Der Bes­ser­ma­cher stößt an Gren­zen

Der Club ver­sucht mit ei­nem in­ter­es­san­ten An­satz, den Klas­sen­er­halt zu schaf­fen. Ei­ne be­son­de­re Rol­le nimmt da­bei Trai­ner Micha­el Köll­ner ein

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON HANS STRAUSS Sky)

Nürn­berg Am kom­men­den Di­ens­tag gril­len Micha­el Köll­ner und sei­ne Pro­fis wie­der für ei­nen gu­ten Zweck Brat­würs­te auf dem Christ­kind­les­markt. In wel­cher Stim­mung die Club-Fans dann ih­re „Drei im Weck­la“ab­ho­len, ent­schei­det we­sent­lich der Aus­gang des baye­risch­frän­ki­schen Der­bys an die­sem Sams­tag (15.30 Uhr, beim FC Bay­ern. Rea­lis­tisch ge­se­hen, geht es für den FCN nur dar­um, ein ver­tret­ba­res Er­geb­nis zu er­zie­len. Als „Ga­la­xi­en ent­fernt“sieht selbst Trai­ner Köll­ner den Geg­ner. In Dort­mund (0:7) und Leip­zig (0:5) ist Nürn­berg be­reits un­ter die Rä­der ge­kom­men, aber das ist ei­ni­ge Zeit her. Und au­ßer­dem: Der Ham­bur­ger SV kas­sier­te in der Al­li­anz-Are­na mal ein 2:9. Und ist in die­ser Sai­son trotz­dem nicht ab­ge­stie­gen.

Ei­nen ei­ge­nen Stand hat der Club auf dem Christ­kind­les­markt üb­ri­gens nicht. Der neue Fi­nanz­vor­stand Niels Ros­s­ow, ein ge­bür­ti­ger Nürn­ber­ger, wun­dert sich dar­über und will das schon 2019 än­dern – wie ei­ni­ges an­de­re auch. „Dy­na­mi­scher, in­no­va­ti­ver und krea­ti­ver: Das sind al­les At­tri­bu­te, die Micha­el Köll­ner mit sei­ner Mann­schaft schon eta­bliert hat, der Club im Gan­zen hat sie noch nicht hun­dert­pro­zen­tig ver­in­ner­licht“, sagt Ros­s­ow, der vor­her Ma­na­ger beim Sport­ar­ti­kel­kon­zern Adi­das war.

Ein Trai­ner als Vor­bild für den gan­zen Ver­ein? Der Sta­tus, den sich Köll­ner seit sei­ner Be­för­de­rung vom Trai­ner der U21 und Lei­ter des Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums zum Chef der Pro­fis im März 2017 er­wor­ben hat, ist ge­wal­tig. Bei Köll­ners Amts­an­tritt war der Club nä­her dar­an, die SG Son­nen­hof Groß­as­pach als Geg­ner in der Drit­ten Li­ga zu emp­fan­gen, als an Gast­spie­len beim FC Bay­ern. Köll­ner macht Spie­ler bes­ser. Das wird ho­no­riert. Ge­ra­de auch von Sport­vor­stand Andre­as Bor­ne­mann, der sei­nem Trai­ner vor dem letz­ten 1:1 ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen er­neut ei­ne Job­ga­ran­tie für den Ab­stiegs­fall aus­sprach. Nürn­berg sei auch in den nächs­ten Jah­ren „dar­auf an­ge­wie­sen, Spie­ler wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Und dar­in ist er her­vor­ra­gend. Micha­el hat es ge­schafft, ei­ne ho­mo­ge­ne Mann­schaft zu for­men und ihr ei­ne Idee mit­zu­ge­ben“, sag­te Bor­ne­mann.

Die Idee lau­tet, un­ge­wöhn­lich für ei­nen Auf­stei­ger: of­fen­si­ven und at- trak­ti­ven Fuß­ball zu spie­len. Was in der 2. Bun­des­li­ga mit dem Auf­stieg be­lohnt wur­de, stößt im Ober­haus mit weit­ge­hend un­ver­än­der­tem Ka­der aber an sei­ne Gren­zen. Ge­gen Le­ver­ku­sen kam Nürn­berg auf ei­ne un­ter­ir­di­sche Pass­quo­te von 52 Pro­zent. Le­ver­ku­sen er­reich­te trotz der durch Stark­re­gen fast ir­re­gu­lä­ren Ver­hält­nis­se im­mer­hin 83 Pro­zent.

