des Jahr – die ganz nor­ma­le Sai­son für Wald- und Flä­chen­brän­de. Doch dass es 2018 zu ei­ner Viel­zahl von Aus­nah­me­la­gen kommt, ahnt zu die­sem Zeit­punkt noch kei­ner.

Ei­nen Groß­ein­satz müs­sen bei­spiels­wei­se

rund 500 Kräf­te am 25. und 26. Mai im Kreis Ver­den (NI) meis­tern. Frei­tag­nach­mit­tag bricht ein Feu­er ent­lang ei­ner Bahn­stre­cke aus. Be­reits auf der An­fahrt se­hen die Ein­satz­kräf­te die star­ke Rauch­ent­wick­lung. Auf­grund der seit Wo­chen an­dau­ern­den Tro­cken­heit kommt es zu ei­ner schnell fort­schrei­ten­den Brand­aus­brei­tung. Auf Rück- mel­dung des Ein­satz­lei­ters wird Vol­lalarm für die Stadt­feu­er­wehr Ver­den aus­ge­löst und Ein­hei­ten der Ge­mein­de­feu­er­wehr Kirch­lin­teln wer­den an­ge­for­dert.

Gro­ße Pro­ble­me be­rei­tet den Kräf­ten die Be­reit­stel­lung von Lösch­was­ser. „Zur Un­ter­stüt­zung wur­den da­her die Kreis­feu­er­wehr­be­reit­schaf­ten aus den Land­krei­sen Ver­den, Ro­ten­burg, Ni­en­burg und dem Hei­de­kreis nach­alar­miert“, be­rich­tet die Feu­er­wehr Ver­den. „In ver­schie­de­nen Ein­satz­be­rei­chen wur­de zu­dem zu­sätz­li­ches Lösch­was­ser durch ört­li­che Land­wir­te mit Güll­e­fäs­sern zu den Ein­satz­stel­len ge­bracht.“

Bei die­sem Ein­satz be­währt sich er­neut der Feu­er­wehr-flug­dienst des Lan­des­feu­er­wehr­ver­ban­des Nie­der­sach­sen. Zu­sam­men mit den Kräf­ten von zwei Po­li­zei­hub­schrau­ber sind die Ka­me­ra­den im Ein­satz, um aus der Luft wei­te­re Brän­de zu lo­ka­li­sie­ren und die Ein­satz­kräf­te am Bo­den zu lot­sen.

Ex­plo­si­ve La­ge an der A14

Ei­ne wei­te­re Aus­nah­me­la­ge er­le­ben die Feu­er­weh­ren im Kreis Lud­wigs­lust-par­chim (MV) ab Mitt­woch, 4. Ju­li. Hier hält ein Wald­brand bei Groß Laasch an der Au­to­bahn 14 – nord­öst­lich von Lud­wigs­lust – die Kräf­te 4 Ta­ge in Atem. Meh­re­re hun­dert Feu­er­wehr­leu­te kom­men zum Ein­satz, rund 100 Ka­me­ra­den pro Schicht.

4 Hekt­ar Wald­ge­biet sind von dem Brand be­trof­fen. Gro­ße Ge­fahr birgt die Be­las­tung die­ser Flä­che durch Mu­ni­ti­on. Die­se stammt noch von der Wehr­macht, die 1945 auf der Flucht vor der Ro­ten Ar­mee Waf­fen und Mu­ni­ti­on zu­rück­ließ. Im­mer wie­der kommt es zu klei­nen Ex­plo­sio­nen. Le­bens­ge­fähr­lich für die Feu­er­wehr­leu­te. Lösch­pan­zer wer­den für die Brand­be­kämp­fung ein­ge­setzt, Ber­ge­pan­zer über­neh­men das Ver­le­gen von Lösch­was­ser­lei­tun­gen. Un­ter­stützt von Kräf­ten des THW lei­ten die Ka­me­ra­den zir­ka 6 Mil­lio­nen Li­ter Lösch­was­ser in das Ge­biet, sie flu­ten es re­gel­recht.

