Kramp-Kar­ren­bau­er be­rei­tet ih­re ers­ten Meis­ter­stü­cke vor

Mit ei­ner Klau­sur be­ginnt die Ar­beit im wich­ti­gen Wahl­jahr 2019. Und dann sind da ja noch die CSU und ihr Par­tei­tag

Friedberger Allgemeine - - Politik - Jörg Blank und Ru­pert Mayr, dpa

Pots­dam Von ei­ner Mi­ni-Mer­kel ist kei­ne Re­de mehr. Fünf Wo­chen ist es erst her, dass der Ham­bur­ger Par­tei­tag An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zur neu­en Vor­sit­zen­den und da­mit nach 18 Jah­ren An­ge­la Mer­kel zur neu­en mäch­ti­gen Frau der CDU ge­wählt hat. Doch seit­her hat sich in der Uni­on schon ei­ni­ges ge­än­dert. Die künf­ti­gen Auf­ga­ben ih­res un­ter­le­ge­nen Wi­der­sa­chers Fried­rich Merz sind ge­re­gelt – mehr oder min­der je­den­falls. Und auch der quä­len­de Dau­er­streit zwi­schen CDU und CSU scheint be­en­det, vor­erst zu­min­dest.

Nun star­tet die CDU-Spit­ze erst­mals un­ter Füh­rung Kramp-Kar­ren­bau­ers ins neue Jahr. Zwar sind die in­ter­nen Kri­ti­ker, die lie­ber den Sau­er­län­der Merz an der Spit­ze ge­se­hen hät­ten, lei­ser ge­wor­den. Doch AKK wird sich kaum täu­schen las­sen. 2019 wird ein knall­har­tes Jahr für sie. Es wird das Jahr, in dem sie ih­re Meis­ter­stü­cke ab­lie­fern muss.

Kramp-Kar­ren­bau­er wird nicht nur dar­an ge­mes­sen wer­den, wie sie Ein­bin­dung der ent­täusch­ten Fans des Kanz­le­rin­nen-Kri­ti­kers Merz schafft. Die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen kom­men mit der Eu­ro­pa­wahl am 26. Mai und im Herbst mit den Land­tags­wah­len in Sach­sen, Bran­den­burg und Thü­rin­gen. Kann sie der an­ge­sichts von Wahl­plei­ten und mie­sen Um­fra­gen ver­un­si­cher­ten Par­tei so viel Kamp­fes­mut ein­imp­fen, dass die Wah­len nicht wie­der zum De­sas­ter wer­den?

Viel wird da­von ab­hän­gen, ob die CDU mit Kramp-Kar­ren­bau­er das voll­bringt, was auch Merz ver­spro­chen hat­te: der AfD ei­ne gro­ße Zahl der aus Ent­täu­schung zu den Rechts­po­pu­lis­ten über­ge­lau­fe­nen Wäh­ler wie­der ab­zu­ja­gen. Ei­ne CDU-Vor­stands­klau­sur bis die­sen Mon­tag in Pots­dam soll da­zu den Start­schuss ge­ben – mehr nicht. Um­fang­rei­che theo­re­ti­sche Ma­ni­fes­te sei­en nicht ge­plant, so viel war schon vor­her zu hö­ren. Es ge­he um ei­ne Ar­beits­klau­sur.

Nach ei­nem eher kur­zen Rück­blick auf die ver­korks­ten ein­ein­halb Jah­re nach der Bun­des­tags­wahl 2017 soll vor al­lem die Pla­nung für die nächs­ten Mo­na­te fest­ge­zurrt wer­den. Der Um­gang mit der so um­strit­te­nen Mi­gra­ti­ons­po­li­tik Mer­kels dürf­te ei­ne Art Rei­fe­prü­fung für die neue Che­fin wer­den: Sie muss den Spa­gat hin­be­kom­men, sich nicht zu stark von ih­rer För­de­re­r­in Mer­kel zu dis­tan­zie­ren – aber doch deut­lich ge­nug, um den Dau­er­streit mit der CSU zu be­frie­den und das Ge­mur­re in den ei­ge­nen Rei­hen end­lich zu be­en­den.

Im Fo­kus der Klau­sur steht die Eu­ro­pa­wahl.