„Man muss ein­fach se­hen, dass wir nicht die Stär­ke im Ka­der ha­ben wie an­de­re Mann­schaf­ten“, sagt In­nen­ver­tei­di­ger Ge­org Mar­g­reit­ter, dem der Aus­gleich ge­lun­gen war. Der Ös­ter­rei­cher, für den mit 30 Jah­ren noch der Traum von der Bun­des­li­ga in Er­fül­lung ge­gan­gen ist, wird in Mün­chen an­stel­le von Mit­tel­feld­mo­tor Han­no Beh­rens (Bauch­mus­kel­zer­rung) die Ka­pi­täns­bin­de tra­gen.

Die vier­jäh­ri­ge Ab­we­sen­heit aus der Bun­des­li­ga hat den FCN wirt­schaft­lich zu­rück­ge­wor­fen. Um­so wich­ti­ger wä­re es, die­se Sai­son mit dem Klas­sen­er­halt zu be­en­den. Es gibt et­was fi­nan­zi­el­len Spiel­raum für Ver­stär­kun­gen in der Win­ter­pau­se, aber mit be­kann­ten Na­men muss man da­bei nicht rech­nen.

Bis­lang stand der Club nie auf ei­nem der drei Ab­stiegs­rän­ge. Der drit­te Sai­son­sieg müss­te in den ver­blei­ben­den vier Auf­trit­ten bis zur Win­ter­pau­se aber wohl noch ge­lin­gen, wenn die Si­tua­ti­on be­herrsch­bar blei­ben soll. Im Um­feld des Ver­eins ist es, an­ders als zu frü­he­ren Zei­ten, ru­hig. Die Fans wis­sen, dass die Mög­lich­kei­ten be­schränkt sind. Und hän­gen las­sen hat sich der Club auf dem Platz bis­her nie.

Das meint Sport­vor­stand Bor­ne­mann mit der ho­mo­ge­nen Mann­schaft, die Köll­ner ge­formt ha­be. Der 48-jäh­ri­ge Ober­pfäl­zer, der lan­ge als Stütz­punkt­ko­or­di­na­tor ar­bei­te­te und ei­ni­ge Lehr­bü­cher ge­schrie­ben hat, über­trägt den Ge­dan­ken ei­ner fuß­ball­über­grei­fen­den Be­treu­ung aus dem Ju­gend­be­reich auf sei­ne Pro­fis. Die dür­fen beim Trai­nings­la­ger in Süd­ti­rol dann auch mal die Dorf­kir­che be­sich­ti­gen. An­sons­ten ist Köll­ner äu­ßerst selbst­be­wusst und stets um Nä­he zu den Fans be­müht. In der Zwei­ten Li­ga ging er nach Siegen auch ger­ne al­lei­ne auf ei­ne Sta­di­on­run­de. Es wird Zeit, dass es da­für mal wie­der An­lass gibt. Drei-Gän­ge-Me­nü schme­cken – und lie­ßen sich vom Frau­en-Team be­die­nen. Die Brot­zeit für die Da­men gab es dann im Ab­stell­raum.

Ein Sch­man­kerl der be­son­de­ren Art gab es nun beim Frau­en-Fi­na­le der Co­pa Li­ber­ta­do­res, der süd­ame­ri­ka­ni­schen Cham­pi­ons Le­ague. Dort sieg­ten die Frau­en von At­lé­ti­co Hui­la. Zum ers­ten Mal hat­te ein ko­lum­bia­ni­sches Frau­en­team den Ti­tel ge­holt. Die Ver­eins­füh­rung war der Mei­nung: Wer so glück­lich ist, ist auf die 55 000 Dol­lar Sieg­prä­mie nicht an­ge­wie­sen. Das Geld muss­ten die Frau­en an das Her­ren­team ab­drü­cken, das im ko­lum­bia­ni­schen Ta­bel­len­kel­ler vor sich hindüm­pelt. Da­zu passt, dass die Frau­en we­gen ei­ner Fehl­bu­chung auf der Heim­rei­se am Flug­ha­fen in Bo­go­tá über­nach­ten muss­ten. Zu Hau­se in Hui­la ließ der Bür­ger­meis­ter sie dann ein­ein­halb St­un­den war­ten, bis er sie emp­fing.

Im­mer­hin: Weil Män­ner- und Frau­en­mann­schaf­ten bei Hui­la ei­ge­ne Prä­si­den­ten ha­ben (wä­re ja noch schö­ner wenn sich der Män­ner-Prä­se da­mit ab­ge­ben müss­te) be­kom­men die Frau­en noch ein klei­nes Ge­schenk von ih­rem ei­ge­nen Ver­eins­boss. Gut mög­lich, dass hier das Kaf­fee­ser­vice Ma­ri­po­sa wie­der ins Spiel kommt. Oh­je.

Die vier­jäh­ri­ge Ab­we­sen­heit warf den Club weit zu­rück

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