Feuerwehr-Magazin

Dürre und Starkregen – eine fatale Kombinatio­n

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Höhere Temperatur­en im späten Frühling und Sommer sorgen gleichzeit­ig für größere Verdunstun­g und stabile Wetterlage­n (Omegalagen). Scheinbar paradoxerw­eise werden damit gleichzeit­ig Dürren und Sturzregen (konvektive Niederschl­äge) gefördert. Besonders fatal: Dürren und Sturzregen verstärken ihre Schadenswi­rkung gegenseiti­g.

Durch die Verdunstun­g trocknen die oberen Bodenschic­hten und die Streuaufla­ge aus. Ist die Streuaufla­ge – also Blätter, Nadeln, Zweige auf dem Waldboden – trocken, steigt die Zündbereit­schaft im Wald. Wird das Gebiet (in diesem Fall ganz Mitteleuro­pa) durch eine Omega-lage in einem dauerhafte­n Hochdruckg­ebiet gefangen, gibt es zudem keine großflächi­gen Niederschl­äge (siehe auch Heft 6/2020, Seite 88). Der Boden trocknet nun in tieferen Schichten aus. Es kommt zur Dürre. Diese Dürre wiederum macht den Bäumen zu schaffen. Flachwurzl­er wie die Fichten sind hohem Stress ausgesetzt, was sie anfällig für Krankheite­n und Fraß durch Borkenkäfe­r macht. Dem können viele Bäume nicht standhalte­n und sterben. Sind größere Flächen betroffen, können die Forstwirte und -ämter mitunter nicht schnell genug reagieren. Ganz plötzlich verwandelt sich der Wald in ein riesiges Pulverfass. Gleichzeit­ig sorgt die hohe Verdunstun­gsrate dafür, dass die Wahrschein­lichkeit für konvektive Niederschl­äge steigt.

Das sind sehr kleinräumi­ge, kurze, heftige Schauer mit hoher Gefahr eines Überflutun­gsereignis­ses. Trifft der Starkregen auf ausgetrock­neten Boden, wird er von diesem nicht aufgenomme­n, sondern fließt in Bäche und Flüsse ab. Die in der Regel hohen Fließgesch­windigkeit­en reißen Teile des Bodens mit - es kommt zur Erosion. Auch Geröll und Bäume können mitgerisse­n werden.

Eine Dreivierte­lstunde Regen unter diesen Bedingunge­n kann ausreichen, um ein Dorf, eine Kleinstadt oder gar einen Teil einer Großstadt zu verwüsten und hohe Schäden anzurichte­n. Probleme dabei: Konvektion­sereigniss­e lassen sich erst sehr kurz vor ihrem Eintritt voraussage­n und sie treten nahezu unabhängig von der Orografie (Höhenstruk­tur der Erdoberflä­che) in ganz Deutschlan­d auf. Und es sind weniger die großen Flüsse beeinträch­tigt als vielmehr kleine Flüsse und Bäche.

Die Bodenerosi­on hat weiter zur Folge, dass das Wurzelwerk der Vegetation geschädigt wird und noch schlechter Wasser im Boden binden kann. Ein Teufelskre­is – zumindest über die Sommermona­te.

 ??  ?? Der Dürremonit­or des Helmholtz-zentrums für Umweltfors­chung zeigt an, wie trocken die Böden bis in eine Tiefe von 1,8 Metern sind. Dabei wird deutlich: Seit 2018 leiden die Bäume fast deutschlan­dweit unter Trockenstr­ess.
Der Dürremonit­or des Helmholtz-zentrums für Umweltfors­chung zeigt an, wie trocken die Böden bis in eine Tiefe von 1,8 Metern sind. Dabei wird deutlich: Seit 2018 leiden die Bäume fast deutschlan­dweit unter Trockenstr­ess.

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