Klei­ne Übung 84: Hun­de­ret­tung aus ei­ner Röh­re

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Dass neu­gie­ri­ge Hun­de in Roh­ren ste­cken­blei­ben, kommt gar nicht so sel­ten vor. Dann rückt die Feu­er­wehr mit dem Ein­satz­auf­trag Tier­ret­tung an. Wie ein Klein­tier aus solch ei­ner Not­la­ge be­freit wer­den kann, zei­gen wir in der Klei­nen Übung als Team­auf­ga­be. Kurz vor­weg

Wenn Hun­de ih­rem Jagd­trieb ent­spre­chend neu­gie­rig die Um­welt er­for­schen oder den Spu­ren an­de­rer Tie­re fol­gen, kann es schon mal vor­kom­men, dass sie sich in of­fen lie­gen­de Roh­re ver­ir­ren. Von ei­ni­gen Jagd­hun­den wird auch ge­nau so et­was ver­langt. Des­halb kommt es im­mer wie­der vor, dass re­la­tiv me­di­en­wirk­sam und mit gro­ßem Ge­rät Roh­re frei­ge­gra­ben und ge­öff­net wer­den, um den fest­ste­cken­den Vier­bei­ner aus sei­ner miss­li­chen La­ge zu be­frei­en.

Stär­ke und Aus­stat­tung

Zur Vor­be­rei­tung die­ser Übung wer­den meh­re­re Rohr­stü­cke (bei­spiels­wei­se Kg-roh­re) so­wie Win­kel­stü­cke be­nö­tigt. Aus die­sen wird dann ein klei­nes Rohr­sys­tem auf­ge­baut. Durch den ab­ge­win­kel­ten Ver­lauf ist ge­währ­leis­tet, dass durch das End­stück der Hund nicht so­fort ge­se­hen wer­den kann. Als „Op­fer“dient ein Stoff­tier, wel­ches in den Roh­ren plat­ziert wird.

Die Roh­re wer­den bei­spiels­wei­se in ei­ner klei­nen Gru­be po­si­tio­niert und mit Sand ab­ge­deckt, so­dass für die Übungs­teil­neh­mer der Ver­lauf des Rohr­sys­tems nicht so­fort of­fen­sicht­lich ist. Am En­de der Lei­tung zweigt ein kur­zes Stück nach oben und tritt an der Ober­flä­che aus.

Durch die­se Öff­nung, die im Übungs­be­trieb ab­ge­deckt und so­mit für die Üben­den nicht vor­han­den ist, kann bei­spiels­wei­se mit ei­nem Draht­los­laut­spre­cher Hun­de- e

ge­bell ein­ge­spielt wer­den. Ein was­ser­dicht ein­ge­pack­tes Smart­pho­ne, des­sen Klin­gel­ton auf „Hun­de­ge­bell“um­ge­stellt wur­de, ist eben­falls denk­bar. Bei die­ser Va­ri­an­te kann durch An­ru­fe der Übungs­lei­tung das Op­fer stets akus­tisch ak­ti­viert wer­den. Ei­ne Per­son mimt die Be­sit­ze­rin des Tie­res.

Die Trai­nings­ein­heit sol­te mit ei­ner Staf­fel oder Grup­pe durch­ge­führt wer­den – bes­ten­falls mit ei­nem Lösch­grup­pen­fahr­zeug.

Übungs­ab­lauf

Ge­mäß Alarm- und Aus­rü­cke­ord­nung (AAO) wird die Feu­er­wehr­ein­heit zu ei­nem Ein­satz „Tier in Not­la­ge“alar­miert. Vor Ort wer­den die Ka­me­ra­den von ei­ner auf­ge­reg­ten Tier­hal­te­rin er­war­tet, die mit­teilt, dass ihr Hund Wal­di vor 3 St­un­den in ei­nem Rohr ver­schwun­den sei und of­fen­bar nicht mehr her­aus kön­ne. Die Hal­te­rin zeigt dem Ein­heits­füh­rer dar­auf­hin die Rohr­öff­nung, aus dem deut­lich das Jau­len ei­nes Hun­des zu ver­neh­men ist. Das Rohr ver­schwin­det nach we­ni­gen Zen­ti­me­tern im Erd­reich (aus Sand wird jetzt fes­te Er­de). Ein wahl­lo­ses und schnel­les Auf­gra­ben scheint al­so nicht ziel­füh­rend.

In die­ser Pha­se bie­tet es sich an, mit der ge­sam­ten Mann­schaft über mög­li­che Lö­sun­gen zu dis­ku­tie­ren und schließ­lich ei­ne Ent­schei­dung zu tref­fen. So kann et­wa mit ei­ner Ta­schen­lam­pe und ei­nem Zoll­stock der of­fen­lie­gen­de Rohr­be­reich un­ter­sucht wer­den. Hier­bei wird nicht nur er­mit­telt, dass der Hund in die­sem Teil­stück nicht liegt, son­dern auch, dass die Röh­re nach bei­spiels­wei­se 1,30 Me­ter ab­zweigt.

Auf die­ser Grund­la­ge kann dann das Erd­reich in die­sem Be­reich ab­ge­tra­gen wer­den. Mit Werk­zeug, wie ei­nem Trenn­schlei­fer, kann dann am Ab­bie­ge­punkt ei­ne Öff­nung ge­schaf­fen wer­den. Per Smart­pho­ne­ka­me­ra wird bei­spiels­wei­se das In­ne­re er­kun­det. Ist ei­ne rich­ti­ge In­spek­ti­ons­ka­me­ra vor­han­den, dann reicht auch schon ei­ne klei­ne Boh­rung, um den Sen­sor ein­zu­füh­ren. Wenn der Hund lo­ka­li­siert wor­den ist, muss die Be­frei­ungs­öff­nung be­hut­sam an­ge­legt wer­den, so­dass ei­ne Ge­fähr­dung des Hun­des durch die Ar­beits­ge­rä­te aus­ge­schlos­sen wird.

Ei­gen­schutz

Die Teil­neh­mer tra­gen voll­stän­di­ge Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung für den Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tungs-ein­satz. Ge­rä­te­ab­hän­gig muss die Schutz­aus­rüs­tung er­wei­tert wer­den.

Übungs­ziel

Un­ter an­de­rem ler­nen die Ka­me­ra­den so die Hand­ha­bung ver­schie­dens­ter Trenn- und Ein­satz­ge­rä­te. Zu­dem wer­den sie für de­ren Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Tier sen­si­bi­li­siert. Die Übung schult ins­be­son­de­re auch die Kom­pe­tenz der Pro­blem­lö­sung im Team. Die­se un­ge­wöhn­li­che La­ge er­laubt das Er­pro­ben des ko­ope­ra­ti­ven Füh­rungs­stils.

Vor­ge­schla­gen...

...von Dr. Stef­fen Pat­zelt, Aus­bil­der und Zug­füh­rer der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Witt­lich (RP).

Fo­to: Dr. Pat­zelt

Wo ge­nau steckt Wal­di denn? Bei der Lo­ka­li­sie­rung ei­nes Tie­res in ei­nem Rohr hilft zum Bei­spiel ei­ne En­do­skop­ka­me­ra, de­ren Bild auf dem Ta­blet aus­ge­wer­tet wird.

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Die Be­frei­ungs­öff­nung wird sehr vor­sich­tig er­wei­tert...… und schließ­lich ist der Hund be­freit. Fo­tos: Dr. Pat­zelt

Ers­te La­ge­be­spre­chung an der Rohr­öff­nung. Ge­mein­sam wer­den Lö­sungs­ide­en ge­sam­melt.

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