Ra­san­te Ein­satz­dy­na­mik bei Fich­ten­wal­der Brand

Noch­mal ganz an­de­re Di­men­sio­nen er­reicht dann das Feu­er bei Fich­ten­wal­de in der bran­den­bur­gi­schen Stadt Bee­litz. Der Brand bricht un­weit der Au­to­bahn 9 süd­lich des Drei­ecks Pots­dam aus. Für die Feu­er­weh­ren be­ginnt ein ex­trem ge­fähr­li­cher und dy­na­mi­scher Ein­satz, der sie an ih­re Gren­zen bringt.

Fich­ten­wal­des Orts­wehr­füh­rer Se­bas­ti­an Kl­amt er­in­nert sich: „Der ers­te Alarm er­folg­te am Don­ners­tag, 26. Ju­li, um 13.34 Uhr für die Feu­er­wehr Amt Wer­der. Denn der Au­to­bahn­ab­schnitt, in dem der Brand ge­mel­det wor­den war, be­fin­det sich in de­ren Zu­stän­dig­keit.“Mit ih­rem Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 20 und ih­rem Tank­lösch­fahr­zeug (TLF)

20/40 SL (SL steht für die Be­la­dung mit Son­der­lösch­mit­tel) rückt die Feu­er­wehr Wer­der aus. Ein­satz­stich­wort „Brand Flä­che“.

In den fol­gen­den Mi­nu­ten er­rei­chen im­mer mehr No­t­ru­fe die zu­stän­di­ge Re­gio­nal­leit­stel­le Bran­den­burg. Al­les deu­tet auf ei­ne ra­san­te Brand­aus­brei­tung hin. Um 13.43 Uhr gibt der Zug­füh­rer der Feu­er­wehr Wer­der sinn­ge­mäß die Rück­mel­dung: „Auf der An­fahrt, Hö­he Glin­dow, sehr star­ke Rauch­ent­wick­lung sicht­bar.“Da be­fin­den sich die Wer­de­ra­ner noch über 6 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie ent­fernt vom Ein­satz­ort. Der Zug­füh­rer for­dert drei wei­te­re TLF nach.

„Dar­auf­hin alar­mier­te die Leit­stel­le um 13.45 Uhr uns, die ört­lich am nächs­ten ge­le­ge­ne Feu­er­wehr Fich­ten­wal­de“, be­rich­tet Orts­wehr­füh­rer Kl­amt. Die Wehr rückt we­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter mit ih­rem TLF 16/25 und ih­rem Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeug (HLF) 20/16 aus. Die Ka­me­ra­den füh­ren auch ein wei­te­res TLF mit. Kl­amt: „Hier­bei han­delt es sich um ein aus­ge­son­der­tes TLF 16/45-Wald, aus dem Lan­deska­ta­stro­phen­schutz auf Mer­ce­des Unimog, wel­ches von ei­nem orts­an­säs­si­gen Spar­gel­bau­ern ge­kauft wur­de und der Stadt Bee­litz bei Be­darf zur Ver­fü­gung ge­stellt wird.“Zu­dem wer­den die Feu­er­wehr Ferch mit TLF 5000-Wald und die Feu­er­wehr Glin­dow mit TLF 16/45 und LF 16/12 in den Ein­satz ge­nom­men.

„Auf­grund un­se­rer Orts­kennt­nis­se fuh­ren wir mit dem TLF 16/25 und dem Son­der-tlf nicht – wie alar­miert – über die Au­to­bahn 10 an, son­dern über die Orts­la­ge Fich­ten­wal­de von der Wald­sei­te aus“, er­zählt der Orts­wehr­füh­rer. „Die bei­den Fahr­zeu­ge ka­men auf­grund der vor­herr­schen­den Wind­rich­tung dem Feu­er fast fron­tal ent­ge­gen und tra­fen um 13.53 Uhr an der Ein­satz­stel­le ein.“Zu die­sem Zeit­punkt ste­hen be­reits über 5 Hekt­ar Flä­che in Flam­men. Der Brand ist un­ter ei­ner Hoch­span­nungs­lei­tung durch­ge­lau­fen. Plötz­lich füh­ren star­ke Wind­bö­en zu ei­ner Durch­zün­dung ei­ner et­wa 15-jäh­ri­gen Kie­fern­scho­nung. Da­ne­ben trägt ein sehr dich­ter Bo­den­be­wuchs eben­falls zu ei­ner ra­san­ten Aus­deh­nung bei.