Schon lan­ge ist klar, dass sie für al­le Par­tei­en der Knack­punkt in die­sem Jahr sein wird, dem sich fast al­les un­ter­zu­ord­nen hat.

Ein dra­ma­die tisch schlech­tes Er­geb­nis für die SPD et­wa könn­te er­neut die Ko­ali­ti­on ins Schleu­dern brin­gen – Re­gie­rungs­wech­sel oder vor­ge­zo­ge­ne Neu­wahl nicht aus­ge­schlos­sen.

Auch hier steht Kramp-Kar­ren­bau­er vor ei­nem Spa­gat: Ge­mein­sam mit der an­ge­schla­ge­nen SPD-Par­tei­und Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nahles muss sie da­für sor­gen, dass die Ko­ali­ti­on nicht vor­schnell kippt. Die Eu­ro­pa­wahl ist aber auch das The­ma, das CDU und CSU der­zeit zu­sam­men­schweißt wie lan­ge nichts mehr. Ge­mein­sam wol­len die schwar­zen Schwes­tern aus dem Tief – auch des­we­gen ist der Streit gera­de vor­bei, der die Uni­ons­ge­mein­schaft ver­gan­ge­nen Som­mer in der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik bei­na­he ge­sprengt hät­te. Die CSU hat sich schon bei ih­rer Jah­res­auf­takt­klau­sur im baye­ri­schen Klos­ter See­on vor ei­ner Wo­che un­ge­wohnt kon­zi­li­ant ge­zeigt. Selbst der als har­ter Hund und ge­le­gent­li­cher Scharf­ma­cher be­kann­te CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alexander Do­brindt hat­te ei­nen Schmu­se­kurs ge­gen­über Kramp-Kar­ren­bau­er ein­ge­schla­gen.

Die CDU-Che­fin hat nun für die­sen Mon­tag CSU-Vi­ze Man­fred Weber nach Pots­dam ein­ge­la­den, den Spit­zen­kan­di­da­ten der Eu­ro­päi­schen Volks­par­tei (EVP) für die Eu­ro­pa­wahl. In ei­nem am Sams­tag ins In­ter­net ge­stell­ten Vi­deo zei­gen bei­de trau­te Ein­tracht. Weber be­teu­ert: „Kämp­fen wer­den wir!“Da­für, dass sie sich in CDU und CSU nicht mehr vor al­lem selbst be­kämp­fen, wird in der Uni­on auch der Per­so­nal­wech­sel an den Spit­zen ver­ant­wort­lich ge­macht. Wäh­rend das Tisch­tuch zwi­schen Mer­kel und dem nur noch bis Sams­tag am­tie­ren­den CSU-Chef Horst See­ho­fer we­gen der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik zer­schnit­ten war, hat vom 19. Ja­nu­ar an auch bei der CSU ein neu­er Chef das Sa­gen. An­ders als See­ho­fer sei Mar­kus Sö­der kein Recht­ha­ber – er schaue vor al­lem dar­auf, was bei den Bür­gern und sei­nen Wäh­lern an­kom­me, heißt es in der CDU. Und da­zu ge­hö­re mit Si­cher­heit kein Dau­er­streit in den ei­ge­nen Rei­hen. Auch des­halb wer­den Kramp-Kar­ren­bau­er und ihr Ge­ne­ral­se­kre­tär Paul Zie­mi­ak zum CSU-Par­tei­tag rei­sen.

Dass Kramp-Kar­ren­bau­er ge­nau weiß, wie die Mecha­nis­men der Macht funk­tio­nie­ren, zeigt sie ein paar St­un­den vor dem Tref­fen in Pots­dam. Da warnt sie in der Welt am Sonn­tag, De­bat­ten über die Kanz­ler­kan­di­da­tur der CDU sei­en „völ­lig über­flüs­sig. Wir ha­ben ei­ne Kanz­le­rin.“Und schiebt hin­ter­her, es sei ja tra­di­tio­nell das Recht des Par­tei­chefs, den Kanz­ler­kan­di­da­ten vor­zu­schla­gen: „Das galt für al­le Vor­sit­zen­den der CDU und das wird auch für mich gel­ten.“

Foto: dpa

An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er.

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