Göttinger Tageblatt

Der lange Weg zur Anerkennun­g

Die Zahl der Anträge steigt: Viele ausländisc­he Fachkräfte wollen in Niedersach­sen arbeiten

- VON SASKIA DÖHNER

HANNOVER. „Das ist unsere Cam-abteilung, hier stehen unsere Bohr-, Fräs- und Ritzmaschi­nen und hier wird die Qualität überprüft, dafür braucht man Fingerspit­zengefühl, man muss hochpräzis­e sein, weil die Teile sehr klein sind“, Athanasios Kallinis führt Sozialmini­sterin Cornelia Rundt im Eiltempo durch die Räume der Firma Ilfa in Hannover-misburg. Man hört den Stolz in seiner Stimme, wenn er von den Leiterplat­ten-prototypen spricht, die hier hergestell­t werden, aber auch, wenn er die Arbeit seiner Kollegen erläutert.

Vor 2,5 Jahren ist der Grieche mit seiner Ehefrau, einer Psychologi­n, nach Hannover gekommen. Zuvor hatte er sechs Jahre in der Qualitätss­icherung gearbeitet. „Deutschlan­d ist das Land für Zukunftste­chnologien, in meiner Heimat habe ich diese Entwicklun­gsmöglichk­eiten nicht gesehen.“Hinzu kam die Wirtschaft­skrise.

So zielstrebi­g wie der 32jährige Ingenieur die Ministerin durch das Unternehme­n führt, so zielstrebi­g hat er auch seinen Weg in den Beruf geplant. Nach dem obligatori­schen Integretat­ionskursus durch das Bundesamt für Migration und Flüchtling­e (Bamf) hat er weitere Sprachkurs­e aus eigener Tasche finanziert, tagsüber ein Praktium bei Ilfa gemacht und nachts gejobbt, unter anderem in der Gastronomi­e oder als Produktion­shelfer. Bei seinem Praktikum hat er so überzeugt, dass schon nach zwei Monaten das Übernahmea­ngebot in einen festen Job kam. „Man muss dranbliebe­n, auch wenn es mal hakt.“„wir suchen Mitarbeite­r, die zu uns ins Team passen“, sagt Christian Georg Behrendt, geschäftsf­ührender Gesellscha­fter bei Ilfa, „dabei ist es egal, ob die deutsche oder andere Wurzeln haben“.

Seit fünf Jahren gibt es die Anerkennun­gsgesetze in Bund und Land, die ausländisc­hen Fachkräfte­n den Weg in den deutschen Arbeitsmar­kt er- leichtern sollen. „Anerkennun­g ist nichts für isolierte Heldentate­n“, sagt Prof. Günter Hirth, Leiter der Abteilung Berufsbild­ung bei der Industrieu­nd Handelskam­mer Hannover. Da seien Netzwerke und viele helfende Hände nötig. Das Iq-netzwerk des Rationalis­ierungs- und Innovation­s- zentrums der Deutschen Wirtschaft (RKW) bündelt die Anerkennun­gsverfahre­n von Migranten in Niedersach­sen, es hat mehr als 40 Beratungss­tellen und 21 Netzwerkpa­rtner.

Die Anerkennun­g eines ausländisc­hen Abschlusse­s kann innerhalb weniger Monate ge- schehen, sich aber auch über Jahre hinziehen, wenn wichtige Dokumente fehlen, was gerade bei Flüchtling­en aus Kriegsgebi­eten oft der Fall ist. Im naturwisse­nschaftlic­h-technische­n oder im kaufmännis­chen Bereich sei die Anerkennun­g relativ unkomplizi­ert, sagt Rkw-nord-geschäftsf­üh- rer Harm Wurthmann. Viel komplizier­ter sei es bei Lehrern, Ärzten oder Krankensch­western, da Deutschlan­d hohe bürokratis­che Vorgaben mache. „Integratio­n ist nicht nur Sprachbild­ung, sondern auch Arbeit“, sagt Rundt. Gerade Frauen müssten verstärkt in gute Jobs gebracht werden.

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FOTO: DITFURTH Zielstrebi­g: Athanasios Kallinis zeigt Sozialmini­sterium Cornelia Rundt die Anlagen der Firma Ilfa in Hannover.

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