„Ob­wohl un­se­re Kräf­te mit zir­ka 30 Me­tern Ab­stand zum Feu­er ei­ne zu­nächst si­cher schei­nen­de Stel­lung ge­wählt hat­ten, peitsch­te der Wind die Flam­men so schnell auf die Ein­satz­kräf­te zu, dass es zwei­mal er­for­der­lich war, al­les ste­hen und lie­gen zu las­sen und ei­nen Rück­zug durch­zu­füh­ren“, schil­dert Kl­amt die ge­fähr­li­che La­ge. „Erst da­nach war es mög­lich, in die bren­nen­de Scho­nung ei­ne Was­ser­gas­se zu schla­gen, um das Feu­er dort zum Ste­hen zu brin­gen.“

Die Ein­hei­ten aus Wer­der und Glin­dow un­ter­stüt­zen das Ein­brin­gen die­ser Was­ser­gas­se zeit­gleich von der Au­to­bahn aus ent­ge­gen­ge­setzt. Ein TLF bringt die Fich­ten­wal­der Feu­er­wehr in Stel­lung, um ein Durch­bre­chen des Feu­ers über den Eu­ro-

pa­ra­dweg R1 in Rich­tung Fich­ten­wal­de zu ver­hin­dern. Das ge­lingt mit dem mit­ge­führ­ten Was­ser ge­ra­de so. So­weit zu den ers­ten Maß­nah­men.

Feu­er au­ßer Kon­trol­le!

Um 13.58 Uhr mel­det der Fahr­zeug­füh­rer des Fich­ten­wal­der TLF auf der Wald­sei­te an die Leit­stel­le: „Brand au­ßer Kon­trol­le, Stich­wort­er­hö­hung auf Brand Wald-groß, Feu­er in Scho­nung!“Die Re­gio­nal­leit­stel­le Bran­den­burg schiebt um­ge­hend ei­ne um­fang­rei­che Na­ch­alar­mie­rung an. So wer­den der Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 2 des Land­krei­ses Pots­dam-mit­tel­mark, Kreis­brand­meis­ter Jens Hein­ze und zwei wei­te­re TLF in den Ein­satz ge­zo­gen. Zu­dem lö­sen die Di­s­po­nen­ten Vol­lalarm für den Lösch­zug 1 der Feu­er­wehr Wer­der aus.

Fich­ten­wal­des Orts­wehr­füh­rer schil­dert den wei­te­ren Ablauf am Ein­satz­ort: „Um 14.01 Uhr traf un­ser HLF 20/16 auf der Au­to­bahn 9 am Ki­lo­me­ter 1,3 in Hö­he ei­ner Fuß­gän­ger­über­füh­rung ein. Bis da­hin war das Feu­er vor­ge­drun­gen, hat­te sich al­so ent­lang der Au­to­bahn­bö­schung be­reits 1,2 Ki­lo­me­ter von der Aus­bruch­stel­le durch­ge­fräst. Dort ka­men die Flam­men an ei­ner Brü­cke – Pflas­te­rung un­ter­halb vom Brü­cken­kopf bis di­rekt an die Fahr­bahn­de­cke der Au­to­bahn und ober­halb eben­falls ei­ne Teer­de­cke – vor­läu­fig zum Ste­hen.“2 Mi­nu­ten spä­ter er­reicht die Leit­stel­le fol­ge­rich­tig die zwei­te Rück­mel­dung: „Feu­er voll­stän­dig au­ßer Kon­trol­le, Aus­deh­nung über mehr als ei­nen Ki­lo­me­ter, Vol­lalarm für die ge­sam­te Stadt Bee­litz.“

In den nächs­ten Schrit­ten wer­den zu­nächst die Au­to­bahn 9 ab Drei­eck Pots­dam in Fahrt­rich­tung Leip­zig voll ge­sperrt und die Ein­satz­stel­le in Ab­schnit­te auf­ge­teilt. Die Au­to­bahn­sper­rung er­mög­licht den Feu­er­weh­ren ein bes­se­res An­rü­cken. Durch die Auf­tei­lung ent­ste­hen die Ein­satz­ab­schnit­te „Au­to­bahn“und „Wald­sei­te“.

