Pa­ti­en­tin Pflas­ter ab­ge­ris­sen

Göttinger Tageblatt - - NIEDERSACHSEN -

Han­no­ver. „Sie ha­ben nicht an die hoch­be­tag­te, hilfs­be­dürf­ti­ge und ge­brech­li­che Frau ge­dacht, son­dern nur an die ei­ge­ne Sucht. Das ist ei­ne sehr schlim­me Sa­che.“Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin des Schöf­fen­ge­richts rich­te­te nach dem Ur­teil noch ein­mal kla­re Wor­te an Pa­nayot L., 32 Jah­re alt und ge­bür­tig aus Bul­ga­ri­en. In 17 Fäl­len, die das Ge­richt für nach­weis­bar hielt, hat­te er vom Schul­ter­blatt ei­ner al­ten Frau frisch auf­ge­brach­te Schmerz­pflas­ter ge­löst und sie durch ge­brauch­te Ex­em­pla­re er­setzt. Der An­ge­klag­te brauch­te das ind em Pflas­ter ent­hal­te­ne Opi­at für sei­ne ei­ge­ne Me­di­ka­men­ten­ab­hän­gig­keit.

Als sich die über 90-Jäh­ri­ge die schreck­li­che Pro­ze­dur schließ­lich nicht mehr ge­fal­len ließ und zu schrei­en droh­te – sie hat­te in­zwi­schen er­fah­ren, dass der Aus­zu­bil­den­de kei­ne Be­fug­nis be­saß, Pflas­ter zu wech­seln –, hielt Pa­nayot L. ihr den Mund zu, riss das Pflas­ter ab und flüch­te­te. We­gen Rau­bes, Dieb­stahl und weil sich der As­sis­tent in Aus­bil­dung Be­täu­bungs­mit­tel ver­schaff­te, ver­ur­teil­te ihn das Ge­richt jetzt zu 18 Mo­na­ten Haft, aus­ge­setzt für drei Jah­re zur Be­wäh­rung. Der al­ten Da­me schick­te L. spä­ter ei­nen Prä­sent­korb mit ei­ner Ent­schul­di­gung, die sie ak­zep­tiert ha­be. „Ich schä­me mich“, sag­te er. gum

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