Rhein­me­tall-pro­jek­te mit der Tür­kei lie­gen auf Eis

„Schwie­rig, ei­ne Ge­neh­mi­gung zu be­kom­men“: Kon­zern­chef war­tet auf po­li­ti­sche Ent­span­nung

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Rolf Schraa

Düs­sel­dorf. Das stark ab­ge­kühl­te Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei macht auch dem Rüs­tungs­kon­zern Rhein­me­tall Pro­ble­me. Meh­re­re an­ste­hen­de Pro­jek­te wür­den von den Re­gie­run­gen der­zeit nicht ent­schie­den, sag­te Kon­zern­chef Ar­min Pap­per­ger. Der po­li­ti­sche Spiel­raum für Ex­port­ge­neh­mi­gun­gen sei auf deut­scher Sei­te der­zeit sehr ge­ring.

„Wenn das Ver­hält­nis zur Tür­kei sich nicht ver­bes­sert, wird es schwie­rig, ei­ne Ge­neh­mi­gung von Deutsch­land zu be­kom­men“, sag­te Pap­per­ger. Die deut­sche und die tür­ki­sche Re­gie­rung müss­ten erst „wie­der viel nä­her zu­sam­men­kom­men“. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um teil­te am Wo­che­n­en­de mit, es kön­ne zu „et­wai­gen lau­fen­den An­trags- ver­fah­ren“kei­ne Stel­lung neh­men.

Zu den Pro­blem­fäl­len zählt der Rhein­me­tall-chef die tür­ki­sche Aus­schrei­bung für Kampf­pan­zer im ge­schätz­ten Wert von et­wa 7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Für die ers­te Tran­che von 100 bis 200 Pan­zern bie­tet auch ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men von Rhein­me­tall mit der tür­ki­schen BMC. Selbst für ei­ne Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit bräuch­te der deut­sche Kon­zern aber die Ge­neh­mi­gung der Bun­des­re­gie­rung. Die Ent­schei­dung über den Auf­trag soll An­fang 2018 fal­len.

Ganz si­cher pla­ne Rhein­me­tall je­doch kei­nen Bau ei­ner ei­ge­nen Pan­zer­fa­brik in der Tür­kei, sag­te Pap­per­ger. Das wür­de schon von der tür­ki­schen Sei­te nicht ge­neh­migt wer­den, weil die Tür­kei mit Blick auf hei­mi­sche Ar­beits­plät­ze nur Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men ak­zep­tie­re. Kri­ti­ker ha­ben Rhein­me­tall al­ler­dings im Ver­dacht, der Tür­kei beim Auf­bau ei­ner ei­ge­nen Fa­b­rik zu helfen.

Ein wei­te­res Pro­jekt in der War­te­schlei­fe sei die Nach­rüs­tung von Leo­pard-pan­zern der tür­ki­schen Streit­kräf­te. Es ge­he um zu­nächst 40 Fahr­zeu­ge, de­ren Schutz ge­gen Pan­zer­ab­wehr-ra­ke­ten ver­bes­sert wer­den soll. Die Tür­kei ver­fügt über fast 1300 Kampf­pan­zer, da­von gut 350 Leo­pard 2. Im Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS sei­en be­reits et­wa zehn Pan­zer durch Be­schuss mit Ra­ke­ten ver­lo­ren ge­gan­gen. Rhein­me­tall sei des­halb von der tür­ki­schen Re­gie­rung an­ge­spro­chen wor­den, es ge­be aber vo­r­erst kei­ne Ent­schei­dung, sag­te Pap­per­ger. Ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men zur Mu­ni­ti­ons­pro­duk­ti­on mit dem staat­li­chen tür­ki­schen Rüs­tungs­kon­zern MKEK wer­de seit Jah­ren dis­ku­tiert, oh­ne dass es ein Er­geb­nis ge­be.

Rhein­me­tall blei­be trotz des ver­schlech­ter­ten Kli­mas im Ge­spräch mit der tür­ki­schen Sei­te, be­ton­te Pap­per­ger. Schließ­lich sei die Tür­kei Nato-part­ner und Schutz­schild des Bünd­nis­ses im Os­ten. Po­li­ti­sche Ein­schät­zun­gen könn­ten sich sehr schnell än­dern – „sie än­dern sich schnel­ler als In­dus­trie­stra­te­gi­en“.

FO­TO: DPA

Der Leo­pard 2 – hier ein Ex­em­plar der Bun­des­wehr – soll in der Tür­kei ge­gen Ra­ke­ten­an­grif­fe auf­ge­rüs­tet wer­den.

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