Flam­men be­dro­hen Fich­ten­wal­de

Ab­so­lu­te Prio­ri­tät auf der Wald­sei­te hat es, ein Über­grei­fen des Feu­ers über den Rad­weg in Rich­tung Fich­ten­wal­de zu ver­hin­dern. Der Wind dreht lang­sam ge­nau in die­se Rich­tung. Hier for­dert der Fich­ten­wal­der Ein­satz­lei­ter di­rekt drei wei­te­re TLF an. So alar­mie­ren die Di­s­po­nen­ten in Bran­den­burg an der Ha­vel die bei­den TLF 4000 aus Brück und Bork­hei­de, das TLF 20/40-St aus Bork­wal­de so­wie das Groß­t­ank­lösch­fahr­zeug (GTLF) 180, eben­falls aus Bork­hei­de.

„Nur durch vie­le glück­li­che Um­stän­de sind nicht al­le bis hier­hin alar­mier­ten Ein­satz­kräf­te an ex­akt dem Punkt ein­ge­trof­fen, zu wel­chem sie alar­miert wur­den“, er­in­nert sich Kl­amt. „Et­li­che Fahr­zeu­ge ha­ben sich auf der An­fahrt auf ei­nem 1,1 Ki­lo­me­ter lan­gen Stück ent­lang des Rad­wan­der­we­ges pos­tiert. So ver­hin­der­ten sie, dass das Feu­er auf die­ser Stre­cke über den Rad­weg springt und sich da­mit oh­ne je­de wei­te­re Bar­rie­re in Rich­tung der Orts­la­ge Fich­ten­wal­de aus­brei­tet.“

Auf­grund der sich mi­nüt­lich über­schla­gen­den Er­eig­nis­se ver­an­lasst der Kreis­brand­meis­ter noch auf sei­ner An­fahrt die Alar­mie­rung des ers­ten, zwei­ten und drit­ten Zu­ges der Brand­schutz­ein­heit Pots­damMit­tel­mark. Zu dem Zeit­punkt ist es üb­ri­gens 14.31 Uhr. Kreis­brand­meis­ter Hein­ze selbst steu­ert ei­nen na­he­ge­le­gen Spar­gel­hof in Klais­tow an. Dort wird mit dem ELW 2 ge­gen 14.45 Uhr die Tech­ni­sche Ein­satz­lei­tung ein­ge­rich­tet.

Fort­an gilt der Spar­gel­hof als Be­reit­stel­lungs­raum und Ver­sor­gungs­stel­le für die nach­rü­cken­den be­zie­hungs­wei­se pau­sie­ren­den Ein­satz­kräf­te. Fahr­zeu­ge und Mann­schaft der Feu­er­weh­ren, des Tech­ni­schen Hilfs­werks, des Ret­tungs­diens­tes und der Po­li­zei ro­tie­ren hier förm­lich. Rund 250 Kräf­te be­fin­den sich zeit­gleich im Ein­satz.

Ste­tig wer­den die Ein­satz­ab­schnit­te „Au­to­bahn“und „Wald­sei­te“per­so­nell und ma­te­ri­ell ver­stärkt. So kön­nen die an­fangs ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men aus­ge­baut wer­den. Als Nächs­tes kom­men Po­li­zei­hub­schrau­ber zum Ein­satz, um das Brand­ge­biet von oben zu kon­trol­lie­ren. Dann for­dert die Ein­satz­lei­tung wei­te­re Spe­zi­al­kom­po­nen­ten an: Hub­schrau­ber der Bun­des­wehr mit an­ge­häng­ten Lösch­was­ser­be­häl­tern und ei­nen Was­ser­wer­fer der Lan­des­po­li­zei Bran­den­burg. Land­wir­te stell­ten ih­re Gül­le­wa­gen für den Was­ser­trans­port zur Ver­fü­gung.

Am Nach­mit­tag wird ei­ne teil­wei­se Eva­ku­ie­rung von Fich­ten­wal­de (rund 2.800 Ein­woh­ner) in Be­tracht ge­zo­gen. Be­trof­fen wä­ren bis zu 300 Men­schen. „Ei­ni­ge Bür­ger ha­ben dann sprich­wört­lich auf ge­pack­ten Kof­fern ge­ses­sen“, er­zählt Se­bas­ti­an Kl­amt. Erst ge­gen 21.30 Uhr gibt es Ent­war­nung für die Be­völ­ke­rung.

