Mut­maß­li­cher Kinds­mör­der ge­fasst

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren lau­er­ten Hor­ror­clowns in dunk­len Ecken – kom­men sie nun wie­der?

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Li­sa Ne­u­mann

Ziel­fahn­der ha­ben am Sonn­tag in San Se­bas­tián in Spa­ni­en den 33-jäh­ri­gen Ham­bur­ger Asyl­be­wer­ber ge­fasst, der sei­ne zwei­jäh­ri­ge Toch­ter ge­tö­tet ha­ben soll. Der Pa­kis­ta­ner war schon vor dem Tod des Mäd­chens als ge­walt­be­reit auf­ge­fal­len, ge­gen ihn lie­fen be­reits Er­mitt­lungs­ver­fah­ren.

Han­no­ver. Er kam aus dem Nichts, ro­te Pe­rü­cke und Clowns­na­se, brüll­te zwei klei­ne Mäd­chen an und schwang ei­nen axt­ähn­li­chen Ge­gen­stand. Im nord­rhein-west­fä­li­schen Men­den er­schreck­te vor Kur­zem ei­ne als Clown kos­tü­mier­te Per­son zwei klei­ne Mäd­chen fast zu To­de. Die elf und zwölf Jah­re al­ten Kin­der lie­fen da­von, ei­ne der Müt­ter er­stat­te­te Anzeige. Nur we­ni­ge Ta­ge spä­ter soll in Ber­lin-wei­ßen­see ein Un­be­kann­ter, eben­falls mit Clown­s­mas­ke, ver­sucht ha­ben, ei­ne Zehn­jäh­ri­ge in sein Au­to zu lo­cken. Auch ih­re Mut­ter ging zur Po­li­zei.

Mor­gen ist Hal­lo­ween – ein Tag der Ver­klei­dung und des Sü­ßig­kei­ten­sam­melns. Auch ver­gan­ge­nes Jahr um die­se Zeit zo­gen „Gru­sel­clowns“durch die Stra­ßen und er- schreck­ten die Be­völ­ke­rung. Bun­des­weit wur­den fast 400 Fäl­le mit Hor­ror­clowns ge­mel­det, in Nord­rhein-west­fa­len wa­ren es al­lein mehr als 100. Kom­men die bös­ar­ti­gen Clowns in die­sem Jahr zu­rück?

Zu­min­dest der Ver­kauf von grau­si­gen Mas­ken könn­te dar­auf hin­deu­ten. „Die­ses Jahr sind die Mas­kie­run­gen sehr be­liebt“, sagt Sa­scha Hoff­mann, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­na­ger bei Ja­deo, ei­nem Zu­lie­fe­rer für di­ver­se Fa­schings­zu­be­hörver­sand­häu­ser. Im ver­gan­gen Jahr hat­te Ja­deo sei­ne Clowns­ver­klei­dun­gen we­gen der zahl­rei­chen Vor­fäl­le aus dem Sor­ti­ment ge­nom­men. „Wir woll­ten das nicht noch for­cie­ren“, be­grün­det Hoff­mann die Ent­schei­dung.

Be­flü­geln könn­te den Hor­ror­clown-trend die­ses Jahr noch die Neu­ver­fil­mung des Buchs „Es“von Ste­phen King. Im Film ter­ro­ri­siert Gru­sel­clown „Pen­ny­wi­se“ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Kle­in­stadt. Für die Penn­syl­va­nia Sta­te Po­li­ce Grund ge­nug zu ei­ner erns­ten War­nung an die Be­völ­ke­rung: Wer ver­däch­ti­ge Be­ob­ach­tun­gen ma­che oder ei­nen Hor­ror­clown se­he, sol­le nicht zö­gern, die ge­büh­ren­freie Hot­li­ne für Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung an­zu­ru­fen oder ei­ne ent­spre­chen­de Mail zu schrei­ben.

Ist für „gu­te“Clowns al­so end­gül­tig Schluss mit lus­tig? Die Er­eig­nis­se spiel­ten den be­ruf­li­chen Spaß­ma­chern übel mit. Der krank­haf­ten Angst vor Clowns wur­de in­zwi­schen so­gar ein ei­ge­ner Be­griff ge­wid­met, die Coul­ro­pho­bie. Von ei­nem Ima­ge­scha­den kann Patrick Adolph vom Zir­kus Charles Knie je­doch nicht be­rich­ten. „Die Men­schen sind uns nicht an­ders be­geg­net“, sagt er. Die­je­ni­gen, die sich als Hor­ror­clowns ver­klei­den fin­det er „un­mög­lich“. Das Ge­schäft mit dem Hu­mor hät­ten die Gru­sel­vor­fäl­le aber nicht be­ein­flusst. Trau­rig stimmt ihn nur das Bild, das durch den Clown als Bö­se­wicht den Kin­dern ver­mit­telt wird. „Clowns sind doch em­pa­thi­sche Men­schen, die auf ihr Pu­bli­kum ein­ge­hen und die Leu­te zum La­chen brin­gen wol­len.“La­chen ist nach Adolphs Mei­nung auch die bes­te Re­ak­ti­on auf den Ver­such ei­nes Gru­sel­clowns, Schre­cken zu ver­brei­ten. „Am bes­ten zieht man die Si­tua­ti­on auf die lus­ti­ge Sei­te, wenn es denn geht.“Ver­mut­lich wird es rund um Hal­lo­ween 2017 aber gar nicht all­zu vie­le Be­geg­nun­gen die­ser Art ge­ben. Nach Ein­schät­zung von Sa­scha Hoff­mann von Ja­deo ist die Hor­ror­clown-wel­le schon wie­der ab­ge­ebbt. Er macht das an den aus­blei­ben­den Posts in den so­zia­len Netz­wer­ken fest. „Wir ha­ben letz­tes Jahr be­ob­ach­tet, dass vie­le Men­schen zu sol­chen Ta­ten auf­rie­fen – das fehlt die­ses Jahr“, er­klärt er.

Das deckt sich mit den Er­kennt­nis­sen der Po­li­zei: „Bis­her gibt es kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass in die­sem Jahr wie­der sol­che Hor­ror­clowns un­ter­wegs sind“, sagt Rai­ner Wendt, Prä­si­dent der Po­li­zei­ge- werk­schaft. Da­her wer­de auch kei­ne War­nung her­aus­ge­ge­ben. In Nord­rhein-west­fa­len, im ver­gan­ge­nen Jahr Hoch­burg der Clown­sat­ta­cken, sieht man die La­ge eben­falls ent­spannt. „Es ist über­haupt kein The­ma“, sagt et­wa Kim Frei­gang, Spre­cher der Dort­mun­der Po­li­zei. 2015 ha­be es ei­nen „ge­wis­sen Hy­pe“um den Schre­cken­s­trend ge­ge­ben, er­klärt Frei­gang, 2016 je­doch nur noch ver­ein­zel­te Vor­fäl­le. Aus die­sem Grund glau­be er nicht, dass es die­ses Jahr zu ei­nem er­neu­ten Auf­flam­men des zwei­fel­haf­ten Trends kom­me. Aber ganz si­cher ist er sich da nicht.

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Zum Gru­seln: Ei­gent­lich sol­len Clowns die Men­schen zum La­chen brin­gen. Mit ei­nem Beil in der Hand kann ei­nem das aber schnell ver­ge­hen.

FO­TO: WAR­NER BROS.

Der sa­dis­ti­sche Clown Pen­ny­wi­se (Bill Skars­gård) treibt in Ste­phen Kings „Es“sein Un­we­sen.

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