Ge­fahr durch Mu­ni­ti­on und Gas­leck

An der Ein­satz­stel­le stellt sich am Don­ners­tag­nach­mit­tag ei­ne neue ge­fähr­li­che La­ge dar: Wie in Groß Laasch sind auch hier die Flä­chen stark durch al­te Mu­ni­ti­on und Waf­fen be­las­tet. Es knallt mehr­fach sehr

laut. Ein wei­te­res Vor­rü­cken in der Brand­be­kämp­fung ist für die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren zu ge­fähr­lich.

Des­we­gen be­auf­tragt die Ein­satz­lei­tung Lösch- und Räum­pan­zer von ei­ner pri­va­ten Fir­ma. Sie rü­cken am spä­ten Don­ners­tag­abend an. Nun wird der Brand von al­len Sei­ten be­kämpft: Der Räum­pan­zer bringt ei­ne Schnei­se in den Kie­fern­wald ein und der Lösch­pan­zer be­wäs­sert den frei­ge­räum­ten Be­reich. Aus der Luft las­sen die bei­den Bun­de­so­li­zei­Hub­schrau­ber Was­ser aus den Au­ßen­last­be­häl­tern ab.

Die­se Maß­nah­men füh­ren im Lau­fe des Frei­tags zu sicht­ba­ren Lö­sch­erfol­gen. Doch Sams­tag­mor­gen droht ein er­neu­ter Rück­schlag. Die Kräf­te sto­ßen auf ein Gas­leck in ei­ner Ver­sor­gungs­lei­tung. Auf­grund der Ex­plo­si­ons­ge­fahr wird er­neut ei­ne Räu­mung von Fich­ten­wal­de in Er­wä­gung ge­zo­gen. Doch die Le­cka­ge kann durch den Gas­ver­sor­ger schnell re­pa­riert wer­den.

Zum wei­te­ren Lö­sch­erfolg trägt dann Sams­tag leich­ter Re­gen bei. Kon­ti­nu­ier­lich kann die Ein­satz­lei­tung Kräf­te aus dem Ein­satz ent­las­sen. Es wer­den nun ge­zielt die rest­li­chen Brand­stel­len ge­löscht. Doch auch Sonn­tag herrscht noch­mal Auf­re­gung. Rück­mel­dung von der Ein­satz­stel­le: „Gra­na­ten­fund, so­for­ti­ger Rück­zug!“. Die Lösch­maß­nah­men müs­sen ru­hen. Ge­gen Mit­tag dann die Ent­war­nung durch den Kampf­mit­tel­räum­dienst: Es han­delt sich le­dig­lich um ei­ne lee­re Gra­na­ten­hül­se.

Das bis­he­ri­ge Groß­auf­ge­bot der Feu­er­wehr wird in ei­ne Brand­wa­che durch ört­li­che Feu­er­wehr­kräf­te re­du­ziert. Die­se lö­schen noch ei­ni­ge St­un­den Glut­nes­ter ab – in der Be­ob­ach­tung des Wald­ge­biets durch ei­nen Hub­schrau­ber un­ter­stützt. Am Sonn­tag­nach­mit­tag er­folgt dann rund 75 St­un­den nach der ers­ten Alar­mie­rung die Rück­mel­dung: „Feu­er aus!“

Doch zur Ru­he kom­men die Kräf­te in Bran­den­burg und ins­be­son­de­re in Pots­dam-mit­tel­mark da­mit noch nicht. Im­mer wie­der flam­men klei­ne Wald- und Flä­chen­brän­de auf. Und ge­nau ei­nen Mo­nat nach dem In­fer­no in Fich­ten­wal­de er­wischt es die Kle­in­stadt Treu­en­briet­zen.

Treu­en­briet­zen: drei Or­te eva­ku­iert

„Der Ein­satz star­te­te am Don­ners­tag, 23. Au­gust, um 12.38 Uhr mit der Alar­mie­rung un­se­rer Orts­feu­er­wehr“, er­in­nert sich Phi­lip Sche­ga von der FF Treu­en­briet­zen. „Das Ein­satz­stich­wort lau­te­te ,Brand Wald, Frohns­dorf, Lin­do­wer Weg‘. Ei­ne aus per­so­nel­ler Sicht denk­bar un­güns­ti­ge Uhr­zeit. Vie­le Ka­me­ra­den be­fan­den sich auf ih­ren zum Teil weit vom Wohn­ort ent­fern­ten Ar­beits­stät­ten. An­de­re wa­ren be­reits auf dem Weg zur Spät­schicht.“So rü­cken von der FF Treu­en­briet­zen zu­nächst ein un­ter­be­setz­tes LF 20 und kurz dar­auf das TLF 16/25 zur ge­mel­de­ten Ein­satz­stel­le aus.

Par­al­lel zur FF Treu­en­briet­zen alar­miert die Leit­stel­le in Bran­den­burg an der Ha­vel auch die Orts­feu­er­weh­ren Frohns­dorf mit ih­rem Trag­krafts­prit­zen­fahr­zeug (TSF) und Rietz mit ih­rem TSF-W (mit Was­ser­tank). Stadt­wehr­füh­rer Olaf Fetz, der als Grup­pen­füh­rer auf dem LF 20 aus­ge­rückt ist, er­blickt be­reits aus zir­ka 5 Ki­lo­me­tern Ent­fer­nung ei­ne enor­me Rauch­ent­wick­lung. Er greift zum Funk­ge­rät und for­dert di­rekt wei­te­re Kräf­te an. „Kei­ner ahn­te, dass zu die­sem Zeit­punkt ei­ner der größ­ten Wald­brän­de in der jün­ge­ren Ge­schich­te Bran­den­burgs an­lief“, be­tont Sche­ga.

Wäh­rend im Mi­nu­ten­takt Lösch­kräf­te alar­miert wer­den, sind die be­reits ein­ge­trof­fe­nen Feu­er­weh­ren vor al­lem da­mit kon­fron­tiert, die Ge­fahr für die um­lie­gen­den Ort­schaf­ten zu be­wer­ten. Re­la­tiv schnell wird klar, dass die drei nur et­wa 100

Me­ter von den be­trof­fe­nen Flä­chen lie­gen­den Dör­fer Tie­fen­brun­nen, Kl­aus­dorf und Frohns­dorf eva­ku­iert wer­den müs­sen. Zir­ka 540 Men­schen wer­den auf­ge­for­dert, ih­re Häu­ser zu ver­las­sen und nur das Nö­tigs­te mit­zu­neh­men. Sie sam­meln sich in der als Not­un­ter­kunft ein­ge­rich­te­ten Stadt­hal­le Treu­en­briet­zen oder fah­ren zu Freun­den und Ver­wand­ten.

Ka­me­ra­den ban­gen um ihr Zu­hau­se

„Wir Ka­me­ra­den, die di­rekt an vor­ders­ter Front ge­gen die Flam­men kämpf­ten, hat­ten zu­nächst nicht viel Zeit, über die Eva­ku­ie­run­gen nach­zu­den­ken“, be­rich­tet Sche­ga. „ Hin­zu kam, dass sich die Nach­richt, dass Frohns­dorf, Kl­aus­dorf und Tie­fen­brun­nen ge­räumt wer­den, nur schlep­pend ver­brei­te­te.“Der Treu­en­briet­zener Feu­er­wehr­mann er­klärt: „ An der Ein­satz­stel­le gab es an­fangs kei­nen oder nur schlech­ten Han­dy­emp­fang – und auch

mit dem Di­gi­tal­funk gab es Schwie­rig­kei­ten. In­for­ma­tio­nen ver­brei­te­ten sich da­her in ers­ter Li­nie über Krad-mel­der und über die Tank­lösch­fahr­zeu­ge, wel­che in die na­he­ge­le­ge­nen Ort­schaf­ten zu Was­ser­ent­nah­me­stel­len pen­del­ten.“

Sche­ga führt fort: „Als die In­for­ma­ti­on der Eva­ku­ie­rung die Kräf­te im Wald er­reich­te, hat das bei je­dem der Ka­me­ra­den wei­te­re Kraft­re­ser­ven ak­ti­viert. Schließ­lich woh­nen ei­ni­ge Feu­er­wehr­leu­te selbst in den Or­ten oder ha­ben dort Ver­wand­te und Freun­de. In ei­ni­gen Fäl­len wa­ren der Freund oder Ehe­mann im Ein­satz und wäh­rend­des­sen die Part­ne­rin zu Hau­se, um die wich­tigs­ten Sa­chen zu pa­cken.“

In we­ni­gen St­un­den ent­wi­ckelt sich ein Brand, der auf zir­ka 400 Hekt­ar Flä­che wü­tet. Am spä­ten Don­ners­tag­abend sind be­reits et­wa 600 Kräf­te von Feu­er­weh­ren, Tech­ni­schem Hilfs­werk, Bun­des­wehr und der Po­li­zei im Ein­satz. „Haupt­ziel war es zu­nächst, die eva­ku­ier­ten Ort­schaf­ten vor den Flam­men zu schüt­zen“, be­schreibt der Vi­ze-land­rat des Krei­ses, Chris­ti­an St­ein, die La­ge.

Ne­ben Feu­er­weh­ren aus dem be­trof­fe­nen Land­kreis sind auch Ein­hei­ten aus den Krei­sen Tel­tow-flä­ming, Ha­vel­land und El­be-el- ster im Ein­satz. Nach ers­ten Er­kennt­nis­sen sei­en die Brän­de an meh­re­ren Stel­len aus­ge­bro­chen. Die größ­te Brand­stel­le ist et­wa ei­nen Ki­lo­me­ter breit und 3 Ki­lo­me­ter lang.

Größ­ter Wald­brand in Bran­den­burg

Und er­neut be­geg­net den Feu­er­weh­ren die­se un­be­re­chen­ba­re Ge­fahr der Mu­ni­ti­ons­res­te. Wo die Kräf­te am Bo­den mit Blick auf Ei­gen­schutz nicht mehr vor­ge­hen kön­nen, wer­den die Ein­hei­ten von Lösch­hub­schrau­bern un­ter­stützt. Was­ser­wer­fer der Po­li­zei so­wie Pla­nier­rau­pen sind eben­falls an den Lösch­ar­bei­ten be­tei­ligt. In den ers­ten 24 St­un­den nach Brand­aus­bruch sind die Lösch­maß­nah­men dar­auf an­ge­legt, den Brand zu kon­trol­lie­ren. Erst am Frei­tag­abend zeigt sich durch den mas­si­ven Ein­satz, dass die Flam­men an ei­ni­gen Stel­len ein­ge­dämmt wer­den kön­nen.

So­wohl Bran­den­burgs Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke als auch In­nen­mi­nis­ter Karl-heinz Schrö­ter ma­chen sich be­reits am Frei­tag ein Bild von der La­ge. Sie spre­chen von dem größ­ten Wald­brand, den Bran­den­burg je er­lebt hat, und den Ein­satz­kräf­ten ih­re gro­ße Wert­schät­zung aus.

„Das Aus­maß des Feu­ers, die Ge­scheh­nis­se an die­sen Ta­gen und die gi­gan­ti­sche Spen­den­be­reit­schaft an Le­bens­mit­teln aus der Be­völ­ke­rung – das rea­li­sier­ten vie­le von uns Ein­satz­kräf­ten erst mit Ent­span­nung der La­ge“, be­schreibt Sche­ga. Sams­tag­mor­gen ist es so­weit. Zu­min­dest er­folgt dann die Rück­mel­dung, dass das Feu­er end­gül­tig un­ter Kon­trol­le ist.

Doch die Brand­be­kämp­fung soll noch bis zum Frei­tag, 31. Au­gust, an­dau­ern. „Fast 8 Ta­ge Ein­satz, über 5.000 hel­fen­de Kräf­te – Dan­ke an je­den Ein­zel­nen, der da­zu bei­ge­tra­gen hat, die­sen Ein­satz er­folg­reich ab­zu­schlie­ßen zu kön­nen“, be­ton­te Kreis­brand­meis­ter Jens Hein­ze nach Ab­schluss der Lösch­maß­nah­men.

Wie die Kräf­te der Feu­er­wehr Treu­en­briet­zen die­sen Aus­nah­me­zu­stand er­lebt ha­ben, er­zählt Grup­pen­füh­rer Alex­an­der Spitz­ner aus sei­ner per­sön­li­chen Per­spek­ti­ve (sie­he Kas­ten Sei­te 42).

Fo­to: Ju­li­an Stäh­le

Hef­ti­ges Sze­na­rio am Abend des 26. Ju­li 2018 beim Wald­brand­in­fer­no na­he der Au­to­bahn 9 bei Fich­ten­wal­de (BB, Kreis Pots­dam-mit­tel­mark). 75 St­un­den Aus­nah­me­zu­stand be­deu­te­te die­ses Feu­er, zwi­schen­zeit­lich droh­te ei­ne Aus­brei­tung auf ein Wohn­ge­biet.

Fo­tos (3): Feu­er­wehr Fich­ten­wal­de

Brand­be­kämp­fung mit ei­nem TLF auf Mer­ce­des Unimog beim Feu­er na­he Fich­ten­wal­de.

Für den Ein­satz des Was­ser­för­der­sys­tems ha­ben die Kräf­te ei­ne Pum­pe in den Schwie­low­see ge­setzt – über 5 Ki­lo­me­ter vom Brand­ort ent­fernt. Von da aus wur­den F-schlauch­lei­tun­gen und wei­ter­füh­ren­de B-lei­tun­gen ge­legt.

Ein Was­ser­för­der­sys­tem der Feu­er­wehr Mag­de­burg kam bei Fich­ten­wal­de zum Ein­satz, um die Be­reit­stel­lung von aus­rei­chend Lösch­was­ser an den Ein­satz­or­ten zu ge­währ­leis­ten.

Fo­to: Bun­des­po­li­zei Fo­to: Bun­des­po­li­zei Fo­to: Feu­er­wehr Fich­ten­wal­de

Be­ein­dru­cken­de Per­spek­ti­ve aus ei­nem Lösch­hub­schrau­ber der Bun­des­po­li­zei mit Blick auf ei­ne Brand­stel­le na­he Fich­ten­wal­de. Die Bun­des­po­li­zei­hub­schrau­ber be­füll­ten die Au­ßen­last­be­häl­ter aus mo­bi­len Lösch­was­ser­re­ser­voirs. An ver­schie­de­nen Stel­len hin­gen in und um Fich­ten­wal­de Schil­der mit der Auf­schrift als Zei­chen der Dank­bar­keit aus der Be­völ­ke­rung an die Feu­er­wehr.

Fo­to: Jan Hen­kel

In Treu­en­briet­zen stieg ei­ne be­ängs­ti­gen­de Rauch­wol­ke hoch, die fast 100 Ki­lo­me­ter weit wahr­nehm­bar war.

Fo­to: Jan Hen­kel

Die­se Auf­nah­me ent­stand am Abend des 23. Au­gust und zeigt am Ho­ri­zont den ver­hee­ren­den Wald­brand in Treu­en­briet­zen.

Auf der An­fahrt zu ei­nem Ein­satz­ort hat­ten die Ka­me­ra­den im­mer wie­der mit der schwie­ri­gen Sicht zu kämp­fen.

Fo­tos (3): Feu­er­wehr Treu­en­briet­zen

Bei dem Wald­brand in Treu­en­briet­zen kam auch die Bun­des­wehr mit ei­nem Räum­pan­zer zum Ein­satz.

Uner­müd­lich kämp­fen die Ein­satz­kräf­te in Treu­en­briet­zen ge­gen die Flam­men des größ­ten Wald­brands in der Ge­schich­te Bran­den­burgs.

Lösch­maß­nah­men von ei­nem Fahr­zeug­dach aus. Stun­den­lang ver­brach­ten die Ka­me­ra­den teil­wei­se an den glei­chen Po­si­tio­nen.

Je­de Men­ge Le­bens­mit­tel wur­den zur Ver­sor­gung der Ein­satz­kräf­te vor­ge­hal­ten – teil­wei­se auch aus der Be­völ­ke­rung be­reit­ge­stellt.

Leer­ge­feg­te Stra­ße in ei­ner Ort­schaft von Treu­en­briet­zen – nicht weit ent­fernt die be­droh­li­che Rauch­wol­ke.

Fo­tos (4): Feu­er­wehr Treu­en­briet­zen

Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke und In­nen­mi­nis­ter Karl-heinz Schrö­ter er­kun­di­gen sich vor Ort bei den Ein­satz­kräf­ten über die Maß­nah­men.

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